Cally ging nicht sofort nach Hause. Tyrols Frau machte einen Abstecher zur Boomers Zelle. Als sie dort ankam stand die Tür offen. Der Marine unterhielt sich im Zellenraum mit seiner Wachablösung. Der Petty Officer betrat leise den Zellenraum und sah sich Sharon an. In ihr kochte die Wut. Das letzte Mal sah sie Sharon auf Neu Caprica, als sie die CNP plötzlich nachts aus ihrem Zelt holte. Sie forderte damals von Sharon Hilfe um aus der Zelle zu kommen, da zuhause Nicolas alleine war. Sie fürchtete um ihr Baby und hoffte dass ihm nichts zugestoßen war in der Zwischenzeit.
Sie sah wie die Cylonin seelenruhig malte und sie nicht beachtete. Das machte Cally Tyrol umso wütender. Sie nahm den Hörer und schlug mehrmals gegen das Sicherheitsglas. Die Insassin der Zelle wie die Wachen erschraken bei dem Krach.
„Was suchst du hier? Wie oft soll ich dich noch erschießen? Lass uns in Ruhe und geh dort hin wo du hingehörst – du verdammter Toaster! Ich bring dich noch mal um wenn du hier raus kommst! Hörst du Boomer, du kommst erneut in einem Leichensack hieraus!!!“
Marines nahmen die aufgebrachte Cally an den Armen und schleppten sie raus. Dabei trat sie immer wieder nach Boomer, obwohl sie genau wusste dass ihre Tritte keine Wirkung haben würden. Es sollte der Cylonin nur zeigen was auf sie zukam wenn sie diese Zelle verließ.
Draußen stand Admiral Adama und sah dem Spektakel vor der Zelle zu. Cally sah ihn und beruhigte sich gezwungenermaßen.
„Was geht da vor, Petty Officer?“ fragte der Admiral nachdrücklich.
„Nichts, Sir!“
„Nach einem Nichts sieht mir das nicht aus! Wenn ich sie auch nur noch einmal in der Nähe dieser Zelle sehen sollte werde ich sie in die Brick werfen. Sie haben hier nichts verloren und auch nichts zu wollen. Verschwinden sie bevor ich mich vergesse!!“
Eiskalt sah er die junge Frau an. Sie traute sich nicht einmal was zu sagen. Sie blickte nur noch einmal in den Zellenraum hinein. Sharon hatte sich wieder gesetzt und fuhr mit ihrer letzten Tätigkeit fort. Adama nahm Cally Tyrol am Arm und zog sie weg. Seine Marines und die Wachen gingen hinein.
Boomer blickte sehr verwundert da sie nicht mit Besuch rechnete, vor allem nicht ein zweites Mal von Admiral Adama.
Die Wachen öffneten die Tür und fesselten ihre Hände mit schweren Handschellen. Erst als Admiral Adama überzeugt fühlte dass die Lage sicher war ging er zu ihr hinein. Die 8 setzte sich auf das Bett und blickte ihn an. William Adama stand da und starrte sie ebenfalls an. Aus seiner Hosentasche holte er ihre Zeichnung hervor und schmiss sie auf das Bett.
„Wie viele Cylonen hätten da auf uns gewartet? Reden sie!“
„Kein einziger, noch nicht!“ antwortete Boomer.
Adama drehte sich um und verließ wortlos die Zelle. Sharon sprang auf und klopfte an die Scheibe. Sie ahnte recht schnell dass er ihr keinen Glauben schenkte oder mehr Informationen wollte. Sie kannte einige Angewohnheiten des Admirals und ließ sich darauf ein.
„Sie sind auf dem richtigen Weg, aber die Cylonen sind ihnen dicht auf den Fersen. 3 Basisschiffe, darunter Gaius Baltar. Sie wissen bescheid!“
William Adama blieb am Türrahmen zum Zellenraum stehen und drehte sich um. Sharon hielt das hingeworfene Papier in der Hand und zeigte auf das Bett. Der alte Mann überlegte wie er vorgehen sollte. Nach einem kurzen Augenblick entschied er sich ihrer Worte zu lauschen und anschließend zu entscheiden. Dabei behielt er stets die Chronos im Hinterkopf.
Mit den Marines betrat er erneut die Zelle und setzte sich auf das Bett. Sharon reichte ihm das Blatt Papier und behielt dabei einen Sicherheitsabstand ein. Eines wusste sie mit Sicherheit, der alte Mann würde nicht zögern sie auch nur bei einer falschen Bewegung zu töten.
„Ich höre ihnen zu. Und ich rate ihnen mich nicht auf eine falsche Fährte locken zu wollen. Denn jede Lüge wird ihnen teuer zu stehen kommen, das verspreche ich ihnen.“
Sharon vergoss einige Tränen. Sie fühlte in sich die Liebe zum alten Mann und gleichzeitig sah sie vor sich wie sie ihn im CIC erschoss. Sharon konnte sich nicht erklären woher ihre plötzliche Wandlung kam, aber sie nun mal da. Er blickte sie nur gleichgültig an. Sie konnte ihn seinen Augen nicht lesen was er dachte oder vorhatte. Er blickte sie einfach nur an.
„Ich warte, meine Geduld neigt sich dem Ende zu.“
„Keine Cylonen, nicht auf dem Kurs den ich ihnen gegeben habe. Wenn doch, steht es ihnen frei meinem Leben ein sofortiges Ende zu bereiten. Ich habe nichts mehr zu verlieren. Sie werden die Chronos finden und sehr wahrscheinlich Reparaturen durchführen.
Dieses Tor ist nicht cylonischen Ursprung, aber wurde für ihre Zwecke umgewandelt. Sie können nur mit diesen Codes rein und raus. Keine großen Schiffe, sonst sendet dieses Tor ein Signal aus und es würde nicht lange dauern bis eine Flotte hier wäre. Ein Raptor ist schnell hindurch und das Sprungfeld schließt sich ohne ein Ton von sich zu geben.“
Er schaute sie argwöhnisch an. Er wusste nicht ob er ihren Worten trauen konnte, dennoch wollte er mehr erfahren um sich ein Bild machen zu können. Vor allem wie sie und Athena über dieselben Informationen verfügten – wobei Lt. Agathon nicht aktiv auf sie zugreifen konnte.
„Was ist die Chronos?“ fragte er weiter.
Sharon verzog ein wenig die Miene und lachte innerlich über diese ein wenig hinterhältige Frage.
„Ein experimenteller Kampfstern. Sie wissen genau wer oder was die Chronos ist, Sir. Aber die Cylonen wissen es nicht.“
Unter ihrem Block holte sie eine schematische Zeichnung hervor. Aus ihrem Gedächtnis heraus zeichnete sie die Chronos nach. Als Adama die Zeichnung sah war er mehr als besorgt. Nur wenige bekamen die Chronos zu Gesicht und diese Cylonin hatte ihn exakt nachempfunden.
„Und das soll ich ihnen abkaufen?“
„Das ist ihre Entscheidung, Sir. Sie ist da, ich weiß es!“
„Woher?“
„Kann ich ihnen nicht sagen, ich weiß es einfach.“
Er blickte Sharon an und konnte erkennen dass sie die Wahrheit sagte. Sein Gespür sagte ihm das es so war wie sie es ihm schilderte. Aber warum tat sie es, diese Frage bereitete ihm erst Recht Kummer. Wenn es keine Falle der Cylonen war, was war es dann? Was wollte Sharon damit bezwecken? Seine Augen sahen erneut die Zeichnung an und ihm kamen noch mehr Fragen in den Kopf.
„Was ist da? Warum ist es für die Cylonen so wichtig?“
„Menschenkolonien, aber auch der Tod der Flotte wenn sie sich dorthin begeben. Sie müssen auf der Hut sein, Admiral, denn die Flotte wird verraten und viele Narren werden dort den Tod finden. Ich schreibe ihnen nichts vor, Sir. Ich habe ihnen gesagt was sie dort finden werden. Es obliegt ihrer Entscheidung ob sie meine Hilfe annehmen oder nicht. Wenn ich wollte dass sie oder die Flotte sterben, würde ich nicht ein Basisschiff sprengen, zur Flotte fliegen und mein Volk verraten. Sie werden die richtige Entscheidung treffen, das weiß ich.“
Adama packte das Papier ein und stand auf. Die Marines sicherten die Gefangene. Er blieb aber an der Tür stehen da eine Frage ihn doch noch interessierte. Vor kurzem war es ihm egal, doch er wollte seinen Feind verstehen um sein Handeln beschreiben zu können.
„Warum tun sie das? Woher waren sie sich sicher dass man sie nicht sofort erschießt wenn sie mit ihrer traurigen Story hier in der Flotte auftauchen?“
„Wusste ich nicht, Sir!“
Der Admiral nickte kurz. Für ihn war das Gespräch beendet. Noch länger mit ihr in einer Zelle und Cottle hätte eine weitere Leiche zur Obduktion auf seinem Tisch.
„Schreiben sie mir alles auf was sie wissen, und ich meine alles! Insbesondere über Gaius Baltar, da es mich brennend interessiert was dieser verfluchte Mistkerl auf einen ihrer Schiffe zu suchen hat. Ich erwarte ihren Bericht in einer Stunde!“
Die Wachen lösten ihre Handfesseln. Sharon begann sofort auf einem leeren Papier ihr Wissen aufzuschreiben. Der Admiral stand an der Tür zum Zellenraum und beobachtete das Verhalten der Cylonin. Sie schrieb als würde ihr Leben davon abhängen.
Saul riss ihn aus seinen Beobachtungen als er auf seine Schulter klopfte.
„Sir, die ersten Raptor sind raus. Ich habe der Präsidentin Landeerlaubnis erteilt. Sie erwartet sie in ihrem Quartier. Ich denke es geht um das Essen.
Was denken sie gerade?“
Der Admiral sah seinen XO an und versuchte noch seine Gedanken zu ordnen und zu verstehen was eben in der Zelle passierte.
„Saul, hat Athena je bereitwillig alles über die Cylonen preisgegeben?“
„Nicht das ich wüsste, Sir! Vielleicht erzählt sie dem Cylonenliebhaber mehr als uns! Warum, tut es dieses Ding etwa?“
Bei dieser Frage sah er mit dem Admiral in die Zelle. Boomer schrieb immer noch und hatte fast ein ganzes Blatt Zeichenpapier voll geschrieben. Sie wusste dass sie beobachtet wurde, ließ sich aber nicht ablenken und tat genau dass was ihr „befohlen“ wurde.
„Sie tut es, und genau das bereitet mir Sorgen!!“













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