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View Full Version : Story Operation: Invasion!!!



Davy Jones
19-06-2008, 09:19 AM
Nach längerem Überlegen, habe ich mich dazu entschlossen, meine Story auch hier auf TXU zu veröffentlichen. Ich bitte jedoch darum, hier keine Antworten zu posten, dazu ist das Ego-Forum da. Hier der Link (http://forum.egosoft.com/viewtopic.php?t=190799&start=0&sid=fe4334a189c925801266675a9cde30f6)!

Los geht's!

Kha'ak-Begriffe:

Kha Das Volk
ak Angehöriger => Kha´ak = Angehöriger des Volkes
ridium Kostbarstes Metall
lisch Junges Wesen
kania Heimat
linia Labor
vornia Raffinerie
ronia Tempel
tania Werkhalle
soria Nahrungsfabrik
sun Sonne, auch synonym verwendet als Stern
sug Große Zeit-Messeinheit (1,4 Jahre)
dusch Mittelgroße Zeit-Messeinheit (83 Tage)
tuk Mittlere Zeit-Messeinheit (26 Stunden)
fak Kleine Zeit-Messeinheit (40 Minuten)
tik Kleinere Zeit-Messeinheit (2 Minuten)
nik Kleinste Zeit-Messeinheit (17 Sekunden)
pin Mittlere planetare Längeneinheit, ca. 900m
dang Große planetare Längeneinheit, ca.150 km
rak Kleine stellare Längeneinheit, 14978 km
jon Schwachsinnger
Khir Nicht-Volk
kova Die Schiffsbauer, Selbstbez. des 2. Stammes

Wichtige Begriffe:

Kha´ak´kania legendäre Heimat des Volkes, im Bürgerkrieg zerstört
Tania´kova´ak Minenplanet des 2.Stammes, dort werden fast alle Schiffsbauressourcen gewonnen
6. Stamm ausgelöschter Stamm der Krieger und Wächter
Planetenzerstörer ein Kha´ak M0
Kha´ridium Nividium, Fragmente Kha´ak´kanias, heilig
Kha´sun Sonne im Heimatsystem
5. Stamm Stamm der Priester, Sektor ist das H.-System
4. Stamm Stamm der Farmer, für Nahrung verantwortlich
3. Stamm Stamm der Forscher, exzellente Wissenschaftler
2. Stamm Stamm der Schiffsbauer, gelten als feige
1. Stamm Stamm der Bergbauer, Mineraliengewinnung
Kha´tania Mega-Schiffswerft des 2.Stammes, Hauptstation
Kha´soria Hauptstation des 4. Stammes
Kha´vornia Hauptstation des 1. Stammes
Kha´linia Hauptstation des 3. Stammes
Kha´ronia Hauptstation des 5. Stammes
Mutter Einziges Weibchen im Kha´ak-Stamm, Anführerin
Zweistelliger Berater der Mutter
Dreistelliger Wichtiger Funktionär oder auch GKS-Kommandant
Vierstelliger Offizier oder auch Geschwaderführer, Büroleiter
Fünfstelliger Bomber- oder Eingreiferpilot, selbständig arbeitend
Kha´lisch Nummernloser Jung-Kha´ak
Kha´jon Schwachsinniger/Versager, nummernl. erw. Kha´ak
Khir´jon Dummer/Nerviger Fremdling




PROLOG (Teil 1):

Nummer 22095 saß in seinem Bomber versteckt hinter einem Asteroiden weit entfernt von den seltsamen Raumtoren, die die Invasoren benutzten. Der Sektor, in dem er sich befand, war sehr belebt und wurde, wie er wußte, Trantor genannt, auch wenn er selbst dieses Wort niemals würde aussprechen können. Wozu sollte er das auch? Das Volk kommunizierte größtenteils durch die Kraft seiner Gedanken, nur wenn etwas Neues zu erklären war, benutzte man die wispernde Hochfrequenzsprache, die die anderen Wesen häufig als statisches Rauschen in Kom-Systemen mißdeuteten. Dadurch war das Volk in der Lage gewesen, auch die Langstreckenkommunikation ohne Probleme zu betreiben, während man sich im feindlichen Raum aufhielt. Genau das geschah auch wieder in diesem Augenblick: "22095, wo steckst du? Hast du neue Daten? Hier 42967 an Bord von Zerstörer 883, melde dich!" Gehorsam griff 22095 zum Kom-Schalter, denn die Befehlsstruktur des Volkes duldete keinerlei Widerspruch: "Hier 22095, keine Veränderungen, Feinde haben weiterhin keinen Verdacht geschöpft. Offenbar ist Ihnen ein Sprung ohne Ihre Tore nicht möglich, die werden kaum begreifen, was Sie trifft." "Ruhig, 22095, unsere Daten sind nicht besonders umfangreich, unsere Daten über ihre Waffensysteme allenfalls lückenhaft. Halte weiter Ausschau, ob du nicht doch noch was wichtiges erkennen kannst. 42967 Ende." 22095 dachte nach: lückenhafte Daten bedeuteten, daß man noch nicht alles wußte, was man hätte wissen müssen. Trotzdem hatten die Mütter den Angriff befohlen. Er selbst fand das zu früh. Sofort zischte er laut durch seine Mandibeln: wer war er denn, die Entscheidung einer Khaak-Mutter anzuzweifeln? Ihre Weisheit war unendlich und er selbst nur ein kleiner Pilot. 22095 wurde mulmig: das Volk war seit Ewigkeiten nicht mehr in den Kampf gezogen, da es keinen Grund gab, zu kämpfen. Eindringlinge waren immer so schnell vernichtet worden, daß Sie niemanden Informationen über die Lokation des Reiches der 5 Khaak-Stämme geben konnten. Bis...ja, bis eines Tages diese Wesen mit der seltsam glanzlosen Haut und den 3 merkwürdig facettenlosen Augen aufgetaucht waren und angefangen hatten, die heiligen Stätten des Volkes zu plündern, bevor man eine entsprechend ausgerüstete Flotte hatte schicken können. Ach ja, zuvor war da ja noch jenes Wesen gewesen, das zu der Rasse gehörte, die diesen Sektor hier ihr eigen nannte. 22095 fing an zu überlegen und sich ins Gedächtnis zu rufen, wie das alles angefangen hatte.

Davy Jones
19-06-2008, 09:22 AM
Kapitel 1, Sektor des Stammes der Forscher, 1 Kha´sug zuvor

Ein einsamer Späher.
Lautlos glitt er durch den Raum, immer darauf bedacht, allen möglichen Trümmern, die hier herumschwirrten, auszuweichen. Seine kompakte Form machte ihn dafür wie geschaffen. Zwar hatte er aufgrund seiner kristallinen Form diverse Ecken und Kanten, doch die Grundform einer Art Kegel blieb erhalten. 32874, der Pilot des Eingreifers, wie diese Formation genannt wurde, langweilte sich zu Tode. Denn im Gegensatz zu den Piloten in den Erkundern, die sich in Stasis versetzt hatten, war er dazu verdammt, wach zu bleiben. Seit 2 Kha´dusch nun schon geisterte sein Schiff durch die Außenbereiche des Sektors, immer auf der Suche nach etwas, das hier nicht hergehörte. Manchmal hoffte 32874 sogar darauf, daß etwas passierte, wenn auch nichts großes so doch etwas, das Abwechslung in den trüben Alltag brachte. 32874 schaute auf die Karte: 7 mal hatte er während seiner Abkommandierung zur Außenpatroullie den Sektor umrundet, in dessen Zentrum er Kha´Linia wußte, die große Hauptstation seines Stammes, wo man alles fand, wonach sich ein Angehöriger des Volkes sehnen konnte: Holzbrei mit allerlei Gewürzen, Traumkristalle und Schmuck aus Kha´ridium, dem heiligen Metall, das nur von einigen wenigen Ausgewählten abgebaut werden durfte. Aber 32874 war nun einmal hier draußen, weit fort vor jeder Art von Belustigung. Abwesend glitt sein Blick wieder über den Scanner, da stand plötzlich sein Körper unter Strom: da war ETWAS! Und dieses etwas gehörte nicht hierher. 32874 erkannte es daran, daß das Objekt langsamer wurde, denn das bedeutete, daß es gesteuert wurde. Er griff zu den Kontrollen und schaltete die Triebwerke ein, die seit langem geschwiegen hatten, da eine Beschleunigung nicht vonnöten war. Zudem war es Zeit, die anderen Faulpelze aufzuwecken. 32874 schickte einen Energiestoß in die Erkunder, die die Piloten aus ihrer Stasis weckte. Nur wenige Momente später ging das Gemecker schon los: "Was ist denn jetzt schon wieder los?" "Ich hab´ Hunger." "Mein Kopf tut weh." Undankbare! 32874 war genervt. Er selbst trug immerhin eine Nummer, während die anderen noch Kha´lisch waren, Heranwachsende, die sich Ihre individuelle Nummer erst noch verdienen mußten. Und er hatte die Aufgabe, diese Grünmandibeln zu kommandieren, wirklich großartig! "Ruhe im Bau!" herrschte er sie an, "unbekanntes Flugobjekt wurde entdeckt, wir werden uns das anschauen."

2 Kha´fak später war sich 32874 sicher: Das Flugobjekt hatte ihn zum einen nicht bemerkt, zum anderen schien seine Flugbahn zwar zufällig zu sein, aber trotzdem näherte es sich mit beachtlicher Geschwindigkeit dem Sektorzentrum. Das durfte nicht zugelassen werden! Niemand durfte das Innere des Sektors erreichen, solange man nicht zum Volk gehörte. 32874 aktivierte den Subraum-Kommunikator, der Nachrichten mit Überlichtgeschwindigkeit versenden und auch empfangen konnte. "Eingreifer-Pilot 32874 ruft Kommandozentrum Kha´linia, bitte melden." Wenig später antwortete eine ziemlich barsche Stimme: "Hier 392, was gibt´s denn so wichtiges, daß Sie denn Subraumer benutzen und mir so meine Zeit stehlen?" 32874 plusterte seinen Rückenpanzer auf, um sich Luft zuzufächern. Er hatte einen Dreistelligen am anderen Ende. Die Dreistelligen waren die absolute Elite im Volk! Darüber standen nur noch die Berater der Mutter, die zweistellige Nummern hatten und die Mutter selbst, die die Nummer des Stammes trug, somit trug ihrer beider Mutter die Nummer 3. Aber jetzt mußte er erst einmal antworten:" Ja, 392, Sir, unbekanntes Flugobjekt mit Generalkurs Sektorzentrum gesichtet, bisher kann ich nur sagen, daß es ein Raumschiff ist." Ein kurzes Schweigen am anderen Ende der Leitung, dann kam die Antwort: "Gut, das rechtfertigt den Einsatz des Subraumers. Haben Sie das fremde Schiff bereits auf Emissionen überprüft, bzw. sendet es irgendwelche Signale aus?" "Werde das sofort überprüfen, Sir!" antwortete 32874. Dann stellte er die Scanner ein und überprüfte das Schiff. Etwas war allerdings merkwürdig: das Schiff sendete ein Positionssignal aus. Das wäre für einen Aufklärer nun an sich nichts ungewöhnliches, aber die Signatur des Signals unterschied sich grundlegend von der des Scanners, den das fremde Schiff benutzte, so als wenn der Positionsmelder eigentlich nicht zu dem Schiff gehören würde. 32874 teilte das Ergebnis 392 mit. Dieser zögerte mit seiner Antwort, erteilte dann aber einen Befehl, mit dem 32874 niemals gerechnet hatte: "Zugriff, bringen Sie mir die Passagiere, lebend!" Lebend? Wozu, fragte sich 32874. Nun, egal, er hatte den Befehl so erhalten, also würde er ihn auch so ausführen: "An alle Piloten, Eingreifer Formation auflösen, wir haben den Befehl, das fremde Schiff zu stoppen und die Wesen darin lebend gefangenzunehmen. Feuert mit den Kyonen auf das Triebwerk, um es zu überlasten und eine Notabschaltung zu provozieren. Danach entern wir den Kahn!" "Lebend?" fragte einer der Piloten. "Muß ich hier meine Befehle wiederholen, Kha´lisch?" herrschte 32874 zurück. "Nein, Sir!" Ein Ruck zeigte an, daß die Erkunder sich vom Bomber lösten. Durch die Kristallscheiben konnte 32874 sehen, wie sich die kleinen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit dem fremden Schiff näherten, während er mit dem Bomber hinterherflog und die Raketen durchlud. Sollten das mit dem Triebwerk ausschalten nichts werden sollte, würde er den Fremden ordentlich durchschütteln, um ihm klarzumachen, daß er nicht gewinnen konnte.

Als 32874 den Fremdling erreichte, sah er, das die Kha´lisch ihren Job bereits erledigt hatten und sich nun an die Außenhülle des antriebslos treibenden Schiffes geheftet hatten. "Erkunder 1, wie ist der Status, antworte, Kha´lisch!" "Sir, die Außenhülle ist ziemlich zäh, während wir die Schilde mit unseren Waffen sehr schnell zerfetzt hatten. Es ist nur ein Wesen im Schiff, das ununterbrochen spricht, offenbar in eine Kom-Anlage." "Aufzeichnen!" befahl 32874. Sofort erhielt er die Bestätigung. Ein wenig Zeit verging, während er auf eine Meldung bzgl. einer Veränderung des Status wartete, dann kam die Meldung: "Außenhülle durchbrochen, Wesen gefangen, hatte keine Chance gegen unseren Mentalangriff!" "Komme an Bord", antwortete 32874. Er dockte an einen der Erkunder an und kletterte dann durch diesen in das Schiff. Nun konnte er den Gefangenen sehen: er, oder es, hatte keinen Panzer, auch seine Augen waren nicht facettiert. Andererseits übertraf es das Volk deutlich an Körpergröße. Das einzige, was dem Volk ähnlich war, waren die glänzenden Fäden, die am Kopf des Wesens hingen. 32874 schüttelte sich angewidert: "Also dann, verfrachtet das Wesen in einen der Erkunder und dann ab nach Kha´linia. Ich werde das Schiff dann zerstören."

Wenig später war man im Formationsflug richtung Kha´linia unterwegs. Befriedigt nahm 32874 den grellen Lichtblitz hinter sich wahr, als die Rakete das Schiff traf und in tausend Teile zerfetzte. Das Schiffslogbuch, das unbeschädigt unter diesen Teilen war, bemerkte er nicht.



Kapitel 2: Kha´Linia, Hauptstation des Stammes der Forscher

„Ekelerregend!“ Dieses Wort von 392 sagte aus, was alle Anwesenden vor der Gefängniszelle dachten. Das Wesen, was dort mit weit aufgerissenen Augen vor ihnen stand, verletzte durch sein reines Aussehen alle Gesetze der Ästhetik. 32874 fragte sich, was das Wesen wohl von ihnen dachte, denn schließlich konnte es keinen Laut von der Unterhaltung hören, da diese nicht im Schallbereich lag. Von seiner Warte her mussten sie wirken wie eine Gruppe Wesen, die schweigsam vor ihm stand und mit den Fühlern wedelte. Aber dennoch fühlte sich 32874 wohl. Endlich wieder in zivilisierter Umgebung und nicht mehr weit draußen im leeren Raum. Kha´Linia war eine wahrhaft gigantische Station. Bestehend aus Segmenten, die aus gleichseitigen Fünfecken geformt waren und verbunden durch Verbindungsgänge mit fünfeckigem Querschnitt, war die Station größer als die meisten Asteroiden. Jede Sektion hatte dabei ihre eigene Funktion wie z.B. Gastronomie, Bildung, Handwerk, wie auch die verschiedenen Abteilungen der Regierung des Stammes. Ganz im Zentrum schließlich, im größten Segment, hauste die Mutter mit ihren 9 Beratern, die auch gleichzeitig die Minister waren. Momentan befand sich 32874 aber am Rande der Station in einer Abteilung des Militärs. Dieses war bei allen größeren Stationen traditionell außen angesiedelt, um im Notfall schnell eingreifen zu können. 392s Worte rissen 32874 aus seinen Gedanken: „Würde doch nur zu gerne wissen, wo dieses – nun – Ding herkommt und vor allem, was es hier gewollt hat. Denn eines steht fest: da wir noch nie einem Wesen wie diesem begegnet sind, kommt es von weit her und ich bezweifle, dass es sich einfach nur zu uns verirrt hat!“ „Vielleicht hat es etwas bestimmtes gesucht“, mutmaßte 32874. 392 überlegte: „Wenn das der Fall wäre, dann hätte es wissen müssen, dass es hier suchen muß. Wie gesagt: ich glaube nicht, das es zufällig hier vorbei kam.“ „Und wie kriegen wir nun die Wahrheit raus?“ Bevor 392 antworten konnte, dröhnte eine Stimme durch ihre Köpfe: „Was, bei den Göttern, ist hier eigentlich los?“ und kurz danach wurde die Tür aufgerissen und ein recht großer Kha´ak betrat den Raum. 32874 erkannte ihn nicht, aber 392 wußte sofort, wen er vor sich hatte: 37, Minister für Verteidigung und innere Sicherheit und zudem zurzeit der Paarungsfavorit der Mutter. „37, Sir, wenn ich gewusst hätte, dass Euch dieser Fall so sehr interessiert...“. „Ruhe, Sie Staubmilbe, sagen Sie mir lieber, woher Sie diese Kreatur haben!“ 392 schilderte in knappen Worten die von 32874 durchgeführte Aktion. 37 dachte nach: „Hm, es ausfragen erscheint mir auch sinnvoll. Ich denke, es ist das einfachste, wenn ich das selber tue.“ „Sie, Sir?“ fragte 32874 neugierig. „Sie sind nur ein Fünfer, 32874, ich erwarte nicht, dass Sie alles verstehen, was ich tue, aber ich würde es begrüßen, wenn Sie mich nicht noch einmal stören würden, sonst lasse ich Sie morgen in die Suppe rühren!“ Angesichts dieser Drohung sagte 32874 lieber nichts mehr. 37 trat auf das Wesen zu und sprach es in der Audio-Sprache an: „Wer bist du?“ 32874 konnte zwar die Mimik des Wesens nicht deuten, vermutete aber, dass es Unverständnis ausdrückte. Dann sagte das Wesen sogar etwas, aber keiner von ihnen verstand irgend etwas. 37 erklärte dafür, was er nun vorhatte: telepathische Verschmelzung! Diese Fähigkeit, die nur wenige im gesamten Volk beherrschten, erlaubte es ihm, auf niederer Geistesebene die fremden Worte verständlich zu machen und auch die Sprache des Volkes für das fremde Wesen verständlich zu machen. „Ich werde euch alle daran teilhaben lassen, damit ich nachher vor lästigen Rückfragen geschützt bin. Er wandte sich wieder dem Wesen zu, konzentrierte seine Geisteskräfte und fing dann an zu sprechen: „Verstehst du mich? Hörst du mich?“ 32874 war überrascht, als nur wenig später tatsächlich eine Antwort kam: „Ich verstehe dich, wer oder was auch immer du bist!“ „Ich würde dir raten, förmlich zu sein und mich mit Sir anzusprechen, wenn du dein Leben verlängern willst!“ fauchte 37 zurück. Dann fuhr er etwas ruhiger fort: „Wer bist du und was willst du in den Sektoren des Volkes?“ „Mein Name ist Kyle William Brennan und Sektoren des Volkes? Ich weiß ja nicht einmal, wer ihr seid. Ich war auf der Suche nach einem bestimmten Schiff, und hoffte, es hier finden zu können.“ „Was für ein Schiff?“ „Es heißt AP GUNNER und ich habe seine Signatur verfolgt und die führte mich hierher. Es sieht dem Schiff, das ich geflogen bin recht ähnlich.“ 37 dachte scharf nach. Er hatte mal was von einem unbekannten, führerlosen Schiff gehört. Wenn er sich recht erinnerte, war es von einem Pioniertrupp vom 1. Stamm, dem Stamm der Bergbauer, gefunden worden. 37 löste seine Verbindung und sprach 392 an: „392, stellen Sie mir eine Subraum-Verbindung nach Kha´Vornia her, der Hauptstation des Stammes der Bergbauer und das bitte zügig!“ „Ja, Sir!“ 37 vibrierte mit den Fühlern, denn ihm war eine brilliante Idee gekommen, wie man die Heimat dieses Wesens ausfindig machen könnte um mal zu schauen, was es sonst noch im Universum gab.

Davy Jones
19-06-2008, 09:24 AM
3. Kapitel: Kha´Linia, Hauptstation des Stammes der Forscher

37 stand kurz vor einem Tobsuchtanfall! So viel Autorität er hier im Sektor auch hatte, so wenig hatte er davon im Sektor des ersten Stammes. Momentan hatte er einen Bürokraten namens 16498 am Kom und der löcherte in mit belanglosen Fragen trotz 37s Hinweis auf die Dringlichkeit seines Anrufs. Jetzt wurde 37 gar gefragt, wann er das letzte Mal eine Kom-Anfrage an Kha´Vornia gerichtet hatte. Ihm platzte der Kragen: „Jetzt hören Sie mal, Sie Asteroidenwanze, ich will mit 17 sprechen, es geht um Belange der Sicherheit des gesamten Volkes und wenn Sie mich jetzt nicht mit ihm verbinden, veranlasse ich eine offizielle Beschwerde gegen Sie! Habe ich mich klar ausgedrückt?“ Schweigen am anderen Ende, dann kam zurück: „Der Stamm der Bergbauer mag es nicht, wenn man ihn beleidigt!“ „Nun, Sie haben das ja auch provoziert. Bekomme ich jetzt meine Verbindung zu 17 oder nicht?“ „Einen Moment Sir!“ 37 entspannte sich und fächerte sich mit seinem Panzer Luft zu. Dann aber musste er sich konzentrieren, denn er hatte jetzt eines der seltenen Gespräche mit einem der mächtigen eines anderen Stammes vor sich.

„Hier spricht 17, wer stört mich beim Essen?“ Na großartig, dachte sich 37, da rufst du einen der Mächtigen an und störst ihn dann beim Essen! Das war nicht unbedingt die beste Basis für ein Gespräch. „17, Sir, hier spricht 37, Ihr Gegenstück vom Stamm der Forscher.“ „Ist nicht wahr, einer der versnobten Forscher lässt sich tatsächlich dazu herab, mit den Malochern des Volkes zu reden!“ 37 entging der sarkastische Unterton in 17s Stimme nicht. Klar, der 1. Stamm war derjenige, der am meisten körperliche Arbeit ausführte, während sein eigener Stamm eine Ansammlung von Gelehrten und Kampfpiloten war. Die anderen lagen dazwischen. Der 2. Stamm, der Stamm der Schiffsbauer, brachte die besten Ingenieure hervor. Zusätzlich zum einfachen Schiffsbau war der Stamm auch für den Bau von Raumstationen zuständig. Insgeheim galten Sie im Kampf als Feiglinge, aber ohne sie gäbe es erst gar keinen Kampf. Der Stamm der Farmer war der vierte Stamm. Zwar produzierte jeder Stamm eigene Nahrungsmittel, aber alles, was über die Grundnahrungsmittel hinausging, stammte aus den Stationen des vierten Stammes. Zu guter letzt war da dann noch der 5. Stamm, der Stamm der Priester, dessen Aufgabe es wahr, den Glauben zu wahren und Glaubensfragen zu lösen. Das alles hatte das Ziel, eines Tages die Gunst der Götter zurückzugewinnen. Im Volk glaubte man nämlich, dass die Götter den Schutz vom Volk genommen hatten. Grund dafür waren die Taten des nicht mehr existierenden 6. Stammes gewesen. Dies war einst der Stamm der Wächter und Krieger gewesen. Vor hunderten von Kha´Sug, also der Zeitspanne, die das Licht der Heimatsonne brauchte um zur nächstgelegenen Sonne zu kommen, die man früher als Sitz der Götter betrachtete (Der Abstand beträgt in etwa 1,4 Lichtjahre), hatte der 6.Stamm die Alleinherrschaft angestrebt. Dies erfolgte mit der Begründung, dass man ja schließlich für sämtliche, und immer siegreichen, Gefechte des Volkes verantwortlich war und daher ein natürliches Recht auf die Herrschaft hatte. Das hatte, nach der Weigerung der anderen Mütter dem nachzugeben, zu einem katastrophalen Bürgerkrieg geführt. Die anderen Stämme hatten keine Truppen gehabt und erlitten schreckliche Verluste, bevor eine wirksame Verteidigung organisiert worden war. Letzten Endes war es zu einer größenwahnsinnigen Aktion des 6.Stammes gekommen. Die Mütter der anderen 5 Stämme hatten sich, um Kriegsrat zu halten, auf Kha´ak´kania, der Heimatwelt des Volkes getroffen. Urplötzlich tauchte die Hauptstreitmacht der Krieger auf. Die Mütter wurden sofort evakuiert, gerade noch rechtzeitig, bevor der Planetenzerstörer des 6.Stammes die geliebte Heimat vernichtete in der Hoffnung, die anderen Stämme führerlos zu machen. Letzten Endes gelang es dann den vereinten Streitkräften der anderen 5 Stämme, den Planetenzerstörer zu vernichten und 2 Kha´Sug später auch die letzten Bastionen des Stammes der Krieger auszulöschen und den Stamm ein für allemal zu vernichten. Die Reste Kha´ak´kanias gelten seitdem als heilige Relikte und werden von den Priestern streng bewacht. Auch dem Stamm der Bergbauer war es nur unter strenger Beobachtung gestattet, das Kha´ridium, aus dem Planet größtenteils bestanden hatte, zu fördern. 37 versuchte, so freundlich wie möglich zu sein: „Sir, ich kontaktiere Sie, weil Sie eine für uns wichtige Information besitzen. Vielleicht ist diese Info sogar wichtig für das ganze Volk.“ „Wirklich! Und was könnte das sein?“ 37 schilderte nun die ganzen Ereignisse um den fremden Piloten und schloß: „Er muß nach dem Schiff gesucht haben, das einst herrenlos durch Ihren Sektor trudelte. Welche Informationen haben Sie über dieses Schiff?“ „Hm, nicht viel. Es ist ein Schiff von recht rückständiger Bauart, keine Ladung, keine Besatzung. Die Speicherbänke des Schiffes waren zwar voll, aber da eine Gedankenverschmelzung mit einer Maschine nicht funktioniert, sind diese Informationen für uns nicht zugänglich.“ 37 dachte nach. Wahrscheinlich hatte das Wesen, das sie gefangen genommen hatten, nach diesen Daten gesucht und das bedeutete, dass es sie auch verstehen musste. „17, Sir, mir kommt gerade der Gedanke, dass wir das gefangene Wesen die Daten für uns identifizieren lassen könnten!“ „Und warum sollte es so etwas tun?“ „Wir bieten ihm die Freiheit an. Das muß ja nicht stimmen, aber so erfahren wir vielleicht Dinge, die für das Volk von entscheidender Bedeutung sein könnten.“ 17 schwieg eine Weile, dann sagte er: „Die Freigabe der Daten müssten von der Mutter abgesegnet werden, aber ich gebe Ihnen recht 37, wenn Sie sagen, dass diese Daten wirklich wichtig sind.“ „Ich danke Euch für Eure Bemühungen, 37 Ende.“ „17 Ende.“

32874 saß an der Bar und trank sein Zuckerwasser. Das hatte er sich ja nun auch redlich verdient, denn wer konnte schon von sich behaupten, ein fremdes Wesen aufgespürt und gefangengenommen zu haben. Plötzlich entstand Unruhe. Ein paar neue Kha´ak hatten den Raum betreten und mit einigen am Eingang geredet. Diese wedelten aber verneinend mit den Fühlern und zeigten in Richtung Bar. Die Neuankömmlinge gingen mitten in den Raum und fragten: „Welche der Anwesenden sind Kampfpiloten?“ Außer 32874 meldeten sich noch 6 Weitere. „Alle Piloten werden aufgefordert, zu Ihren Schiffen zu gehen. Wir haben keine genauen Infos warum, aber der Befehl kam von höchster Stelle!“ 32874 und die Anderen schauten einander erstaunt an. Was konnte das bedeuten? Egal, Befehl war Befehl, also auf zum Hangardeck. Dort angekommen, stellte 32874 fest, dass ein riesiges Gewusel herrschte, das so gar nicht zum sonst so disziplinierten Verhalten des Volkes passen wollte. Plötzlich kamen 2 weitere Piloten in den Hangar gerannt: „Schaut´s euch an, sie übertragen es auf die große Info-Leinwand!“ brüllten sie und alles setzte sich in Bewegung. 32874 sah einen der beiden Rufer in seiner Nähe. Er schrie über den Lärm, welcher im Äther herrschte, hinweg: „Was, bei den Göttern, ist hier eigentlich los?“ „KRIEG! ES HERRSCHT KRIEG!“



4. Kapitel: Randbereich des Sektors des Stammes der Priester

32874 flog eine langgezogene Linkskurve, um Abstand vom Trägerschiff zu bekommen. Dann sah er das Schlachtfeld. Mehrere unbekannte, mächtige Kampfschiffe, die aussahen wie eine ovale Platte mit einer Ausbuchtung nach unten, hatten eine dreieckige Verteidigungsformation eingenommen. Was 32874 bisher von Ihnen gehört hatte, war ungeheuerlich. Die Fremden hatten ganz offensichtlich mehrere der heiligen Überreste Kha´ak´kanias gesprengt, um an das Kha´ridium zu kommen. Die Schockwellen dieses Vorgangs hatten dann letzten Endes eine Patroullie des 5.Stammes aufmerksam werden lassen. Eine Schändung der heiligen Stätten war so ziemlich das Schlimmste, was es in der Vorstellung des Volkes gab. Dementsprechend hatten die Fremden keine Gnade zu erwarten und Gefangene würden diesmal nicht gemacht werden! „Staffelführer 32874“, kam es aus dem Lautsprecher, „nehmen Sie Flankenposition beim Hauptverband ein! Sie sind die zweite Angriffswelle.“ Die erste Welle war, wie 32874 erkennen konnte, in ein heftiges Gefecht mit den Schändern verstrickt, doch die großen Schiffe waren davon bisher ganz offensichtlich nur wenig beeindruckt. In diesem Moment nahm er hinter sich mehrere Große Sprungereignisse war. Dann kam die Meldung: „Hier 501, Flottenhauptkommandeur des 5.Stammes. Alle Einheiten „Feuer frei“, erledigt diese was auch immer sie sind wir werden ebenfalls feuern, sobald wir in Reichweite sind.“ 7 Zerstörer! Das musste fast die gesamte Streitmacht der eigentlich sehr friedfertigen Priester sein, dachte 32874 bei sich. Mittlerweile hatte auch er seine Position mit seinem Eingreifer erreicht. Im Gegensatz zu den endlosen Patroullien waren die Kha´lisch in den leichten Jägern diesmal hellwach, denn hier ergab sich eine Gelegenheit, sich eine Nummer zu verdienen. „Achtung, an alle, hier 2491, Geschwaderführer, greift den Feind an. Keine Gnade, keine Gefangenen. Für das Volk, für die Mutter, für Kha´ak´kania!“ Speziell der letzte Aufruf löste Begeisterungsstürme aus, schließlich hatten die Fremden das Andenken an die lang verlorene Heimat beschmutzt.

Die gegenerischen Piloten waren gar nicht mal so schlecht, allerdings konnten sie dem Volk nicht das Wasser reichen. Auch waren ihre Schiffe den Bombern, leichten und mittleren Jägern des Volkes nicht gewachsen. Vor allem erwiesen sich die feindlichen Schilde als lächerlich schwach! Selbst die schweren Flieger konnten kaum dem Speerfeuer eines Bombers des Volkes standhalten. Zudem erwies sich auch dieses Mal, dass es nach wie vor kein anderes Volk gab, das eine Waffe entwickelt hatte, welche auf großer Distanz einfach geradeausfeuerte und sehr zuverlässig traf. Der Feind hatte keine Möglichkeit, dem Beschuß auszuweichen. Plötzlich geschah aber etwas Neues. Als die Zerstörer des Volkes sich näherten, eröffneten die großen Schiffe das Feuer. Daraufhin feuerten die Zerstörer des Volkes zurück! 32874 befahl sofort: „Achtung, Piloten, Formation auflösen und jeder für sich. Paßt vor allem auf das Kreuzfeuer der Großschiffe auf! Wenn ihr da hineingeratet, seid ihr tot." In diesem Moment sausten grüne Projektile an ihnen vorbei. Die Piloten lösten sich und 32874 flog eine scharfe Wende, um genau zu sehen, was da das Feuer auf ihn eröffnet hatte. Das Ding war offenbar das Äquivalent zum Bomber des Volkes und hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit der Schere ein Krabbe. „Na warte!“ sprach 32874 zu sich selbst, mal sehen was du drauf hast. Das laute, elektronische Surren der 3 Kyonen-Geschütze erfüllte das Cockpit und 32874 sah, wir die Stahlen nur Kha´nik-Bruchteile später in die Schilde des Gegners schlugen. 32874 ließ einen Scan laufen und stellte fest, dass dieser erste Angriff die Schilde seines Gegenübers bereits auf 50 % gesenkt hatte. Jetzt durfte er nur nicht nachlassen! Erneut betätigte er den Abzug und sah, daß seine Waffen anfingen, durch die Schilde zu schlagen. Wie ein angeschossener Glanzkäfer versuchte das Ding nun zu entkommen, während 32874 plötzlich eine fremde, unverständliche Stimme auf seinem Lautsprecher hatte. Die Stimme hörte sich an wie raschelndes Laub. 32874 vermutete, dass es der fremde Pilot war, der um Gnade bettelte oder Hilfe rief. „Bete lieber“, dacht er, „die Kha´ak machen keinen Gefangenen!“ Naja, zumindest normalerweise nicht, dachte er schmunzelnd weiter und zog den Abzug durch. Die Kyonen-Geschütze feuerten erneut und der feindliche Bomber verging in einem Feuerball. Ein kleiner Jäger flog vor ihm her, 32874 feuerte und der Jäger verging. Mann, das war ja einfacher als eine Kurve zu fliegen! „Achtung, Jäger, hier 2491, feindliches Großkampfschiff explodiert! Achtet auf die Druckwelle!“ 32874 tauchte mit seinem Bomber in die Tiefe, als über ihm das Feuerwerk begann und nicht nur eines, sondern gleich zwei Großkampfschiffe der Feinde in gewaltigen Feuerbällen explodierten. Auch der Rest der feindlichen Flotte sah bereits arg ramponiert aus und es war nur noch eine Frage der Zeit, bevor der Dauerbeschuß durch die Zerstörer des Volkes auch den Rest der Feinde vernichtet hätte. 32874 zerstäubte derweil weitere kleine Jäger und zwei weitere Bomber. Plötzlich leuchtete um das mittlerweile letzte verbliebene Großkampfschiff der Feinde ein weißer Halo auf, dann war es verschwunden. Sprungantrieb! 32874 sah sich um. Das Volk hatte einen weiteren grandiosen Sieg errungen und ein beeindruckendes Schlachtfeld hinterlassen. Aber er hatte das Gefühl, dass das hier nur der Anfang gewesen war. Einer war entkommen und würde sicherlich berichten, was ihm widerfahren war. 32874 verknoteten sich seine beiden Mägen. Dunkle Tage lagen vor dem Volk!



5. Kapitel: Kha´ronia, Hauptstation des Stammes der Priester

Schon auf dem gesamten Rückflug hatte 32874 so ein Gefühl gehabt, ein Gefühl, dass irgend etwas nicht stimmte. Als die siegreiche Flotte dann auf Kha´ronia gelandet war, fand er sich sehr bald bestätigt. Die fremden Wesen hatte nicht nur an einem Punkt zugeschlagen, sondern noch an 2 weiteren. Dort waren Sie allerdings erst aufgespürt worden, als sie sich bereits mit dem erbeuteten Kha´ridium aus dem Staub machten. Daher hatte man Sie nicht aufhalten können. 32874 und die anderen Piloten waren nun in den großen Besprechungsraum der Station gerufen worden, um ihre Befehle zu erhalten. Er fragte sich, was die Führungsspitze wohl vorhatte. Würde es einen großen Krieg geben?

„Wir sind angegriffen worden, ohne provoziert zu haben! Wir befinden uns nun im Krieg! Mögen die Götter uns den Sieg schenken!“ Die Worte hallten durch den großen Raum. 501, der Oberkommandierende der Flotte des 5.Stammes, schaute in die Runde. Neben ihm stand 392 und wartete ab, was der Vertreter des Gastgebers nun weiter ausführen würde. „Folgende Tatsachen sind bisher bekannt: Der Gegner, mit dem wir es zu tun hatten, nennt sich selbst „Paraniden“. Besser, Ihr versucht gar nicht erst, dieses Wort laut auszusprechen!“ Ein kurzer Lacher klang durch den Äther. „Zweitens: nach eingehender Analyse während des Rückfluges sind wir zu dem Schluß gekommen, das die Paraniden hier nicht zufällig aufgetaucht sind! Sie hatten Minenschiffe dabei und waren allgemein bestens für den Mineralien-Abbau ausgerüstet. Drittens: Da dieses Ereignis nun nur 2 Wochen nach der Festnahme eines anderen fremden Wesens, welches sich als „Mensch“ bezeichnet, im Sektor der Forscher stattfand, muß irgend ein Zusammenhang vermutet werden. Diesen Zusammenhang gilt es nun zu klären! Zu diesem Zweck sind Kollege 392 und ich übereingekommen, dass der Gefangene nun noch einmal eingehend untersucht werden soll. Wir müssen herausfinden, wie die Fremden uns finden konnten und wie diese Ereignisse so kurz hintereinander zusammenhängen. Vorläufig wurde aber erst einmal Folgendes beschlossen: Die Flotten aller Stämme werden in Alarmbereitschaft versetzt, um jederzeit für einen Angriff bereit zu sein. Die Eingreifer der Flotten werden in allen Randbereichen Patroullien durchführen und jeglichen Feindkontakt an die Flotten melden. Wir haben von höchster Stelle die Erlaubnis, ohne Vorwarnung alles abzuschießen, was nicht zum Volk gehört. Zusätzlich hat der 2.Stamm angekündigt, die Schiffsproduktion speziell im Bereich Großkampfschiffe deutlich anzuheben, um unsere Schlagkraft zu erhöhen.“ 501 atmete einmal tief durch. „Wir wissen bisher nur sehr wenig über unseren Feind, vor allem kennen wir seine Reserven nicht. Ich sage aber aus Erfahrung, dass wir mit unserer Flotte jeden Gegner schlagen können. Ich weiß, dass viele von Euch diese Ereignisse nicht erwartet haben, aber jetzt müsst ihr zeigen, was ihr könnt. Dafür seid ihr ausgebildet worden, dafür seid ihr bereit. Erfüllt jetzt eure Pflicht und das Volk wird einmal mehr siegreich sein! Wegtreten!“ Ein allgemeines, begeistertes und aggressives Zischen ging durch den Raum. 32874 fühlte die wütende Grundstimmung und stimmte mit ein. Sollten diese Mistkerle doch kommen, das Volk war bereit, ihnen den schnellen Tod zu bringen!

501 hatte sich in sein Büro zurückgezogen, 392 war bei ihm. Letzterer meinte nun: „Das gefällt mir alles nicht. Wie Sie schon sagten: der Angriff war sehr gezielt, die müssen schon länger gewusst haben, wo wir sind.“ 501 wedelte nachdenklich mit den Fühlern: „So ganz kann ich Ihnen da nicht zustimmen. Die wussten zwar, wo sie das Kha´ridium finden, aber ich bezweifle, dass sie von uns wussten. Sonst, da bin ich mir sicher, hätten sie eine stärkere Streitmacht geschickt als das, was wir heute vernichtet haben.“ 392 wollte gerade etwas erwidern, als das Kom piepte. 501 antwortete: „501 hier, was gibt es?“ „501, Sir, hier Flugkontrolle 56397, das Shuttle mit 37 Sir und dem Gefangenen ist im Anflug und erbittet Landeerlaubnis.“ „Landeerlaubnis erteilt, sagen sie 37, er soll mit dem Gefangenen in mein Büro kommen.“ „Verstanden Sir! Ach ja, Sir, jetzt hätte ich fast das wichtigste vergessen: die Mutter wünscht, dass Ihr sie auf den neuesten Stand bringt!“ „Wie bitte? Wieso erfahre ich das erst jetzt?“ brüllte 501 wütend ins Kom. Sofort begann er zu hyperventilieren und fächerte sich Luft zu. „Wir hatten Probleme mit der Kom-Anlage, Sir, tut mir leid.“ „Dann schickt man einen Boten zu Fuß los, Sie unfähige Küchenschabe! Ich werde Sie in den Brei rühren lassen!“ 501 kappte die Verbindung und rief dann die Stationssicherheit. „Stationssicherheit, hier 57231, wie kann ich helfen?“ „Hier 501, Flugkontrolleur 56397 hat seinen Pflichten grob verletzt! Ich ordne an, dass er in den Brei gerührt wird!“ „Verstanden, Sir, sind unterwegs!“ Das „in-den-Brei-rühren“ war eine der schwersten Strafen im Volk. Das bedeutete, dass ein Kha´ak erst getötet wurde und dann seine Überreste in den „Baubrei“ gemischt wurden. Das war ein Brei, der für Abdichtungen aller Arten wie auch zum Bau von Innenwänden verwandt wurde. Es galt als äußerst ehrlos, so zu enden, aber die Nichtüberbringung eines Befehls der Mutter in kürzester Zeit war auch ein schweres Verbrechen. „Hoffentlich lande ich nicht noch selber im Brei!“ brummte 501. Er hoffte, das die Mutter gute Laune hatte, denn sonst konnte es durchaus dazu kommen. Er griff nach dem Kom und funkte den zentralen Raum an. Eine Stimme meldete sich: „Hier 51, was gibt es?“ „51, Sir, hier 501, die Mutter wünschte eine Rückmeldung von mir.“ „Richtig, ich stelle durch.“ Es klickte einmal kurz: „Hier ist die Mutter, sprechen Sie!“

Das war noch einmal gutgegangen. Die Mutter war zwar sehr verärgert darüber gewesen, dass sie so lange auf die Rückmeldung warten musste, aber sie hatte 501 nicht in den Brei rühren lassen. Dieser jedoch schaute im Moment auf das blasse Wesen, das dort angebunden an der Wand vor ihm stand. Zusätzlich zu ihm befanden sich vier weitere Kha´ak im Raum: 392, 37, 55, sein Minister für Geistesangelegenheiten und Kommunikation, sowie 17, der Minister für innere Sicherheit bei den Bergbauern. Letzter hatte einen Datenspeicher mitgebracht, in dem sich Informationen über die Aufbringung eines herrenlosen Schiffes vor etwa 15 Kha´Sug enthielt. Diese Infos hatte man schon gesichtet und hatte nichts festgestellt, was auf das „Warum“ hindeutete, also auf den Grund, warum dieser Mensch danach gesucht hatte. Allerdings hatte man die Nav-Daten untersucht und dabei festgestellt, dass dieses Schiff einen erstaunlichen Weg hinter sich gebracht hatte. „Das müssen, angesichts der Dauer des Fluges, mehrere Lichtjahre sein!“ murmelte 55. 17 stimmte zu: "Wir haben die Daten nach den jüngsten Ereignissen noch einmal gesichtet. Dabei haben wir ganz am Anfang der Reise auch Spuren rudimentärer Besiedlung entdeckt. Allerdings brauchen wir noch eine Menge Zeit, um anhand der Daten den genauen Ursprungsort zu ermitteln." „Was fehlt Ihnen denn, 17, Sir?“ wollte 37 wissen. „Ganz einfach: diese Wesen berechnen ihre Navigation ganz anders. Wir bräuchten einen Schlüssel, der uns eine Umrechnung auf unsere Navigationscomputer erlaubt. Bekämen wir so was in die Hände, würden die Berechnungen nur noch 2 oder 3 Kha´tuk (Dauer für den Weg des Lichtes von Kha´ak´kania zum äußersten Planeten, in etwa 26 Stunden) dauern.“ 37 wedelte aufgeregt mit den Fühlern: „17, Sir, Sie sagten doch, nachdem Sie die Bilder gesehen hatten, dass das Schiff, das wir aufbrachten, dem Ihren nahezu baugleich war!“ „Ja, und?“ „Das heißt, dass dieses hässliche Wesen dort“, er zeigte auf den Menschen, „den Schlüssel hat! Wir müssen ihn nur noch herausholen! 55, Sir, der Stamm der Priester stellt die Spezialisten in puncto Gedankenverschmelzung, würden Sie das übernehmen?“ „Kein Problem!“ 55 fächerte sich noch einmal Luft zu, dann trat er gemessenen Schrittes auf Kyle William Brennan zu!

Davy Jones
19-06-2008, 09:30 AM
6. Kapitel: Kha´ronia, Hauptstation des Stammes der Priester

55 konzentrierte sich, während 37 gespannt war wie eine Flügelhaut, was diese Aktion hier ergeben mochte. Es konnte alles und nichts dabei rauskommen, aber irgendwie hatte 37 das Gefühl, dass sie hier keinen durchschnittlichen Angehörigen der Menschenspezies vor sich hatten. Irgend etwas war an „ihm“, denn dass das Wesen männlich war, hatten sie mittlerweile herausgefunden, besonderes. 37 vermocht allerdings nicht zu sagen, was das Besondere war. Dann hörte er die Stimme von 55 in seinem Kopf: „Du, Mensch, verstehst du mich?“ „Wie oft wollt ihr das eigentlich noch machen, verdammt noch mal? Ich habe euch schon längst alles gesagt, was ich weiß, ihr hässlichen Käfer!“ 55 fuhr ruhig fort: „Wutausbrüche bringen dich auch nicht weiter, zum anderen sagst du die Unwahrheit. Du weißt viel mehr, als du uns sagst! Du hast nun zwei Wahlmöglichkeiten: entweder erzählst du uns alles, was du über die Herkunft von Menschen und Paraniden weißt, oder wir holen diese Informationen gewaltsam aus dir heraus!“ „Ha, ihr könnt mich ruhig foltern, aber ich werde nichts sagen!“ „Hat hier irgendwer was von Folter gesagt? Nein, wir extrahieren mit unseren Geisteskräften deine Erinnerungen. Wir werden finden, was wir suchen!“ 55 schaute Brennan mit seinen Facettenaugen an. „Also, wie ist deine Entscheidung?“ „Tu dein Schlimmstes, Käfer!“ „Wie du wünscht!“ 55 setzte seine Mentalkräfte ein und drang in Brennans Unterbewusstsein vor. Ziel war es, ihn unbewusst zum Reden zu bringen. „Also, was hat dich zu uns geführt?“ „Das war Zufall. Ich suchte ein Schiff, das „AP Gunner“ hieß. In ihm hoffte ich Daten zu finden, die mich nach Hause zur Erde bringen würden.“ „Wo, in welchem Sektor, befindet sich die Erde?“ „Ich weiß es nicht. Nicht bei den Argonen, soviel steht fest.“ „Argonen?“ „Die Selbstbezeichnung der Menschen in diesem Teil des Universums. Ich bin durch eine Fehlfunktion beim Test eines torlosen Sprungantriebes hier gelandet.“ 37 meldete sich: „Sieht so aus, als hätten wir gleich einen Volltreffer gelandet.“ 55 bedeutete ihm, zu schweigen und fuhr fort: „Torloser Sprungantrieb?“ „Ein Sprungantrieb, beim dem man nicht auf die Benutzung von Sprungtoren angewiesen ist.“ „Was ist daran so Besonderes?“ wollte 501 wissen. 55 gab die Frage weiter und Brennan antwortete: „Bis jetzt ist es den Völkern der Gemeinschaft nur möglich, den Sprungantrieb auf ein bekanntes Tor zu fixieren. Ein freier Sprung ist nicht möglich.“ „Na ja“, meinte 17, „wenigstens wissen wir jetzt, dass wir ihnen technologisch überlegen sind.“ „Welche Völker gehören dieser Gemeinschaft an?“ „Argonen, Boronen, Split, Paraniden und Teladi.“ „Wer von denen weiß noch, wo wir uns hier befinden?“ „Niemand!“ „Wie war das?“ fragte 37 verwirrt, „er muß doch die Wahrheit sagen, oder nicht?“ „Ja“, erwiderte 55, „und das würde bedeuten, dass er von den Paraniden nichts wusste!“

55 wandte sich wieder an Brennan: „Erkläre mir, wie ihr Argonen navigiert. Wir navigieren nach den Gravitationsfeldern von Sternen und stellen so unsere Berechnungen an. Wie arbeitet ihr?“ „Wir fliegen von Tor zu Tor, die einzige Form von interstellarer Navigation. Mit dem Sprungantrieb kann man mehrere Sektoren überspringen, aber nicht in den freien Raum springen.“ 55 dachte kurz nach, dann fragte er: „Wie kann man neue Sprungtore finden?“ „Nicht aus der Nähe, da die Gravitation ihrer Singularitäten zu stark sind. Die meisten Entdeckungen sind Zufallstreffer von Forschungsteams. Auf große Entfernung fallen die Tore jedoch als Schwarze Löcher auf, so kann man auch die Position eines Systems auf der Galaxiekarte erkennen!“ „Wie unterscheiden wir da, ob es ein echtes Schwarzes Loch, also eine kollabierte Sonne, ist, oder ein Sprungtor?“ „An der Stärke der Gravitation. Ist die Singularität nah an einer Sonne und es wird trotzdem kein Material akkretiert, ist es ein Sprungtor.“ Wenn 55s Augen hätten leuchten können, hätten sie es in diesem Moment getan. Nun wussten sie, wo sie suchen mussten und wie sie die Feinde finden konnten. Das Wichtigste aber war, dass es Menschen wie dieser Brennan nur mit sehr langem Flug schafften, Sie zu erreichen, während das Volk einfach würde dort hinspringen können. „Sage uns: ist die Schlussfolgerung richtig, dass alle eure Sektoren miteinander verbunden sind?“ „So ist es!“ „Zeichne uns eine Karte!“

Die 5 Kha´ak starrten die Karte an, die vor ihnen lag. Dieser Brennan hatte ihnen sämtlich ihm bekannten Sektoren aufgelistet und auch notiert, wem welcher Sektor gehörte. 17 wedelte nervös mit den Fühlern: „Ach du meine Güte, seht euch an, wie groß der Raum ist, den diese Argonen beherrschen und das Reich der Paraniden ist nicht viel kleiner! Jedes dieser Völker hat deutlich mehr Sektoren als wir!“ „Aber wir sind die Kha´ak!“ herrschte 37 ihn an, „Der Götter größte Schöpfung sind wir, auserwählt um zu herrschen! Wir sind unbesiegbar!“ „Nanana“, ging 55 dazwischen, „nun tragen Sie mal nicht so dick auf. Wir haben zwar noch nie einen Kampf verloren, aber wir sollten es auch nicht darauf anlegen, dass es dazu kommt!“ „Na gut“, meinte 37, „was jetzt?“ „Jetzt will ich doch mal schauen, ob er nicht doch etwas über die Paraniden weiß!“ „Er hat doch schon nein gesagt und lügen kann er nicht!“ „Wahr, aber vielleicht wurden noch nicht die richtigen Fragen gestellt!“ 55 dachte nach, dann fragte er Brennan, nachdem er sich wieder in das Unterbewusstsein des Menschen versenkt hatte: „Wußtest du, dass die Paraniden Dir gefolgt sind?“ „Nein.“ „Denkst du, dass die Paraniden dir gefolgt sind?“ „Nein.“ „Sage mir: wie haben die Paraniden uns dann gefunden?“ „Es gab nur Gerüchte. Es war bekannt, dass die Paraniden wie Wahnsinnige nach einem seltenen und wertvollen Metall namens Nividium gesucht haben. Dann hieß es, dass eine ihrer Forschungsmissionen ein unbekanntes Schiff aufgespürt und vernichtet hätte. Dieses Schiff soll fast zur Gänze aus Nividium bestanden haben, abgesehen von den technischen Teilen und der Innenausstattung, die aus einer undefinierbaren, holzartigen, aber stahlharten Masse bestand. Offenbar musste es irgendwo Massen an Nividium geben. Per Spektralanalyse kann man dann Konzentrationen eines bestimmten Elements wie Nividium feststellen, zum Beispiel einen Planeten oder ein großes Asteroidenfeld.“ Alle Kha´ak wedelten heftig mit den Fühlern. Für diese Paraniden war die Schändung der Kha´ak-Heiligtümer also nur eine Bergbaumission! Brennan fuhr fort: „Offenbar haben sie hier in Eurem Raum gefunden was Sie suchten! Also haben sie es sich geholt!“ Wütend schlug 55 Brennan mit der Klaue vor die Brust, wo zwei lange, aber nicht tiefe Risswunden zurückblieben. Der Mensch schrie vor Schmerz auf. „Was du Nividium nennst, nennen wir Kha´ridium und diese Asteroiden sind Heiligtümer, da sie die letzten Überbleibsel unseres zerstörten Heimatplaneten sind, du Dummkopf!“ Brennan schwieg. „Ihr habt unsere Heiligtümer geschändet! Dafür wird das Volk der Kha´ak erbarmungslos Rache nehmen! Eure gesamte Zivilisation werden wir zerstören, wie auch die der Paraniden und aller anderen, die mit auch nur einer von euch Zweien zusammenarbeitet! Und glaube mir: die Kha´ak haben noch nie verloren und wir werden auch diesmal siegreich sein! Für dich habe ich aber noch eine besondere Aufgabe: du wirst bald unser Navigationsgerät sein und dabei helfen, dein Volk zu vernichten!“ Brennan schaute 55 entsetzt an. „Abführen, schafft ihn zur Kha´ak´kania-Werft, dort habe ich bald eine Verwendung für ihn!“




7.Kapitel: Kha´linia, Hauptstation des Stammes der Forscher

37 war schon wieder gereizt. Diesmal lag es am Aufzug, der sich ihm einfach nicht schnell genug bewegte. Seine Aufgabe war wichtig und er haßte Verzögerungen. Seit gut 30 Kha´tuk nun durchforsteten er und ein Team von 5 Kha´lisch die nähere Umgebung des Kha´ak-Raumes (was einen Radius von etwa 200 Lichtjahren bedeutete) nach Sprungtoren. Um die 60 hatten sie bereits entdeckt und fast täglich kam ein Neues hinzu. Als 37 den Observationsraum mit den beiden großen Teleskopen betrat, kam ihm einer der Kha´lisch schon aufgeregt entgegen: „37, Sir, zwei wichtige Nachrichten für Sie. Zum einen eine persönliche Nachricht für Sie von Sir 31: der Ministerrat trifft sich in einem halben Kha´tuk bei der Mutter.“ „Danke, und was noch?“ „Wir haben 2 weitere Tore entdeckt, welche schon länger direkt vor unserer Nase sind, die Entfernung beträgt gerade mal 7 Lichtjahre!“ „So nah dran?“ 37 war sichtlich überrascht. Das hatte er nicht erwartet, dass ein feindlicher Sektor so nah am Volk existierte. Wahrscheinlich war das der Ort, von dem die Eindringlinge gestartet waren. „Der wievielte Sektor ist das jetzt?“ wollte 37 wissen. „Der 25. Gesicherte“, bekam er als Antwort. „Hm, kaum ein Fünftel, aber was soll´s, das wird uns erstmal reichen. Forscht trotzdem weiter, findet so viele wie möglich!“ „Ja, Sir.“

Als 37 den zentralen Raum betrat, stellte er fest, dass er der Letzte war. Die anderen acht waren schon da und hockten im Halbkreis vor der großen Gestalt der Mutter. Die Mutter war ungefähr achtmal größer als jeder Kha´ak-Krieger und auch dementsprechend stark. Allerdings war da das Problem des aufgetrieben Unterleibes, der die unzähligen Eier enthielt, die das Überleben des Volkes garantierten. Dadurch war die Mutter zwar die alles überragende Autorität, war gleichzeitig aber auch ausgesprochen hilflos. Generell ruhte sie auf einer mobilen Plattform, die ihre nicht vorhandene Beweglichkeit zumindest teilweise kompensieren konnte. Momentan lauschte die Mutter aber nur aufmerksam und hörte sich an, was ihre neun „Ehe-Männer“ berieten. 39, Berater für äußere Sicherheit, meldete sich zu Wort: „Kollege 37, ich weiß Ihre Einsatzfreudigkeit zu schätzen, aber Sie sind gerade kräftig dabei, Ihre Kompetenzen zu überschreiten!“ „Wirklich? Wie denn das?“ „Sie betreiben die Suche nach extrasolaren Systemen! Das ist eine Angelegenheit für die Äußere Sicherheit!“ „Nun, wenn dem so ist, dann frage ich mich, warum die Äußere Sicherheit nichts tut?“ „Weil wir genug Probleme damit haben, eine entsprechende Patroulliendichte zu erreichen, die das Aufspüren von Eindringlingen garantiert. Um so einen Quatsch wie fremde Systeme kann ich mich momentan nicht kümmern!“ „Quatsch?“ fuhr 35, Berater in religiösen Angelegenheiten, dazwischen. „Unsere Heiligtümer wurden geschändet! Ich glaube kaum, das `Quatsch´ das richtige Wort ist, das zu beschreiben!“ Die Fühler von 35 verknoteten sich, ein Zeichen von Zügelung der eigenen Wut. 31, der Wirtschaftsberater, meldete sich: „Meine Herren, bitte beruhigen Sie sich. Uns hier gegenseitig zu beleidigen bringt uns auch nicht vorwärts.“ 37 wedelte belustigt mit den Fühlern: „Und das kommt von Ihnen, die Sie mit Ihren Bürokraten jeden zur Weißglut bringen können?“ „RUHE!“ fuhr die Mutter dazwischen, „bin ich denn hier nur mit Verrückten zusammen? Ihr sollt die Situation erörtern und mich bei meinen Entscheidungen unterstützen und nicht Eure privaten Grabenkämpfe hier ausfechten!“ Etwas ruhiger fuhr sie fort: „Also, 37, du hast nach fremden Sektoren gesucht. Was hast du gefunden?“ „Also, wir haben bisher 25 verschiedene Sektoren gefunden, die bestätigt sind, einige an der äußeren Grenze unseres Suchbereichs, einer allerdings auch sehr nah mit nur 7 Lichtjahren Abstand. Um welche Sektoren des Feindes es sich handelt, vermögen wir natürlich noch nicht zu sagen, dazu wissen wir nicht genug über die jeweiligen Sonnen und Planeten, die eine derartige Identifizierung ermöglichen würden.“ „39, du sagst, dass alle Schiffe derzeit im Einsatz sind?“ „Alles, was flugfähig ist. Wir bekommen zwar konsequenten Nachschub vom 2.Stamm, aber unsere eigenen Flieger sind, dank knapper Kassen“, 39 warf 33, dem Finanzberater, einen giftigen Blick zu, „in teilweise bemitleidenswerten Zustand. Da muß noch einiges aufgearbeitet werden.“ „Trotzdem möchte ich, dass du 3 Eingreifer und einen Transporter für eine erste Infiltration abstellst. Ich habe entschieden, dass wir in diesem nahe gelegenen Sektor eine kleine Basis erreichten, um uns von dort aus erst einmal in Ruhe umzusehen und unseren Feind in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten. 37, was kannst du uns über diesen Sektor berichten?“ 37 dachte kurz nach, dann antwortete er: „ Ein roter Zwerg als Sonne, umkreist von 3 kleinen Planeten und einem Gasriesen. Durch diesen Gasriesen wird ein großes Asteroidenfeld mit vielen Trümmern stabil gehalten. Dort drin müsste es ohne größere Probleme möglich sein, eine Basis mit Teleporter zu errichten, ohne das irgendjemand etwas davon merkt!“ 34, der technische Berater wedelte verdutzt mit den Fühlern: „Ein Teleporter? Seit wann reden wir hier davon, eine Basis mit einem Teleporter zu errichten? Wissen Sie, was so ein Ding kostet?“ „Genau“, pflichtete 33 bei, „wir können so ein Ding nicht für irgendeine ungewisse Mission bereitstellen.“ „Knauser!“ „Choleriker!“ „RUHE IM BAU!“ Die wütende Stimme der Mutter brachte wiederum alle zum Schweigen.“ Hört zu: 39, du stellst die Mission zusammen. 34, die technische Abteilung wird eine mobile Basis sowie einen Teleporter zur Verfügung stellen. 37, du führst als Chef des Geheimdienstes die Mission durch. Die Aufgabe ist: Aufbau der mobilen Basis, ohne dabei bemerkt zu werden. Danach schrittweise Erkundung der feindlichen Sektoren aus nächster Nähe. Wenn die Basis steht, werden auch die anderen Stämme ihre Schiffe schicken. Es wurde mit ihnen Abgesprochen, dass es eine Angelegenheit für das Volk als Ganzes ist und daher leisten auch alle ihren Beitrag. Ausführen!“ Da waren sie nun: gegen den Befehl der Mutter gab es nichts zu sagen oder gar aufzubegehren und es wird Schreckliches von Kha´ak berichtet, die sich einmal der Mutter widersetzten. Schweigend verließen alle 9 Berater den Raum, um sich ihren Aufgaben zuzuwenden.

32874 wußte zwar nicht, was da auf ihn zukam, aber er war sich sicher, dass er Teil von etwas Bedeutendem sein würde. Zwei weitere Piloten von Eingreifern saßen bei ihm sowie 3381, Pilot eines großen Frachttranporters. 37 betrat den Raum und begann ohne größere Umschweife: „Eine große Mission steht an. Wir werden Stück für Stück den Raum unserer Feinde infiltrieren und erkunden. Ziel davon ist, unserer Flotte einen Weg zu bereiten. Und mit Euch fangen wir an!“




8. Kapitel: Argonischer Sektor „Nyanas Unterschlupf“

Es war dunkel weit draußen im System. Das Asteroidenfeld, das die kleine rote Sonne umkreiste, befand sich etwa 2 Lichtstunden von dieser entfernt. Zwar war die Sonne immer noch das mit Abstand hellste Objekt am Himmel, aber das rötliche Licht tauchte hier draußen alles nur noch in Dämmer- und Zwielicht. Das Weltbewegenste hier draußen war allenfalls der Zusammenstoß kleinerer Gesteinsbrocken. Plötzlich jedoch erhellten 5 grelle Blitze, die Sprungereignissen vorausgingen, die triste Felsenansammlung.

„So ein gequirlter Körnerbrei!“ fluchte 32874, da das erste, was er nach Abschluß des Sprunges tun musste, ein Ausweichmanöver wegen eines Gesteinsbrockens war. Durch den Äther hörte er auch die anderen Piloten Verwünschungen ausstoßen. Besonders 37, der mit einem einzelnen Bomber in ihrer Mitte flog, war nicht zu überhören: „Welcher Kha´jon plant denn einen Sprung mitten in ein Asteroidenfeld?“ In der Tat hatten sie es nur ihrem Glück zu verdanken, nicht direkt in einen Asteroiden gekracht zu sein. „Bremsen, Bremsen!“ rief 32874, „das ist das reinste Trümmerfeld hier. Wenn wir nicht langsamer werden, werden wir sehr bald pulverisiert!“ Er zündete die Bremsdüsen und auch die anderen taten es ihm gleich. Langsam aber sicher drosselten sie ihr Tempo so weit, dass sie gefahrlos weiterfliegen und sich umschauen konnten. „Meine Güte, wie erbärmlich“, sprach 32874 aus, was wohl alle dachten. Sie selbst waren ein Volk der Sonne und hatten 5 Systeme besiedelt, die von großen, weißglühenden und sehr heißen Sonnen beleuchtet wurden. Dagegen war dieser rote Zwerg ein Witz. 32874 hoffte, dass der Teleporter schnell einsatzbereit sein würde, damit eine Rückkehr nach Hause nicht mehr so aufwendig wäre. Aber irgendwie hatte er da so seine Zweifel. „In Ordnung“, befahl 37, „Scanner an. Überprüft die Asteroiden nach Kha´ridium-Vorkommen, denn das würde unsere Pläne deutlich vereinfachen.“ „Kha´ridium-Vorkommen?“ fragte 34167, einer der anderen Piloten. „Ja, nicht nur unsere geliebte Heimat Kha´ak´kania bestand aus diesem Metall. Das gibt es auch anderswo, allerdings in deutlich geringeren Mengen und nicht so rein wie im Sektor der Priester oder auch vereinzelt bei uns.“
„Ähm, Sir...“, meldete sich wieder 32874, „sollen wir etwa den GANZEN Asteroiden-Gürtel scannen?“ „Selbstverständlich!“ Ein allgemeines Stöhnen hing im Raum, aber Befehl war nun einmal Befehl und da gab es nichts dran zu rütteln. Also schaltete 32874 den Scanner ein und fing an zu tun, was man ihn geheißen hatte.

2 Kha´tuk waren vergangen. Während 37 2 kürzere Flüge Richtung Sektorzentrum unternommen hatte, kämpften sich die anderen von Asteroid zu Asteroid und nahmen ihre Scans vor. Bisher alles negativ, aber sie hatten ja auch noch nicht mal 5 % geschafft. 32874 ließ einen weiteren Scan laufen. Wieder nichts! Das war doch einfach zum Fühlerverknoten! Er brauchte mal dringend eine Pause, aber solange 37 keine Pause anordnete, mussten sie weitermachen, selbst wenn sie dabei vergehen würden. Also weiter zum nächsten großen Felsbrocken, Scanner an und...die Anzeigen schlugen aus! 32874 ließ zur Sicherheit noch einmal den Scan wiederholen. Es blieb dabei, der Asteroid da vor ihm bestand zu 70 % aus Kha´ridium. „Treffer!“ rief er ins Kom, damit es auch jeder hören konnte. „Der Felsen da vorne besteht zu mehr als zwei Dritteln aus Kha´ridium!“ „Bin sofort da“, rief 37 und aus der Ferne sah 32874 den Bomber heranrauschen. „Tatsächlich, Sie haben recht. Gute Arbeit, 32874! An den Transporter: Landen sie auf diesem Felsen und beginnen sie mit dem Bau!“

Einen weiteren Kha´tuk später nahm das Ganze langsam Formen an. Der kyonengestützte Tunnelbohrer hatte sich in etwa 3 Kha´pin (3x in etwa 900m) in die Tiefe gefressen und begann nun, eine große Höhle zu schaffen, in der sich die Basis befinden würde. So war es für Außenstehende unmöglich, die Basis per Scan zu finden. Zumindest hoffte 37 das, der die Arbeiter ständig antrieb in der Befürchtung, doch noch entdeckt zu werden. Er wollte sich aber zusätzlich noch absichern, daher zitierte er 32874 zu sich: „Pilot, Sie haben sich als fähig erwiesen. Ich traue Ihnen zu, dass es Ihnen gelingt, sich dem Sektorzentrum, also dem belebten Raum zu nähern, ein bisschen herumzuspionieren und sich zurückzuziehen ohne bemerkt zu werden.“ „Ja, Sir!“ „Dann haben Sie Ihren Befehl, ausführen!“ 32874 eilte zu seinem Bomber und startete. Sanft glitt er durch den engen Tunnel an die Oberfläche. Dort angekommen nahm er Kurs in Richtung Sektorzentrum. Er flog dabei durch das Asteroidenfeld, denn er wollte dessen Deckung so lange wir irgend möglich ausnutzen. Beizeiten hatte er dann jedoch die Grenze erreicht und flog hinaus in den freien Raum. 32874 ging mit dem Schub auf Maximalleistung und richtete das Schiff direkt auf die Sonne aus. Dann schaltete er die Triebwerke aus und schwebte nun mit hoher Geschwindigkeit auf die Sonne zu. Er wusste natürlich: je weniger Emissionen sein Schiff erzeugte, umso schwerer war ein von den feindlichen Sensoren aufzuspüren. 32874 reduzierte die Waffenenergie soweit wie möglich und fuhr selbst den Kha´ridium-Reaktor runter, um nahezu gar keine Strahlung mehr abzugeben. Damit war er jetzt auf die Notfallbatterie angewiesen, die zurzeit praktisch inaktiv war. Nur minimaler Stromfluß für Lebenserhaltung und Sensoren war jetzt noch vorhanden. Mit ein bisschen Glück, sagte sich 32874, würde man ihn für ein Trümmerstück halten und solange niemand auf Sichtweite herankam, würde man nicht einmal bemerken, dass man von der zukünftigen Nemesis, dem Volk der Kha´ak, ausspioniert wurde. Der Bomber schwebte weiter auf die Sonne zu.

32874 wedelte aufgeregt mit den Fühlern, angesichts der seltsamen Bilder, die sich ihm boten. Auf seinen Scannern waren hunderte von Schiffen zu sehen, die meisten waren sehr langsam, einige wenige schnell. Sein Hauptaugenmerk galt aber 2 anderen Sachen. Zum eine den seltsamen Raumstationen, die nahezu alle nicht symetrisch waren und daher das Facettenauge eines Kha´ak gleich dutzendfach beleidigten. Zum andern das große Schiff, das in sehr langsamen Schleifen vermutlich einen Patroullienflug absolvierte. 32874 gelang es, ein vergrößertes Bild zu erhalten. Es war ein gewaltiges Schiff! Er fragte sich, ob es wohl in den Lage sein würde, es mit einem der Zerstörer des Volkes aufzunehmen. Die Schiffe der Paraniden hatten den Kampf ja eindeutig verloren. Aber das war jetzt nicht von Bedeutung. Wichtig war, dass er seine Mission erfüllte. 32874 sah sich den Planeten, um den die Stationen kreisten, näher an. Es war der Mittlere der drei Planeten mit fester Oberfläche. Er sah karg aus, vielleicht bewohnbar in der Äquatorial-Gegend. Der Scan zeigt zumindest in diesem Bereich Hinweise auf Ansiedlungen. 32874 schaltete die Sensoren wieder ab, während er in gebührender Entfernung am Planeten vorbeifiel. „Computer, Sprung zum Rand des Asteroidengürtels berechnen.“ Während der Computer rechnete, fiel 32874 eine riesige, ringförmige Struktur auf, auf die sich offenbar viele der Schiffe zu bewegten. Das musste eines dieser ominösen Sprungtore sein! 32874 wünschte sich, er hätte die Möglichkeit, nahe genug heranzukommen um einen sorgfältigen Scan über das Tor laufen zu lassen. Aber das war im Moment nicht zu bewerkstelligen. „Berechnungen fertig!“ meldete der Computer. 32874 aktivierte den Sprungantrieb und verschwand.

„Hervorragende Arbeit!“ lobte 37, als er die Bilder sah,die 32874 mitgebracht hatte, „die sind ja quasi überhaupt nicht verteidigt! Aber ich denke, dass der Hammerschlag nicht hier niedergehen wird.“ „Wieso denn das nicht, Sir, wenn ich fragen darf.“ „Um die Basis nicht zu gefährden. Vergessen Sie nicht, was die Mutter uns angewiesen hat: Stück für Stück alles erkunden. Nein, es wird ein anderer Sektor sein, wo wir den Kampf beginnen werden und dann sollen diese erbärmlichen Völker die Macht des einzig wahren Volkes zu spüren bekommen.“ „Sir!“ stürmte 34167 in den Raum, „Sir, gute Neuigkeiten: wir haben den exakten Standort des Sektors festgestellt, den man durch eines Tore erreicht.“ „Sehr gut, bald werden wir zuschlagen!“




9. Kapitel: Kha´tania, Hauptstation und –werft des Stammes der Schiffsbauer

Wenn man von einem „belebten Ort“ spricht, geht man davon aus, dass man eine größere Gruppe von Personen im Blick hat, die dort auch ständig verweilt. Für Kha´tania wäre diese Bezeichnung aber noch unzureichend, denn das unglaubliche Gewusel im Haupthangar spottete jeder Beschreibung. Auch dadurch, dass gerade ein kleinerer Transporter mit hohem Besuch in den Hangar einflog, machte es nicht übersichtlicher. Nun darf man sich das alles nicht vorstellen wie auf einem argonischen Basar. Auch wenn es unübersichtlich war, so ging doch jeder Kha´ak seiner Aufgabe gewissenhaft nach und wusste auch genau, was zu tun war. Das war eines der Überbleibsel, aber auch ein Vorteil des Kollektivs. Es gab keine Befehlsverweigerung, keine Diskussionen und auch kein Jammern, dass eine Aufgabe zu schwer sei. Man tat, was man tun musste.

267, einer der Chefingenieure, verfolgte den Flug des Transporters, der immer näher kam, von der Landeplattform aus. Er war stolz darauf, dass man ihn ausgewählt hatte, die Besucher zu empfangen. Eigentlich wäre das eine Aufgabe für 26, den Hauptingenieur des Stammes gewesen, aber man wollte dem immer skeptisch beäugten 5. Stamm nicht zuviel Entgegenkommen zeigen. Aber das war fast normal, denn sie selbst wurden von den anderen für feige gehalten, warum sollten sie selbst dann freundlich sein? Der Transporter fuhr jetzt sein Landegerüst aus und setzte wenig später auf. 267 nahm Haltung an, als sich kurz darauf die Luke öffnete. Heraus kamen insgesamt 3 Kha´ak. Ein Hochdekorierter vorneweg und dahinter 2 weitere, die auf einem Gestell eine metallene Stasisröhre vor sich herschoben. Der vordere stellte sich vor: „57, Verantwortlicher innere Sicherheit beim 5. Stamm.“ „267, einer von 10 Chefingenieuren der Kha´tania-Schiffswerft, willkommen an Bord, 57, Sir!“ „Danke, es freut einen immer, wieder auf einer Station zu sein, ich mag das Fliegen nicht besonders!“ „Ja, Sir, bitte hier entlang, Hauptingenieur 26 erwartet Euch in seinem Quartier.“ „Nicht nötig“, hörte man eine Stimme, „ich bin schon da!“ 267 drehte sich rasch um und sah den brilliantesten Schiffsingenieur des gesamten Volkes auf sich zukommen. Er wedelte nervös mit den Fühlern: „26, Sir, Euer Besuch ist da, 57 Sir und 2 Begleiter.“ „Sehe ich selber und ich denke, 57 Sir mag es gar nicht, wenn man für ihn spricht!“ „Laßt gut sein“, warf 57 ein, „darüber müssen wir uns ja nun nicht aufregen.“ „Na, schön, 267, machen Sie mit Ihrer Arbeit weiter.“ „Ja, Sir!“ Der Chefingenieur entfernte sich. „Also, 57, man sagte mir, dass Ihr Stamm ein System ausgeklügelt haben, das unsere Flotte und vor allem unsere neueste Kreation, unbesiegbar machen würde.“ „So ist es, denn...Moment mal, ist es das?“ 57 blickte durch den gesamten riesigen Hangar und rasselte ungläubig mit den Mandibeln. 26 war sichtlich amüsiert: „Das ist nur das Bugsegment, das Hecksegment wird auf Kha´tania II gebaut. Es wird außerdem noch eine Kupplung zum Zusammenschließen der beiden Teile geben. Diese wird hier in einer der Transporter-werften gebaut, wo sie so gerade eben reinpasst. Ja, ob man´s glaubt oder nicht, aber wir haben ein Schiff für die Pläne der Mütter entwickelt, das für Kha´tania zu groß ist!“ 57 wedelte ungläubig mit den Fühlern. Allein das Bugsegment war mehr als doppelt so groß wie ein normaler Zerstörer. Die, wie bei allen Großkampfschiffen, nach vorne ragenden Sensorarme waren fast halb so lang wie ein Zerstörer.

„Bei den Göttern, wie wollen Sie denn dieses Monstrum mit Energie versorgen?“ „Die Reaktoren, die wir einzubauen gedenken, sind Stationsreaktoren. Dennoch reicht die Energie davon nur aus, um Triebwerke und Schilde zu betreiben. Zum Springen und Feuern wird es externe Energiequellen brauchen.“ „Extern? Und wie?“ Wir haben im Zuge der Vorbereitungen ein wenig rumgebastelt. Es ist uns gelungen, die Geschütze eines Zerstörers zu variieren. Wir haben sie alle zusammen in eine neue, zentrale Frontkanzel eingebaut und ein Kha´ridium-Prisma entwickelt, das die Kyonen aller 18 Geschütze bündelt und zu einem einzelnen Strahl werden lässt. Im Kampf völlig unbrauchbar, da das Schiff leicht auszumanövrieren und zu zerstören wäre, aber perfekt, um die gesamte Geschützenergie per Rezeptor von einem anderen Schiff aufnehmen zu lassen.“ „Also muß ständig ein Zerstörer bei diesem Ding bleiben um es mit Energie zu versorgen?“ „Einer? Sechs sind nötig!“ „Sechs???“ „Zumindest zum Feuern. Für einen Sprung braucht es tatsächlich nur einen, aber um den neuen, ultimativen und unvorstellbaren Delta-Kyonen-Emitter abzufeuern, braucht es 6 Zerstörer, die sich sternförmig um die Kupplung des Schiffes ansammeln und es etwa 3 Kha´tik lang aufladen!“ „Na schön, und welche Verteidigung hat es?“ „Keine, aber einen Hangar, in dem 40 Eingreifer Platz finden!“ „Hm, das sollte zumindest den meisten Gegnern das Leben versauern. Aber: Wozu braucht denn dieser Delta-Kyonen-Emitter soviel Energie?“ „Haben Sie es noch nicht begriffen, 57, Sir? Was Sie hier sehen, was ich Ihnen gezeigt habe, ist der neue Planetenzerstörer!“

„Ein neuer Planetenzerstörer? Gibt es da seit dem Bürgerkrieg nicht ein ehernes Gesetz, welches verbietet, dass jemals wieder so ein Schiff gebaut wird? Wir wissen doch alle nur zu gut, was damals passiert ist: ein Irrer hat auf den Knopf gedrückt und auf diese Weise Kha´ak´kania, unser aller Heimat, aus dem All geblasen. Die Trümmer im Kha´sun-System sollten uns genug Mahnung sein, von solch größenwahnsinnigen Projekten Abstand zu nehmen!“ „Ganz ruhig mein Freund, ich erkläre Ihnen, was die Mütter in dieser Angelegenheit beschlossen haben.

Davy Jones
19-06-2008, 09:34 AM
10. Kapitel: Kha´tania, Hauptstation des Stammes der Schiffsbauer

57 war beeindruckt. Im Büro von 26 hingen und standen überall Modelle von Schiffen aus jeder Ära des Volkes. Angefangen mit den unbeholfenen und klobigen Klapperkisten, mit denen vor Ewigkeiten, zu Zeiten des totalen Kollektivs, das Volk angefangen hatte, den Raum außerhalb Kha´ak´kanias zu erkunden, bis hin zu den modernen Schiffen, mit denen er selbst vertraut war. Gerade rollte 26 einen Bauplan auf seiner Ruheplattform aus. „Eine neue Konstruktion für die Serienproduktion!“ sagte er stolz. „Wir schwanken noch darüber, wie es genannt werden soll. Der häufigste Vorschlag ist bisher „kleiner Zerstörer“, aber das klingt meiner Meinung nach ein wenig dumm.“ „Wann soll es in den Bau gehen?“ „Die Mutter hat es genehmigt. Sobald der Planetenzerstörer aus dem Dock ist, also in ca. 10 Kha´tuk, werden wir mit dem Bau beginnen. Diese Schiffe werden dann hauptsächlich als Kommandoschiff in kleineren Angriffsgeschwadern dienen.“

„Was den Planetenzerstörer betrifft...“, begann 57. „Ja, ich kann Ihre Bedenken verstehen. Aber es wurde folgendes beschlossen: das Abfeuern der Waffe muß jedes mal mit einem fünfteiligen Code autorisiert werden. Von jedem Stamm wird ein hochrangiger Vertreter an Bord sein, der einen Teil des Codes besitzt. Da auch eine Mutter nicht die totale Kommandogewalt über Angehörige der anderen Stämme hat, gibt es also niemanden, der das Abfeuern der Waffe alleine anordnen kann.“ „Na gut, dann hoffen wir mal, dass dieses Sicherheitsnetz ausreichend ist. Auf ein zweites Kha´ak´kania kann ich gut verzichten.“ „Sie haben recht, das brauchen wir nicht noch mal. Aber jetzt lassen Sie uns doch mal zum eigentlichen Grund Ihres Besuchs kommen. Sie sagten etwas von einem System, das uns nahezu unbesiegbar machen soll.“

57 wedelte aufgeregt mit den Fühlern: „Ganz recht. Im Prinzip geht es wie folgt: wir nutzen das Wissen des Feindes und wenden es gegen ihn!“ 26 wirkte verständnislos: „Ich muß zugeben, ich verstehe nichts von dem, was Sie da sagen. Ich denke, Sie müssen da ein wenig ausführlicher werden!“ „Meine Helfer sollen die Röhre hereinfahren.“ Kurz darauf ging die Iris-Tür auf und die Diener schoben die Stasis-Röhre herein. „Entfernt euch wieder“, wies 57 sie an. Die beiden verließen den Raum, während er selbst an die Röhre herantrat. „Treten Sie näher“, forderte er 26 auf. Dieser kam der Aufforderung nach und trat nun ebenfalls neugierig an die Rinne heran und schaute durch das Sichtglas ins Innere. Angewidert fuhr er zurück. „Was, bei allen Göttern, ist das für ein Wesen?“ „Ein Mensch, zumindest bezeichnet es sich selbst so. Es wurde von einer Patroullie im Sektor der Forscher aufgegriffen.“ 26 wiegte den Kopf.: „Ich habe davon gehört und auch davon, dass diese Überfälle auf die heiligen Stätten in Eurem Sektor damit irgendwie damit zusammenhängen. Der Planetenzerstörer gehört da wohl auch irgendwie zu.“ „Der Zusammenhang ist noch nicht ganz klar, aber es darf vermutet werden, dass dieser Mensch bei seinem Flug zu uns eine unserer Tiefraumpatroullien aufgestört. Diese ist dann wohl irgendwie an die räuberischen Paraniden geraten und Paraniden haben dann das Kha´ridium aufgestöbert. So ist zumindest die aktuelle Version davon. Genau wissen wir es nicht und ob wir es jemals wissen werden, steht noch in den Sonnen.“ „Na schön, aber was hat unsere Flottentaktik und –stärke mit diesem Wesen zu tun?“ Wir wissen, wie wir sein Wissen nutzen können und es allen zugänglich machen. Wir vom 5. Stamm sind ja die Spezialisten im Geist. Wir besitzen schon seit längerem eine Einrichtung, die eine dauerhafte Gedankenverschmelzung erlaubt, die nur durch einen von uns oder ein gewaltiges Schockerlebnis wieder aufgehoben werden kann. Die Daten, die wir so erhalten, können wir an alle von uns mitteilen. Auf diese Weise weiß jeder von uns um die Schwächen des Gegners und seiner Schiffe. Wir durchschauen ihre Taktik, wir können vorhersehen, was sie machen werden. Auf diese Weise sind wir ihnen immer einen Schritt voraus!“ „Mhm,“ meinte 26 nachdenklich, „wie weit entfernt darf diese Einrichtung denn sein, damit das Ganze auch funktioniert?“ Nicht sehr weit, vielleicht ein Kha´dang (Länge der ersten Kha´ak´kania-Raumstation, etwa 150 km), also muß sie sich am besten im Zentrum einer Flotte befinden.“ „Ah“, machte 26, „darauf läuft es also hinaus! Sie wollen diese Einrichtung an Bord des Planetenzerstörers installieren!“ „Das ist es, was ich ihnen und Mutter 2 von meiner Mutter aus vorschlagen soll.“ „Ich habe nichts dagegen, nur müsste ich mir erst einmal den Kopf darüber bürsten, wie das gehen soll. Der gesamte Innenraum dieses Monstrums ist verplant, ich wüsste spontan nicht, wo ich da Platz schaffen soll. Aber egal, zuerst muß da die Mutter zustimmen, vorher strenge ich meine Nervenbahnen nicht an!“ 57 wedelte nervös mit den Fühlern und rasselte hörbar mit den Mandibeln: „Ich bin auch gebeten worden, um eine Audienz bei Mutter 2 zu ersuchen.“ Wenn er hätte schwitzen können, hätte er es in diesem Moment getan. Die Mutter eines anderen Stammes aufzusuchen, war durchaus nicht ungefährlich. Ohne den Schutz der eigenen Mutter war man Freiwild, selbst als Zweistelliger. Aber 57 vertraute darauf, dass die Stämme in der jetzigen Situation keine Fehde riskieren würden. 26 wedelte belustigt mit den Fühlern, dann sagte er: „Na schön, fragen wir nach!“




11. Kapitel: Argonischer Sektor "Omikron Lyrae"

32874 war ein wenig gestreßt. Seit der Teleporter einsatzbereit war, hatte ein ständiges Kommen und gehen eingesetzt und die Anzahl der Missionen, die zu erfüllen waren, hatte sich vervielfacht. Momentan war er auf Patroullienflug im Feindsektor Omikron Lyrae. Er steuerte seinen Eingreifer in großem Abstand vom belebten Raum, um ja nicht entdeckt zu werden. Bei ihm war noch ein zweiter Eingreifer und der wurde von einem Piloten des 2.Stammes mit Nummer 22095 gesteuert. 32874 mißfiel es, einen dieser Feiglinge an seiner Seite zu haben, aber Befehl war nun einmal Befehl. Wenigstens schwieg der andere größtenteils und ging ihm nicht noch großartig auf die Nervenbahnen. 32874 betrachtete seine Scanner und Sensoren. Eines war an diesem System aber anders, als das, was er bisher im fremden Raum gesehen hatte. Es war ein helles System mit einem großen Zentralstern. Unter den Planeten stach einer ganz besonders hervor. Dieser Planet hatte großen Mengen flüssigen Wassers an der Oberfläche, etwas, das 32874 nur aus Erzählungen über Kha´ak´kania kannte. Nähere Untersuchungen hatten ergeben, das der Planet intensiv besiedelt war. Es gabt riesige Städte, wo sich Millionen von diesen Argonen herumtrieben.

"Sieh dir das mal an, 32874", meldete sich 22095. "Was ist denn?" gab 32874 merklich genervt zurück. "Nun, offenbar haben wir es hier mit etwas mehr Militär zu tun, als im Basis-Sektor! Da kreuzen, soweit ich sehen kann, 8 äußerst große Schiffe herum." "Kein Wunder", gab32874 zurück, "schau dir doch mal diesen einen Planeten dort an: gewaltige Mengen an flüssigem Oberflächenwasser! Das werden sie zu schützen wissen!" Naja, fügte er in Gedanken hinzu, wenigstens gegen Feinde zu schützen, die sie kennen! Denn in einem Punkt war er sich sicher: bis jetzt hatte kein Argone Verdacht geschöpft, daß sie konsequent vom Volk ausgespäht wurden. Um aber weitere wichtige Puzzelteile zusammenzutragen, hatten er und 22095 noch einen Spezialauftrag. Sie sollten versuchen, unbemerkt ein etwas abseits fliegendes Schiff abzufangen und den Flugschreiber zu erbeuten. Man erhoffte sich, so an Sternenkarten zu kommen, die die tatsächliche Position der Sektoren auf der Galaxiekarte anzeigten. Das würde es ihnen ermöglichen, einfach überall hinzuspringen und den Feind an jeder beliebigen Position zu treffen.

"Das ist doch ein ganz guter Kandidat", meinte 22095. 32874 mochte es zwar nicht, aber er mußte dem Anderen zustimmen. Ein einzelnes Schiff, offenbar ein leicht bewaffneter Frachter, flog abseits der offenbar gängigen Routen von der Sektormitte weg. "Hm, du hast Recht, aber ehrlich gesagt bin ich doch ein wenig verwundert. Der sieht nicht aus, als ob er sich verirrt hätte. Der steuert auf ein Ziel zu. Wäre mal interessant zu erfahren, wo der hinwill. Verstecken wir uns im Schatten vor dem kleinen Asteroiden dort drüben!" Beide Eingreifer änderten ihren Kurs und suchten Deckung. "Aufklärer 1", sagte 32874, "abdocken und Ziel beobachten! Direkte Bildübertragung auf die Schiffskonsolen von 22095 und mir, verstanden?" "Ja, Sir, verstanden, Sir!" "Dann schwirr ab!" 32874 sah dem Kha´lisch nach, wie er sich entfernte. Kurz darauf erschien ein Bild auf seiner Konsole. Es zeigte das fremde Schiff, was seelenruhig seinen Flug fortsetzte. Also waren sie wieder einmal nicht bemerkt worden! "Weiterverfolgen", ordnete 32874 an.

"Was ist denn das?" rief 22095 überrascht aus, "das sieht ja aus wie eine Station!" Hätte 32874 seine Augen verdrehen können, hätte er es in diesem Moment getan. So allerdings ließ er genervt die Fühler hängen: "Das sieht nicht nur aus wie eine Station, das ist eine! Die Frage, die sich hier stellt, ist: was macht die soweit hier draußen, abseits der offenbar gängigen Routen?" "Keine Ahnung, vielleicht sollten wir näher ranfliegen." "Genau das werden wir tun. Auklärer: zurück zu mir!" Wenig später sah 32874 seinen fehlenden Aufklärer herangerauscht kommen: "Hat dich irgend jemand bemerkt, Kha´lisch?" "Nein, Sir, ich bin mir sicher, daß mich keiner bemerkt hat und mir daher auch niemand gefolgt ist!" "Gut, dann andocken!" Der Kha´lisch tat, wie ihm geheißen.

"Mhm, was sind denn das da für Dinger um die Station herum?"fragte 22095. "Die Energiesignatur deutet zumindest auf eine Art Waffe hin", meinte 32874, "vielleicht deren Äquivalent zu unseren Geschützplattformen an jeder großen Station?" "Wenn das der Fall ist, gibt es hier irgendwas zu schützen!Möchte nur gerne wissen, was!" meinte 22095. "Da paßt was nicht", gab 32874 zurück, "der Stil dieser Station deckt sich so gar nicht mit den anderen Stationen. Schau mal genau hin: sie wirkt irgendwie zusammengeschweißt, als ob die Teile nicht zu einander gehören würden." 32874 wollte gerade fortfahren, als eine Sensorlampe rot aufleuchtete: es war die Ortungswarnung! "Mist, wie haben die uns gefunden? Egal, keine Zeugen! Angriff! Formation auflösen! Alles vernichten!" Im nu drifteten die Aufklärer davon und schossen dann auf die Station zu. Ein kleines Schiff dockte gerade ab und geriet direkt unter Beschuß. In nicht mal einem halben Kha´nik war nur noch Raumstaub übrig. 32874 und 22095 griffen mit ihren Bombern direkt die Station an. Darufhin starteten mehrere Schiffe von eben jener. "Aufklärer", befahl 32874, "übernehmt die Schiffe, die Station übernehmen wir!" "Ebenfalls!" kam es von 22095. 32874 war nun auf Schußweite heran und zog den Abzug durch. Das laute elektrische Surren der Kyonen-Emitter erfüllte das Cockpit und er sah, wie die Energiestrahlen in die Schilde der Station schlugen. 32874 überprüfte die Schilde. Bereits 5 % weg! Auf Kha´linia hätte er einen ganzen Kha´tuk feuern können und es wäre nichts passiert. Neben ihm verging eines der gegnerischen Schiffe. Er fuhr fort zu feuern.

Nicht einmal einen halben Kha´fak hatte die Auseinandersetzung gedauert. Das Ergebnis war das vom Volk gewohnte: Kein Feind hatte überlebt. Sie selbst hatten hingegen nur 2 leicht beschädigte Eingreifer. "Und jetzt?" fragte 22095. "Jetzt schauen wir, ob wir in den Trümmern vielleicht noch einen Nav-Computer finden, dessen Daten noch verwertbar sind.

Es dauerte nicht lange, als einer der Aufklärer gefunden hatte, was sie gesucht hatten. Von einem der Schiffe, die zerstört worden waren, war die gesamte Computerkonsole nahezu unversehrt übriggeblieben. 32874 wedelte erfreut mit den Fühlern: "Zurück zur Basis, 37 wird mehr als erfreut sein!"




12.Kapitel: Kha´tania, Hauptstation des Stammes der Schiffsbauer

Die Versammlung war riesig. Mehrere tausend Kha´ak aller Ränge incl. 2, der Mutter des Schiffsbauerstammes, hatten sich am Hauptdock der Kha´tania-Schiffswerft versammelt. Alle Facettenscheiben des Docks waren sauberst geputzt und auf Hochglanz poliert worden, damit man innerhalb der Halle genau verfolgen konnte, was außerhalb geschah. 26 bebte vor Stolz. Das war sein Meisterwerk geworden. Pünktlich zum geplanten Termin hatte er von Kha´tania-Werft 2 die Meldung erhalten, dass die Antriebselemente in das Hecksegment eingebaut worden waren und dieses somit bereit zur Auslieferung war. Da das Bugsegment und die Kupplung ebenfalls fertig waren, war nun der Zeitpunkt gekommen, das neue Mutterschiff, den Planetenzerstörer, zusammenzusetzen und Realität werden zu lassen. Das einzige, was 26 nun noch fürchtete, war, dass irgendein Kha´jon jetzt Mist baute und die Teile ineinander krachen ließ. Der Gedanke, wieder von vorne anfangen zu müssen, ließ ihm die Deckflügel vibrieren. Alles durfte passieren, nur das nicht!

Gebannt sah die Menge dem Schauspiel zu. Zwei große Stationsschlepper hielten das Bugsegment per Magnetstrahl zwischen sich. Ebenso verhielt es sich mit Heck und Kupplung. An den Stellen, an denen die Teile zusammengesetzt werden sollten, konnte man bei genauem Hinsehen mehrere Kha´ak in Raumanzügen erkennen, die die Montage vornehmen sollten. Diese war zwar nicht besonders aufwendig, dafür aber sehr zeitraubend, denn die Anzahl der zu befestigenden Bolzen wie auch die abzudichtenden Stellen war gewaltig. Aber heute sollte es ja erstmal nur darum gehen, das Schiff in einer Zeremonie zusammenzusetzen um es erstmals in seiner Gesamtheit betrachten zu können. 57 stieß 26 von der Seite leicht an: „Ein wirklich beeindruckendes Stück Schiffsbaukunst, was ihr da zusammengebastelt habt. Meinen allergrößten Respekt!“ 26 wedelte geschmeichelt mit den Fühlern: „Ist ja unglaublich, ein Mitglied des heroischen 5.Stammes lobt jemanden vom 2.Stamm!“ 57 wedelte daraufhin vergnügt mit den Fühlern: „Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass dieser Riesenpott auch die Erwartungen erfüllt, die wir in ihn setzen.“ „Oh“, entgegnete 26, „das wird er, ja, das wird er!“

Ein allgemeines Raunen ging etwa 2 Kha´fak später durch die Menge. „Grundgütiger!“ rief 57 aus, „die Einzelteile waren ja schon riesig, aber jetzt als Ganzes: das Ding ist ja einfach nur gigantisch!“ „Ja, und es hat unsere Mutter eine ganze Mengen Nerven gekostet, dem ersten Stamm diese Menge Kha´ridium abzuschwatzen!“ antwortete 26. „Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Was passiert jetzt?“ „Jetzt warten wir, bis die Teile provisorisch aneinander befestigt sind. Danach soll dann die inoffizielle Indienststellung erfolgen. Dazu werden die Schlepper das Schiff nahe am Dock vorbeischleppen, damit jeder es einmal aus der Nähe betrachten kann.“ 57 dachte kurz nach: „Inoffiziell? Was soll denn dann die offizielle Version sein?“ „Nachdem die Technik überprüft wurde und das Schiff als einsatzbereit gilt, werden wir einen der wertlosen Asteroiden im System sprengen um den Skeptikern, speziell denen aus dem ersten Stamm, zu zeigen, zu was dieses Schiff in der Lage ist. Man könnte also sagen, die Einweihung erfolgt mit einem Knalleffekt!“ 57 wußte nicht, ob ihm bei dieser Vorstellung eines „Knalleffektes“ wohl sein sollte!

4 Kha´tuk waren vergangen. Unter Aufsicht von 57 war unter anderem auch schon die Spezialapparatur eingebaut worden, die für den Gefangenen namens Brennan vorgesehen war. Jetzt befand sich 57, genau wie 26, auf der Brücke des Planetenzerstörers. Hier befand sich eine erlesene und sehr seltene Versammlung: 19, 29, 39, 49 und 59! Alle fünf Berater und Verantwortlichen für äußere Sicherheit! Diesen war die Aufgabe zugeteilt worden, das Monstrum zu kommandieren. Zusätzlich waren noch einige weitere Ausgewählte an Bord. 57 schaute durch eines der Prismen nach draußen. Dort sah er die sechs umgebauten Zerstörer, die wie ein Geleitschutz für das riesige Schiff in der Mitte ihrer sternförmigen Formation wirkten. Vor dem Schiff tauchte nun auch das Ziel auf: ein Asteroid, der zur Gänze aus wertlosen Gesteinen und Halbmetallen bestand. 39, der der wohl erfahrenste Navigator war, befahl den Kha´ak an den Steuerelementen: „Vorwärtsschub stoppen, Wende einleiten. Richtet das Schiff mit der Zieloptik auf den Asteroiden aus! Technik: Wärmen Sie die Computer zur Energieberechnung und –kontrolle an! Ausführen!“ Das große Schiff stoppte und dreht sich langsam in Position. „Mit der Wendigkeit ist es ja nicht weit her“, meinte 57 zu 26. Dieser antwortete: „Klar, im Gefecht braucht es eine große Eskorte. Großartige Manöver kann man mit dem Pott nicht vollführen!“ In diesem Moment drehte sich 39 zu ihnen um: „26, Sir, wir sind in Position! Es ist Ihr Schiff und Ihre Waffe, die hier eingebaut wurde. Unsere Codes haben wir eingegeben, jetzt müssen Sie als Anschauung für uns das Feuer-Manöver kommandieren!“ 26 straffte sich: „Natürlich!“ Dann trat er an das Kommandopult. Alle sahen ihn gespannt an. 26 griff nach dem Kom: „Achtung, Zerstörer, 90 Grad-Wende durchführen und Kupplungsrezeptoren anvisieren. Warten Sie auf Bestätigung des Schiffscomputers, dass Sie in Position sind.“ Dann wandte er sich an die 3 Kha´ak am Waffenpult: „Achtung, Waffen- und Energiekontrolle, fertigmachen zum Abfeuern der Waffe. Kontrollieren sie die Energiemenge, Meldung sobald kritische Masse erreicht ist.“ „Mutterschiff, Position erreicht!“ meldete der erste Zerstörer und wenig später bestätigten auch die anderen Schiffe ihre Bereitschaft. „Leiten Sie die Aufladephase ein, immer 3 Zerstörer im Wechsel, checken Sie ständig den Status Ihrer Waffen und unserer Rezeptoren, ausführen!“ Grelles Licht flammte auf und sorgte auf der Brücke für ein seltsames Farbenspiel. „Wenn es nicht so ernst wäre“, meinte 49, „würde ich fast vergnügt rasseln!“ „Wieso das denn?“, wollte 29 wissen. „Ganz einfach: Wir lassen 6 Zerstörer auf uns schießen, damit wir auf was anderes schießen können!“ Ein allgemeines belustigtes Zischeln ging durch den Raum. Die Farmer! Sie verstanden es doch immer wieder am besten, die heiteren Seiten im harten Leben eines Kha´ak zu entdecken! „Energie bei 78%“, meldete die Waffenkontrolle, als die Zerstörer zum dritten Mal ihren Turnus wechselten. Gebannte Stille war eingekehrt und alle starrten nun gebannt auf die Energieanzeige. „Hier Maschinenraum!“, kam es aus dem Lautsprecher, „haben Probleme mit den Kyonen-Dämpfern, die werden zu heiß!“ „Schon über die rote Markierung?“ rief 26 zurück ins Kom. „Noch nicht, aber da fehlt nicht mehr viel! Wenn die Dinger versagen, fliegen wir alle in die Luft!“ „Energie bei 93%“, kam es von der anderen Seite. 26 brüllte wieder ins Kom: „Weiter nach Plan! Die halten schon!“ „Ihr Wort in der Götter Ohren, 26, Sir!“ kam es zurück. „Energie 100%, bereit zum Schuß!“ „Bündelungsprismen bereit?“ „Bereit, Sir!“ "Dann Energie bündeln!" "Energie ist gebündelt!" „FEUER!“ Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllte die Brücke und alle Anwesenden wandten sich vom Sichtfenster ab, da es so hell wurde, dass Gefahr für ihre Facettenaugen bestand. Als es wieder dunkler wurde, schaute 26 wieder auf und durchs Fenster. Was er dort sah, war einfach unglaublich!




13. Kapitel: Argonischer Sektor „Nyanas Unterschlupf“

Im Kommandoraum der Basis herrschte beeindrucktes Schweigen. Alle Anwesenden, unter ihnen 37, 32874 und 22095, starrten auf die Holo-Animation, die den Raum größtenteils ausfüllte. Es war eine Darstellung der Galaxis und dank der Daten des erbeuteten Navigations-Computers waren Markierungen eingefügt worden, die die tatsächlichen Positionen der diversen Systeme von Argonen, Paraniden und den anderen Völkern zeigte. Umso überraschender war, dass die Systeme alle zusammen zwar ungefähr die Form eines Ovoids ergaben, das aber die recht nahe daneben liegenden Kha´ak-Systeme nicht vom Netz der Sprungtore berührt wurden. Genauer gesagt gab es an dieser Stelle sogar eine Art Delle im Tor-System der Völker, ganz so, als hätte man die Sprungtore um die Kha´ak-Welten herumgebaut, so als hätte jemand bewusst die Kha´ak außen vor gelassen. 37 war das nur recht. Schließlich war man bisher auch sehr gut ohne diese Ketzer ausgekommen. Andererseits war er aber auch ein wenig beunruhigt. Wenn die Erbauer der Tore tatsächlich von der Existenz des Volkes gewusst hatten, konnten es keine Mitglieder dieser erbärmlichen Völkergemeinschaft gewesen sein. Dieser Brennan hatte ihnen versichert, dass niemand je von den Kha´ak gehört hatte. Aber wer, bei der Ursuppe, hatte diese vermaledeiten Tore dann gebaut? Tatsache war zumindest, dass die Dinger größtenteils aus Kha´ridium bestanden und somit das Volk schon durch ihre reine Existenz verhöhnten. Aber das Volk höhnt zurück, denn es selbst brauchte ja nun keine Sprungtore. Der torlose Sprungantrieb, wie ihn Brennan bezeichnet hatte, war so etwas wie der große Traum der Völkergemeinschaft. Für das Volk gehörte er zum Alltag, da man es gar nicht anders kannte! Und jetzt hatten sie auch die Karte, die ihnen das direkte Anspringen aller Sektoren erlaubte.

„37, Sir, sie werden im Hangar erwartet, eine größere Gruppe ist ins System gesprungen“, kam es über Lautsprecher. Gesprungen? Wieso benutzten diese Schaben nicht den Teleporter? 37 seufzte und langte nach dem Kom-Schalter: „Bin unterwegs!“ und machte sich auf den Weg. Zuvor war aber noch ein Lob auszusprechen: „32874, 22095, sie haben heute dort draußen beide gute Arbeit geleistet. 32874: in Verbindung dieser Aktion mit der Gefangennahme Brennans, denke ich, dass es an der Zeit ist, Sie für den Vierstelligen-Status vorzuschlagen!“ 32874 wedelte aufgeregt mit den Fühlern: „Danke, 37, Sir, ich danke Ihnen vielmals!“ „Behalten Sie diese Einsatzbereitschaft bei, aus Ihnen kann was werden!“ Damit verließ 37 den Kommandoraum und ging zum Hangar. Kaum dort angekommen, kam ihm ein junger Kha´ak, offenbar ein Kha´lisch, entgegengelaufen: „37, Sir, hoher Besuch, 17 Sir mit einem großen Transporter und einem Trägerschiff sind ins System gesprungen und schwenken gerade in eine Umlaufbahn um den Planetoiden ein." 17? Was, bei allen Göttern, wollte der hier? Er hatte mit Absegnung aller Mütter das alleinige Kommando über diese Operation erhalten. Kam jetzt einer, um ihm das streitig zu machen? Sollte er es doch versuchen. „Stelle er mir eine Code 2 Verbindung her, Kha´lisch!“ „Ja, 37, Sir!“

„Ah, 37, wie schön wieder von Euch zu hören, es war so seltsam ruhig in letzter Zeit!“ „Kha´jon! Wisst Ihr eigentlich, wie gefährlich ein Sprung in dieses System mit so großen Schiffen ist? Ich hoffe, dass gerade niemand zugeschaut hat! Was, wenn wir hier entdeckt werden?“ Kurzes Schweigen am anderen Ende, dann kam es zurück: „Ich bin in wichtiger Mission hier und im Sinne des Friedens zwischen den Stämmen, der in Kriegszeiten unerlässlich ist, sehe ich über diese direkte Beleidigung eines hohen Beraters hinweg!“ 37 entging die Schärfe der Worte keineswegs, aber seine eigenen Aussagen waren berechtigt. Wenn die Basis hier entdeckt würde, wäre es vorbei mit der Heimlichkeit, mal ganz abgesehen davon, dass er selbst mit absoluter Sicherheit in den Brei gerührt würde! Daran hatte 37 aber nun überhaupt kein Interesse! „Na gut, vielleicht habe ich etwas übertrieben“, antwortete 37, meinte es aber nicht, „was ist das für eine Mission, deretwegen Sie mit zwei Großschiffen springen mussten und nicht per Bomber durch den Teleporter springen konnten. „Wir bringen das damals gefundene Schiff, diese „AP Gunner“.“ 37 wedelte verdutzt mit den Fühlern: „Was sollen wir denn hier damit? Stellt es besser in ein Museum!“ „Wir brauchen es hier, damit es schnell erreichbar ist. Es hat nämlich seine Geheimnisse noch längst nicht alle preisgegeben. Ich habe die Spionagedaten der Systeme Nyanas Unterschlupf, Omikron Lyrae und Grüne Schuppe gesehen. Kein einziges dieser Schiffe, so unterschiedlich sie auch sind, ähnelt diesem Schiff oder auch der Kiste, mit der Brennan bei uns aufgetaucht ist. Daraus schließen wir vor allem eines: diese Schiffe sind alt, sehr alt. Da Brennans Schiff nun aber zerstört ist, bleibt uns nur dieses hier. Und sollte es letzten Endes doch keine neuen, verwertbaren Informationen hergeben, dann kann es uns immer noch als Lockkäfer dienen.“ „Lockkäfer?“ „Es muß davon ausgegangen werden, dass Brennan nicht der Einzige war, der nach dem Schiff gesucht hat. Zumindest werden andere eingeweiht gewesen sein. Vielleicht lässt sich dann ja auch von denen etwas erfahren!“ „Na gut“, 37 ließ resigniert die Fühler hängen, „dann ladet ab!“

„Oh toll, das ist ja wirklich großartig! Hättet ihr den Einflugtunnel nicht ein wenig größer machen können?“ fluchte 17, der mittlerweile per Bomber in die Station gekommen war und nun neben 37 im Dock stand. „Tut mir wirklich schreeeecklich leid“ gab 37 sarkastisch zurück, „aber dieser Tunnel wurde für Eingreifer und kleine Transporter gebaut und nicht, um irgendwelche fremdartigen, eckigen und sperrigen Schiffe hindurchzuschaffen, EINS-SIEBEN, SIR!“ 17 entging dieser Unterton natürlich nicht, aber er ging nicht weiter drauf ein. „Könnt ihr den Tunnel erweitern?“ „Nein, es wurden schon diverse Gänge durch den Fels getrieben. Eine Erweiterung des Tunnels könnte die Stabilität der ganzen Basis gefährden!“ „Und was sollen wir nun Ihrer Meinung nach tun?“ „Wir parken es auf der anderen Seite des Planetoiden auf der Oberfläche, so kommen wir auch schnell ran. Sind die Luftschleusen von dem Ding eigentlich noch intakt?“ „Sind sie, aber warum auf der anderen Seite dieses Felsbrockens hier?“ „Damit niemand, der sonst noch nach diesem Schiff sucht, rein zufällig über unsere Basis stolpert!“ 17 ließ wie vorhin 37 resigniert die Fühler hängen: „Also gut, so sei es!“

Davy Jones
19-06-2008, 09:37 AM
14. Kapitel: Kha´soria, Hauptstation des Stammes der Farmer

Auch das Volk der Kha´ak hat so seine Traditionen. Dazu gehört unter anderem, dass jedem Stamm eine gewisse Eigenart von den anderen vier nachgesagt wird. Die Bergbauer galten als chronisch misstrauisch, die Schiffsbauer als Feiglinge, die Forscher als eigenbrödlerisch und die Priester als leicht abgehoben und arrogant. Der Stamm der Farmer wiederum galt als ein wenig dumm, aber auch als genügsam und leicht zufrieden zu stellen. Vielleicht war auch das der Grund, warum die 5 Mütter eines ihrer äußerst seltenen Treffen auf Kha´soria, der Hauptstation des 4.Stammes abhielten. Das Thema war klar: Rache an den Schändern der Heiligtümer!

3 ergriff das Wort: „Bei uns im Sektor hat alles angefangen. Dieses Brennan-Wesen tauchte bei uns auf und leitete die Katastrophe ein.“ „Ach wirklich?“ gab 5 zurück, „ist Euch beim 3.Stamm eigentlich nie der Gedanke gekommen, dass die Gefangennahme dieses, wie heißt es noch, Argonen der Auslöser gewesen sein könnte?“ „Wie soll ich das verstehen?“ „Vielleicht war er Teil einer größeren Expedition und als er nicht zurückkam, wurden wir angegriffen!“ 3 wedelte verneinend mit den Fühlern: „Nein, denn soweit wir wissen, pflegen die Argonen und diese Paraniden keinerlei Freundschaft. Im Gegenteil: es sind eher Feinde!“ 4, die Gastgeberin, meldete sich zu Wort: „Was wollten diese Paraniden eigentlich hier? Kamen die etwa nur wegen des Kha´ridiums?“ 2 antwortete: „Es scheint so. Wir wissen anhand der Daten, die uns aus den Feindsystemen erreicht haben, dass diese Sprungtore größtenteils aus Kha`ridium bestehen. Wahrscheinlich sollen neue Tore gebaut werden.“ „Dem widerspricht aber“, wandte 1 ein, „das unseren Daten auch besagen, dass diese ominösen Tore mindestens eine Million Kha´sug alt sind. Daher muß davon ausgegangen werden, dass keines dieser Völker weiß, wie man ein Sprungtor baut.“ „Und wo kommen die dann her und wer hat die Dinger aufeinander ausgerichtet?“ wollte 4 wieder wissen. 1 verknotete hilflos die Fühler: „Das ist eine Frage, die bis jetzt völlig unbeantwortet geblieben ist. Wir wissen absolut nichts über die Erbauer dieser Tore. Wäre interessant zu sehen, welche Technologie sie besaßen, ob sie sich mit uns messen könnten!“ 5 brauste auf: „Niemand kann sich mit dem Volk messen! Wir sind allen überlegen und werden es immer sein!“ „Ach ja, die Arroganz des 5.Stammes, was wäre wir ohne sie?“ spöttelte 4. „Was, Ihr beleidigt mich?“ Schon war ein krallenfester Streit im Gange!

57 starrte immer wieder hinaus in den Raum, wo sich dieses monströse Schiff befand, das den Planetenzerstörer darstellte. Neben Kha´tania hatte es schon groß gewirkt, aber neben Kha´soria? Diese Station, obwohl eine Hauptstation, war höchstens zwei Drittel so groß wie Kha´tania und war kaum länger als das ganze Schiff. 47, der neben ihm stand, erging es wahrscheinlich noch schlimmer, denn der hatte den Pott noch nie zuvor gesehen. Als einer der wenigen völlig Unbeeindruckten führte 26 am Kommandostand stehend eine Liste der anwesenden Schiffe, denn was vorging, war allen klar. Die Mütter, die sich im Zentrum der Station berieten, hatten den Befehl erteilt, die geplante Invasionsflotte rund um Kha´soria zu sammeln. 26 war mit der Flotte des 2.Stammes angerückt und die war naturgemäß die größte. 18 Träger, 13 Zerstörer, 80 Eingreifer und der Planetenzerstörer waren ihr Aufgebot. Ebenfalls bereits vor Ort war die Flotte des ersten Stammes, die gleich 3 Minenschiffe mitgebracht hatte, um eventuelle Kha´ridium-Vorkommen im fremden Raum abzubauen. Dumm nur für sie, dass das bisher einzige bekannte größere Vorkommen durch die Operationsbasis blockiert war. „Wo bleibt der 3.Stamm? Die sind zu spät die Brüder!“ fluchte 26 vor sich hin. Wie es für das Volk typisch war, war auch das Sammeln der Flotte von Kha´vornia bis Kha´ronia durchorganisiert. 26 als oberster Flotteninspektor hatte jedem Stamm ein Zeitfenster gegeben, um mit seiner Flotte zu erscheinen, damit es kein Chaos gab. Nun hoffte er, dass sich der 5.Stamm auch verspäten würde, damit er nicht auf den dritten prallte (die Flotte des vierten Stammes war natürlich schon vor Ort)! „Sprungereignisse, Sir“, meldete im der Kha´ak am Sektorscanner. „Stellen Sie Kontakt her!“ befahl 26. „Ja, Sir!“

„Hier 36, wo sollen wir hin?“ „Ihr seid schon einen viertel Kha´tuk überfällig!“ raunzte 26 zurück, „wo habt ihr solange gesteckt?“ „Kleines Bonusgefecht! Ein kleiner Paranidentrupp musste ja partout noch bei uns auftauchen und Ärger machen. Wir haben ihnen gezeigt, wie das Volk mit Häretikern umgeht.“ „Na schön“, seufzte 26, „platziert euch auf der der Station abgewandten Seite der Flotte des 1.Stammes. Aber macht schnell, der 5.Stamm wird jeden Moment erwartet.“ „Sprungereignisse! Der 5.Stamm kommt!“ kam es vom Kommandopult. 26 überlegte, wie er den gesamten 3.Stamm in den Brei rühren könnte!

Die Versammlung der Mütter hatte sich mittlerweile wieder einigermaßen beruhigt, so dass man wieder eine sachliche Diskussion möglich war. 1 ergriff wieder das Wort: „Wie dem auch sei: bisher hat keines dieser Völker ein Sprungtor gebaut, soviel scheint sicher. Aber: wäre es nicht im Bereich des Möglichen, dass sie mittlerweile die Technologie entschlüsselt haben und dass das einzige, was ihnen zum Bau noch fehlt, unser heiliges Metall ist?“ 5 wedelte nachdenklich mit den Fühlern: „Wenn das der Fall ist, dann haben wir mit größeren Angriffen zu rechnen, denn wenn diese *******e trotz der üblen Verluste, die wir ihnen schon beigebracht haben, immer wiederkommen, kann es in ihrem Raum kaum größere Kha´ridium-Vorkommen geben. Sie brauchen unsere...“ „...und werden sie nicht kriegen!“ ging 3 unwirsch dazwischen. „Ach nein?“ fragte 5 zurück? „Tatsache ist, dass, wenn wir einen größeren Teil der Flotte abziehen, wir kaum genügend Schiffe übrig haben, um die Sektorgrenzen zu überprüfen, geschweige denn, sie zu sichern. Wir haben jetzt schon Abbaustellen fremden Ursprungs gefunden, die neu sind und deren Entstehung wir nicht einmal bemerkt haben!“ 2 richtete sich ein wenig erbost auf: „Und das erfahren wir erst jetzt? Ich finde, es ist kein guter Zeitpunkt, um jetzt Geheimniskrämerei zu betreiben!“ „Das ist keine Geheimniskrämerei, sondern eher eine Peinlichkeit, die wir nicht publik machen wollten.“ „Ihr hättet zumindest den Rat einweihen müssen!“ 5 verknotete störrisch die Fühler: „Das hier ist ein Beratungsgremium, wo Beschlüsse gefasst werden. Einen Befehl gibt mir aber niemand!“ „RUHE, UND ZWAR ALLE!“ fuhr 4 dazwischen. 1, 2, 3 und 5 schauten 4 überrascht und verwirrt an. „Ich glaub´ das nicht! Wir sitzen hier am Vorabend eines Krieges und haben nichts Besseres zu tun, als alte Feindschaften und Vorurteile zu pflegen? Wir haben um diese meine Station herum die größte Flotte versammelt, die seit dem Bürgerkrieg gemeinsam operiert hat. Wir sollten nun entscheiden, wo wir sie einsetzen und wenn Ihr, werte Mütter der anderen 4 Stämme, da jetzt nicht mitzieht, lasse ich Euch von der Station werfen, denn hier habe immer noch ich das Hausrecht! Ist das soweit angekommen?“ Betretenes Schweigen herrschte im Raum.

„Ich werde hier noch wahnsinnig!“ fluchte 26. Es war natürlich gekommen, wie es kommen musste. Die Flottenteile waren durcheinander geraten und mussten nun, da schließlich alle Schiffe gleich aussahen, mühsam wieder sortiert werden. Allein diese Unordnung tat vielen der ordnungsliebenden Kha´ak in der Seele weh. 26 sah wieder auf die Sektorenkarte, auf der Kha´soria herangezoomt war. Ein einziges, heilloses Durcheinander herrschte ringsum. Der 3.Stamm hatte in aller Eile versucht, dem 5.Stamm aus dem Weg zu gehen und hatte sich so mit der Flotte des 1.Stammes vermischt. Trotz allem waren sie nicht schnell genug gewesen und so hatte es bei Ankunft des 5.Stammes eine weitere Vermischung gegeben. „Immer ruhig bleiben“, sagte 26 zu sich selbst. Er wünschte, eine der Mütter wäre hier und könnte ihre Autorität einbringen. Stolz blickte auf den Bereich, wo die Flotte des 2.Stammes lag. Säuberlich sortiert und von den anderen getrennt, ganz so, wie es sein sollte. In der Mitte davon schwebte der Planetenzerstörer. Er würde bei den ersten Wellen noch nicht dabei sein, da immer wieder Probleme mit den Maschinen und den Kyonen-Dämpfern für das Waffensystem auftraten. Der Waffentest aber war ein unglaublicher Erfolg gewesen. Als man wieder sehen konnte, erkannte man, dass das Ding eine Schneise der Verwüstung zurückgelassen hatte. Der Asteroid, auf den gefeuert worden war, war nicht einfach in viele Teile zerfetzt worden, sondern viel eher pulverisiert worden. Die Bruchstücke, die man gefunden hatte, waren geschmolzen worden und so heiß gewesen, dass es fast einen Kha´tuk gedauert hatte, bis man sie ohne Schutz hatte anfassen können. Zusätzlich war die Reichweite beeindruckend gewesen. Ein weiterer Asteroid, der in der Schussbahn gewesen war, aber einen ganzen Kha´rak (Durchmesser Kha´ak´kanias, 14978 km) entfernt gewesen war, war noch angesengt worden. Zum Glück war es kein Kha´ridium- Asteroid gewesen, das hätte dem 5.Stamm überhaupt nicht gefallen! Nun aber war es an der Zeit, die Flotte zu organisieren, damit sie bereit war, sobald die Mütter zu einer Entscheidung gelangt waren.

Der Rat der Mütter war sich einig: es war Zeit, zuzuschlagen. Stellte sich nur noch die Frage: wo? Letzten Endes wurde einfach abgestimmt. Jede Mutter gab auf einer Tastatur auf ihrer Transportplattform den Namen des Sektors ein, den sie als erstes angegriffen sehen wollte. Dann leuchtete auf allen Bildschirmen das Ergebnis auf: Omikron Lyrae, Trantor, Trantor, Grüne Schuppe, Trantor. 2 richtete sich auf: „Man rufe 26 her, den Flottenoberinspekteur!“ Wenig später trat 26 ein. Seine Mutter richtete den Blick auf ihn: „Ist die Flotte bereit?“ „Ja, Mutter!“ „Dann höre den Befehl des Rates! Er lautet: SCHICK DIE FLOTTE ZUM ANGRIFF AUF TRANTOR!“ 26 vibrierten vor Freude die Fühler: „JA, MUTTER, SOFORT!“




15. Kapitel: Argonischer Sektor „Nyanas Unterschlupf“

37 schaute ein wenig verduzt auf das Kommunique, das soeben von einem Bomberpiloten per Teleporter hergebracht worden war. Der Angriff war also befohlen worden. Aber Trantor? Wieso Trantor? Dieser Sektor lag doch viele Lichtjahre entfernt! Warum um alles in der Welt hatten die Mütter einen Angriff auf ein System befohlen, das völlig aus der Richtung lag? Nun, letzten Endes brauchte ihn das nicht zu interessieren. Er hatte seine Befehle von ganz oben und würde sie auch genau so ausführen. Eine rote Lampe an seiner Bürokonsole flammte auf und wies ihn darauf hin, dass jemand ihn sprechen wollte. 37 ließ genervt die Fühler hängen und drückte auf den Kom-Schalter: „Ja, was gibt´s?“ „Hier 36112, 37, Sir, neues Schiff eingetroffen. An Bord ist 26 Sir mit persönlichen Nachrichten für Sie!“ „Soll runterkommen.“ „Ja, Sir!“

32874 und 22095 saßen im Dock auf ihrer persönlichen Ausrüstung nebeneinander. Mittlerweile hatten sich die beiden aufgrund der Tatsache, dass sie fast ständig gemeinsam auf Mission waren, miteinander angefreundet und die typischen Vorurteile untereinander abgebaut. Beide dachten darüber nach, was diesen Kha´tuk passiert war. Der Befehl zum Angriff war also da, Schluß mit dem ewigen auskundschaften und verstecken. Jetzt würden sie sich den anderen Völkern zeigen und ihnen demonstrieren, wie es Ketzern ergeht! Jedoch bedeutete der Befehl auch, dass sie selbst als kleine Piloten sich in Gefahr begeben mussten. Bisher hatte man alles ohne größere Verluste weggefegt, aber in ihrem eigenen Raum würden sich die Argonen deutlich heftiger verteidigen, als sie es in fremden Raum taten. 32874 wandte sich an 22095: „Sag mal, wie bereitest du dich eigentlich auf so einen großen Kampf vor?“ 22095 dachte einen Moment nach: „Eigentlich sage ich mir immer, dass wir die Kha´ak sind. Wir sind das eine Volk, das herrschen sollte und dass es das völlig zurecht auch tut. Wir sind die Stärksten und daran wird sich nie was ändern. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ziehe ich in die Schlacht bis zu dem Tag, an dem die Götter Kha´ak´kanias mich heimrufen, um im großen Schwarm zu dienen!“ 32874 dachte etwas über diese Antwort nach: „Also ich, ich sage mir immer, dass es noch soviel zu sehen und zu erleben gibt. Ich will noch so vieles tun, dass ich mir es gar nicht leisten könnte, zu sterben. Das bringt mich dann dazu, mein Bestes zu geben.“ 22095 wollte gerade etwas erwidern, als eine Anweisung über Lautsprecher kam: „Achtung, alle Piloten werden gebeten, sich im Besprechungsraum zu versammeln.“ 22095 wedelte angespannt mit den Fühlern: „Nun, dann wollen wir uns mal anhören, was die Taktikabteilung sich ausgedacht hat!“

„26 Sir, 37, Sir!“ meldete der Kha´ak, der den ranghohen Vertreter des 2.Stammes zum Büro von 37 eskortiert hatte. „Danke, 46132, du darfst dich zurückziehen.“ „Danke, Sir!“ 46132 verschwand und schloß die Tür von außen. 37 sah 26 schweigend an. 2.Stamm, verdammte Feiglinge! 26 brach die eisige Stille: „Nun, 37, Sir, sieht ganz so aus, als wären Sie nicht gerade erfreut, mich zu sehen.“ „Wieso sollte ich? Ich habe hier einen Rückenpanzer voll Arbeit, seit der Angriffsbefehl da ist und ständig muß mich irgendjemand stören! Ich kriege langsam zu viel hier! Und als Krönung kommen nun Sie und gehen mir wahrscheinlich mit irgendwelchen Sonderveranstaltungen auf die Nervenbahnen!“ „Eher weniger“ gab 26 ein wenig gereizt zurück, „ich habe vielmehr eine neue Aufgabe für Sie!“ „Eine neue Aufgabe? Das wird ja immer besser, mal ganz abgesehen davon, dass ich von Ihnen keine Befehle entgegennehme!“ „Das ist eher ein Angebot und es kommt vom Rat der Mütter. Schlage vor, Sie hören sich das mal an!“

392 sah sich die Piloten an, die sich im Taktikzentrum versammelt hatten. Er selbst war erst 3 Kha´tuk hier, aber mehreren der Piloten sah man an, dass sie schon länger hier waren. Sie wirkten rauer, ihre Panzer glänzten nicht mehr fein säuberlich und sie wirkten ein wenig überheblich. „Also, alle Mann aufgepasst: die Mütter haben, wie ihr zweifelsohne wisst, den Angriffsbefehl erteilt! Das Ziel ist der Sektor, den diese Argonen Trantor nennen. Das Ziel dieser „Operation: Invasion“, wie der Codename lautet, ist einfach formuliert: totale Vernichtung! Es wird niemand am Leben gelassen, niemand wird gefangen genommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Wesen in den Schiffen und Stationen nun Argonen oder Angehörige anderer Spezies sind: alles wird zerstört! Am Ende sollen nur noch wir vom Volk der Kha´ak übrig sein. Die Kommandanten der großen Kampfschiffe haben explizite taktische Anweisungen. Wir werden jeden Piloten mit seinem Eingreifer einem der Schiffe zuweisen. Haltet euch genau an die Anweisungen, dann kommt ihr auch heile und gesund zurück. Und jetzt geht und zeigt es ihnen. Für die Mutter, für Kha´ak´kania, für das Volk!“ Ohrenbetäubender Jubel dröhnte durch den Äther und ein begeistertes und aggressives Zischen war im hörbaren Bereich wahrzunehmen.

37 wedelte überrascht mit den Fühlern: „Kommandant des Planetenzerstörers?“ „Ja, aber natürlich erst, wenn die letzten technischen Probleme beseitigt sind und auch nur, wenn Sie annehmen.“ 37 brauchte nicht lange zu überlegen: „Natürlich nehme ich, übersenden Sie dem Rat der Mütter meine Dankbarkeit dafür, dass mir eine solche Ehre zu Teil wird!“ „Das werde ich und daher mache ich mich wieder auf den Weg nach Kha´tania, dort werden meine Fähigkeiten mehr gebraucht.“ 26 drehte sich um und ging.

32874 war beeindruckt. So eine riesige Flotte kannte er nur aus den Erzählungen. Über 70 Großkampfschiffe, zwei Drittel davon Zerstörer, wartete weit draußen im System um die Streitkräfte der Basis an Bord zu nehmen. 32874 war Zerstörer 301, dem Schiff von 392 zugeordnet worden, wahrscheinlich auf Empfehlung von 37, der sehen wollte, ob er als Geschwaderführer etwas taugte, denn genau das würde er sein, das hatte 392 ihm gesagt. Wohlan, er würde es Ihnen beweisen. Nun denn, AUF NACH TRANTOR!




16. Kapitel: Argonischer Sektor „Trantor“

„Achtung, an die ganze Flotte!“ rief 392 ins Kom, „Auffächern in die besprochenen 5 Gruppen, jede Gruppe nimmt ihre Position ein, setzen sie ihre Aufklärer ab und warten sie auf weitere Befehle.“ Auf der Brücke von Zerstörer 301 herrschte hektische Betriebsamkeit. Alle waren gespannt bis zum Äußersten. Natürlich hatte jeder im Laufe seines Lebens Geschichten über die großen Kriege des Volkes und speziell den grausamen Bürgerkrieg gehört, aber es jetzt selbst zu erleben, mit einer großen Flotte in die Schlacht zu ziehen, war etwas doch noch etwas Anderes. An ein mögliches Scheitern dachte jedoch niemand, da sich alle sicher waren, jeder anderen Rasse im Universum überlegen zu sein. Langsam bewegte sich der Zerstörer auf das Sektorzentrum zu.

22095 saß in seinem Bomber versteckt hinter einem Asteroiden, als die Kom-Lampe aufleuchtete: "22095, wo steckst du? Hast du neue Daten? Hier 42967 an Bord von Zerstörer 883, melde dich!" Gehorsam griff 22095 zum Kom-Schalter, denn die Befehlsstruktur des Volkes duldete keinerlei Widerspruch: "Hier 22095, keine Veränderungen, Feinde haben weiterhin keinen Verdacht geschöpft. Offenbar ist Ihnen ein Sprung ohne Ihre Tore nicht möglich, die werden kaum begreifen, was Sie trifft." "Ruhig, 22095, unsere Daten sind nicht besonders umfangreich, unsere Daten über ihre Waffensysteme allenfalls lückenhaft. Halte weiter Ausschau, ob du nicht doch noch was Wichtiges erkennen kannst. 42967 Ende." 22095 dachte nach: lückenhafte Daten bedeuteten, daß man noch nicht alles wußte, was man hätte wissen müssen. Trotzdem hatten die Mütter den Angriff befohlen. Er selbst fand das zu früh. Sofort zischte er laut durch seine Mandibeln: wer war er denn, die Entscheidung einer Khaak-Mutter anzuzweifeln? Ihre Weisheit war unendlich und er selbst nur ein kleiner Pilot. 22095 wurde mulmig: das Volk war seit Ewigkeiten nicht mehr in den Kampf gezogen, da es keinen Grund gab, zu kämpfen. Er rief sich in Erinnerung, wie das alles angefangen hatte: Paraniden, dieser Brennan, der Raub des Kha´ridiums. Soviel war im Laufe des letzten dreiviertel Kha´sugs passiert, dass es ihn fast überwältigte. Nun aber sah er erst einmal auf seinen Scanner um festzustellen, wo sich seine 12 Aufklärer befanden. Gut, alle in der Nähe. „Aufklärer: andocken, wir wechseln unsere Position.“

392 schaute ebenfalls auf einen Scanner, aber auf einen, der ein deutlich größeres Gebiet abdeckte, nämlich den ganzen Sektor. So konnte er befriedigt verfolgen, dass das Flottenmanöver bisher nach Plan verlief. Er wandte sich an den Funker: „Die Flotte soll Statusmeldung geben, wie viele Eingreifer zur Zeit draußen sind.“ „Ja, 392, Sir!“ Wenig später kam die Antwort: „392, Sir, 167 Eingreifer draußen, befinden sich mittlerweile in ovaler Formation vor der Flotte.“ „Befehl an alle Großkampfschiffe: Volle Kraft voraus, Formation beibehalten, Eingreifer sollen Kurs und Geschwindigkeit anpassen, Anlauf beginnt! Ausführen!“ Eine leichtere Vibration zeigte an, dass das Schiff an Geschwindigkeit zulegte. „Geben Sie mir meinen Geschwaderführer!“ verlangte 392. Wenig später hörte er dann: „Hier 32874, 392, Sir, erwarte weitere Befehle.“ „Nehmen Sie und die anderen Eingreifer unserer Gruppe eine Keilformation ein. Sie sind quasi die Speerspitze, die als erste auf den Feind prallt!“ „Verstanden, 392, Sir!“

32874 starrte ein wenig entgeistert auf die Kom-Anlage. Großartig, er und seine Kameraden sollten also die Verteidigung der Argonen aufbrechen. Das hieß also feindliche Kampfschiffe, wahrscheinlich auch Großkampfschiffe, Sperrfeuer der Stationsverteidigungen und vieles mehr. 32874 sagte sich zwar, dass er nicht zum 2.Stamm gehörte und somit mit Feigheit nichts zu tun hatte, dennoch war er nicht erpicht darauf, als Kanonenfutter zu dienen. Doch das interessierte natürlich niemanden außer ihm selbst und Befehl war Befehl.

22095 hatten zwar keinen Scanner für eine so große Reichweite, aber das Licht war mittlerweile stark genug, dass er das, was mancher für einen Asteroiden-Schwarm halten mochte, als die zentrale Gruppe 1 identifizieren konnte. Dort, so wusste er, war auch sein Freund 32874 mit dabei und das auch noch in verantwortungsvoller Position, die auch durchaus einem Vierstelligen gut zu Gesicht stände. Er sah, dass die Gruppe mittlerweile recht nah an den Belebten Raum herangekommen. Seine eigene Gruppe würde noch rund einen Kha´fak brauchen, um die befahrenen Routen zu erreichen, Gruppe 1 höchstens noch die Hälfte. Wenn diese Argonen nun nicht gerade völlig taub und blind waren, so mussten sie spätestens jetzt bemerkt haben, dass sich ihnen etwas näherte.

392 studierte die Scanner-Anzeige und bemerkte nun erstmals auffällige Bewegungen seitens der Argonen. Einige kleine Schiffe, höchstens so groß wie ein kleiner Aufklärer, kamen auf sie zu. Das waren demnach wohl ihre Aufklärer und da sie diese schickten war auch klar, dass sie nicht den blassesten Schimmer davon hatten, was hier auf sie zukam. Er erhielt eine Meldung vom Navigationspult: „392, Sir, haben soeben die festgelegte „Rote Linie“ überquert!“ 392 wedelte erregt mit den Fühlern und wandte sich wieder an den Funker: „Geben sie mir 32874!“ Der Geschwaderführer meldete sich sofort. „32874, hier spricht 392: ANGRIFF, FEUER FREI, KEINE GEFANGENEN!“ „JA, 392 SIR!“ 392 wandte sich an die Navigation: „Steuern Sie die erste Station dort an, das ist unser erstes Ziel. Waffenkontrolle?“ „Sir?“ „Fahren sie die Waffen hoch!“ Mit einem hydraulischen Surren wurden nun die gewaltigen, vom Kha´ridium-Reaktor gespeisten, Kyonen-Emitter der Großkampfschiff-
Variante ausgefahren. 18 Stück davon trug jeder Zerstörer, genug Feuerkraft um alles wegzublasen, was sich bewegte. „Waffenkontrolle: unser Primärziel sind die Stationen, feuert dennoch auf alle feindlichen Schiffe, die in unsere Reichweite kommen. Sollte jedoch ein feindliches Großkampfschiff auftauchen, dann melden Sie das sofort, klar?“ „Ja, 392, Sir!“

32874 sah sie vor sich: dutzende von feindlichen Schiffen, wobei wahrscheinlich die wenigsten davon für den Kampf gebaut waren, die meisten waren wohl Frachter. „Aufklärer: abdocken und angreifen! Schnappt euch die kleineren Schiffe und greift sie in Dreiergruppen an, die Größeren gehören mir, ausführen!“ Kaum war der Befehl beendet, da schossen die Aufklärer schon davon. Die Kha´lisch waren natürlich auch heiß, wussten sie doch, dass dies hier eine optimale Gelegenheit war, sich eine Nummer zu verdienen. 32874 nahm Kurs auf das erstbeste Schiff, wohl auch ein Frachter und war wenig später in Schussreichweite. Ohne viel nachzudenken, zog er den Abzug durch, nur einen halben Kha´nik später explodierte der Frachter in einem Feuerball. Mittlerweile war unter den Argonen Panik ausgebrochen, als die Kha´ak massenhaft unter sie gejagt waren. Alles flog wie wild durcheinander und doch konnte keiner den Kyonen-Strahlen des Volkes entkommen. Wie eine Flutwelle überrollten Aufklärer, Jäger und Bomber die anwesenden Schiffe. 32874 stieß einen wilden Triumphschrei aus. Ein Schiff nach dem anderen vernichtete er in kürzester Zeit. Ständig hatte er das panische Geplapper der Feinde in seinem Kom, aber er ignorierte es völlig. In diesem Moment eröffneten die ersten Zerstörer das Feuer auf die Stationen. Der Angriff hatte mit aller Gewalt begonnen.

Davy Jones
19-06-2008, 09:43 AM
17. Kapitel: Argonischer Sektor „Trantor“

392 starrte fasziniert durch die transparenten Kha´ridium-Prismen in den Raum hinaus. Vor ihnen verschwand die Station in einem Flammenmeer. Meldungen, die ständig eintrudelten, bestätigten, dass die anderen Zerstörer-Crews ähnliches erlebten. Sie alle hatten mit schwerstem Geschützfeuer seitens der Stationen gerechnet, aber die waren alle, so schien es zumindest, unbewaffnet. In gewisser Weise war 392 ein wenig enttäuscht. Er hatte sich das Ganze schon ein wenig herausfordernder vorgestellt! Aber egal, man musste es nehmen, wie es kam. Da jedoch kam eine Meldung vom Navigator: „392, Sir, wir verzeichnen größere Aktivitäten an einem der Tore, da kommen über 30 Schiffe!“ 392 wandte sich wieder der Sektorkarte zu: „Können Sie mir sagen, ob das Kampfschiffe sind?“ „Tut mir leid, Sir, aber dazu fehlen uns einfach noch zu viele Informationen. Wir haben noch nie eine Argonen-Flotte im Kampf erlebt, daher beruhen unsere Schiffsklassifizierungen nur auf Vermutungen.“ „Dann vermuten Sie, bei den Göttern von Kha´ak´kania!“ herrschte 392 seinen Navigator 3418 an. Dieser gehorchte: „Wir haben eine Klassifizierung gemacht, wie wir sie kennen: Aufklärer, Jäger, Bomber und was da kommt, sind etwa 20 Bomber und 10 Jäger. Wie gesagt, das sind alles nur Vermutungen.“ „Funker: geben Sie mir wieder meinen Geschwaderführer!“

32874 sah, dass die vermaledeite Kom-Lampe schon wieder blinkte: „Hier 32874, ich höre.“ „Geschwaderführer, hier 392. Da kommen rund 20 Bomber und 10 Jäger des Feindes durch das ihnen nächstgelegene Sprungtor, fangen Sie die ab, die sollen nicht auf die eher unerfahrenen Kha´lisch treffen! Nehmen Sie von unserer Staffel so viele Bomber, wie Sie für nötig halten! Ausführen!“ „Ja, Sir!“ 32874 stellte eine Verbindung zu allen Mitgliedern seiner Staffel her, denn wenn ihm schon überlassen wurde, wie viele er mitnimmt, dann wollte er sicherheitshalber gleich ALLE mitnehmen. „Hier 32874 an alle Bomber meines Geschwaders: folgt mir zum Tor, da kommt ein Satz ungebetene Gäste, vermutlich das argonische Äquivalent zu unseren Bombern. Bereiten wir ihnen einen heißen Empfang!“ Auf seinem Scanner sah 32874, dass die 24 anderen Bomber direkt auf seinen Befehl hin umschwenkten und Richtung Tor flogen. Wohlan, dann wollten sie doch mal schauen, was so eine Gruppe argonischer Kampfflieger draufhat!

22095 fragte sich, ob das wirklich alles war, was die Argonen zu bieten hatten. Es war viel zu einfach. Jetzt gerade eben war sogar eine Anfrage von einem anderen Bomberpiloten gekommen, was man denn nun tun solle, da keine Ziele mehr vorhanden waren. Was 22095 auch mitbekommen hatte, war, dass eine Gruppe von 25 Bombern unter Führung von 32874 eine neu eingetroffene Gruppe von feindlichen Bombern angriff. Nur zu gerne wäre er selbst dabei gewesen! Bisher war er ja kaum gefordert worden! In diesem Moment leuchtete das nächstgelegene Tor auf (aus seiner Sicht) und ein großes Schiff erschien. „Achtung, Geschwaderführer!“ rief er ins Kom, „Großkampfschiff im Anflug!“ Sein Geschwaderführer 2045 antwortete sofort: „Ich hab´s gesehen, formiert euch!“ „Geschwader, hier 282“, der der Kommandant des Zerstörers 760 war, welcher die Gruppe anführte, „achtet ihr auf eventuell von dem Schiff abdockende Jäger. Vielleicht könnt ihr auch die Geschütze ein wenig ablenken. Den Rest überlasst ihr uns, ausführen!“

An Bord von Zerstörer 962 ging es etwas ruhiger zu, was wohl auch daran lag, das dieses Schiff zum 5. Stamm gehörte. 501 hatte hier persönlich das Kommando, aber sein Interesse galt eher weniger der draußen tobenden Schlacht, die er selbst eher als Massaker bezeichnet hätte, sondern vielmehr dem Stimmengewirr, das auf den fremden Kommunikations-Kanälen herrschte. 501 und zwei weitere Offiziere der Crew hatten sich in Trance versetzt und versuchten aus den ihnen sonst so fremdartigen Sprachen schlau zu werden und vielleicht das ein oder andere wissenswerte Detail herauszufiltern. Eines hatten sie jedoch schon herausgefunden: die anderen Rassen waren allesamt Feiglinge und das noch viel extremer als der 2. Stamm! Die ersten Rufe, die sie identifiziert hatten, lauteten in etwa so: „Großer Gott, was ist das?“ „Bitte, um des Friedens willen!“ „Bitte, stellen Sie das Feuer ein, wir sind nicht bewaffnet!“ „Wenn Sie meinen Profit haben wollen, nehmen sie ihn, aber lassen sie mich am leben!“ Nur einmal waren 501 und seine Leute hellhörig geworden, als sie vernahmen: „Ich, Sai K´tt von glorreicher Familie Rhy werde dir zeigen, was ein richtiger Kampf ist!“ Wenigstens einer von diesen Feinden hatte den Mut besessen, sich einem Kampf zu stellen! Da sie diesen Satz aber nur ein einziges Mal gehört hatten, war dieser Pilot wohl genau so schnell gefallen wie alle anderen! Mittlerweile war das Geplappere aber größtenteils in Panik umgeschlagen. Jeder versuchte, irgendwie mit dem Leben davon zu kommen, aber vor den Schiffen des Volkes gab es kein entkommen.

Das Gefecht war heftig und hatte zumindest eine neue Tatsache hervorgebracht, die bis jetzt unbekannt gewesen war: die argonischen Großkampfschiffe hatten waffenmäßig einen klaren Reichweitenvorteil! Allerdings konnte das Volk das dank zweier Sachen recht gut kompensieren: Zum einen waren die eigenen Zerstörer deutlich schneller und wendiger, wodurch man den gleißenden Energieprojektilen recht gut ausweichen konnten, zum anderen verhinderten in der anderen Richtung die Kyonen-Kanonen des Zerstörers großartige Fehlschüsse! So kam es, dass der Zerstörer 760, anfangs von der Reichweite überrascht und heftig getroffen worden, langsam die Oberhand gewann. Hinzu kam, dass das Volk die entscheidende Schwachstelle des gegnerischen Zerstörers aufgedeckt hatten: seine Waffensysteme waren nicht auf einen Nahkampf mit schnellen Jägern ausgerichtet und so jagten 22095 und seine Bomberkameraden ein ums andere Mal über das Schiff und feuerten ihre Kyonen-Geschütze auf das Schiff ab. Schließlich kam es, wie es kommen musste: die Schilde des Argonen-Zerstörers brachen zusammen. 282 griff zum Kom: "Achtung, Bomberpiloten, der Pott dort explodiert gleich! Seht zu, dass ihr auf Distanz geht!“ Durch das Außen-Prisma konnte er verfolgen, wie der ganze Schwarm an Bombern, Jägern und Aufklärern sich mit höchstmöglicher Geschwindigkeit vom Ziel entfernte. 2 Kha´nik später war der Zerstörer der Argonen Geschichte.

„Heckgeschütze! Seht euch vor!“ rief 32874. Öfter mal was Neues, denn derartige Geschütze, die nach hinten feuerten, besaßen nur die Großschiffe des Volkes. An einen Einbau bei den Bombern oder gar den noch kleineren Schiffen, hatte bis jetzt noch niemand gedacht. Letzten Endes half ihnen das aber auch nicht viel, denn die gegnerischen Bomber waren einfach viel zu langsam und plump, um gegen die wendigen Bomber des Volkes anzukommen. Und die die kleineren Jäger? Eine Salve aus den drei Kyonen-Geschützen des Bombers reichten, um sie zu Raumstaub zu zerblasen. „Alles wie immer!“ dachte 32874 bei sich, „egal wer sich uns stellt, er verliert fast schneller, als wir feuern können!“

392 prüfte erneut den Sektorscanner. Es war ruhig geworden. Spontan konnte er keine weitere, feindliche Bewegung ausmachen. „Funker, verlangen Sie Statusmeldung von allen Trägern und Zerstörern. Sie sollen auch alle aktuellen Feindkontakte melden!“ 392 wartete eine Weile. Als keine Meldung kam, wurde er leicht ungehalten: „Was ist los, haben einige Sprachschwierigkeiten oder was?“ „392, Sir“, meldete dann der Kha´lisch am Funk, „es scheint so, als könnten wir Vollzug melden. Niemand hat mehr Feindkontakt! Alle Stationen sind zerstört!“ 392 wedelte aufgeregt mit den Fühlern: „Verluste?“ Wieder eine Weile Schweigen, dann kam die von allen mit Spannung erwartete Antwort: „4 Aufklärer, 1 Jäger, ansonsten keinerlei Verluste!“ Ein begeistertes Zischen ging durch den Zerstörer und die ganze Flotte, der gesamte Äther war voll mit Jubelschreien. 392s Fühler vibrierten vor Stolz: „An alle: Rückkehr in die Heimatsektoren. Die Stationsstreitkräfte der Geheimbasis landen auf Zerstörer 301 und werden bei der Basis abgesetzt, ausführen!“ Nicht einmal einen halben Kha´fak später war die gesamte Kha´ak-Flotte wieder zwischen den Sternen verschwunden.

Als einige Zeit später die ersten Zivilschiffe wieder in den Sektor flogen, fanden sie nur ein verwüstetes Ödland vor. Die komplett raumgebundene Zivilisation von Trantor existierte nicht mehr!




18. Kapitel: Kha´tania, Hauptstation des Stammes der Schiffsbauer

26 stand oben auf der großen Landeplattform und besah sich den ganzen Trubel unten im Dock. Die Flotte war vor etwa 2 Kha´fak heimgekehrt und mittlerweile waren die meisten Piloten und Crew-Mitglieder im Dock angekommen. Alle feierten sie begeistert ihren großen Sieg. In den interaktiven Nachrichten waren die beteiligten Krieger schon zu Helden erklärt worden, beim 1. Stamm plante man, all diesen einen Orden zu verleihen. 26 war das alles zuviel. Was hatten sie denn bis jetzt erreicht? Einen ganzen Sektor hatten sie überrannt und als leere Hülle zurückgelassen. Sie waren dabei auf einen Gegner getroffen, der nicht im Mindesten vorbereitet gewesen war. Zudem war in jenem Sektor, der „Trantor“, wie 26 sich erinnerte, genannt wurde, die gesamte Zivilisation raumgestützt gewesen. Daher hatte es die Flotte auch nicht mit planetarischen Verteidigungsanlagen zu tun bekommen.

Ja, dachte sich 26, das wäre doch eine echte Herausforderung: eines der Hauptsysteme der Feinde zu attackieren. Die Möglichkeit, diesen Vorschlag einzubringen, sollte sich in Kürze ergeben, da ein strategischer Rat auf Kha´tania tagen würde, zu dem jeder Stamm einen Abgesandten schicken würde. Er selbst würde als Vertreter des 2. Stammes an diesem Treffen teilnehmen. In diesem Moment piepte sein Kommunikator. Leicht genervt griff 26 danach um zu schauen, was es nun wieder gab. 22010, sein Sekretär, wollte ihn sprechen: „26 hier, was gibt es?“ „26, Sir, 263 Sir steht ziemlich aufgebracht vor der Tür und möchte Euch sofort sprechen!“ 26 ließ resigniert die Fühler hängen und antwortete: „Na schön, bin gleich da!“

26 ließ sich auf seinem Sitzblock nieder und blickte dann den äußerst verärgert wirkenden 263 an. Dieser hielt sich aber pflichtbewusst an die Rang-Etikette, die erforderte, dass der Ranghöhere die Konversation beginnt. „Also, 263, was gibt es so Wichtiges, dass Sie meinen Sekretär beinahe nötigen?“ „Den Planetenzerstörer, 26, Sir!“ 26 seufzte: „Was ist denn jetzt schon wieder damit?“ „Die Kyonendämpfer sind einfach nicht dafür geeignet!“ 26 wurde sauer: „Die Dinger reichen absolut aus, das sind dieselben, die den Kha´tania Hauptreaktor stabil halten und der ist noch um Einiges stärker!“ „Aber es funktioniert nicht. Bei zwei von drei Schussversuchen müssen wir abbrechen, weil die Dinger heiß werden und der Reaktor außer Kontrolle zu geraten droht!“ 26 dachte nach: „Dann muß es an der Technik liegen. Irgendwelche Verkabelungen stimmen nicht oder wurden beim Einbau beschädigt.“ Er stand auf: „Also gut, da dieses Problem offenbar einfach nicht zu lösen ist, bauen Sie jetzt die Dämpfer mitsamt all ihrer Verbindungen aus. Dann überprüfen wir das und setzen gegebenenfalls neue ein.“ Die Fühler von 263 vibrierten: „Ausbauen, 26, Sir? Dazu müssten wir den Reaktor runterfahren und den halben Schiffsboden auseinandernehmen!“ 26 entgegnete gereizt: „Wenn das die einzige Möglichkeit ist, das Problem zu beheben, dann haben wir keine Wahl! Wir brauchen den Pott einsatzbereit und jetzt keine weiteren Diskussionen mehr! Sie haben Ihre Befehle, 263, führen Sie sie aus!“ „Ja, 26, Sir!“ Er ging. 26 sah ihm nach. Dieser Ausbau und die weiteren dann erforderlichen Maßnahmen würden gut 10 Kha´tuk dauern, wenn nicht noch länger. Das würde Ihre Pläne zeitmäßig ordentlich durcheinanderwirbeln. Nun, das war jetzt nicht mehr zu ändern. Wichtig war nur, dass der Planetenzerstörer einsatzbereit wurde und das am besten ohne größere Probleme.

Wenig später betrat 26 den strategischen Besprechungsraum. Die anderen waren schon da: 17, 39, 49 und 55 saßen auf ihren Plätzen und hatten, das verriet ihre Laune, schon etwas länger auf ihn gewartet. „Schön, dass Sie auch noch kommen, 26, Sir!“ rief ihm 17 zu. 26 fühlte sich zu einer Erklärung genötigt: „Es gibt Probleme mit dem Planetenzerstörer, er wird frühestens in 10 Kha´tuk einsatzbereit sein. Besser wäre es, wenn wir mit 15 rechnen. Bis dahin muß die Flotte ohne ihn auskommen!“ 26 spürte die allgemeine Resignation, außer bei 55, der sich erhob: „Vielleicht wollen die Götter ja nicht, dass erneut so ein Schiff gebaut wird. Schließlich haben wir durch ein solches Schiff auch damals ihre Gunst verspielt!“ 39 mischte sich ein: „Das waren nicht wir, das war der 6. Stamm, der zum Glück nicht mehr existiert. Und ehrlich gesagt bezweifle ich, dass die Götter entscheiden, welche Art von Schiffen wir bauen!“ 55 wandte sich dem Vertreter des 3. Stammes erbost zu: „Das ist Blasphemie!“ „Nein, nur die Wahrheit!“ gab 39 zurück. „Meine Herren, bitte“, ging 49 dazwischen, "sind wir hier, um über die Götter zu streiten, oder um das weitere Vorgehen des Volkes abzustimmen, um diesen Plan dann den Müttern vorzulegen?“ Die Farmer! Wie immer der Ruhepol, wenn es hektisch wird, dachte 26 bei sich. Es wirkte, alle beruhigten sich wieder. 26 ergriff das Wort: „Da, wie ich gerade gesagt habe, der Planetenzerstörer auf sich warten lässt, müssen wir unsere Pläne für einen Angriff auf einen der Kernsektoren noch verschieben, da wir dort vermutlich große Probleme mit planetarischen Verteidigungssystemen bekommen würden. Jeder von Ihnen hier weiß, wie schwer bei uns zum Beispiel Tania´kova´ak unser Ressourcenplanet, verteidigt ist. Wir sollten davon ausgehen, dass auch diese Khir´jon ihre Planeten, zumindest die wichtigen, schwer verteidigen. Daher müssen wir uns vorerst leichtere Ziele aussuchen.“ „Und welche?“ wollte 17 wissen. „Das zu besprechen sind wir hier, fangen wir an!“




19. Kapitel: Split Sektor Thyns Abgrund

3287 glänzte wie ein frisch aus dem Verpuppungskokon geschlüpfter Kha´ak! Vorbei war´s mit dem ewigen Patroulliendienst. Jetzt war er wer! Während bei den Fünfstelligen Nummern mehrfach vergeben wurden und im Bedarfsfall mit alpha, beta usw. unterschieden wurde, wurde höhere Nummern nur einmal vergeben. Daraus folgte die Existenz von 1000 Vierstelligen, 99 Dreistelligen und 9 Zweistelligen, da bei den beiden Letzteren die 0 nicht vergeben wird, pro Stamm. Dazu kam natürlich noch die Mutter. 3287, vormals 32874, gehörte jetzt also zu den oberen 1108 seines Stammes. So viele waren es aber auch nicht ganz, denn unter den Vierstelligen waren einige Nummern nicht vergeben, da es auch immer Ausfälle gab und darüber hinaus nicht für jeden Vierstelligen, den man hätte ernennen können, eine adäquate Arbeit gab. Grob gesagt, und das hörte sich nach Ansicht von 3287 auch besser an, gehörte er jetzt zu den oberen 1000. Momentan war er jetzt der neue Geschwaderführer der Flotte der Basis in Nyanas Unterschlupf. Zwar war das hier schon wieder eine Art Patroullienflug, aber er konnte jetzt vor Ort koordinieren, hatte die Befehlsgewalt, da er als einziger Vierstelliger anwesend war und auch kein Höhergestellter vor Ort war. Diese Patroullie bestand aus 3 Eingreifern. Seinem eigenen, dem von 22095 und ein dritter, der von einem Piloten des ersten Stammes geflogen wurde, dessen Nummer 18443 war. Der Sektor, in dem sie jetzt herumflogen, war gleich in doppelter Hinsicht Neuland. Zum einen war noch kein Kha´ak überhaupt in diesem Sektor gewesen, zum anderen war dies der erste Sektor des Volkes, das sich „Split“ nannte, welcher überhaupt erkundet wurde.

Wie es mittlerweile zur Gewohnheit geworden war, flogen die Kämpfer des Volkes mit ihren Schiffen weit draußen im Sektor herum und scannten die Umgebung. Nach einiger Zeit hatte 3287 ein Muster ausgemacht, das ihn ein wenig verwunderte. „He, 22095, schau dir mal das eine Tor da an, da fliegt, solange wir hier sind, nichts rein und nichts raus. Ist dir das auch schon aufgefallen?“ 22095 meldete sich nach kurzer Verzögerung: „Ja, aber ich dachte einfach, das Tor sei kaputt und habe mir da keine weiteren Gedanken drüber gemacht.“ 3287 schüttelte den Kopf: „Wenn das Tor kaputt wäre, dann würden es diese Split nicht derart hermetisch mit ihrem Militär abriegeln!“ In der Tat patroullierten in der Nähe des Tores mehrere große Kampfschiffe, die schon allein vom Äußeren her aggressiv und gefährlich wirkten. „Na schön“, meinte 22095, „was kann es dann sein?“ „Hinter dem Tor befindet sich etwas, das nicht hereinkommen soll. Wahrscheinlich diese sogenannten „Boronen“, mit denen die Split, soweit wir wissen, in einem kriegsähnlichen Zustand Leben.“ „Kriegsähnlich?“ mischte sich nun auch 18443 ein, „haben die nun Krieg oder nicht?“ 3287 ließ genervt die Fühler hängen. Dieser Kha´jon vom 1. Stamm war neu auf der Basis und hatte von den Feind-Völkern quasi überhaupt keine Ahnung. Dennoch ließ er sich dazu herab, eine Erklärung zu geben: „Die Split und Boronen sind auf den Tod verfeindet, aber beide Seiten haben Verbündete, wobei die Paraniden auf Seiten der Split nicht gerade zuverlässig sind. Würden die Split allerdings die Boronen angreifen, würden die Argonen sofort auf Seiten der Boronen in den Kampf eingreifen. Genau aus diesem Grund scheuen die Split die offene Konfrontation!“ „Khir-Politik!“ meinte 22095 verächtlich. 3287 wedelte belustigt mit den Fühlern. Besser hätte er es auch nicht ausdrücken können.

Auch 2 Kha´fak später war die Situation noch unverändert. Die Kampfschiffe patoullierten vor dem Tor und nichts kam heraus oder flog hinein. 22095 meldete sich wieder: „Wissen wir, was hinter diesem Tor ist, bzw., sein müsste? 3287 sah auf seine Navigationskarte, die die Kryptografie-Abteilung nach bestem Wissen erstellt hatte. „Mhm, ein Sektor, der keinem Volk zugewiesen ist und rot markiert wurde. Offenbar gilt er als gefährlich. Wir könnten ihn natürlich anspringen…“ „Gefährlich? Wie gefährlich kann das für uns schon sein?“ rief 18443 dazwischen. „FÜNFSTELLIGER!“ 3287 war wütend, „stellst du meine Entscheidungen in Frage? „Nein, 3287, Sir!“ 3287 wollte gerade mit der Schelte fortfahren, als seine Kom-Lampe blinkte. 22095 rief ihn. 3287 drückte auf den Komschalter und benutzte die Audio-Sprache: „Warum funkst du mich an?“ „Ich finde, dass 18443 in einer Hinsicht recht hat: wir sollten erforschen, was hinter diesem Tor ist. Vielleicht ist es tatsächlich ungefährlich für uns, aber wenn nicht, dann sollten wir darüber Bescheid wissen!“ 3287 fragte sich, was er falsch gemacht hatte. Jetzt war er schon Vierstelliger und die anderen diskutierten trotzdem noch mit ihm. Das Ärgerlichste aber war, dass 22095 recht hatte. Wenn es hier eine unbekannte Bedrohung gab, dann sollte das Volk darüber Bescheid wissen. „Na gut, richtet eure Navigation aus, wir springen!“ 2 Kha´tik später war die Gruppe sprungbereit. Der Bordcomputer 3287 zählte runter: „…5…4…3…2…1…Sprung!“ Ohne großartigen Übergang, vom kleinen Lichtblitz mal abgesehen, fanden sich die 3 Eingreifer in neuer Umgebung wieder. 3287s Fühler richteten sich starr auf. Auf seinem Scanner sah er hunderte von Schiffen und dann flammte der Alarm auf: „Achtung, feindliche Rakete im Anflug!“ „Na großartig!“ dacht 3287 bei sich und ging auf Maximalschub.




20. Kapitel: Argonischer Sektor „Nyanas Unterschlupf“

„Achtung, Hangarpersonal, anfliegendes Schiff!“ kam es aus dem Lautsprecher. Für 37 war das nichts Neues. Er stand an der Landeplattform und erwartete seine ankommenden Gäste. 55 kam zur Station. Den Teleporter benutzt er nicht, da er von Bord seines Zerstörers kam, der nach dem Trantor-Massaker noch einige Erkundungsflüge durchgeführt hatte und nun zurück in den Kha´ak-Raum springen sollte, während 55 noch ein paar Sachen mit 37 besprechen wollte. 37 konnte den Kerl nicht besonders leiden. Mal abgesehen davon, dass die Priester eh nicht besonders beliebt waren, war 55 in seiner Großspurigkeit nicht zu überbieten, zumindest, was die Meinung von 37 betraf. Das 55 auf der anderen Seite genauso über ihn dachte, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Stattdessen verfolgte er den Flug des Bombers, der in gemächlichem Tempo durch den Eingangstunnel schwebte und nun das Kraftfeld durchdrang, das durch seine spezielle Konfiguration Schiffen das Passieren erlaubte, aber dennoch die Luft drinnen hielt.

Wenig später landete das Schiff und 55 stieg aus. 37 kam ohne Umschweife zur Sache: „Also, was gibt’s es, dass Sie meinen Tagesablauf stören müssen?“ 55 wedelte belustigt mit den Fühlern: „37, Sir, charmant und formal wie immer! Schön, Sie wieder zu sehen.“ 37 entging der sarkastische Unterton nicht, musste er sich das bieten lassen? Nein! Auf keinen Fall! 37 schob die Diplomatie zur Seite: „Gewöhnen Sie sich besser schnell einen anderen Ton an. Hier auf dieser Station habe ich das Sagen und wenn mir jemand zu sehr missfällt, wird er in den Brei gerührt! Da sind Zweistellige nicht von ausgenommen!“ „Sie würden eine Fehde riskieren? Nein, das glaube ich nicht!“ „Wollen Sie es drauf ankommen lassen?“ Das schien gewirkt zu haben. 55 war tatsächlich ein wenig verunsichert. Man hatte ihn vor 37 gewarnt, dass dieser spezielle Kha´ak zu cholerischen Ausbrüchen neigte! So sagte er sich, dass es besser sei, 37 nicht weiter zu reizen. „Na gut, der Grund meines Besuchs: wir haben einige Spionagedaten gesammelt, speziell über die Völker, mit denen wir bis dato eher wenig zu tun hatten wie zum Beispiel diese Split. Das soll zwar jetzt nicht direkt einen neuen Angriff einleiten, aber da die Daten größtenteils eher oberflächlich sind, hofften wir, dass Ihre Leute hier das Detailwissen hinzufügen könnten.“ 37 wedelte missmutig mit den Fühlern: „Mehrarbeit, hm? Wessen Idee war das? Ist das ein Befehl der Mutter?“ „Nein, das war mein Vorschlag, da wir mit einem Zerstörer einfach nicht besonders heimlich vorgehen können, wenn wir uns in ein Sektorinneres wagen.“ 37 ließt genervt die Fühler hängen: „Na schön, kommen Sie mit.“

Seit 5 Kha´tik nun schon starrte 37 nun schon auf die Daten und ließ 55 dabei unbeachtet herumstehen. Dann sah er wieder auf: „Und? Was soll mir das jetzt sagen?“ "Das sind Sektorkarten aus visueller Beobachtung. Wir haben auch die vorhandenen Rohstoffe überprüft, aber für eine genauere Analyse der Verteidigung müsste man näher ran. Das ging mit unserem Schiff nicht und da dachte ich mir, dass Sie, wenn Ihre Zeit das zulässt, weitere Erkundigungen dort einziehen könnten.“ 37 wedelte unwillig mit den Fühlern: „Momentan sind wir hauptsächlich damit beschäftigt, Trantor zu überprüfen. Wir wollen herausfinden, wie diese Khir´jon von Argonen auf die Vernichtung dort reagieren. Ehrlich gesagt, kann ich niemanden entbehren.“ 55 war enttäuscht und hielt damit auch nicht hinterm Berg: „Ich dachte, Sie würden sich freuen, dass wir Ihnen solche Vorarbeit geleistet haben. Nun werde ich hier beiseite geschoben, als hätten wir nichts geleistet!“ 37 sah auf und beschloß, einen versöhnlicheren Ton anzuschlagen, vielleicht war er ja wirklich ein bisschen zu hart mit 55 ins Gericht gegangen: „Ehrlich gesagt, ist das eine tolle Vorarbeit, nur haben wir hier Personalprobleme. Ich habe einfach nicht genug Leute, um alle mir übertragenen Aufgaben zu bewältigen! Mal ganz abgesehen davon sind 3 Eingreifer überfällig, die schon seit rund einem Kha´fak wieder hier sein sollten!“ „3 Eingreifer?“ „Ja, ich weiß, das ist eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass ich hier gerade mal 8 davon zur Verfügung habe.“ 55 wiegte den Kopf: „Haben Sie schon mal versucht, zusätzliches Personal von den Müttern zu erhalten?“ 37 verknotete die Fühler: „Oft genug, aber es ist immer dasselbe! Die erfahrenen Truppen werden zurückgehalten und die anderen sind in der Ausbildung!“ 55 verstand nun die Probleme seines Gegenübers und er musste zugeben, dass er jetzt nicht mehr neidisch auf dessen Position als Leiter der Operationsbasis war. Er wollte gerade etwas erwidern, als auf dem Arbeitstisch von 37 die Dringlichkeitslampe aufleuchtete, die anzeigte, dass jemand ihn dringend sprechen wollte. Es war 22010, sein neuer, ihm von 26 ausgeliehener, Sekretär: „37 hier, was gibt´s?“ „37, Sir, 3287 hat Kontakt aufgenommen! Er kommt zusammen mit 22095 in zwei schwer beschädigten Bombern und hat um Vorbereitungen für eine Notlandung gebeten!“ 37 lief es eiskalt den Rückenpanzer hinunter: „Wo ist 18443 mit seinem Eingreifer? Wo sind die Aufklärer?“ Keine Ahnung, Sir, aber ich denke, Sie sollten zum Hangardeck gehen, 3287 deutete an, dass er eine sehr wichtige Meldung für Sie habe!“ „Bin schon unterwegs!“ und an 55 gewandt: „Kommen Sie mit!“

Das Ärzteteam war bereit ebenso wie die Löschmannschaft. Draußen sahen sie jetzt die beiden Bomber, die mit röhrenden Triebwerken, die offenbar auch nur noch teilweise funktionierten, durch den Tunnel hereinkamen. Beide taumelten eher herein, als dass man das noch Fliegen nennen konnte. Ohrenbetäubender Lärm erfüllte den Hangar, offenbar war auch die gesamte Schalldämpfung ausgefallen. Mit letzter Kraft gelang es 3287 und 22095 die beiden Bomber einigermaßen sanft aufzusetzen. Als sie die Maschinen abschalteten, atmeten alle erleichtert auf. Nun war das Mechaniker-Team gefragt, denn man hatte sofort erkannt, dass die Ausstiegsluken der beiden Schiffe verzogen waren und von den Piloten nicht geöffnet werden konnten. Die Aufmerksamkeit von 37 galt jedoch etwas anderem: überall auf den Schiffen waren Brandspuren zu sehen! Das bedeutete, dass die beiden unter heftigem Feindfeuer gestanden hatten. Feuer von einem Gegner, der den Rest der Gruppe offenbar vernichtet hatte. Das Kreischen der Trennschleifer ertönte, als sich das Bergungsteam nun durch die kristalline Kha´ridium-Hülle schnitt. 3 Kha´tik dauerte diese Prozedur, dann konnten sowohl 3287 als auch 22095 ihre Schiffe verlassen. Wie zwei Fliegen nach langem Regen standen sie dann vor 37, der sie eingehend musterte. 55 stand schräg rechts hinter ihm. 37 wusste nicht so recht wie er beginnen sollte, aber da kam ihm 55 zur Hilfe und 37 wollte ihm dankbar sein, ärgerte sich innerlich aber nur umso mehr! 55 trat auf die beiden sichtlich mitgenommenen Piloten zu: „Was, bei den Göttern von Kha´ak´kania, ist passiert? Wo sind Eure Gefährten?“ 3287 verknotete beschämt die Fühler: „Wir haben einen unbekannten Sektor erkundet, der sich neben diesem Sektor namens Thyns Abgrund befand. Dort waren hunderte von Feinden, die sofort das Feuer von allen Seiten auf uns eröffneten. Die Hälfte meiner Aufklärer kam nicht einmal dazu, das Feuer zu erwidern. 18443 wurde von einem mittelgroßen Kampfschiff erwischt. 22095 und ich kämpften zwar, wie es dem Volke würdig war, aber es waren viel zu viele Feinde. So beschlossen wir, den…“, hier zögerte er kurz, „…Rückzug anzutreten, um davon zu berichten. Diese Informationen mussten publik werden, damit anderen nicht dasselbe passiert!“ 37 reichte es: „Dann schicken wir mal einen Zerstörer darein, um da aufzuräumen! Das kann ja wohl nicht wahr sein, dass wir uns von denen so beleidigen lassen!“ „Tut mir leid, Sir“, erwiderte 3287, „aber ein Zerstörer wird nicht ansatzweise genug sein!“ 37 konnte seine Wut kaum mehr verbergen: „Was, bitte schön, soll das heißen?“ 3287 zog einen Kha´ridium-Datenwürfel aus seiner Ausrüstung: „Hier, 37, Sir, die visuelle Aufzeichnung des Gefechts! Danach denken Sie sicherlich anders!“

37, 55, 3287 und 22095 starrten auf den Bildschirm in 37s Büro, auf dem gerade die Kampfaufzeichnung lief. „Halten Sie da mal an!“ rief 3287 22010 zu, der das Gerät bediente. 37 wandte sich unwirsch um: „Was haben Sie denn?“ „Dort!“ 3287 deutete auf einen der schweren Feindjäger, die in einiger Entfernung zu sehen war, wie er auf 18443 zuflog. „Schauen Sie sich das an, dieses Schiff ist auf Kollisions-Kurs. Es ist angeschossen, seine Waffen funktionieren nicht mehr, also stürzt er sich selbstmörderisch auf 18443s Bomber.“ 55 wedelte verwundert mit den Fühlern: „Warum zieht er sich nicht einfach zurück? Warum opfert der Pilot sein Leben, um einen einzelnen Gegner, den jeder andere abschießen könnte, zu vernichten?“ „Warten Sie!“ meinte 3287 und zoomte den Jäger näher heran. „Fällt Ihnen etwas auf, 55, Sir?“ 55 wedelte verwirrt mit den Fühlern: „Kein Cockpit! Wie sieht der Pilot denn da was?“ 22095 antwortete: „Wir haben uns auf dem langwierigen und schwierigen Weg hierher darüber ausgetauscht. Die Gruppenmanöver dieser Flieger waren extrem synchron. Selbst wir kriegen das nicht so exakt hin. Da fiel uns ein, was bisher als Gerücht umgeht: dass ein Teil dieses Teils des Universums von einer Maschinenrasse bewohnt wird, die man „Xenon“ nennt. Ich denke, wir sind über die gestolpert und Freunde werden wir, wie es aussieht, garantiert nicht!“ 37 stand auf und wandte sich an 22010: „Bereitet sofort die Schiffe von 55 Sir und mir zum Start vor, wir müssen sofort nach Kha´linia! Die Mütter müssen umgehend davon erfahren!“ Dann wandte er sich an 3287 und 22095: „Gut gemacht! Traurig wegen der gefallenen Piloten, aber diese Daten sind wertvoller als reines Kha´ridium! Ich werde Sie beide für eine Belobigung vorschlagen!“ Dann drehte er sich um und verließ zusammen mit 55 den Raum.

Davy Jones
19-06-2008, 09:49 AM
Nach 20 Kapiteln nun ein kleiner Einschub, der mal einige Facetten des Kha'ak-Volkes an sich mal näher beleuchten sollte. Here we go:

Vermehrung:

Die Khaak sind ein Schwarmvolk, das wie ein Insektenstaat funktioniert, mit dem Unterschied z.B. zu Ameisen, daß alle Arbeiter männlich sind. Einziges Weibchen ist die Khaak-Mutter, die jedem der 5 Stämme vorsteht. Diese wählt sich aus ihren 9 Beratern einen aus, den Sie fruchtbar macht und die Paarung erlaubt. Eier werden nur gelegt, wenn Bedarf besteht, in Kriegszeiten wie in der Geschichte also zumindest soviele, um die allfälligen Verluste zu ersetzen.


Entwicklung:

Aus den Eiern schlüpfen etwa faustgroße Raupen, die dann in einer Art Aufzuchtstation rund 3 Monate lang mit einem Holzbrei (ja, DEM Brei), dem allerlei Nährstoffe zugesetzt werden, versorgt werden, bevor eine 2 Monate lange Verpuppungsphase einsetzt. Danach schlüpft dann ein Kha´lisch, ein nummernloser Jung-Khaak, der dem Volk an benötigter Position eingegliedert wird. Er hat keine Erinnerungen an die Phasen zuvor, doch lernen und wachsen junge Khaak rasend schnell. Nach rund 2 Wochen sind sie voll ausgewachsen und sind mit allen wichtigen Regeln des Volkes vertraut.


Religion:

Die Khaak glauben an ein Götter-Pantheon, dem sie aber, auch wenn sie Namen für Einzelwesen kennen würden, aus Erfurcht keine geben würden. Stattdessen werden die Götter mit Prinzipien assoziiert, also z.B. Gott der Sonne und des Lichts, Gott des Handwerks, Gott der Kriegerehre usw. Interessant ist dabei, daß die Gottheiten männlich sind, obwohl das ganze Khaak-Volk von den Stammesmüttern abhängig ist.


Khaak-Mutter/Regentschaftwechsel:

Eine Khaak-Mutter wird gut und gerne 250 Jahre alt (ein Khaak-Krieger vielleicht 80). Dennoch muß beizeiten der Wechsel eingeleitet werden. Dazu wird eine besonders starke Raupe ausgewählt und mit der Flüssigkeit aus dem Eierstock der Mutter versorgt. Dies ist für einen Khaak-Stamm eine kritische Phase, denn dadurch verliert die amtierende Mutter die Fähigkeit, Eier zu legen. Trotzdem ist es notwendig, da durch diesen Prozeß Stück für Stück die Erfahrungen und Erinnerungen der Mutter an ihre Nachfolgerin weitergegeben werden. Außerdem leitet es überhaupt erst die Entwicklung eines weiblichen Wesens ein. Wenn die neue Mutter dann nach einer achtmonatigen Phase aus der Puppe schlüpft, nimmt sich die alte Mutter mit einem heiligen Selbstmordritual das Leben. Sollte sie vorher sterben, also während sich die Nachfolgerin entwickelt, entfällt das natürlich. In beiden Fällen aber wird die Leiche dann der Sonne Kha´sun übergeben und nicht wie bei allen anderen in den Brei gerührt. Sollte eine Mutter sterben BEVOR die Nachfolge angeregt wurde (z.B. durch einen Unfall), ist das für den jeweiligen Stamm eine Katastrophe. Zwar ist es mittlerweile möglich, die nötigen chemischen Komponenten zum Erzeugen einer Mutter synthetisch herzustellen, jedoch sind alle Erfahrungen der Vorgängerinnen verloren. Dies kann einen Stamm um Jahrzehnte zurückwerfen!


Fremde Völker

Alle anderen Völker gelten als potenziell feindlich, allerdings sind die Khaak nicht darauf aus, alles und jeden zu unterwerfen. Solange man sie in Ruhe läßt, unternehmen die Khaak für gewöhnlich nichts. Das war der große Fehler der Paraniden, für den letzten Endes alle Völker der Gemeinschaft bezahlen müssen!


Der 6. Stamm

Auch wenn er als ausgelöscht gilt, so gibt es doch immer wieder Gerüchte darüber, daß vereinzelte Zellen überlebt haben sollen, die sich angeblich dadurch erhalten, daß sie Puppen bei den anderen Stämmen stehlen. Jedoch ist davon nichts offiziell bestätigt. Einen belegten Kontakt mit dem 6. Stamm hat es seit dem Bürgerkrieg nicht mehr gegeben. Allerdings ist die Angst vor einer Rückkehr der "Zerstörer der Heimat" nach wie vor präsent.


Technologie

Die gesamte Technologie der Khaak beruht auf Nividium, welches sie Kha´ridium ( = heiliges Metall des Volkes) nennen. Sie benutzen es zum Bau, pressen es in kristalline Form, um die Scheiben bei ihren Raumschiffen zu erzeugen, bauen Reaktoren, in denen es in Energie umgesetzt wird und dergleichen mehr. Auch ihre Schiffs- und Stationswaffen beruhen darauf. Als man feststellte, daß bei der Verbrennung im Reaktor hochgefährliche Kyonen-Partikel freigesetzt wurden, ersann man einen Weg, diese zu speichern und dann durch Emitter als waffenfähigen Strahl abzufeuern. Die Khaak unterscheiden dabei zwischen Kyonen-Strahler (AKE), Kyonen-Geschütz (BKE) und Kyonen-Kanone (GKE). Nach wie vor sind sie das einzige bekannte Volk, das eine derartige, nahezu unfehlbare, Waffe entwickelt hat. Zwar ist der boronische Ionen-Disruptor vom Grundprinzip her ähnlich, richtet aber nicht ansatzweise einen derart verheerenden Schaden an.


Gesellschaftsstruktur

Hier müßte mal angeführt werden, daß nur etwa 15 % der Mitglieder eines Stammes eine Nummer tragen. Der Rest ist entweder Kha´lisch oder Kha´jon. Das Wort Kha´jon hat dabei zweierlei Bedeutung: zum einen als Schimpfwort (Blödmann, Idiot, Schwachsinniger), zum anderen, wenn freundlich gesprochen, meint es aber auch alle erwachsenen, nummernlosen Mitglieder eines Stammes. Ein Khaak gilt nach 3 Kha´sug offiziell als erwachsen, so er nicht vorher durch besondere Leistungen auffällt und eine Nummer erhält. Bis dahin ist er ein rechtloser Kha´lisch, den jeder Nummernträger ohne eine Strafe befürchten zu müssen töten könnte. So wird eine Auslese der Besten gewährleistet.




21. Kapitel: Sektor des Stammes der Schiffsbauer

26 stand ein wenig verwundert vor dem fünfeckigen Loch in der Bodenplatte. Hier im Maschinenraum des Planetenzerstörers vermutete er den Fehler zuerst, der nach wie vor verhinderte, dass das Schiff im Gefecht eingesetzt wurde. Aus dem Loch aber kamen in einer Tour die seltsamsten Worte: „Uff...ächz...verdammt...argh...!“ Dann gab es ein kurzes, lautes Krachen und wenig später erschien 263 in der Öffnung, von oben bis unten verschmutzt und ein Kabel in der Hand haltend. „Da unten herrscht das reinste Chaos!“ beschwerte er sich. 26, ohnehin schon genervt, weil das Schiff einfach nicht fertig werden wollte, wurde leicht verärgert: „Geht´s vielleicht ein bisschen genauer?“ raunzte er zurück. 263 dachte nach: „Nahezu sämtliche Kabel weisen Spuren von Überhitzung auf. Das hat anscheinend auch die interne Hardware des Waffensystems in Mitleidenschaft gezogen. Ich befürchte, wir müssen sämtliche Energieleitungen wie auch die Hardware erneuern und dabei gleichzeitig verbessern, bevor das Schiff zuverlässig arbeiten kann!“ 26 hielt sich die Krallen vor die Augen, er wollte am liebsten nichts mehr sehen. Mit großem Pomp war der Planetenzerstörer eingeweiht worden, der erste Test war erfolgreich verlaufen, aber nun drohte das Schiff für ihn zum Fiasko zu werden. Nichts funktionierte so, wie es sollte. Dabei wartete die Flotte sehnsüchtig darauf, dass dieses Schiff endlich zum Einsatz käme. 26 ließ die Fühler hängen: „Na schön, es hilft ja nichts, es muß gemacht werden. Also fangen wir an. Ich werde eine entsprechende Anzahl Arbeiter von Kha´tania anfordern, damit es halbwegs zügig vorangeht.“

Alle waren fieberhaft am arbeiten, auch wenn sich alle nummernlosen Arbeiter wunderten. Das Ingenieure wie 263 selbst Hand anlegten, kam ab und zu schon mal vor. Das aber 26, der Chefingenieur und technische Berater der Mutter, persönlich durch die engen Kabelschächte kroch und den oder die Fehler suchte, war dann doch mal ein Novum. Momentan befanden sich 26 und 263 direkt unter den Kyonen-Dämpfern und prüften alle Verkabelungen. „Mann, ist das heiß hier!“ stöhnte 263. „Was haben Sie denn erwartet? Die Dämpfer sind einige der heißesten Teile im Schiff. Zu heiß sogar und genau das ist ja auch unser Problem. Das müssen wir lösen, egal wie.“ Beide fächerten sich Luft zu, dabei steckten sie schon in Thermo-Anzügen, die sie kühl halten sollten. Zwar war man nicht mehr wechselwarm wie im Altertum, aber dennoch anfällig gegen größere Temperaturunterschiede. 26 führte einen Scanner die Kabel entlang, dann ließ er entnervt die Fühler hängen: „Alles im Brei, wirklich alles! Die Überladung****ze hat die Integrität sämtlicher Kabel entweder beschädigt oder zerstört. Das heißt: Alles muß raus und neu verlegt werden!“ 263 dachte nach: „Haben wir mit den falschen Kabeln gearbeitet?“ 26 wedelte verneinend mit den Fühlern: „Diese Kabel sind das Leistungsfähigste, was wir zur Zeit haben, aber wir haben wahrscheinlich die Temperaturen falsch berechnet. Wir konnten ja angesichts dieser Größenordnung nur Schätzungen machen.“ 263 wedelte verwundert mit den Fühlern: „Sagten Sie nicht, dass auf dem Schiff die selben Dämpfer wie auf Kha´tania verwendet wurden? Da ist es doch dasselbe!“ „Nicht ganz“, antwortete 26, „die Speicherung und Bündelung der Kyonen-Energie, um sie als Waffe nutzbar zu machen, erzeugt deutlich mehr Hitze als wenn ein Reaktor einfach so vor sich hinläuft. Das Ganze lässt sich anhand einer Exponentialkurve darstellen. Offenbar ist unsere Formel in diesem Fall aber nicht ganz korrekt. Sie steigt bei derartigen Energiemengen, wie sie dieses Schiff umsetzt, deutlich stärker, als bisher angenommen. Ich denke, all diese Probleme hier sind nicht das Ergebnis von falscher Planung, sondern von mangelndem Wissen!“ 263 schwieg einen Moment, dann fragte er: „Und woher sollen wir dann wissen, ob wir es bei einem neuen Versuch richtig machen?“ 26 wedelte belustigt mit den Fühlern: „Gar nicht, wir werden alles verstärken und es dann einfach noch mal versuchen! Diesmal allerdings bauen wir die Verkleidungen erst ein, wenn wir sicher sind, dass es auch funktioniert!“

Etwa 2 Kha´fak später krochen die beiden im Bereich des Waffen-CPU herum, der sich unter der Brücke befand und mit einer gewaltigen Panzerung und Stoßdämpfung gegen externe Einflüsse geschützt war. 263 fasste sich an die Fühler: „Mann, das sieht ja aus hier, als hätte hier einer mit einem Hammer drauf geschlagen!“ Gerade als er das gesagt hatte, erstarrte er in der Bewegung und schaute 26 an. An dessen Fühlerbewegung konnte er genau erkennen, dass der Chefingenieur genau den selben Gedanken gehabt hatte. „Sabotage!“ hauchte 26 im hörbaren Bereich. Er kroch zu einem Schaltkasten und öffnete ihn. Drinnen waren alle Hardware-Komponenten zerstört. Er winkte 263 heran: „Schauen Sie mal, das hier ist die zentrale Steuerung für die Kyonen-Dämpfer, die entsprechend der anfallenden Energiemenge die Kühlung regelt. Deswegen überhitzen die Dinger, deswegen verschmoren die Kabel, deswegen funktioniert auf diesem ganzen verdammten Schiff so gut wie nichts!!!“ Wütend schlug er gegen den nutzlosen Kasten. 263 dachte bereits ein Stück weiter: „Wer? Wer würde so etwas tun? Wer ist in der Lage, sich einem Befehl zu widersetzen und den Konsequenzen zu entgehen?“ 26 setzte sich hin und lehnte sich an die Wand des niedrigen, engen Raumes. Resigniert ließ er die Fühler hängen: „Keine Ahnung, aber es müsste jemand von einem anderen Stamm sein. Wir selbst sind zu verliebt in unsere Schiffe, als dass wir ihnen Schaden zufügen würden. Nur: alle Stämme unterstützen dieses Projekt. Alle wollen doch von diesem Schiff im Gefecht unterstützt werden. Warum also sollte jemand überhaupt diesem Schiff schaden wollen?“ 263 wedelte unwissend mit den Fühlern: „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen jemand von außerhalb des Volkes, aber bisher hat, so ich recht informiert bin, kein Khir´jon dieses Schiff betreten, oder?“ 26 dachte kurz nach, aber ihm fiel nur ein Khir´jon ein, der sich zur Zeit wissentlich im Kha´ak-Raum aufhielt und das war diese Brennan-Kreatur! Und der war bestimmt nicht an Bord dieses Schiffes gewesen, davon hätte 26 erfahren.

Einen halben Kha´fak später hatten die beiden etwas Weiteres festgestellt: derjenige, der sich hier dran zu schaffen gemacht hatte, kannte sich auf jeden Fall mit Kha´ak-Computersystemen aus. Er hatte zielgenau die Waffensteuerung beschädigt, die Navigation und die Kommunikation aber unbeschädigt gelassen. „Stellen Sie sich mal vor“, meinte 26, „wir hätten es nur einmal getestet und wären dann damit zum Einsatz nach Trantor geflogen. Keiner hätte etwas gemerkt, bis uns der Pott dann eventuell um die Fühler geflogen wäre! Die ganze Flottenführung wäre wahrscheinlich vernichtet worden!“ 263 fragte: „Wie gehen wir damit jetzt um? Wen weihen wir ein?“ 26 verknotete nachdenklich die Fühler: „Erstmal nur die Mutter, ansonsten bleibt das unter uns beiden. Ich will keine Paranoia schüren, aber ich werde auch auf jeden Fall die Schiffswachen verstärken lassen. Morgen werde ich dann unter Vorwand noch mal hier herein kriechen und eine Überwachungskamera anbringen. Uns sabotiert nicht noch mal jemand! Beim nächsten Mal haben wir ihn, so es ein nächstes Mal gibt! Kommen Sie, wir machen uns sauber und gehen dann zur Mutter!“




22. Kapitel: Kha´tania, Hauptstation des Stammes der Schiffsbauer

10 Kha´fak saßen 26 und 263 nun schon vor dem Bildschirm und studierten die Überwachungs-Videos von der Andock- und Eingangsschleuse des Planetenzerstörers. Sie suchten nach etwas Ungewöhnlichem. Irgend etwas, das auffiel und so nicht dorthin gehörte. Bis jetzt war allerdings alles Fehlanzeige. 26 seufzte: "Nichts und wieder nichts! Als hätte ich es geahnt: Alles geht bisher mit rechten Dingen zu. Es gibt nichts zu beanstanden!" 263 wollte sich damit nicht so einfach abfinden: „Da muß irgendwas zu finden sein. Die Innereien des Planetenzerstörers zerschlagen sich doch nicht von selbst!“ 26 dachte nach: „Vielleicht auch einfach ein Unfall beim Einbau?“ „Das glaube ich nicht und abgesehen davon, haben Sie, Sir, selbst gesagt, dass die Zerstörung sehr zielgerichtet war! Das war definitiv kein Unfall!“ 26 mußte 263 recht geben. Ein Unfall war quasi ausgeschlossen. Abwesend blickte er wieder auf den Bildschirm: „Da! Stopp!“ rief er. 263 hielt das Band an: "Was ist denn?“ „Schauen Sie mal genau hin!“ meinte 26 und deutete auf den Bereich hinter der Außenluke, der durch ein größeres Kha´ridium-Prisma hindurch zu sehen war. „Sehen Sie es?“ 263 schaute genau hin und dann bemerkte er, was die Aufregung bei 26 erzeugt hatte. Vor dem schwarzen mit Sternen durchsetzten Hintergrund bewegte sich etwas. Es verdunkelte den einen oder anderen Stern. „Ein Schiff!“ meinte 263. 26 wurde nachdenklich: „Wenn das wirklich ein Schiff ist, dann sind da einige Sachen, die mir Kopfzerbrechen bereiten. Zum einen ist es keins von unseren, die würden glänzen, wir könnten sie erkennen! Dann ist auffällig, dass kein Alarm gegeben wurde. Wenn das Schiff so weit weg wäre, dass es außerhalb der Scanner-Reichweite wäre, dann müsste es gigantisch sein, größer als selbst Kha´tania!“ Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: „Da ich letzteres aber für unwahrscheinlich halte, bleibt nur eine Möglichkeit: das Schiff erscheint nicht auf unseren Scannern!“ 263 wedelte verwirrt mit den Fühlern: „26, Sir, sprechen Sie von einer Art Tarnmechanismus?“ 26 wandte sich ihm direkt zu: „Nicht von einer Art, sondern von einem echten Tarnmechanismus! Lassen Sie das Band noch mal ein Stück weiterlaufen!“ 263 schaltete wieder ein und sie sahen, wie sich das Schiff, wenn es denn ein Schiff war, einfach im nichts auflöste. „263, ich brauche die technischen Daten und den Wachbericht von diesem Zeitpunkt!“ „Schon unterwegs, 26, Sir!“ 263 sprang auf und ging.

2 Kha´fak später war 263 zurück und hatte die geforderten Daten mitgebracht. Nun saßen er und 26 zusammen am Schreibtisch von Letzterem und studierten die Aufzeichnungen. „Interessant“, sagte 263 mehr zu sich selbst, als zu 26. Der hatte natürlich trotzdem mitgehört: „Was haben Sie denn?“ „Hier!“ 263 deutete auf seinen Bildschirm. „Sehen Sie mal hier: da gibt es einige Spannungsschwankungen beim Schildgenerator!“ 26 wirkte überrascht. Der Schildgenerator des Planetenzerstörers arbeitete zur Zeit eigentlich nur auf Sparflamme, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen. Die Schildstärke lag konsequent bei etwa 10 %. Aus Leistungsgründen dürfte es dabei keine Schwankungen beim Generator geben. „Irgend etwas ist mit den Schilden passiert! Wahrscheinlich waren sie schwach genug, dass jemand hindurch transportieren konnte oder wurde. Zurück dann natürlich ebenfalls!“ 263 rief daraufhin die Reaktordaten auf. „Hm, Sie könnten Recht haben! Der Hauptreaktor weißt Spannungsspitzen auf und hat das Procedere zur eigenständigen Neuregulierung eingeleitet. Irgendwas ist kaputt gegangen und zeitlich passt das alles zusammen.“ 26 lehnte sich zurück. Wer konnte dahinter stecken? Da kam ihm eine Idee: „Ich denke, wir sollten mal Kha´linia anfunken. Die Forscher können uns da mit Sicherheit ein wenig weiterhelfen!“

Es dauerte einige Zeit, bis die Verbindung zustande kam, dann meldete sich die Kommunikations-Zentrale: „Kom-Zentrum Kha´linia, was wünschen Sie?“ „Hier spricht 26, ich möchte 36 sprechen!“ „Aus welchem Grund?“ „Technische Beratung!“ Es folgte eine kurze Pause, dann kam eine andere Stimme aus dem Lautsprecher: „Hier 36, was gibt es?“
„26 hier, ich hoffe, ich störe Sie nicht, aber ich brauche dringend technische Beratung!“ „Stören? Nun ja, eigentlich fühle ich mich immer gestört, wenn man mich unterbricht. Aber da es schon soweit ist, höre ich Ihnen erstmal zu!“ 26 räusperte sich kurz: „Nun, es geht um Folgendes: es gibt Grund zu der Annahme, dass wir von einem Schiff ausgespäht wurden, welches einen Tarnmechanismus benutzt! Die Frage ist, ob so etwas in Ihren Laboratorien entwickelt und dann vielleicht entwendet wurde?“ Am anderen Ende herrschte Schweigen. Dann folgte schließlich doch die Antwort: „Nein, haben wir nicht, würden wir allerdings auch nicht ohne Erlaubnis der Mutter zugeben! ABER: es gab Gerüchte, dass der erste Stamm, der ja über das meiste Kha´ridium zu Forschungszwecken besitzt, an so was rumgebastelt hat. Haben wir vor ein paar Kha´sug auch gemacht, haben es aber nicht hingekriegt. Sind Sie sich wirklich sicher, dass es ein Schiff mit Tarnmechanismus war?“ 26 wurde leicht ungehalten: „Ich weiß, was ich gesehen habe. Eine Aufnahme von einem Schiff, das einfach so aus dem Bereich des sichtbaren Lichts verschwand!“ 36 kicherte leicht im hörbaren Bereich: „Hat dann vielleicht jemand an der Aufnahme herum gespielt, um Sie zu täuschen?“ Nun war 26 verärgert: „ An einer Aufnahme aus einer dreifach versiegelten und hermetisch verschlossenen militärischen Überwachungskamera? Unwahrscheinlich!“ „Nun, dann würde ich Ihnen mal empfehlen, Kha´vornia zu kontaktieren vielleicht wissen die mehr. Ich kann Ihnen auf jeden Fall nicht mehr weiterhelfen. Ende des Gesprächs!“ 263 schaute 26 an: „Das ist ja nicht so toll gelaufen!“ 26 wedelte nachdenklich mit den Fühlern: „Aber ich glaube ihm. Nun denn, rufen wir Kha´vornia an!“

„Hier 16“, kam es schließlich aus dem Kom, nachdem sich 26 und 263 durch die gefürchtete, bürokratische Kom-Verwaltung Kha´vornias gekämpft hatten und auch schon rechtschaffen genervt waren. „16, Sir, hier ist 26, ich brauche einen Rat von Ihnen.“ „Einen Rat?“ „Naja, vielleicht auch eher eine Information!“ „Und was wäre das?“ 26 wiederholte nun, was er bereits 36 gefragt hatte. 16 antwortete fast sofort: „Wir waren nur teilweise erfolgreich, deswegen kam es auch nie zur Serienreife. Es war uns möglich, die Raketenzielerfassung zu verwirren, so dass man von den Dingern nicht mehr getroffen wurde. Das war aber auch alles. Mal ganz abgesehen davon, dass eine derartige Apparatur Energie verschlingen würde, die kein Bomber-Generator aufbringen könnte. Ich halte das Ganze für technisch nicht möglich!“ Irgendwie kam 26 zu dem Schluß, dass ihn das hier auch nicht weiterbrachte. Er verabschiedete sich von 16 und brach die Verbindung ab. „Und jetzt?“ fragte 263. „Abwarten und aufpassen. Vielleicht taucht das Schiff ja wieder auf. Wenn es das macht, schnappen wir es uns. Bis dahin reparieren wir erstmal den Planetenzerstörer, damit der einsatzbereit wird! Also, gehen wir!“ Beide verließen den Raum.

Davy Jones
19-06-2008, 10:00 AM
23. Kapitel: Sektor des Stammes der Forscher

39665 flog eine Patroullie, wie sie zur Zeit ständig erforderlich war. Mittlerweile war man immerhin effektiv genug, daß man 19 von 20 feindlichen Eindringlingen entdecken und bekämpfen konnte. Meist waren es nur einzelne Jäger oder kleinere Jägergruppen, die auftauchten. Ihre Großkampfschiffe waren den Paraniden mittlerweile wohl zu wertvoll geworden. Da die auch wussten, dass das Volk einen Punkt-zu-Punkt-Sprungantrieb verwendete, vermied man es die teuren Schiffe der Gefahr einer Konfrontation mit den Zerstörern des Volkes auszusetzen. 39665 war das nur recht. Jede Patroullie, die ohne besondere Ereignisse verlief, war eine gute Patroullie.

Kaum hatte 39665 das gedacht, als die Kom-Lampe blinkte: „Hier 341 Kommandant von Träger 307, 39665, melden Sie sich.“ 39665 wunderte sich, was das Trägerschiff von ihm wollen könnte, aber die Pflicht erforderte es, dass er sich umgehend meldete: „Hier 39665, 341, Sir, ich höre.“ „Irgendwelche besonderen Vorkommnisse?“ „Nichts, Sir, so ruhig, wie es ein sollte und wie es früher auch mal war.“ „Gut, kehren Sie zum Schiff zurück, 341 Ende.“ „Verstanden, 341, Sir, 39665 Ende.“ Er ließ den Bordcomputer den Kurs berechnen, schaltete auf Autopilot und lehnte sich zufrieden zurück. Plötzlich jedoch piepte der Kurzstreckenscanner, etwas war in seiner Nähe. 39665 wedelte verwundert mit den Fühlern. Warum hatte der Langstreckenscanner vorher nichts gemeldet? So plötzlich, wie das Signal begonnen hatte, hörte es auch wieder auf. Die Verwunderung von 39665 wuchs: „Computer, was war das? Eine Fehlfunktion?“ Der Computer antwortete dienstbeflissen sofort: „Negativ, es wurde für 3 Kha´nik ein bewegliches Objekt identifiziert, das dann aber spurlos vom Scanner verschwand.“ 39665 wurde ungehalten: „Was heißt „spurlos verschwunden“? Kommt mir doch eher vor wie eine Fehlfunktion. Führe einen Diagnose-Check durch!“ „Läuft“, meldete der Computer, um wenig später zu verkünden: „Alles in Ordnung, alle Systeme haben 100 % Operationsbereitschaft.“ 39665 verstand das nicht, wie ging das zusammen? „Hast du eine Video-Aufzeichnung von dem Objekt gemacht?“ „Positiv.“ „Dann auf den Bildschirm damit.“ 39665 sah nun selbst, was den Computer so verwirrte: ein Schiff, etwa dreimal so groß wie sein Bomber, tauchte kurz auf und verschwand dann wieder. 39665 ging auf Maximalschub. Auf dem Trägerschiff musste man davon so schnell wie möglich erfahren.

„Ein Schiff, das einfach so mir nichts dir nichts verschwindet? Wollen Sie mich für dumm verkaufen?“ 341 stand wütend vor 39665 und wollte sich auch nicht beruhigen. Was sein Pilot ihm da erzählte, klang zu fantastisch, als dass es der Wahrheit hätte entsprechen können. Das Volk war technologisch führend gegenüber jeder anderen Rasse, die man kannte. Woher sollte jetzt auf einmal jemand mit einem Tarnmechanismus kommen? 341 wollte schon weiterreden und war kurz davor, den armen Piloten in den Brei rühren zu lassen, als er vom Kom-Offizier unterbrochen wurde: „341, Sir, wir werden gerufen.“ „Von wem?“ „Keine Ahnung, er sendet auf dem Sicherheitskanal, demnach müssen ihm unsere Codes bekannt sein und daher wohl jemand Hohes.“ „Hat er sich nicht vorgestellt?“ „Nein, Sir, er sagte nur, dass er den Kommandanten sprechen müsse!“ 341 kam das alles ein wenig seltsam vor, aber wenn es ein Hochrangiger Vertreter war, konnte er es sich nicht leisten, das Gespräch nicht anzunehmen. „Hier 341, mit wem spreche ich?“ „Das spielt vorerst keine Rolle!“ kam es aus dem Kopfhörer, den 341 sich aufgesetzt hatte, damit niemand mitlauschen konnte. „Was soll das heißen? Entweder Sie nennen mir jetzt Ihre Nummer, oder ich beende das Gespräch!“ „Wenn Sie das tun, ist Ihr Schiff nur noch Raumstaub!“

341 wußte nicht genau, was er davon halten sollte, allerdings fragte er sich, wer oder was es mit einem Träger aufnehmen sollte, wenn man mal von den Zerstörern des Volkes absah. „Wollen Sie mir etwa Angst machen, für wie dumm halten Sie mich eigentlich? Und jetzt schlage ich vor, dass Sie mir endlich Ihre Nummer sagen, sonst beende ich das Gespräch wirklich!“ „Ich habe keine Nummer, ich bin auch kein Kha´jon: ich bin keiner von Euch!“ Das brachte 341 zum Schweigen und seine Gedanken zum Rasen. Kein Kha´ak? Woher sprach er dann die Sprache des Volkes? Niemand konnte die Sprache bisher auch nur artikulieren, wenn er nicht vom Volk war! Was aber viel wichtiger war: von wo kam dieses Funksignal? Der Scanner war nämlich leer. Plötzlich kam ihm die Schilderung von 39665 gar nicht mehr so absurd vor und es tat ihm fast leid, dass er den Piloten so angefahren hatte. Er winkte dem Kom-Offizier, zu ihm zu kommen, während er weitersprach: „Wenn Sie nicht von uns sind, von welchem Volk sind Sie dann?“ „Auch das spielt keine Rolle!“ kam die Antwort. 341 war genervt, aber bevor er zu Sprechen fortfuhr, teilte er auf Kha´ak-Weise seinem Kom-Offizier mit: „Versuchen Sie, den Ursprung des Signals ausfindig zu machen. Der Waffenoffizier soll die Waffen hochfahren und das Schiff feuerbereit machen!“ Er erhielt die Bestätigung und sprach dann wieder mit dem Fremden: „Ich hasse es, mit unbekannten Wesen zu sprechen! Sagen Sie mir doch einfach, wer Sie sind und was Sie eigentlich wollen!“ Am anderen Ende herrschte kurzes Schweigen, dann kam die Antwort: „Ich möchte Ihnen und dem ganzen Volk der Kha´ak ein äußerst attraktives Angebot machen.“ „Und wie nennt man Sie nun?“ 341 ließ nicht locker, er wollte die Bezeichnung des Wesens wissen. Nach einer diesmal etwas längeren Pause kam dann endlich die ersehnte Antwort: „Man nennt mich Sargon!“

„Was ist es denn, was Sie von uns wollen?“ fragte 341 Sargon, während er gleichzeitig zu seinem Kom-Offizier blickte. Dieser teilte ihm mit, dass der Bereich schon eingegrenzt sei, aber eine genaue Lokalisierung wohl noch 3 Kha´tik dauern könnte. Sargon antwortete eifrig: „Ich möchte Euch ermöglichen, an Euren Feinden Rache zu nehmen.“ 341 wedelte gelangweilt mit den Fühlern: „Kein Bedarf, dass können wir auch ohne fremde Hilfe.“ „Aber“, und Sargon hörte sich an, als ob er diese Antwort nicht erwartet hätte, „wäre es denn nicht von Vorteil, wen Ihr ein Sprungtor bauen könntet, mit dem Ihr Eure Feinde direkt treffen könntet?“ 341 wandte sich per Telepathie an seinen Navigator: „Bin ich falsch informiert oder hieß es nicht immer: keiner aus der Gemeinschaft der Planeten kann ein Tor bauen?“ „Nein, 341, Sir, das ist auch mein Wissensstand.“ 341 wandte sich wieder an Sargon, nachdem ihm der Kom-Offizier das Zeichen gegeben hatte, dass man die Position in 1 Kha´tik habe: „Woher wissen Sie, wie ein Sprungtor gebaut wird? Niemand weiß das!“ „Wir Sohnen schon!“ Sohnen! 341 lachte innerlich! Sargon hatte sich verplappert. Jetzt hatte man einen Namen für die Rasse dieses neuen, ungebetenen Gastes! Ob die auch Feinde waren, sollten die Mütter entscheiden! „Und was sollte uns ein Tor bringen?“ „Direkten Zugang zu den Sektoren Eurer Feinde!“ 341 erhielt in diesem Moment die Meldung, dass das wohl getarnte Schiff nicht nur lokalisiert, sondern auch in Feuerreichweite war. Er beschloß, dass keine weitere Zurückhaltung mehr nötig war: „Und durch das Tor hätten unsere Feinde dann auch direkten Zugang zu uns, was? Ich sag´ Ihnen mal was, Sargon: warum nehmen Sie sich nicht Ihr Sprungtor und stecken es sich sonst hin? Jetzt zeige ich Ihnen mal, wie wir Kha´ak mit Leuten umgehen, die uns hintergehen wollen! Waffenpult: FEUER FREI!!!“ Die Kyonen-Kanonen röhrten laut und feuerten in auf den ersten Blick leeren Raum. Aber sie trafen etwas und nach nur einem halben Kha´nik brach Sargons Tarnung zusammen und sein schiff wurde sichtbar. Die offenbar starken Schilde verhinderten aber eine sofortige Vernichtung. 341 hörte ein wütendes Kreischen im Kopfhörer: „Das werdet Ihr büßen! Ich werde mein Wissen den Paraniden anbieten! Vielleicht wissen die das Angebot mehr zu schätzen als ihr Mistviecher!“ Dann sprang das Schiff und es herrschte Ruhe. 341 streckte sich einmal: „Meine Güte, was für ein Idiot! Soll er doch mit Paraniden verhandeln. Sobald die ein Tor bauen, blasen wir es eben wieder weg!“ Dann verließ er die Brücke und zog sich in sein Privatquartier zurück.




24. Kapitel: Kha´ronia, Hauptstation des Stammes der Priester

Auf dem Schreibtisch von 55 lag soviel Arbeit wie selten zuvor, da er der Verwalter der Informationen war, die man der Brennan-Kreatur abgewonnen hatte. Zu allem Überfluß blinkte jetzt auch noch die Kom-Lampe, die anzeigte, dass jemand ihn sprechen wollte. Kurz überlegte er, die Lampe zu ignorieren, aber wenn es die Mutter war? Zu riskant! Also nahm er das Gespräch entgegen: „Hier 55, warum werde ich denn schon wieder gestört?“ „55, Sir, hier 50238, Dockverwaltung. Gerade ist ein Schiff vom dritten Stamm eingetroffen. An Bord ist 37 Sir!“ 37? Was machte der hier? Sollte der nicht eigentlich die Operationen im Feindraum betreuen und koordinieren? Egal! „Was will er denn?“ „Er sagt, es hätten sich einige dramatische Veränderungen ergeben, die mit diesem Menschen zusammenhängen. Er möchte Sie dringend sprechen!“ 55 ließ genervt die Fühler hängen: Na schön, er soll runterkommen.“

„Was haben Sie denn so Dringendes auf den Herzen?“ wollte 55 wissen, dem es überhaupt nicht gefiel, dass ausgerechnet dieser aufbrausende Geselle in seinem Büro saß. Doch 37 war offenbar in sehr ruhiger und ernsthafter Stimmung. „Wir haben 2 neue Rassen entdeckt, mit denen wir bis dato nichts zu tun hatten, ja, die uns nicht einmal bekannt waren!“ 55 lehnte sich überrascht zurück. Er wusste nicht genau, was er erwartet hatte, aber das war es nicht gewesen. „2 neue Rassen? Und was für welche?“ 37 rutschte auf seinem Sitzpodest unbehaglich hin und her. „Von der ersten Rasse hatten wir gerüchteweise schon gehört. Es ist diese Maschinenrasse, die unsere anderen Feinde als Xenon bezeichnen. Allerdings wissen wir sonst so gut wie nichts über sie, nur dass sie uns 24 Kha´lisch in Aufklärern und mit 18443 einen Piloten des 1. Stammes mit seinem Bomber gekostet haben!“ 55 wedelte erschrocken mit den Fühlern: „Was? Das ist mehr als wir bisher überhaupt im Feindraum verloren haben!“ Man sah 37 an, dass ihm das Ganze äußerst unangenehm war. „Ja, und genau deswegen brauchen wir mehr Informationen von diesem Brennan. Der muß da mehr drüber wissen, da er mit denen mit Sicherheit schon länger Kontakt hat. Das gilt auch für Teil 2 der Neuigkeiten.“ „Und was wäre das?“ fragte 55, mittlerweile wirklich neugierig geworden. „Einer unserer Träger-Käpitäne, 341 mit Nummer, hatte Kontakt zu einem Wesen, das sich Sargon nannte und laut eigener Aussage zu einer Rasse gehört, die sich selbst „Sohnen“ nennt. Über diese Sohnen haben wir gar nichts, nicht die geringste Information. Das Interessante an dieser Begegnung, die am Ende in einem Waffengefecht mündete, war aber, dass dieser Sargon uns den Bau eines Sprungtores anbot!“ 55 wedelte verwirrt mit den Fühlern: „Heißt es nicht, dass niemand ein solches Tor bauen könne, da die Technologie dafür in Vergessenheit geraten sei?“ „Eben das ist es, was wir so dringend wissen müssen. Wenn jemand so ein Tor bauen kann und unseren Raum auf diese Weise zugänglich machen würde, wäre was taktisch ein enormer Rückschlag für uns. Denn genau das ist es, was dieser Sohnen 341 angedroht hat: er werde den Paraniden die Technologie zum Torbau bringen, damit diese hier einfallen können!“ 55 wußte nicht so recht, was er davon halten sollte. Das war ein bisschen viel auf einmal. „Klingt alles ein wenig besorgniserregend! Na schön, gehen wir runter ins Spezialgefängnis, wo wir Brennan gefangen halten.“

37 erkannte Brennan erst auf den zweiten Blick wieder. Der Mensch war viel dünner geworden und wirkte schwach. 55, der das fragende Fühlerwedeln von 37 bemerkt hatte, erklärte: „Das Problem ist die Ernährung. Er verträgt unser Essen nicht. Wir haben ihm diverse Früchte von Kha´soria angeboten, aber davon wurde ihm auch nur schlecht, wahrscheinlich sind dort Stoffe drin, die er nicht verträgt, uns aber nichts ausmachen.“ „Ja und...wie ernähren Sie ihn nun?“ „Es hat sich herausgestellt, dass er den Kidik-Knollenbrei verträgt, aber offenbar kann sein Körper die Nährstoffe schlecht umsetzen, daher wird er immer schwächer. Es wurde auch schon überlegt, es intravenös zu versuchen, aber dazu kennen wir viel zu wenig von seiner Anatomie und seinem Stoffwechsel.“ 37 erkannte die Probleme, daher schlug er vor: „Na dann sollten wir uns mit unseren Informationen und Plänen etwas beeilen.“ 55 wedelte bejahend mit den Fühlern und trat auf Brennan zu. Dieser hatte sich mittlerweile erhoben und blickte 55 erwartungsvoll entgegen. Diesem war schon aufgefallen, dass Brennan mittlerweile in der Lage schien, den einen oder anderen vom Volk, obwohl sie sich so ähnlich sahen, zu erkennen. 55 baute wieder eine Gedankenverbindung auf: „Wir brauchen weitere Informationen.“ Brennan stellte sich störrisch: „Nur, wenn ihr mich endlich gehen lasst! Sonst sage ich gar nichts mehr!“ 55 wurde ärgerlich: „Hör zu, Khir´jon, es liegt an dir, ob du uns die Informationen freiwillig gibst, oder ob ich sie mir mit Gewalt hole. Letzteres wäre schmerzhaft für dich, vielleicht würde es dich töten. Willst du sterben?“ „Lieber das, als euch diabolischen Küchenschaben noch mehr zu sagen!“ 37 wandte sich überrascht an 55: „Was? Wie geht das?“ Die Frage war in soweit berechtigt, als dass ein jeder Kha´ak einen derart unglaublichen Lebenswillen hatte, dass er auch ohne Arme und Beine weitermachen würde, bevor er sich ergäbe. Bei den Menschen war das offenbar anders, die starben offenbar lieber, bevor sie alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatten. 55 war das egal, Skrupel waren hier unangebracht, mal abgesehen davon, dass es so etwas beim Volk sowieso kaum gab. Er trat noch einen Schritt näher auf Brennan zu und gab ihm Folgendes zu verstehen: „Du wirst uns helfen, ob du willst oder nicht! Eine letzte Chance, dich umzuentscheiden!“ Brennan seufzte: „Was gibt es?“ „Berichte uns, was du über die Xenon und die Sohnen weißt!“ Der Mensch blickte überrascht auf: „Was? Wieso?“ „Braucht dich nicht zu interessieren...“. 55 wurde vom Lachen Brennans unterbrochen: „Ha! Die Xenon haben euch eins auf die Käferpanzer gebrannt, was? Klasse! Einfach nur Klasse!“ „Wenn du das so lustig findest, dann sag uns doch einfach, was du über die Maschinen weißt.“ Brennan hatte sich noch nicht ganz beruhigt, als er antwortete: „Wir haben sie erschaffen!“ Die beiden Kha´ak sahen sich gegenseitig an. Erschaffen? Wieso sollte man so etwas erschaffen? 55 richtete die Frage an Brennan. Dieser antwortete: „Die Xenon waren ursprünglich gigantische Terraforming-Schiffe mit der Fähigkeit zur Selbstreproduktion. Sie wurde von uns gesteuert und gebaut, um neue Welten bewohnbar zu machen. Irgendwann kam es aber zu einem Reproduktionsfehler und die Maschinen begannen, bereits bewohnte Welten zu terraformieren! Daraufhin wurde eine Flotte ausgesandt, die Roboter zu zerstören. Diese antworteten mit dem Bau von Kampfschiffen in rauen Massen und ein Krieg brach aus, der die Menschheit fast zerstört hätte. Letzten Endes konnten wir sie überlisten: die verbliebene Flotte lockte sie durch das Tor über dem Heimatplaneten und wir schlugen die Tür hinter ihnen zu, indem das Tor zerstört wurde. Offenbar gelang es der dann gestrandeten Flotte aber, die Maschinen zu schlagen und sie in die Tiefen des Alls zu vertreiben, aus dem sie dann Jahrhunderte später als Xenon zurückkehrten. Seitdem machen sie das Universum unsicher. Es gab Siege und es gab Niederlagen. Sie endgültig zu schlagen ist aber das erklärte Ziel der Menschheit.“ 37 und 55 ließen die Geschichte auf sich wirken, dann fragte 55: „Haben die Xenon Verbündete?“ „Nein, sie kämpfen gegen alles und jeden. Man kann zwar mit ihnen kommunizieren, verhandeln ist aber nur schwer möglich, da das deren Maschinenlogik wohl nicht zulässt.“

„Was ist mit den Sohnen?“ wollte 55 nun wissen. Brennan dachte nach: „Da haben auch wir nur lückenhafte Infos. Sie gehören wohl zu denen, die die Sprungtore erbaut haben und es gilt als gesichert, dass sie auch heute noch die Torverbindungen manipulieren. Sichtungen von ihnen sind aber sehr selten, jedoch muß man sich die Frage stellen, auf wessen Seite sie stehen oder ob sie überhaupt auf irgend jemandes Seite stehen. Wir wissen zumindest, dass sie vor gut 20 Jahren den Xenon ein Schlupfloch aufgebaut haben, damit diese ihre totalen Vernichtung entgehen konnten!“ „Na“, meinte 37, „dann war es ja wohl nur richtig, dass wir ihn angegriffen haben.“ „Ihr habt die Sohnen angegriffen?“ Brennans Stimme überschlug sich fast. 55 schaute überrascht auf: „Zumindest ein Schiff, dessen Pilot behauptete, ein Sohnen zu sein. Er nannte sich Sargon, das ist alles was wir wissen.“ „Die Rache der Sohnen wird euch treffen, das garantiere ich euch. Denn eines ist auch bekannt: Die Sohnen dulden keinen Widerspruch!“ „Sollen Sie doch kommen, wir werden mit allem fertig!“ meinte 37, drehte sich um und verließ den Raum. 55 wartete noch einen Moment: „Dann sagen Sie mir eines, Brennan: Warum sollte er uns die Technologie zum Bau eines Sprungtores anbieten?“ Brennan schüttelte den Kopf, eine Geste, die, wie 55 mittlerweile wusste, Unwissen ausdrückte: „Keine Ahnung, aber wenn dieser Sargon ein Sohnen war, werdet ihr das noch herausfinden und die Quittung dafür kriegen.“ 55 blieb noch kurz stehen, dann drehte er sich um und folgte 37. Eines aber war ihm klar: über die Sohnen mussten sie noch mehr herausfinden!




25. Kapitel: Sektor des Stammes der Forscher

Es tat so gut, endlich mal wieder zu Hause sein. Nach der Sache mit den Xenon und der Bewilligung neuer, frischer Truppen, hatte 37 3287 10 Kha´tuk Heimataufenthalt gewährt. Um aber nicht untätig herumzusitzen, hatte sich 3287 für eine Grenzraum-Patroullie gemeldet. Zwar gab es auch hier einen möglichen Feindkontakt, doch musste man sich nicht ständig verstecken. Hier regierte das Volk und egal wer es auch versuchen sollte, das in Frage zu stellen, würde die Konsequenzen zu spüren bekommen!

„Lang ist es her!“ murmelte 3287 zu sich selbst in seinem Bomber. Er hatte die Stelle erreicht, an der, vor langer Zeit, der ganze Schlamassel angefangen hatte. Er erinnerte sich nur zu genau. Er hatte sich fast zu Tode gelangweilt, als ein unbekanntes Schiff in seinen Scanner-Bereich gekommen war, geflogen von diesem Brennan, der seitdem vom 5. Stamm verwahrt wurde. Gerade, als er diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, erschien wieder etwas auf seinem Bildschirm. Deja Vu! 3287 überprüfte die Kennung und stellte sofort fest, dass es wieder kein Schiff des Volkes war! 3287 aktivierte die Triebwerke und nahm Fahrt auf, diesmal hatte er aber keine Aufklärer dabei, die er voraus schicken konnte. Also musste er sich auf sich selbst verlassen. 3287 wedelte belustigt mit den Fühlern: wo war das Problem, solange das dort kein Großkampfschiff war? Er hatte einen Schwarmangriff der Xenon erlebt und war davongekommen, nicht ohne vorher etwa ein Dutzend der Maschinen-Jäger in den Maschinen-Himmel zu blasen! Da sollte ein einzelnes Schiff kein Problem darstellen!

Wenig später war 3287 nah genug, um vom Bordcomputer eine visuelle Aufklärung zu erhalten. Er stutzte: dieses Schiffsdesign hatte er in ähnlicher Form erst einmal gesehen: beim Angriff auf Trantor! Nur waren es da Frachter gewesen, während das hier definitiv ein Kampfschiff war und zwar eines, das deutlich größer war, als sein eigenes Schiff, mindestens dreimal so groß! Wie hieß diese Volk noch? Genau, Boronen! Die, wenn man den Forschungsergebnissen vertrauten, das absolute Gegenstück vom Volk waren: immer friedlich, immer freundlich, allen anderen gegenüber aufgeschlossen und nur in allerhöchster Not zu den Waffen greifend. 3287 schüttelte sich, was für ein langweiliger Stamm! Umso mehr Spaß würde es machen, diesen einzelnen Boronen dort vorne wegzupusten. 3287 stellte sich allerdings die Frage, was der Borone hier wollte. Der musste doch wissen, dass es tödlich war, sich hier aufzuhalten. Na ja, selig seien die Dummen! 3287 fuhr die Waffen hoch.

Er wurde bemerkt! Deutlich registrierte 3287, dass das gegnerische Schiff beschleunigte. Allerdings, und das war dann doch wieder ein wenig verwunderlich, änderte es nicht seinen Kurs, um ihn anzugreifen, sondern flog weiterhin stur auf seinem Kurs, als hätte es ein fixiertes Ziel. 3287 langte nach dem Kom-Schalter: „Hier 3287, verlange Kommando-Zentrum Kha´linia!“ Als Vierstelliger war er nun schließlich berechtigt, einem Fünfstelligen direkte Befehle zu erteilen, anstatt freundlich bitten zu müssen. Wenig später kam die Antwort: „Hier 392, was gibt es?“ „392, Sir, ich befinde mich in der Nähe der Stelle, wo wir damals Brennan gestellt haben. Habe dort boronisches Schiff entdeckt, das offenbar ein genaues Ziel hat. Es hat beschleunigt und seine Waffen aktiviert, weicht aber nicht vom Kurs ab und reagiert auch sonst nicht weiter auf meine Annäherung, die es aber zweifelsohne bemerkt hat!“ Am anderen Ende herrschte ein etwas längeres Schweigen, dann antwortete 392: „Vernichten Sie das Schiff, 3287, keine Gefangenen diesmal!“ 3287 wedelte erfreut mit den Fühlern: „Ja, Sir!“

3287 ging auf Angriffs-Geschwindigkeit. Mittlerweile hatte er das feindliche Boronen-Schiff direkt vor sich. Er feuerte sofort, als das Schiff in Reichweite kam, konnte die Schilde aber kaum um 5 % senken. Wohlan, er hatte einen zähen Gegner vor sich! Ob dieser auch würdig war, musste sich noch zeigen. Zumindest eröffnete das Schiff jetzt dann doch das Feuer. 3287 flog eine scharfe Wende, um dem Beschuß auszuweichen. Die Waffen der Khir´jon waren zwar langsam und ungenau, aber auch sehr wirkungsvoll. 3287 wollte nicht riskieren, in eine Plasma-Salve hineinzugeraten. „Waffenenergie?“ fragte er den Computer. „82 %“, kam die Antwort. 3287 wendete, flog wieder auf das Schiff zu und feuerte erneut. Immerhin, die Schilde waren jetzt schon 91 %, aber 3287 kam nicht umhin festzustellen, dass die Schildgeneratoren des Feindes eine durchaus ansprechende Leistung brachten. Zwar konnten sie sich nicht mit den Generatoren des Volkes messen, aber es würde auf jeden Fall so seine Zeit dauern, bis er mit seinen Kyonen-Geschützen durch den Schild durchbrach. Die Waffenenergie war mittlerweile fast wieder aufgeladen. 3287 wendete und feuerte erneut.

Seit einem halben Kha´fak nun kämpften sie nun schon miteinander. 3287 musste eines zugeben: der Borone war gut, verdammt gut sogar! Mehrfach hatte er den Bomber getroffen. Einmal waren die Schilde sogar in den roten Bereich, also unter 20 %, gesunken, mittlerweile war das aber wieder regeneriert. Der Schild des Boronen lag inzwischen bei nur noch 15 % und dennoch setzte er seinen Generalkurs unbeirrbar fort. 3287 war wieder im Angriffs-Flug, feuerte und bekam mehrere schwere Plasma-Treffer als Quittung. „Schildstatus?“ „38 %.“ 3287 beschloß, sich sicherheitshalber etwas weiter zu entfernen, um die Schilde regenerieren zu lassen. Er war wenig später kurz davor, wieder zu wenden und zum Angriff überzugehen, als der Schiffcomputer meldete: „Ziel hat Schilde abgeschaltet und Laderaum geöffnet!“ Vor lauter Überraschung vergaß 3287 die Wende: „Was? Zeig´ mir das Bild!“ Sofort erschien auf der Projektionsfläche das Bild des Boronen-Schiffes. 3287 war verwirrt: in der Schleuse stand definitiv ein Mensch! Und er holte etwas an Bord, das wie ein Trümmerteil aussah! 3287 dachte kurz nach, dann fiel es ihm wie ein Käferpanzer von den Augen: Das Brennan-Schiff! Der dort drüben sammelte Trümmer davon ein! Sofort wendete er sein Schiff und raste mit Maximalschub auf das feindliche Schiff zu. Dort schloss sich gerade wieder die Frachtluke und der Computer meldete „Ziel hat Schilde wieder aktiviert!“ 3287 feuerte, sobald er wieder in Feuerreichweite war. Doch dann geschah es: das Schiff leuchtete hell auf und war verschwunden. Sprungantrieb! 3287 wünschte sich, einen Sprungscanner zu haben, um die Verfolgung aufnehmen zu können. Da das aber nun mal nicht der Fall war, tat er das einzig Sinnvolle, was ihm einfiel. Er funkte Kha´linia an, um Bericht zu erstatten.




26. Kapitel: Argonischer Sektor Erzgürtel

37 war zufrieden. Die neue Basis war in kürzester Zeit eingerichtet worden und war seines Erachtens nach besser getarnt, als die in Nyanas Unterschlupf. Sie befand sich ebenfalls in einem dichten Asteroidenfeld, allerdings befand sich dieses in einem dichten planetarischen Nebel, was es nahezu unmöglich machen sollte, die Basis per Langstrecken-Scanner zu entdecken. Ein weiterer Faktor kam noch hinzu, den man vorher gar nicht eingeplant hatte, welcher sich aber als glückliche Fügung erwies. Man Hatte nämlich in der näheren Nachbarschaft eine Station entdeckt, die von Schiffen frequentiert wurde, die ebenfalls Jagd auf die Argonen und andere Völker machten. Daher würde man das ein oder andere verschwundene Schiff nicht auffallen, auch wenn es nicht auf das Konto dieser sogenannten „Piraten“ ginge.

37 dachte über diese Piraten nach und wedelte immer wieder verwirrt mit den Fühlern. Wie die ersten Aufklärungsflüge gezeigt hatten, waren die nämlich keine selbstständige Rasse, sondern eine Ansammlung von Piloten, die ihre eigenen Rassen verrieten. Für 37 war allein der Gedanke an Verrat schrecklich und er zog sich schnell von dieser Materie zurück. Beim letzten Mal, wo es zu Verrat im Volk gekommen war, war die Heimatwelt zerstört worden. Das brachte 37 zurück ins hier und jetzt. Bei seinem kurzen Aufenthalt in der Heimat hatte er sich, wie es sich für den Minister für Innere Sicherheit gehörte, mit den neuesten Erkenntnissen und auch Gerüchten eingedeckt. Darunter war auch die Behauptung gewesen, dass der 6.Stamm sich wieder gemeldet hatte und angeblich den Planeten-Zerstörer sabotiert hatte. 37 mochte das nicht so recht glauben. Wenn der Stamm der Krieger und Wächter tatsächlich noch in irgend einer Form existieren sollte, würden die sich eher im Verborgenen halten, damit sie von den anderen Stämmen nicht endgültig zerfetzt würden. In einem Punkt war sich 37 nämlich sicher: Verhandlungen würde es mit dem 6.Stamm nicht geben, dazu war der Schaden, den die angerichtet hatten, einfach zu groß, man würde ihnen nie verzeihen.

„Achtung, Teleporter aktiviert, Bomber-Eintritt wird erwartet!“ kam es aus den Lautsprechern der Stationsdurchsage. 37 schreckte aus seinen Gedanken hoch und schaute durch das Kristall-Fenster in den Hangar, der deutlich größer war als der in der anderen Basis. In einem Lichtblitz erschien nun ein Bomber, an dessen Steuer 3287 saß, der nach seinem, wie man gehört hatte recht abwechslungsreichen, Heimaturlaub wieder zurück zum Einsatz kam. 37 konnte ihn gut gebrauchen. Neue Basis, neue Truppen. Die wenigsten waren in Trantor dabei gewesen und mussten sich erstmal an die Gegebenheiten gewöhnen, die hier, so weit weg von Zuhause, herrschten. 37 begab sich daher nach unten und nahm den Piloten persönlich in Empfang. „37, Sir, Pilot 3287 meldet sich zum Dienst zurück!“ „Willkommen zurück an der Front, kommen Sie bitte mit in mein Büro!“

37 hatte sich wieder hinter seinen Arbeitstisch begeben und hingesetzt. „Nehmen Sie Platz!“ lud er seinen Piloten ein. 3287 nahm 37 gegenüber Platz. „Pilot, ich brauche Ihre Hilfe“ begann 37 ohne Umschweife. 3287 rutschte unruhig hin und her. Es war bekannt, dass, wenn hohe Tiere wie 37 Hilfe brauchten, es meistens um irgend welche Sachen ging, die für die kleinen Untergebenen meist mit dem Tod endeten. Doch er sah sich getäuscht, als 37 fortfuhr. „Diese Basis hier ist neu und genau dasselbe gilt für den Großteil der Besatzung. Ihr vornehmlicher Einsatzort wird nach wie vor Nyanas Unterschlupf sein, aber ich möchte, dass Sie aus diesem unerfahrenen Haufen hier eine effektive Truppe formen, so es Ihre Zeit zulässt.“ 3287 wedelte etwas verwirrt mit den Fühlern: „Wer hat denn jetzt das Kommando auf der anderen Basis?“ „Nach wie vor ich, aber 441, ein Zerstörer-Kapitän vom 4.Stamm, vertritt mich zur Zeit. Der hat auch schon in Trantor gekämpft und hat mehrere Gefechte mit den Paraniden ausgetragen. Der weiß, was er tut.“ 3287 lehnte sich ein wenig erleichtert zurück. „Was genau soll ich denn mit den Jungs hier machen, 37, Sir?“ fragte er dann. „Bringen Sie Ihnen ein paar Tricks bei, lehren Sie sie die Verhaltensregeln, die hier im Feindraum gelten, zeigen Sie ihnen, wie man unauffällig Aufklärungs-Missionen durchführt! Sie, 3287, haben speziell in letzterem Gebiet, mehrfach Ihre Fähigkeiten demonstriert. Die Jungs können von Ihren Erfahrungen nur profitieren.“ 3287 wedelte erfreut mit den Fühlern: „Ich werde mich der Aufgabe mit Freuden annehmen, 37, Sir!“ In diesem Moment leuchtete die Kom-Lampe im Dringlichkeits-Takt. 22010, sein Sekretär, hatte mal wieder ein Anliegen. 37 ließ die Fühler hängen: „Was ist denn nun schon wieder?“ „441, Sir! Er will Sie ganz dringend sprechen!“ „Durchstellen!“ Kaum hatte 37 das gesagt, als schon die aufgeregte Stimme seines Vertreters in Nyanas Unterschlupf erklang: „37, Sir, ich brauche Verstärkung! Es besteht die Möglichkeit, dass wir entdeckt wurden!“

Davy Jones
19-06-2008, 10:03 AM
27. Kapitel: Argonischer Sektor „Nyanas Unterschlupf“

3287 kam mit seinem Bomber aus dem Teleporter und landete auf dem Hangardeck. Bereits während dieses Vorgangs hatte er gesehen, wie sich mehrere von Kha´ak um einen Kartentisch tummelten. Nachdem die Außenluke endlich offen war, sprang 3287 aus seinem Schiff und ging schnellen Schrittes zu dieser Versammlung. An den Rangabzeichen, die jedem Nummernträger in den rechten Armpanzer gebrannt wurden, erkannte er 441, der ziemlich verdrießlich aussah und auf die taktische Karte starrte. „441, Sir, ich bin 3287. 37 Sir schickt mich zu Ihrer Unterstützung und Beratung!“ 441 blickte ihn an und wedelte verwirrt und vielleicht auch ein wenig verärgert mit den Fühlern. „Einer? Ein lausiger Bomber-Pilot? Ist das alles, was ich an Unterstützung bekomme?“ „Tut mir Leid, Sir, aber Ihre Meldung war wenig konkret und daher wusste 37 Sir nicht genau, was hier eigentlich vorgeht. Daher wurde ich vorgeschickt, um nachzuschauen, was los ist. Bei Bedarf kann ich dann noch weitere Verstärkung anfordern!“ 441 war sauer: „Nicht genau genug? Was an den Wörtern Notfall, mögliche Entdeckung und Verstärkung ist denn so ungenau, dass man mir nur einen einzelnen Piloten schickt?“ „Nun“, meinte 3287, „sagen Sie mir doch erstmal, was los ist und dann sehen wir weiter!“ 441 ließ resigniert die Fühler hängen: „Also schön, werfen Sie mal einen Blick auf die taktische Karte!“ 3287 trat hinzu und besah sich die Situation.

„Da kommt was auf uns zu und das sehr zielgerichtet!“ erläuterte 441. 3287 erkannte, was der stellvertretende Stations-Kommandant meinte. Eine Gruppe größerer Jäger näherte sich, die in ihrer Mitte ein ziemlich großes Schiff eskortierten. „Ein Zerstörer?“ fragte 3287. 441 wedelte unwissend mit den Fühlern: „Bis dato keine visuelle Aufklärung. Aufgrund der Priorität, diese Basis geheim zu halten, habe ich keine Jäger ausgesandt.“ 3287 stimmte diesem Vorgehen grundsätzlich zu, nur konnte auf der anderen Seite nicht zugelassen werden, dass ein feindlicher Zerstörer die Basis erreichte. „Wir sollten einen Aufklärer rausschicken, der uns ein paar Bilder liefert. Er sollte aus dem sprunggeschützten Bereich der Basis fliegen, sich per Punktsprung hinter die Ankömmlinge setzen, ein paar Aufnahmen machen, zurückspringen und wieder landen.“ 441 sah wieder von der Karte auf: „Sie sind zwar nur ein vierstelliger, aber die Idee ist gut. Jedoch sollte das kein Kha´lisch machen, sondern ein erfahrener Pilot. 22095, Sie sind dran!“ Der Angesprochene, den 3287 erst jetzt in der Gruppe bemerkte, wedelte zustimmend mit den Fühlern: „Bin schon unterwegs, 441, Sir!“

Gebannt verfolgten 441 und 3287 den Flug des Aufklärers und dann dessen Sprung. Es gab keinerlei Bewegung seitens der ankommenden Schiffe. Entweder hatten sie nichts bemerkt, oder sie ignorierten 22095. Letzteres wäre ein schwerer Fehler, da war sich 3287 sicher. Dann sah er, wie 22095 wieder weg sprang. Ein paar Kha´tik später landete der Aufklärer wieder sicher in der Basis. 22095 stieg aus und brachte das Aufzeichnungsgerät mit zum Kartentisch. „Nun?“ wollte 441 wissen. „Sehen Sie selbst“, antwortete 22095 und schloss das Gerät an. Die Karte wurde verkleinert und man sah nun die visuelle Aufklärung. 441 wirkte unschlüssig: „Ich bin noch nicht lange genug hier für eine genauere Analyse. 3287, was meinen Sie?“ 3287straffte sich: „Das Design deutete auf die Teladi hin. Unseren Analysen zufolge, ist das eine Rasse raffgieriger Reptilien, die allerdings auch sehr feige sind. Eine Ausnahme davon ist angeblich, wenn ihr Besitz bedroht ist, dann sollen sie zu fanatischen Kämpfern werden können!“ 441 dachte kurz nach, dann entschied er, dass das nicht sonderlich gefährlich klang. „Was können Sie denn zu den Schiffen sagen, mit denen wir es zu tun bekommen?“ 3287 schaute sich die Bilder noch einmal genau an, bevor er antwortete: „Vier Schiffe, die unserer Bomberklasse entsprechen und dazu ein Schiff, das zwar sehr groß ist, aber weder ein Zerstörer noch ein Träger zu sein scheint. Es wirkt eher wie ein riesiger Transporter. Groß, aber nicht wehrhaft.“ 441 grübelte ein wenig: Was sollten diese Khir´jon hier draußen mit einem Großraumtransporter wollen?“ „Das unbekannte Schiff!“ warf 22095 vorwitzig ein. 3287 und 441 starrten ihn an, denn das Unterbrechen einer Unterhaltung zwischen Vorgesetzten war durchaus ein strafbares Vergehen. Daran dachte beide aber eher weniger. Vielmehr stellten sie fest, dass 22095 mit seinem Einwurf sehr wahrscheinlich Recht hatte. 441 wandte sich wieder an 3287: „Woher könnten die von diesem Schiff wissen?“ Der Angesprochene schlug sich mit den Krallen vor die Stirn: „Das war es also!“ 441 wedelte verwirrt mit den Fühlern: „Was war was?“ „Vor einigen Kha´tuk spürte ich ein fremdes Schiff in unserem Sektor auf. Der Pilot sammelte irgendein Trümmerstück ein, welches wohl zu dem Brennan-Schiff gehörte. Offenbar war es eine Art Datenträger, der Hinweise auf die Position des Schiffes enthielt, was jetzt auf diesem Asteroiden steht. Womöglich lässt sich seine Energiesignatur mit entsprechenden Methoden immer noch verfolgen und das hat die Teladi hierher geführt!“ 441 wirkte resigniert: „Na großartig, was machen wir jetzt?“ Gerade, als 3287 antworten wollte, kam vom Überwachungsraum über Lautsprecher die Meldung: „Achtung, zweite Gruppe von Schiffen im Anflug, scheint der ersten zu folgen!“ 441 stieß einen Seufzer aus: „Das ist definitiv nicht mein Kha´tuk heute!“

22095 war erneut draußen, um Aufklärung zu betreiben. Eine Sache war aber schon mehr als deutlich: die zweite Gruppe war nicht der zurückgefallene Teil eines Konvois, sondern eine eigenständige Gruppe, die sich sichtlich bemühte, die Teladi einzuholen. „Was haben die wohl vor?“ wandte sich 441 wieder 3287. Dieser wedelte unwissend mit den Fühlern: „Ich habe nicht die leiseste Ahnung! Da müssen wir wieder auf die Ergebnisse von 22095 warten. Gerade in diesem Moment kam ein Kha´lisch angelaufen: „441, Sir, 22095 ruft Sie auf dem Sicherheits-Kanal!“ „Was? Ich hatte doch extra Anweisung erteilt, Funkstille zu halten. Dafür werde ich ihn in den Brei rühren lassen!“ 3287 sah sich gezwungen einzugreifen, da er seinen Freund nicht verlieren wollte. „Beruhigen Sie sich, Sir, lassen sie uns lieber mal hören, was er zu sagen hat!“

Die Stimme von 22095 kam aus dem Lautsprecher: „441, Sir, das glauben Sie mir nicht! Die folgende Gruppe hat soeben Feuerbereitschaft hergestellt! Die wollen diesen Teladi an den Panzer!“ „Hier 3287, sind die anderen denn keine Teladi?“ „Nein, das sind ganz offenbar Argonen und Boronen, zumindest den Schiffen nach zu urteilen. Desweiteren haben ich auch noch einen argonischen Großraumtransporter ausgemacht, der sich der Basis ebenfalls zu nähern scheint!“ 441 war kurzfristig sprachlos, alle Gedanken an In-den-Brei-rühren waren vergangen. „Gute Arbeit!“ funkte er dann zu 22095, „kehren Sie zur Basis zurück!“ Er wandte sich an 3287: „Diese uralte Kiste ist wichtiger, als bisher vermutet, stimmen Sie mir da zu?“ 3287 wedelte verdutzt mit den Fühlern: „Möglich, dass es denen gar nicht um das Schiff geht, vielleicht wollen die sich einfach nur gegenseitig eins auf den Panzer brennen!“ 441 verneinte: „Nein, das sollten wir nicht riskieren! Funken Sie die Basis in Erzgürtel an, wir brauchen hier mehr Verstärkung!“ „Sollen die durch den Teleporter kommen, oder in den Raum springen?“ „Raumsprung! Ich will keine Entdeckung riskieren, wir werden sie alle gemeinsam erledigen! Befehl ausführen!“ „Ja, 441, Sir!“




28. Kapitel: Argonischer Sektor „Nyanas Unterschlupf“

„Bestätigt!“ kam die Stimme von 37 aus dem Lautsprecher, „Staffel ist unterwegs, wird in ca. 1 Kha´fak bei Ihnen eintreffen, 441. Die Erstberechnung dieses Sprungs dauert solange! 37, Ende!“ 441 ließ die Fühler hängen: „Ein Kha´fak? Dann sind die Teladi längst hier! Vielleicht hätten wir sie doch durch den Teleporter kommen lassen sollen!“ 3287 verstand die Sorgen des Dreistelligen: „Nun, dann würde ich sagen, dass wir hier unsere eigenen Bomber und Jäger startbereit machen sollten um im Fall des Falles ebenfalls eingreifen zu können.“ 441 dreht sich zu ihm hin: „Gut, machen Sie das, sie haben nun volle Befehlsgewalt über die Stations-Streitkräfte, bis ich das widerrufe!“ „Ja, 441, Sir!“ „Weggetreten!“

441 stand wieder am Kartentisch und verfolgte genau die Annäherung des Teladi-Verbandes. Ab und zu warf er auch einen Blick rüber zur Landeplattform, wo Stapler im Moment damit beschäftigt waren, die Aufklärer an die Bomber zu koppeln. Das war zwar nicht unbedingt nötig, aber es hatte sich mehrfach als taktischer Vorteil erwiesen, die Eingreifer in ihrer kompakten Form unter die Feinde springen zu lassen, um sich dann strahlenförmig aufzuteilen und anzugreifen. Neben ihm stand 43961, sein persönlicher Assistent, der ebenfalls auf die Karte starrte, nebenbei aber auch noch einpaar Berechnungen bzgl. Flugbahn der Flugbahn der Ankömmlinge anstellte und das alles in ein zeitliches Schema packte. 441 wandte sich an ihn: „Und? Wie sieht es aus?“ 43961 antwortete dienstbeflissen: Ankunft in etwa 15 Kha´tik, zumindest der erste Verband. Allerdings könnte es dazu kommen, dass die zweite Gruppe die Erste direkt bei uns vor Ort stellt. Was dann passiert werden wir abwarten müssen!“ 441 wedelte ein wenig ungehalten mit den Fühlern: überlassen Sie die Analysen gefälligst mir, Fünfstelliger! Sie kümmern sich nur um das Aufzeichnen von Fakten!“ „Ja, 441, Sir!“ gab 43961 erschrocken zurück. In diesem Moment kam 3287 zurück: „Die Eingeifer sind startbereit, 441, Sir!“ „Gut, 3287, ich möchte, dass Sie die Staffel anführen. Start aber erst auf mein Zeichen, jedoch sollten sich alle schon mal in ihre Schiffe begeben.“ „Ja, Sir!“

Die Zeit verging quälend langsam, während sich die Feindschiffe in Richtung Basis bewegten. 441 hoffte Kha´nik für Kha´nik, dass die Entsatz-Flotte endlich im Einzugsbereich der Sensoren auftauchen würde. Die Teladi waren nun schon sehr nah. Die Außen-Kameras der Basis konnten mittlerweile schon hochauflösende Bilder liefern und zeigten auch, dass der Argonen/Boronen-Verband mittlerweile quasi auf Schussweite heran war. Gerade als 441 das gedacht hatte, eröffneten die verfolgenden Jäger das Feuer, das die Teladi heftig erwiderten. 441 wedelte belustigt mit den Fühlern: „Tut einem doch richtig gut, wenn sich diese Khir´jon gegenseitig verhauen, oder nicht?“ 43961 zischte belustigt und fragte dann: „Warten wir jetzt ab, bis eine Gruppe gewonnen hat?“ „Es steht Ihnen eigentlich nicht zu, derartiges zu fragen, aber ja: wir warten ab, wer sich durchsetzt und erledigen dann den Sieger!“ Wieder zischten beide vergnügt.

Das Gefecht war nur kurz. Die Teladi waren zwar zahlenmäßig ebenbürtig, aber die Argonen hatten die eindeutig besseren Piloten. Nachdem die Jäger ausgeschaltet waren, gingen sie auf den Großraumtransporter los. Dieser wehrte sich zwar heftig, war aber kaum in der Lage, die angreifenden Jäger zu treffen oder abzuwehren. Schließlich explodierte er in einem gewaltigen Feuerball. In diesem Moment rief 43961: „Sprungereignisse! Unsere Jungs kommen!“ 441 wedelte begeistert mit den Fühlern: „Das nenne ich gutes Timing!“ „Hier 33766, 441, Sir, wie lauten Ihre Befehle?“ kam es aus dem Lautsprecher. „Hier 441: Vernichten Sie alles, was nicht zu uns gehört! Ausführen!“ „Ja, 441, Sir!“ Auf der Karte sah 441, wie die Eingreifer sich aufspalteten und angriffen. Zuerst waren da nur die Jäger, der Großraumtransporter hing noch etwas zurück. Er erwartete ein kurzes Gefecht, doch einen Kha´tik später musste er feststellen, dass diese argonischen Piloten nicht nur gut, sondern extrem gut waren. Sie verstanden es, dem Kreuzfeuer auszuweichen, das die Standardtaktik des Volkes war. Daher mussten die Piloten den Einzelkampf suchen. Die Bomber waren dem gewachsen, die Aufklärer weniger, dazu waren ihre Schilde einfach zu schwach. Einer nach dem anderen fiel den Geschützen der Argonen und des einen Boronen zum Opfer. 441 kochte vor Wut. Er hatte das Gefühl, nur von totalen Kha´jon umgeben zu sein! Er stellte telepathisch Kontakt zu 3287 her: „3287, die Jungs da draußen vermasseln es gerade mit voller Kraft. Sie sind dran, mir ist egal, ob erahnt wird, woher Sie kommen. Töten Sie diese verdammten Khir´jon da draußen!“ „Aye, 441, Sir, sind unterwegs!“ Die Triebwerke heulten auf und 441 sah, wie die 3 vorhandenen Eingreifer einer nach dem anderen durch den Tunnel davon schwebten. Jetzt bekamen die da draußen würdige Gegner. Wohlan, mal schauen, wie sie sich schlugen.

Kaum hatte sie den Asteroiden umrundet, sah 3287 auch schon das Szenario. 1 Bomber und 4 Aufklärer der ersten Welle waren noch übrig und der Großtransporter schwebte über dem alten Schiff und zog es per Traktorstrahl zu sich heran. 3287 fackelte nicht lange: „An alle Formation auflösen, schnappt Euch den Transporter, denn ohne den können die ihre Mission sicherlich nicht durchführen. Bomberpiloten: wir nehmen und die drei Jäger vor! Ausführen!“ Ein kurzes Ruckeln ging durch sein Schiff und 3287 sah, wie die Aufklärer auf ihr Ziel zujagten. Währenddessen flog er selber eine Schleife und jagte auf ein der Jäger zu. Nahezu gleichzeitig mit seinem Gegenüber eröffnete er das Feuer! Beide mussten sie Treffer einstecken dann sausten sie aneinander vorbei. In diesem Moment geschah etwas. 3287 blickte Richtung Cockpit und der andere Pilot blickte zurück. Für einen Sekunden-Bruchteil waren sie sich auf kürzester Distanz Auge in Auge gegenüber, Mensch und Kha´ak! „Brennan!“ schoß es 3287 durch den Kopf! Der Pilot sah aus wie Brennan!




29. Kapitel: Argonischer Sektor „Nyanas Unterschlupf“

3287 brauchte nur kurz, um sich von seiner Überraschung zu erholen, mehr Zeit ließ ihm der andere Pilot auch nicht! Der Junge hatte es drauf und 3287 mußte sich eingestehen, dass ihm dieser Flugstil irgendwie bekannt vorkam. War es möglich, dass er es mit demselben Piloten zu tun hatte, den er im Heimatsektor schon einmal angegriffen hatte? Möglich, schließlich musste davon ausgegangen werden, dass dieses Eindringen in direktem Zusammenhang mit dieser Aktion hier stand. 3287 wendete sein Schiff und setzte hinterher. Der Abstand war wieder größer, als die Feuerreichweite geworden, auch der andere Pilot brauchte wohl eine kurze Pause. Dies gab 3287 die Zeit, sich einen kurzen Überblick zu verschaffen. Der große Transporter feuerte aus allen Geschützen, konnte aber die schnellen Aufklärer kaum treffen. Dafür war ihm der Borone zu Hilfe geeilt. Verdammt! Sollte der nicht von einem der Bomber-Piloten beschäftigt werden? „Achtung, an alle Aufklärer: Schnappt euch den Boronen, ausführen!“ befahl 3287.

1 Kha´tik später war die Situation größtenteils unverändert. Weder 3287 noch sein Gegner schienen in der Lage zu sein, den anderen besiegen zu können. Bis dato machte zumindest keiner von ihnen beiden einen Fehler, den der andere zu seinem Vorteil hätte ausnutzen können. Der Borone indes war von dem Großtransporter abgedrängt worden, dafür war letzterer momentan nicht unter Beschuß. ! „Hier 441!“ meldete sich der Stationskommandant. „wie ist die Lage da draußen?“ Na großartig, zu einem besseren Zeitpunkt hätte der gar nicht nachfragen können, dachte sich 3287. Aber er war gezwungen, zu antworten, versuchte dabei aber die Konzentration nicht zu verlieren. „Melde gehorsamst, 441, Sir, hier draußen geht es ordentlich zu Sache. Die Jungs sind gut, weiß nicht, ob wir sie schaffen werden, aber wir geben unser Bestes!“ „Verlierer geben ihr Bestes, 3287, Sie sollten besser das Optimale machen! Vernichten sie den Feind, 441 Ende!“ 3287 ließ genervt die Fühler hängen. So ein Klugscheißer hatte ihnen hier draußen noch gefehlt! Aber jetzt hieß es erst einmal wieder, sich dem Gefecht zuzuwenden.

441 sah besorgt auf die Karte. Was er sah, sah nicht gut aus. Der große Transporter hatte sich mittlerweile in Bewegung gesetzt. „3287, wieso bewegt sich der Transporter jetzt wieder?“ Es dauerte einen Moment, bis die Antwort kam: „441, Sir, es sieht so aus, als ob die das Schiff an Bord hätten. Schätze, die wollen jetzt abhauen!“ 441 brauchte nicht lange über den nächsten Befehl nachzudenken: „Zerstören Sie den Transporter, konzentrieren Sie alle Schiffe auf ihn. Es ist mir egal, wenn wir dabei das alte Schiff mit zerstören. Diese Khir´jon dürfen es aber nicht in die Finger bekommen!“ „Aye, 441, Sir!“ kam die Antwort. 441 verfolgte, wie sämtliche Schiffe sich wie ein Schwarm nun auf den Großtransporter stürzten. „Sprungereignisse“, meldete plötzlich 43961. 441 fuhr herum: „Freund oder Feind?“ 43961 wollte es gerade überprüfen, als schon eine Stimme aus dem Lautsprecher kam: „Hier 37, was ist hier eigentlich los?“ „37, Sir, die stehlen das alte Schiff!“ „Wo ist es?“ „In dem Großraumtransporter!“ antwortete 441. „Hier 3287, die haben ihre Sprungantriebe angeworfen!“ Ein wütendes Zischen kam von 37: „Dann vernichtet sie, bevor sie abhauen können!“ Doch es war zu spät! 43961 meldete: „Sprungereignisse, Feind verschwindet!“ Nur 2 Kha´nik später waren auf den Scannern nur noch Kha´ak-Schiffe zu sehen.

„Bin ich hier eigentlich nur von Kha´jon umgeben? Hat hier eigentlich irgendwer mal irgendwas gelernt? Was könnt ihr eigentlich?“ Die lautstarke, im hörbaren Bereich vorgetragene Wutrede von 37, ging auf die Stationsbesatzung, die sich im Hangar versammlet hatte, nieder. 3287 war ausgenommen, er stand rechts hinter 37 als Auszeichnung für Treue und gute Leistung. 441 allerdings war zum gemeinen Fußvolk gestellt worden, eine Demütigung ersten Grades. „Ich sollte Euch alle in den Brei rühren lassen, ihr unfähigen Schaben! Keiner weiß, was die Argonen mit den Informationen aus dem Schiff anstellen können, aber dass sie eine so starke Streitmacht schickten beweist, dass dieses Schiff sehr wichtig war! Und ihr hier habt es vermasselt! Ihr…“. In diesem Moment wurde 37 unterbrochen, 43961, der nach wie vor die Kommunikationskanäle überwachte, kam angelaufen: „37, Sir, tut mir leid, dass ich stören muß, aber wir haben soeben einen Notruf von der zweiten Basis erhalten!“ „WAAS?“ brüllte 37. „Auf den Stationslautsprecher!“ 43961 tat, wie ihm geheißen wurde. Erst kam ein statisches Rauschen, dann eine schwer vernehmbare Stimme: „Hier 22010! 37, Sir, wir brauchen Sie dringend hier! Wir werden angegriffen, ich wiederhole, wir werden angegr…“. Es folgte nur noch statisches Rauschen. „Da habt Ihr es!“ wandte sich 37 wieder an die Mannschaft. Er wollte fortfahren, aber 43961 ging wieder dazwischen: „Da ist noch was, Sir!“ „Und was?“ „Eine Meldung von Kha´tania, 26 Sir wird jeden Moment hier mit einem Bomber eintreffen, er hat neue Befehle vom Rat der Mütter.“ 37 ließ die Fühler hängen. Der hatte ihm gerade noch gefehlt: „Schicken Sie ihn in mein Büro, sobald er angekommen ist! Besatzung: weggetreten!“

26 kam herein und machte einen frustrierten Eindruck: „Wir haben gerade neue Daten aus Erzgürtel erhalten, direkt bevor wir abflogen! Alles deutet darauf hin, dass die Basis zerstört wurde!“ 37 lehnte sich zurück: „Das hatte ich nach dem letzten Funkspruch schon vermutet!“ 26 setzte sich: „Dieser Verlust ist tragisch, aber nicht weiter schlimm. Es gibt jetzt erst einmal wichtigeres zu tun!“ „Und was?“ „Der Planeten-Zerstörer ist einsatzbereit! Die Flotte wird bei Kha´tania gesammelt! Sie bekommen jetzt Ihr neues Kommando! Sie sind befugt, jedwedes Personal Ihres Vertrauens von dieser Basis abzuziehen und auf dem Schiff zu stationieren!“ 37 richtete sich auf, dann zischte er vergnügt: „Endlich!“

Davy Jones
19-06-2008, 10:13 AM
30. Kapitel: Kha´tania, Hauptstation des Stammes der Schiffsbauer

Es schwirrte wie in einem Bienenstock. Tausende Kha´ak aller Stämme tummelten sich auf Kha´linia. Grund ihrer Anwesenheit war das Sammeln der Flotte. Konkrete Ziele waren noch nicht bekannt, wurden aber in nächster Zeit erwartet, denn im Herzen der Station tagten die Mütter zusammen mit allen 45 Beratern. So eine Zusammenkunft wurde als Hoher Rat bezeichnet und fand turnusgemäß eigentlich nur alle 7 Kha´sug statt. Das diese Zusammenkunft aber nun außerplanmäßig stattfand, hatte die allgemeine Gerüchteküche angeheizt und als dann der Befehl kam, die Flotte des Volkes zu sammeln, war allen klar, dass etwas Großes bevorstand. Die letzten Zweifel daran wurden beseitigt, als der Planeten-Zerstörer aufgetaucht und offiziell für einsatzbereit erklärt worden war.

3287 lehnte an einer Säule im Haupthangar und beobachtete das geschäftige Treiben. Ihm war nicht wohl zumute. Man hatte ihn mit seinem Eingreifer auf den Planeten-Zerstörer abkommandiert. Er selber wäre lieber in Nyanas Unterschlupf geblieben, schön ruhig da! Nun ja, meistens zumindest, fügt er selbst schmunzelnd hinzu. Aber nachdem 37 das Kommando über den Planeten-Zerstörer erhalten hatte, war damit zu rechnen gewesen. So war eben der Lauf der Dinge, aber 3287 war auch entschlossen, sein Bestes zu geben, egal, was gerade im Zentrum der Station ausgeknobelt wurde. Von der Seite näherte sich 22095. 3287 erkannte, dass dieser mittlerweile auch älter wirkte als er war. Diese Tatsache galt für alle von Ihnen, die sie länger im Feindraum operiert hatten. Sie waren rauer geworden. Sie hatten etwas erkannt, dass offiziell nie zugegeben würde: das Volk war nicht so deutlich überlegen, wie sie sich alle gewünscht hätten und wie es propagiert wurde. Die Khir´ak hatten mittlerweile zu kämpfen gelernt. Sie begannen, sich auf die nach wie vor wirksamen Standardtaktiken des Volkes einzustellen und zurückzuschlagen. Die Verlustzahlen stiegen langsam, aber stetig an. Noch war es nichts, was das Volk durch seine schnelle Vermehrung nicht kompensieren konnte, aber es waren auch schon einige recht erfahrene Piloten gefallen und deren Erfahrung war nicht so einfach zu ersetzen. 22095 war heran: „Was betrübt Sie so, 3287, Sir?“ „Laß den Sir-Blödsinn, wir sind nach wie vor Freunde. Das brauchst du nur bei offiziellen Anlässen zu machen.“ „In Ordnung!“ 22095 schwieg einen Moment. „Was hältst du von dem Gerücht, dass ein General-Angriff auf die Khir´jon stattfinden soll?“ 3287 wies mit den Krallen auf die Flotte außerhalb der Station: „Wird was dran sein. Ich bezweifle, dass die Mütter die Flotte zum Zwecke einer Parade sammeln. Nein, es kommt was Großes und wir werden mitten drin sein.“

Im Versammlungsraum des Hohen Rates trat gerade 37 hervor. Er war von den Müttern aufgefordert worden, die bekannten Fakten über den Sektor Omikron Lyrae vorzutragen, denn diesen hatten die Mütter als Ziel ausgewählt. 37 räusperte sich kurz: „Zum Sektor Omikron Lyrae ist zu Beginn eines zu sagen: dieser Sektor ist anders als alle, die wir bisher ausspioniert oder auch attackiert haben. In diesem Sektor besitzen die Khir´ak, die sich Argonen nennen, einige ihrer wichtigsten Fertigungsanlagen und vor allem eine große Werft, in der sie all ihre Schiffe bauen, vom kleinen Aufklärer bis zum großen Zerstörer. Ein Verlust dieser Anlage wäre tödlich für ihre Verteidigung, daher wissen sie sie zu schützen.“ 37 öffnete eine kleine Schatulle und entnahm ihr einen Datenspeicher, den er an das vor ihm stehende Lesegerät anschloß. „Vorweg muß ich folgendes erwähnen: niemand hier im Raum, auch nicht Ihr, große Mütter, sollte sich der Illusion hingeben, dass das hier ein Gefecht wie in Trantor wird! Die Argonen haben hier eine ihrer Hauptstreitmachten konzentriert in dem Wissen, dass sie die wertvollen Einrichtungen des Sektors um jeden Preis gegen uns verteidigen müssen.“ 17 stand auf: „Zwischenfrage erlaubt?“ 37 bejahte. „Sie sagen, dass sie sich gegen uns verteidigen müssen. Woher sollen die wissen, wo wir zuschlagen, wir können überall auftauchen!“ „Sie haben Flottenteile aus anderen Sektoren abgezogen, um ihre Kern-Sektoren zu verstärken, für alle Fälle halt.“ 17 schwieg und setzte sich wieder. „Dasselbe gilt wohl auch für die Sektoren Herzenslicht und den Argonen-Heimatsektor Argon Prime. Da wir über diese Sektoren aber nur sehr lückenhafte Informationen haben, wurde Omikron Lyrae als Ziel von mir vorgeschlagen und durch die Weisheit der Mütter abgesegnet!“ 37 sammelte sich und fuhr fort: „Sie müssen sich alle im Klaren darüber sein, was uns dort erwartet: Mehrere Großkampfschiffe, Horden von Jägern und eine mächtige, planetarische Verteidigungsanlage, die alles niedermacht, was ihr zu nahe kommt. Denn der Hauptplanet selbst ist von Milliarden Argonen bewohnt, sehr fruchtbar und stellt auch eine Menge an natürlichen Ressoucen bereit, die im Schiffsbau verwendet werden.“ 13 sprang auf: „Auch Kha´ridium?“ Ein belustigtes Zischeln ging durch den Raum. Klar, dass der Finanzberater der Bergbauer schon wieder Geschäfte witterte, bei denen ihm der 5. Stamm nicht in die Quere kommen konnte. 37 antwortete: „Nein, kein Kha´ridium. Unser heiliges Metall ist dort nur in verschwindend geringen Mengen verfügbar, zumindest soweit wir wissen.“ 13 setzte sich enttäuscht wieder hin. 37 fuhr fort: „Wir müssen mit massivem Widerstand rechnen, diesmal wird die Flotte zeigen müssen, was sie kann!“

3287 und 22095 waren inzwischen mit einer Fähre an Bord des Planetenzerstörers gelandet und standen nun im Starthangar, in dem die 40 Eingeifer auf ihren Einsatz warteten. „Große Götter!“ entfuhr es 22095, „was für ein gigantisches Schiff!“ „Und völlig wehrlos!“ warf 3287 sauertöpfisch ein. „Wenn dieses Schiff einem direkten Angriff durch ein feindliches Großkampfschiff ausgesetzt wird, geht es schneller unter, als uns lieb sein kann.“ „Aber dafür haben wir ja die Flotte, die kann dieses Schiff schon beschützen!“ „Hoffen wir´s!“

Mutter 3 wandte sich an ihren Favoriten: „37, du solltest auch eine Flottentaktik entwerfen, wie sieht es damit aus?“ 37 verbeugte sich kurz: „Sehr wohl, Mutter, ich habe mir etwas ausgedacht. Erlaubnis, die Datenprojektionswand zu nutzen?“ Die Mutter wedelte zustimmend mit ihren großen Fühlern. „Wir beginnen den Angriff mit dem Einspringen einer Gruppe von 12 Zerstörern und 4 Trägern mit vollbesetztem Hangar in der Nähe der Werft. Das wird die argonische Flotte zu diesem Punkt ziehen. Mit einer Zeitverzögerung von einem halben Kha´fak springt dann der Planetenzerstörer an seine vorgegebene Position außerhalb des planetarischen Verteidigungsringes, ein halbes Kha´rak von der Oberfläche entfernt. Diese Distanz ist allen Erkenntnissen zufolge immer noch nah genug, um eine Zerstörung des Planeten herbeizuführen! Habe ich recht, 26, Sir?“ 26 erhob sich: „Absolut korrekt. Wir können auf diese Distanz die Zerstörung des Planeten Omikron garantieren!“ „Danke, Sir!“ 26 setzte sich wieder. 37 fuhr fort: „Sobald der Planetenzerstörer im System ist, setzt er alle seiner Eingreifer aus. Das sollte ausreichen um jedweden Übergriff zu verhindern. Die Hauptflotte der Argonen sollte ja schon längst im Sektor-Zentrum gebunden sein. Während dieses Vorgangs, springen dann auch die 6 Zerstörer in den Sektor, die den Planetenzerstörer aufladen können. Dieser Vorgang wird dann auch gestartet, sobald die Zerstörer in Position sind. Unsere Missionsziele sind erreicht, wenn der Planet und die Schiffswerft zerstört sind!“ Beifälliges Gemurmel ging durch den Raum.

37 wies nun auf 55: „55, Sir, Sie haben da ja noch einen Sonderplan parat. Würden Sie diesen bitte kurz vortragen?“ „Natürlich, 37, Sir!“ antwortete der oberste Berater in religiösen Fragen, von Mutter 5 mal abgesehen. „Wie alle Anwesenden wissen, planen wir schon seit längerem, das Wissen des Gefangenen Kyle William Brennan zu unseren Gunsten einzusetzen. Zu diesem Zwecke haben wir ihn nun in eine Apparatur gesteckt, die eine dauerhafte, mentale Verbindung erlaubt, ohne ihm zu schaden. Wir werden daher in der Lage sein, jedwedes Manöver der argonischen Streitkräfte sofort zu analysieren und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dies sollte unserer Flotte einen zusätzlichen taktischen Vorteil verschaffen.“ „Interessant!“ meinte Mutter 2, „aber ich würde empfehlen, dass wir uns nicht zu sehr darauf verlassen! Gesunder Kha´ak-Verstand ist viel besser geeignet, um eine Schlacht zu führen, anstatt dieses jämmerliche Argonen-Gehirn!“ 55 verneigte sich in Richtung Mutter 2: „Sehr, wohl, Mutter 2, es ist auch hauptsächlich als eine Art Sicherheitsleine gedacht!“ Mutter 2 wedelte zufrieden mit den Fühlern und 55 setzte sich wieder. 37 ergriff noch einmal das Wort: „Wenn alle Beteiligten ihre Pflicht tun, werden wir siegen. Das Volk der Kha´ak wird dann allen beweisen, wer die wahre Macht im Universum ist!“

Einen halben Kha´tuk später stand 37 auf „seiner“ Brücke! Er mochte den Ausblick schon jetzt, den er von der Brücke des riesigen Schiffes hatte. 392 kam zu ihm: „37, Sir, die Flotte hat den Sprung begonnen und einer der Unterstützungszerstörer ist in Position um uns den Sprungantrieb zu laden!“ "Gut so, den Ladevorgang sofort starten!“ „Ja, Sir!“ 392 entfernte sich, während eine weitere Gruppe unter Führung von 55 mit der Apparatur herein kamen, in der Brennan steckte. Brennan erkannte 37 sofort, mit schwacher Stimme sprach er ihn an. 37 verstand natürlich nichts und sah 55 an: „Er fragt, was wir vorhaben!“ 37 wedelte belustigt mit den Fühlern: „Sagen Sie ihm, es geht nach Hause! Und sorgen Sie bitte dafür, dass er ab jetzt schweigt!“ „Ja, 37, Sir!“ 392 kam in diesem Moment zurück: „37, Sir, Ladevorgang erfolgreich, das Schiff ist bereit zum Sprung!“ 37 blickte sich kurz um: „Was warten wir dann noch? Ruhm und Ehre erwarten uns! Navigator, sind die exakten Sprungkoordinaten gesetzt?“ „Ja, 37, Sir, Sie müssen nur noch den Befehl erteilen!“ 37 holte einmal tief Luft: „SPRUNG!“




31. Kapitel: Omikron Lyrae, Teil I

„Sprung abgeschlossen!“ meldete der Navigator. „Statusbericht!“ forderte 37. Die Meldung kam sofort: „Sprung exakt, befinden uns genau auf geplanter Position. Keine größeren Schiffe in der Nähe!“ „Danke! Maschinenraum?“ Aus dem Lautsprecher kam die Antwort: „Hier Maschinenraum, 37, Sir!“ „Schiffsstatus?“ „Systeme zu 100 % einsatzbereit! Volle Energie. Schiff bereit, um mit der Aufladung zu beginnen, 37, Sir!“ „Danke!“ 37 ging zur Taktikkonsole, wo 392 auf ihn wartete: „Taktische Sektorkarte!“ „Sofort, 37, Sir!“ antwortete 392. Der Schirm flackerte einmal hell auf und zeigte dann die taktische Übersicht über den ganzen Sektor. Im Zentrum, so war zu erkennen, tobte eine gewaltige Schlacht zwischen der Vorausflotte und den Argonen. 37 blickte auf jeden Winkel der Karte, sah aber kein feindliches Großkampfschiff, das sich ihnen näherte. „Deckoffizier: Startfreigabe für alle Eingreifer, sie sollen das Schiff umkreisen und auf eventuelle Angriffe reagieren!“ „Ja, 37, Sir!“ 37 ging zum Navigator: „Richten sie die Hauptwaffe möglichst exakt auf den Kern des Planeten, damit wir keine Fehler bei der Zerstörung machen!“ „Ja, 37, Sir!“

Im Hangar des Planetenzerstörers herrschte allgemeine Hektik. 3287 saß in seinem Angreifer und wartete darauf, starten zu können. „Achtung, äußeres Kraftfeld aufgebaut, Raumschotten werden geöffnet!“ kam es über die großen Lautsprecher im Hangar, die die allgemeinen Schiffsdurchsagen verbreiteten. 3287 fand den Anblick immer wieder auf´s neue faszinierend. Einen Moment war man noch im dunklen Hangar und immer nächsten Moment fiel das strahlende Licht herein, das vom Planeten reflektiert wurde. „3287, sind Sie bereit?“ kam es aus dem Kom. „Ja, 37, Sir!“ „“Startfreigabe, gute Jagd!“ „Danke, Sir!“ In diesem Moment ging ein kleiner Ruck durch den Eingreifer, als die Halterung begann, ihn von der Wand weg und in Startposition zu bringen. Ein weiterer Ruck bestätigte, dass der Vorgang abgeschlossen war. „Startkontrolle: Hier Eingreifer 1, Pilot 3287, bereit für Start!“ „Verstanden: Authorisierung zum Lösen der Halterung erteilt, viel Glück da draußen!“ 3287 löste die Halterung und der Eingreifer schwebte nun frei. Er schaltete die Triebwerke ein und flog nach draußen. Er sah sich um: In weiter Entfernung und mit bloßem Auge so gerade eben noch erkennbar, tobte die Schlacht der Flotten. Aber dann zog etwas anderes die Aufmerksamkeit von 3287 auf sich: Eines der Sprungtore flackerte auf und drei Schiffe kamen hindurch. Ein Größeres und zwei Kleinere, die in etwa die größer eines Bombers hatten. Im Gegensatz zum Rest der Streitkräfte, waren diese aber recht nah am Planeten-Zerstörer dran. „37, Sir, hier 3287. 3 Neuankömmlinge aus dem nahen Tor gesichtet! Die scheinen direkten Kurs auf uns zu nehmen!“ „Das sehe ich auch!“ kam es zurück, „und außerdem nähert sich das größte aller feindlichen Schiffe. Die Argonen haben es abgeschirmt, damit es sich aus dem Gefecht lösen kann! Sie haben hiermit ab sofort die Erlaubnis, alles zu tun, um unser Schiff zu beschützen. Wie Sie das machen, ist mir egal, aber tun Sie es!“ „Ja, 37, Sir!“

37 stand vor Brennan. Die Apparatur erlaubte es ihm, jederzeit mit dem Menschen zu kommunizieren. „Was soll das werden? Warum löst sich ein einzelnes Kampfschiff, und zwar dieses hier“, 37 hielt ein Foto hoch, so dass Brennan es sehen musste, „aus dem Verband? Es muß wissen, dass es keine Chance gegen uns hier hat!“ Verschwommene Bilder erschienen vor dem geistigen Auge des Kha´ak. Einige Begriffe stachen heraus: Trägerschiff, Kommandoschiff, Flaggschiff, Argon Eins! 37 zischte begeistert! Das Führungsschiff der Argonen war angreifbar, denn es war ganz allein! Brennan stöhnte im Hintergrund und sagte irgend etwas. 37 wandte sich an 55, der in der Nähe stand: „Was sagt er?“ „Keine Ahnung, wenn er in der Maschine ist, kann ich keine weitere Verbindung aufbauen, um seine Worte zu übersetzen.“ „Dann benutzen sie diese Maschine, verflucht noch mal!“ brauste 37 auf. 55 fügte sich, wusste er doch, dass 37 in diesem Zustand zu allem fähig war. „Also, 55, Sir, was sagt er?“ 55 wartete noch einen Moment mit der Antwort, so dass 37 schon wieder ungeduldig fragte: „Und? Was ist nun?“ „Er sagt: Helft mir, rettet mich! Dabei scheint er sich aber nicht an uns zu wenden!“ 37 wedelte belustigt mit den Fühlern: „Sagen Sie ihm, dass er darauf lange warten kann!“ Er wandte sich um und ging wieder zum Kartentisch: „Wo bleiben eigentlich unsere Unterstürzungszerstörer?“

3287 sah die herankommenden Schiffe. Die würden gar nicht wissen, was passierte. 20 Eingreifer flogen um ihn herum in Formation, ihre schiere Masse würde den Feind zerquetschen! Doch plötzlich tauchten neue feindliche Punkte auf den Scannern auf und zwar im Bereich des großen Schiffes, das sich ihnen näherte! „Achtung, Piloten, feindlicher Träger setzt Schiffe aus! Eingreifer elf bis neunzehn: Formation lösen und angreifen! 22095, du führst die Gruppe! Nutzt den Punktsprung, um in ihren Rücken zu kommen!“ „Ja, 3287, Sir!“ kam prompt die Bestätigung. Einen Lichtblitz später waren die 10 Eingreifer verschwunden und 3287 sah kleine Lichtpunkte um das große Schiff herum. Der Träger änderte prompt den Kurs, als er unter Feuer geriet. Gut, das brachte ihnen die notwendige Zeit, um die anderen Eindringlinge abzufangen.

„Achtung! Sechs große Sprungereignisse um uns herum! Die Unterstützungszerstörer sind da!“ meldete 392 vom Navigations-Pult! 37 schaute auf die taktische Karte. Ja! Endlich waren sie soweit! „16, 27, 47, 55, Sirs, Sie wurden von Ihren jeweiligen Stämmen als Bewahrer der Teile des Waffencodes ausgesucht! Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir ihn eingeben!“ „Ja, 37, Sir!“ kam es von allen Vieren zugleich. Zu fünft traten sie nun an das Waffenpult. 37 rief die Eingabe der Code-Sequenz auf und alle gaben parallel ihren Teil der Kombination ein. „Code bestätigt!“ meldete der Bordcomputer, „Bordgeschütz Planetarische Kyonen-Kanone bereit zur Aufladung. Feuerfreigabe erfolgt durch Authorisierungscode 3.“ 37 wandte sich an die anderen vier: „Bleiben Sie hier, Sirs, das Spielchen wird nicht mehr lange dauern!“ Blendend helles Licht erleuchtete nun die Brücke. Die Zerstörer hatten den Aufladevorgang gestartet!

„Feuer frei!“ rief 22095. Der feindliche Träger war in Reichweite und feuerte aus allen Rohren. Die Kha´ak konnten in ihren schnellen und wendigen Schiffen allerdings dem Sperrfeuer ohne größere Probleme ausweichen. „Feindliche Bomber im Anflug! Bekämpft sie und passt dabei auf das Feuer des Trägers auf!“ rief 22095. „Statusmeldung!“ kam es da aus dem Kom. „3287, Sir, haben feindlichen Träger samt Flotte in Gefecht verwickelt und halten ihnen den Rücken frei!“ „Gut, 22095, weiter so!“ „Ja, Sir!“

3287 ging auf Frontalkurs zum mittleren der 3 Angreifer. „Achtung, Piloten, Eingreifer-Formationen auflösen und Angriff! Blasen wir die aus dem All!“ Ein kleiner Ruck folgte und die Aufklärer jagten davon. Plötzlich jedoch erschienen vor dem größeren Schiff in der Mitte massive Schockwellen, die die Aufklärer durcheinander wirbelten und nahezu alle zerstörten! „Piloten, ausweichen, ausweichen!“ zischte 3287 so laut er konnte ins Kom. Alle 10 Bomber und die wenigen verbliebenen Aufklärer fächerten auf und stießen an den Angreifer vorbei. „Wenden! Neuer Angriff! Wir sind schneller als die!“ Wie befohlen, wendete die Gruppe. Dann kamen plötzlich diese Schockwellen auch von hinten aus dem Schiff. „Heckkanzeln! Feiglinge!“ dachte sich 3287 und an seine Leute gewandt: „Paßt auf die Heckgeschütze auf, diese Schockwellen scheinen sehr effektiv gegen Schilde zu sein. Die Argonen stellen sich auf uns ein! Zeigt ihnen, was ihr könnt!“

„Ladevorgang zu 40% abgeschlossen!“ kam die Meldung vom Waffenpult. „Sirs!“ sagte 37, geben wir den Authorisierungscode ein!“ Die anderen stimmten zu und sie machten sich ans Werk. 37 hatte seine Eingabe gerade beendet, als er von 392 angesprochen wurde: „37, Sir, wir registrieren hier eine seltsame Energieanzeige!“ 37 wedelte leicht verärgert mit den Fühlern: „Was soll das heißen? Erklären Sie sich, Dreistelliger, und zwar schnell!“ „Schauen Sie es sich am Besten selbst an, 37, Sir!“ antwortete 392 leicht verunsichert. 37 trat hinzu und schaute sich auf einem Bildschirm an, was 392 meinte. „Ein Materiestrom!“ erkannte er sofort. „Wozu soll das gut sein, 37, Sir?“ „Das weiß ich nicht, aber das kriegen wir schon raus! Können Sie den Ursprungsort des Strahls ausmachen?“ 392 tippte ein paar Befehle ein: „Scheint der argonische Träger zu sein, Sir!“ „Was haben die vor?“ 37 wedelte ratlos mit den Fühlern. „Ladevorgang zu 65% abgeschlossen, kam es von der Waffenkontrolle.

„37 Sir, die Angreifer fliegen mit Höchstgeschwindigkeit auf Sie zu, wir werden sie kaum erreichen, bevor sie bei Ihnen sind!“ funkte 3287 in Richtung Planetenzerstörer. „Keine Sorge!“ kam die Antwort, „unsere Schilde können einiges abhaben! Zerstören Sie sie, sobald die um das Schiff herumfliegen!“ „Ja, 37, Sir!“ 3287 wandte sich an seinen Bordcomputer: „Computer, wir müssen schneller werden!“ „3287, Sir, wir fliegen bereits mit 110%!“ kam die Antwort. „Dann geh eben auf 115, du dämliche Maschine!“ „Ja, 3287, Sir!“ antwortete der Computer dienstbeflissen.

„Aufladung zu 80% abgeschlossen!“ kam die Meldung. Die Facetten-Augen von 37 glühten in fiebrigem Eifer. Da mischte sich 392 wieder ein: „37, Sir, dieser Materiestrahl scheint eine Art Ferntransporter zu sein und er ist auf unser Schiff ausgerichtet!“ 37 fluchte innerlich vor sich hin: „Worauf genau?“ „Auf ihn dort, Sir!“ 392 deutete auf Brennan, „aber er ist zu schwach, um den Gefangenen heil durch unsere Schilde zu transportieren.“ 37 zischte vergnügt: „Was machen wir uns dann Sorgen? Weiter nach Plan!“

3287 jagte hinter dem Hauptangreifer, der die Schockwellen eingesetzt hatte, hinterher. Dieser näherte sich zielgenau der Kupplung des Schiffes, um die sich die beiden Schildgeneratoren, die gleichzeitig die Außenhülle darstellten, gegeneinander drehten. 3287 fragte sich, was das werden sollte. Ein Rammen des Planetenzerstörers wäre sicherlich nicht so sinnvoll. Dann fiel ihm auf, dass die drei jetzt übereinander und nicht mehr nebeneinander flogen. Der Computer zeigte an, dass der Angreifer in Reichweite war. „Computer, Geschwindigkeit anpassen!“ 3287 ahnte, dass seine Kyonen-Geschütze ihm gegenüber diesen Schockwellengeneratoren einen Reichweitenvorteil verschafften. Er feuerte. „Oha!“ sagte er dann, angesichts der Tatsache, dass die gegnerischen Schilde nicht wirklich gelitten hatten. Plötzlich zog der Angreifer nach unten und flog mitten zwischen die rotierenden Energieelemente. 3287 sah eines davon auf sich zukommen: „Gequirlter Körnerbrei!“ fluchte er und zog noch oben weg. Er kippte das Schiff, als er wieder in Sicherheit war, und sah nach unten. Zwischen den zuckenden Energieblitzen und den Kyonen-Strahlen, die von den Aufladern kamen, navigierte sich der Pilot so nah es ging, an die Kupplung heran. „Der Kerl hat wirklich Kha´ridium im Blut!“ murmelte 3287.

„37, Sir, der Materiestrahl verändert sich, er wird stärker, viel stärker!“ 37 drehte sich um und fasste sich plötzlich vor Schmerzen an den Kopf: „Argh, was ist das?“ „Aufladung zu 95% abgeschlossen!“ 392 hatte plötzlich auch Kopfschmerzen. Alle Geräuschen wirkten doppelt so laut: „Der Strahl ist stark genug, um Brennan rauszuholen!“ „Schalten Sie sofort den Antrieb ab und legen sie die frei werdende Energie auf die Schild-Akkumulatoren, los! Das wird den Strahl unterbrechen!“ fauchte er wütend in Richtung Maschinenkontrolle. „Ja, 37, Sir!“ 37 fand, dass der Lärm kaum noch zu ertragen war: „Aufladung abgeschlossen, Schiff ist bereit zum Schuß!“ kam die Ansage. „Feuuuuuu......aaarrrrrrggghhh!“ Der Rest des Befehls von 37 ging in einem langen Schmerzenslaut unter. Alle Kha´ak auf dem Schiff brachen wie vom Blitz getroffen zusammen. Dennoch hatte die Anweisung ausgereicht, um den Schuß zu lösen, doch das ganze Schiff wurde mit Wucht zur Seite geschleudert. Dann herrschte plötzlich Totenstille. „Ziel verfehlt!“ hallte die Computerstimme durch das nun wie ausgestorben wirkende Schiff.

Davy Jones
19-06-2008, 10:45 AM
32. Kapitel: Omikron Lyrae, Teil II

Ein Kratzen von Krallen auf einer Art Holz war in der kleinen Kabine zu hören. Dann begten sich ein paar Fühler und schließlich kam in das ganze Wesen, das im Cockpit des Bombers saß, wieder Bewegung. 3287 rappelte sich langsam wieder hoch, als die Bilder vor seinen Facettenaugen wieder klarer wurden. Die Treibwerke schwiegen und wenn er die Warnzeichen richtig deutete, war es eine Notabschaltung aufgrund einer Art Schockwelle gewesen. 3287 schaltete sie wieder ein und sah sich um. Sein Schiff trudelte herum und hatte sich etwas vom Kampfplatz entfernt. Überhaupt sah es so aus, als ob die ganze Flotte kurzfristig ausgefallen sei und jetzt nach und nach den Kampf wieder aufnahm. Wie ging das? Das Letzte, woran er sich erinnern konnte, war ein fürchterlich stechender Schmerz in seinem Kopf, der ihn wohl bewusstlos werden ließ. Nun, im Moment war das egal, er musste ein Situations-Update erhalten und dazu funkte er nun den Planetenzerstörer an.

„Ziel verfehlt? Was soll das heißen, Ziel verfehlt?“ tobte 37 auf der Brücke des Planetenzerstörers. Ihm war jedoch bewusst, dass die anderen auch nicht mehr wussten als er, denn schließlich hatten sie alle miteinander bewusstlos am Boden gelegen. „392, die Videoaufzeichnung von der Brücke auf den Schirm, sofort!“ Der Schirm flackerte auf und zeigte folgende Szenerie: von einem auf den anderen Moment griffen sich alle Anwesenden an den Kopf und brachen dann zusammen. „Halt!“ rief 37, „sehen sie alle das auch?“ Die anderen Anwesenden brauchten einen kurzen Moment, bis ihnen klar wurde, was 37 meinte: Die einzige Person, die unbeeinflusst geblieben war, war Brennan, der argonische Gefangene. 37 winkte 55 zu sich: „Besteht die Möglichkeit, dass er damit etwas zu tun hatte?“ 55 wedelte zweifelnd mit den Fühlern: „Möglich, ja. Wenn er seine ganze Konzentration aufbietet, mit dem Ziel uns zu schaden, wäre es möglich, dass er dem ein oder anderen von uns Kopfschmerzen bereitet. Für einen derartigen Knockout wäre aber viel mehr nötig. Ich vermute mal, es war der Transporterstrahl, den wir im letzten Kha´nik noch abblocken konnten. Dieser hat die Apparatur wohl mit extra Energie versorgt und diesen, wie ich es nennen würde, Psi-Schlag ausgelöst.“ 37 ging zum Gefangenen hinüber: „Könnte das noch mal geschehen, wenn die Maschine ausgeschaltet ist?“ „Nein, Sir!“ „Dann schalten Sie das Ding ab!“ „Aber, Sir...“, versuchte 55 den Kommandanten umzustimmen, „dann haben wir keinen Zugriff mehr auf sein Wissen!“ „Und ich möchte nicht riskieren, dass die Flotte in einer kritischeren Situation als dieser plötzlich kurzfristig kampfunfähig ist!“ 55 fügte sich und schaltete ab. „Waffenkontrolle: Befehl an die Zerstörer: Neuen Ladevorgang starten!“ „Aye, 37, Sir!“

„Hier spricht 392 an Bord des Planetenzerstörers, was gibt es Pilot?“ „392, Sir“, antwortete 3287, „ich brauche ein Update der Situation. Außerdem muß ich fragen, ob es neue Befehle gibt!“ Es herrschte einen Moment Schweigen, dann kam die Antwort: „Hier 37! Ihre Befehle sind unverändert und die Flotte ist wieder zu 100 % einsatzfähig und kämpft wieder! Verteidigen Sie unser Schiff, denn die drei Angreifer von vorhin sind wieder im Anflug. Es steht zu vermuten, dass sie diesen Brennan befreien wollen! Verstanden?“ „Verstanden, 37, Sir!“

„Taktische Karte!“ verlangte 37. 392 gehorchte und stellte den Schirm ein. „Das sieht nicht gut aus“, murmelte 55, der ebenfalls herbeigekommen war. 37 wußte, was er meinte. Dieser Blackout, oder was auch immer das gewesen war, hatte zwar nicht lange gedauert, hatte aber den Argonen genügend Zeit gegeben, größere Mengen an Jägern abzuschießen und sich halbwegs neu zu formieren. Das Flaggschiff, diese Argon Eins, war immer noch in ein Gefecht mit den Jägerhorden unter 22095 verstrickt, kam aber dennoch Stück für Stück näher. „Waffenkontrolle, Statusmeldung!“ „Ladevorgang initiiert, Waffe zu 10 % geladen!“ 37 grübelte. Das würde noch etwas dauern, bis sie wieder feuern konnten. Würde der Argonen-Zerstörer bis dahin heran sein? Nun, ihre eigenen Schilde konnten eine ganze Menge abhaben und im äußersten Notfall mussten die Unterstützungszerstörer ihre Zentralgeschütze auf die Argonen richten. „Sir?“ wurde er von 392 aus seinen Gedanken gerissen. „Was ist?“ „Sir, die Angreifer haben das Feuer auf die Schildstabilisatoren eröffnet! Dazu brauchen sie nicht durch unseren Schild zu kommen!“ 37 wedelte wütend mit den Fühlern: „Woher wissen die das? Woher kennen die unsere Schwachstelle?“ 55 meldete sich: „Vielleicht...ähm...vielleicht hat es ihnen dieser Brennan mitgeteilt!“ „Wie das?“ „Während des Blackouts hatten wir keine Kontrolle über ihn. Er hätte es ihnen mitteilen können, die Frage ist ob sie es verstanden hätten...“ „Verdammter Mistkerl!“ brüllte 37 ihn an und schlug ihn zu Boden, „Sie und Ihre blöden Maschinen!“ 392 lief herbei und beugte sich über 55. Dann richtete er sich langsam auf: „Er ist tot, 37, Sir!“ Betretenes Schweigen legte sich über die Anwesenden.

„An alle Bomber!“ funkte 3287, „konzentriert alles Feuer nur auf diese drei, die die Stabilisatoren angreifen! Alles andere ist momentan zweitrangig.“ Die anderen Piloten bestätigten den Empfang des Befehls. 3287 schaltete die Triebwerke auf volle Leistung und jagte auf die Gegner zu. Ihnen allen war klar: jetzt wurde ums Ganze gespielt!

„Was passiert, wenn die die Stabilisatoren ausschalten?“ wollte 37 von 392 wissen. Der Rest der Mannschaft stand nach wie vor paralysiert herum. „Haben Sie mich nicht verstanden, Dreistelliger?“ fauchte 37 daraufhin. 392 wandte sich ihm zu: „Sir, Sie haben einen persönlichen Berater von Mutter 5 erschlagen...“ „Und wenn schon, er hatte es verdient. Damit beschäftigen wir uns, wenn unsere Mission erfolgreich war. Alle wieder auf ihre Posten und das zügig!“ Die Kha´ak befolgten den Befehl widerstandslos. Der alte Staatenvolk-Gehorsam war immer noch vorhanden. „Aufladung zu 30 % abgeschlossen!“ verkündete der Schiffscomputer.

Eine helle Explosion erstrahlte, war jedoch nicht stark genug, um den Planetenzerstörer durchzuschütteln. Tatsache war jedoch, dass der erste Stabilisator Geschichte war. „Verteidigt die anderen Stabilisatoren! 22095, melde dich!“ „Hier 22095, 3287, Sir, ich höre.“ „Laßt den Träger in Ruhe und helft uns hier, der Planetenzerstörer ist tatsächlich in Gefahr!“ „Verstanden, Sir!“

392 hat eine technische Detailkarte des Schiffes aufgerufen: „Wenn es ihnen gelingt, alle 4 Frontstabilisatoren auszuschalten, werden wir Fluktuationen im Schild haben. Ein Teil der Schildenergie wird automatisch auf den Heckschild übergehen, dagegen könnten wir nichts machen!“ „Zu welchem Zweck?“ wunderte sich 37. „Aufladung zur 60 % abgeschlossen!“ meldete in diesem Augenblick der Schiffscomputer. 392 wedelte unsicher mit den Fühlern: „Ich vermute, dass sie erneut versuchen könnten, Brennan zu retten. Läßt der Bugschild nach, müssen sie weniger Energie einsetzen, um zum Erfolg zu kommen!“ „Dann legen wir halt wieder alle Energie auf die Akkumulatoren, können die es trotzdem schaffen?“ „Nein, ich denke nicht, 37, Sir!“ „Gut! Und da Brennan nicht mehr mit uns verbunden ist, werden wir diesmal vor ihm geschützt sein und den Planeten Omikron zu Raumstaub zerblasen.

„37, Sir, hier spricht 3287, hören Sie mich?“ „Ja, was gibt es Wichtiges? Ich bin gerade ziemlich beschäftigt!“ kam es relativ unwirsch zurück. „Sir, zwei der Angreifer haben leichte Schäden erlitten, aber unsere Stabilisatoren sind Geschichte. Jetzt bewegen die sich wieder auf die Kupplung zu!“ „Schnappt sie Dir endlich, Kha´jon!“ fauchte 37, „ich dulde keine weiteren Ausflüchte!“ „Ja, 37, Sir!“

„Aufladung zu 90 % abgeschlossen!“ meldete der Schiffscomputer. „37, Sir, die Khir´jon haben wieder den Transporterstrahl aktiviert!“ rief 392. „Maschinenraum, fertigmachen zum umlegen der Energie auf die Akkumulatoren auf mein Zeichen!“ „Ja, 37, Sir!“ kam die Antwort. „37, Sir!“ kam die Stimme von 3287 verzerrt über Lautsprecher, die haben wieder ihre Dreiecksformation um die Kupplung eingenommen, können uns ihnen nicht nähern!“ 37 wollte gerade etwas erwidern, als 392 meldete: „Der Transporterstrahl wird wieder stärker! Sie werden es schaffen, wenn wir nicht handeln!“ „Maschinenraum, alle Energie umleiten, los!“ „Ja, 37, Sir!“ „Waffenpult, Status?“ Aufladung zu 96 % abgeschlossen!“ „An alle, klar machen zum Feuern! Status des Gefangenen?“ „Sie bekommen ihn nicht, 37, Sir!“ antwortete 392. „SIR! SIR!“ kam die nahezu panische Stimme von 3287 aus dem Kom. „Was ist los?“ wollte 37 wissen. „Sir, einer der Angreifer stürzt sich selbstmordartig auf den nächstbesten Akkumulator! Achtung, er schlägt ein, ER SCHLÄGT EIN!“ Eine gewaltige Erschütterung ging durch das Schiff. „Sir!“ kam es vom Waffenpult, „die planetarische Kanone verliert rapide an Energie, wir können nicht mehr feuern!“ „Hier Maschinenraum, Kyonen-Dämpfer überladen sich, können den Prozeß nicht aufhalten! Erwarte Bef...“. Nur noch ein statisches Rauschen war zu hören, dafür sah man durch die Scheiben eine Explosion. 37 wandte sich um und lief.

3287 erkannte auch, was die Stunde geschlagen hatte. „An alle Piloten, sofort vom Planetenzerstörer zurückziehen, das Schiff ist nicht zu retten!“ Durch den Rauch, der bereits aus dem Schiff herausjagte, sah er, wie sich die beiden letzten der Angreifer entfernten. Er setzte Kurs hinaus in den leeren Raum.

37 lief durch Flammen und herabstürzende Trümmer. Mehrfach entkam er nur knapp, dann erreichte er, was er gesucht hatte: Sein persönlicher Bomber hing in einem kleinen Nebenhangar. Er hastete zur Tastatur und gab die Startsequenz ein. Die Energie, um das Außenkraftfeld aufzubauen, reichte noch so gerade eben. Er lief zum Bomber, stieg ein und verriegelte die Luke. In diesem Moment sah er 392, der in den Raum gestürzt kam. „Sir!“ rief er, „Sir, Sie können uns doch nicht einfach so zurücklassen!“ „Ich muß überleben, für die Mutter!“ „Sie verfluchter Mistkäfer!“ brüllte 392. 37 wandte sich geschockt um. Ein Niederrangiger hatte ihn beleidigt, wie ging das? Egal, er war bereit zum Start und würde 392 nie wieder sehen, zumindest nicht diesen 392. 37 startete die Triebwerke und verschwand aus dem Schiff. „Computer, Sprungantrieb starten, ab nach Kha´linia, ab nach Hause!“ Der Computer bestätigte. Der Raum hinter ihm leuchtete hell auf. 37 wandte sich noch einmal abfällig um und sah, wie der Planetenzerstörer verging. „Schlechte Konstruktion vom 2. Stamm!“ murmelte er, dann sprang das Schiff!




Epilog des 1. Teils

3287 hatte sich weit vom ehemaligen Schlachtfeld entfernt. Dort, wo zuvor noch der Planetenzerstörer gewesen war, schwebten nur noch einige größere Trümmer im Raum. Er blickte auf die letzten Gefechte. Die Argonen hatten die Ablenkungsflotte übermannt und waren dabei, sie endgültig zu zerstören. Zwei Zerstörer waren weggesprungen, aber bei dem verbliebenen Träger schien der Sprungantrieb defekt zu sein. Die Argonen umzingelten ihn und kämpften ihn nach und nach nieder. 3287 schaute auf seine Sektorkarte. Es gab noch einige weitere versprengte Khaak-Schiffe. Sie mussten sich sammeln. Er würde sie nach Hause führen denn er vermutete, dass er unter den verbliebenen Bomber-Piloten der ranghöchste war.

Auf Kha´tania hatte 26 in seinem Büro alles Licht gelöscht und saß nun im Dunkeln. Er wollte nichts mehr sehen. Vor wenigen Kha´tik war die Meldung über den katastrophalen Ausgang des Angriffs auf Omikron Lyrae eingetroffen. Eine Niederlage, etwas, was das Volk bisher nicht kannte, wäre noch zu verschmerzen gewesen. Aber die Vernichtung der brilliantesten Konstruktion der letzten 1500 Kha´sug war etwas, was er nicht hinnehmen wollte. Zu lange hatte er daran gearbeitet, zuviel Einsatz in dieses Projekt gesteckt! Und jetzt sollte alles weg sein? Sollte in einem einzigen Akt von Gewalt alles vernichtet worden sein? Man würde versuchen, ihm das unterzuschieben, man würde behaupten, dass Konstruktionsfehler vorgelegen hätten, die dafür verantwortlich wären! 26 wusste, dass das Schiff so perfekt gewesen war, wie es mit dem momentanen Stand der Technik möglich war. Er brauchte nähere Infos, nur müsste man dann jemanden finden, der die Vernichtung überlebt hatte und das war eigentlich unmöglich!

22095 hatte die Funksignale aufgefangen. Als er sich nun der angegebenen Position näherte, sah er schon eine Gruppe von ungefähr 15 Schiffen, die sich versammelt hatten. Er funkte 3287 an: „3287, Sir, wie ist der Status?“ „Wir haben bis jetzt 27 bestätigte Kontakte, die sich unserer Position nähern, ich hoffe es werden noch mehr!“ „Und, dann, Sir?“ Dann springen wir zusammen nach Hause und hoffen, dort wieder gut aufgenommen zu werden!“ 22095 verstand, was gemeint war. Kha’ak, die ihre Aufgabe nicht erfüllten, galten als Versager und wurden nicht selten ausgelöscht. Auf der anderen Seite stand aber auch fest, dass sie nicht der militärischen Stärke, sondern der Taktik der Argonen unterlegen gewesen waren. Sie selbst waren zu großspurig aufgetreten, fand er, auch wenn sich solchen Gedanken eigentlich nicht für jemanden wie ihn gehörten. Im Moment wollte er allerdings nur nach Hause, was danach kam, würde sich zeigen müssen.

„Flugkontrolle Kha´linia! Hier 37, fordere Landeerlaubnis auf dem Privilegiertendeck!“ „Landeerlaubnis erteilt, 37, Sir!“ kam unterwürfig die Antwort. 37 war wütend. Was hatte sich dieser Käfer von 392 eigentlich gedacht? Äußerst Schade, dass der nicht mehr unter den Lebenden weilte. 37 hätte ihn grausam bestraft. Vor ihm öffneten sich jetzt die Außen-Schotten. Langsam flog er hindurch. Er fühlte sich wie immer etwas unwohl, als er in den Bereich der künstlichen Gravitation kam. Etwa 1 Kha´tik später landete er auf dem Privilegiertendeck, wo nur die wichtigsten Persönlichkeiten landen durften. Er stieg aus und sah, dass ein Dreistelliger mit Eskorte auf ihn zukam. „37, Sir, ich bin 341, ich bitte Sie, mitzukommen.“ „Was erlauben Sie sich eigentlich?“ fauchte 37 zurück, „wollen Sie sich etwa erdreisten, mir Befehle geben zu wollen, Dreistelliger?“ 341 blieb ruhig: „Sir, das ist ein Befehl der Mutter! Ich bin authorisiert, Sie notfalls mit Gewalt zu ihr zu bringen!“ 37 war kurz davor, zu explodieren! Was ging hier vor? Aber er beherrschte sich. „Gehen wir!“ zischte er im hörbaren Bereich und setzte sich in Bewegung.

„Das ist nicht so toll!“ murmelte 3287. Mehrere Schiffe von den mittlerweile 31, die sich eingefunden hatten, waren schwer beschädigt. Ihre Sprunggeneratoren würden kaum den Sprung in den Heimatraum schaffen. 3287 dachte nicht lange nach, sie hatten schon genug Verluste erlitten! Als er sich 2 Kha´fak später sicher war, dass keiner von Ihnen mehr da draußen war, gab er seinen Befehl: „Die Hälfte von uns würde den Heimsprung nicht schaffen, weniger wegen der Distanz, sondern aufgrund der Emissionen des Kha´ridiums in unseren Systemen. Nur ein voll funktionsfähiger Sprungantrieb kommt mit diesen elektromagnetischen Feldern zurecht, der Rest würde detonieren! Daher springen wir zur Basis in Nyanas Unterschlupf und hoffen, dass die vom Feind noch nicht entdeckt wurde. Wenn wir dort sind, sehen wir weiter!“ Es folgte ein kurzes Blitzgewitter, als die Kha´ak-Gruppe sprang. Die Schlacht um Omikron Lyrae war vorbei, das Volk der Kha´ak hatte diese Schlacht verloren!


Ende Teil 1

Davy Jones
19-06-2008, 10:47 AM
Prolog (Teil 2)

3287 sah sich in der Basis um. Um ihn herum sah er all die Versprengten und Überlebenden der Schlacht von Omikron Lyrae. Momentan hatte er tatsächlich das Kommando, der Rest waren alles nur Fünfstellige und Kha'lisch. Allerdings war ihm auch sehr wohl bewußt, daß das nur kurzfristig so bleiben würde. Sobald man sich im Heimatraum von dem Schock der Niederlage erholt hatte, würde man sich wieder der Basis erinnern, die ja immer noch vorhanden war. Ob es gleichzeitig auch eine neue Taktik geben würde, wußte 3287 nicht zu sagen, aber es war davon auszugehen. Das Volk würde nicht noch einmal großartig Ressourcen bei einem schlecht geplanten Angriff verpulvern! Das nächste Mal, würde man die Taktik sehr viel sorgfältiger ausklügeln.

Ein Kha'lisch kam zu ihm und verneigte sich: "3287, Sir! Wir haben Funkkontakt mit anderen, die sich nähern. Sieht aus wie eine Gruppe Bomber!" "Danke, ich werde mich gleich darum kümmern!" Der Kha'lisch verbeugte sich und zog sich zurück. 3287 ging zum Kommandostand, um die eingehende Funknachricht entgegen zu nehmen. "Hier spricht 3287, momentaner Kommandant dieser Basis, identifizieren Sie sich!" "Hier 26, neuer Kommandant der Basis! Ich fordere Landeerlaubnis!" "Gewährt, 26, Sir!" 3287 ließ die Fühler hängen. Das ging schneller als erwartet!

Als 26 seinen Bomber verließ, hatte sich 3287 wieder soweit im Griff, daß er den Ankömmling mit dem ihm gebührenden Respekt empfangen konnte. "26, Sir, ich bin 3287! Einmal mehr willkommen auf der Basis hier! Ich übergebe Ihnen hiermit das Kommando!" "Danke, 3287, den Weg zu meinem neuen Büro kenne ich schon, kommen Sie mit!"

"Wir ändern die Strategie!" begann 26 ohne Umschweife, als die Tür sich hinter ihnen beiden geschlossen hatte. "Darf ich fragen, welche, Sir?" "Detailaufklärung und Schwächung der Infrastruktur! Wir müssen mit kleinen Nadelstichen soviel Schaden anrichten, wie möglich und wir müssen alles über unsere Feinde in Erfahrung bringen, was wir können! So eine Fehlplanung wie in Omikron Lyrae darf nie wieder passieren! Das Dumme ist nur, daß der Hauptverantwortliche dafür noch lebt und auch weiterhin hoch in der Gunst eurer Mutter 3 steht!" "Wen meinen Sie?" "37!" "Unmöglich!" meinte 3287, "er ist auf dem Planetenzerstörer gestorben, als das Schiff explodierte!" 26 ließ sich mit einem Seufzen nieder: "Ganz offensichtlich nicht! Ich weiß nicht, wie er der Vernichtung entwischt ist, aber, mit allem Respekt vor dem dritten Stamm, ich halte ihn für gefährlich! Deswegen habe ich auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Kommando hier zu bekommen, bevor er es zurückerhält und die nächste Katastrophe heraufbeschwört!" 26 lehnte sich zurück: "Ich wußte nicht, wieviel Personal noch hier war, aber Sie haben ja offenbar alle eingesammelt, die Sie noch finden konnten!" "Ja, 26, Sir!" "Das war gute Arbeit! Sehr gute Arbeit! VOn nun an sollen Sie 328 sein! Ich bin zwar nicht vom dritten Stamm, aber mir wurde von Mutter 3 mitgeteilt: Wenn er noch lebt, befördern Sie ihn! Ihre Leistungen sind bis ganz oben vorgedrungen!" 3287 strahlte wie ein polierter Käferpanzer: "Danke, Sir!" "Nun gut, dank Ihres neuen Ranges, sind Sie nun mein Stellvertreter hier! Unsere neue Taktik sieht so aus, passen Sie genau auf!"




33. Kapitel: Kha'linia, Hauptstation des Stammes der Forscher, 3 Kha'tuk zuvor


37 wurde von den Sicherheitskräften in die zentrale Sektion gebracht. Er wußte, was das hieß: er mußte der Mutter Rechenschaft über die Katastrophe von Omikron Lyrae ablegen. Er überlegte, wie er es anstellen konnte, sie nicht zu belügen und dennoch seine Position zu behalten. Tatsache war, daß er ihr nicht berichten konnte, daß er alle anderen an Bord des Mutterschiffs schmählich im Stich gelassen hatte. Wäre das nur eine Gruppe Fünfstelliger gewesen, würde man darum kein großes Getue machen, aber es waren unter anderem vier Zweistellige, einer von jedem anderen Stamm, an Bord gewesen und die Tatsache, daß nur er überlebt hatte, hatte bereits zu diplomatischen Verstimmungen geführt! 37 war Letzteres egal, Hauptsache, sein Stamm stand gut da! Zu diesem Zweck mußte er auch zurück ins Einsatzgebiet, die Basis wieder bemannen und den nächsten Schlag vorbereiten.

334, der Chefaufseher über den Flugverkehr, wartete, bis das Shuttle aus Kha'tania aufsetzte. Er selbst war dazu abkommandiert worden, den Gast zu empfangen. 26 kam zur Station und der war wütend, das hatte 334 am Tonfall nur zu deutlich gehört. Wen sollte das auch überraschen? Sein Meisterwerk, der Planetenzerstörer, war gleich im ersten Einsatz zerstört worden! So hatte 26 sich das bestimmt nicht vorgestellt! Und es war auch schon durchgesickert, wem er die Schuld dafür gab: 37! Demjenigen also, der das Kommando geführt hatte. Aus diesem Grund war 26 auch hier, er wollte 37 zur Rede stellen, würde das aber im Beisein der Mutter tun müssen, soviel wußte 334. Das Shuttle setzte auf und 334 ging zum Schiff hinüber. 26 kam heraus. "26, Sir, 334, Oberflugaufseher, zu Ihren Diensten." "Sparen sie sich dieses Gefasel und bringen Sie mich zu Mutter 3 und 37 Sir!" zischte 26. 334 begriff, daß er lieber Schweigen sollte. Er gab seinen Leuten den Befehl, sich zurückzuziehen und wies dann 26 den Weg.

"Eine meiner größten Hoffnungen - und auch eine meiner größten Enttäuschungen!" Mutter 3 sah ihren vormaligen Favoriten ernst an, sofern man beim Volk der Kha'ak von einem "ernsten Gesichtsausdruck sprechen kann. 37 stand aufrecht, er wollte keine Schwäche zeigen. "Das die Schlacht verlorenging, war in keinster Weise meine Schuld!" "Habe ich dir erlaubt zu sprechen?" giftete Mutter 3 ihn an. 37 schwieg. In diesem Moment kam 33 herein: "Mutter, 26 von den Schiffsbauern ist hier, damit im 37 Rede und Antwort stehe!" "Er soll hereinkommen!" "Ja, Mutter!" 33 ging und 37 kochte vor Wut. Rede und Antwort stehen? Diesem Komiker? Diesem inkompetenten Ingenieur? Wenn der ein gescheites Schiff gebaut hätte, wäre das alles nicht passiert! Aber 37 hatte keine Wahl, die Mutter tolerierte es. 26 betrat den Raum.

Mutter 3 entging nicht, welch gefährlich gespannte Stimmung im Raum lag, als 26 37 erblickte. Sie prüfte, ob der Sicherheitsdienst zügig zur Stelle sein konnte, falls die beiden aufeinander losgingen. Alles in Ordnung, wie es schien. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder den beiden zu. "Sie!" fauchte 26 im hörbaren Bereich. "Aha", entgegnete 37, "der Ingenieur, der diesen Schrotthaufen von Schiff zusammengebaut hat!" "DREI-SIEBEN" dröhnte die Mutter dazwischen, "mäßige dich, oder ich lasse dich in den Brei rühren!" Einen kurzen Moment dachte sie, daß er jetzt sogar etwas sagen könnte wie: "Ich habe keine Angst vor dir, Mutter!". Aber er tat es nicht und Mutter 3 schüttelte diesen äußerst unangenehmen Gedanken schnell ab. 37 starrte 26 mit unverhohlenem Hass an: "Das Schiff hat die Erwartungen nicht erfüllt, es war zu wehrlos! Daher war es nicht zu retten!" 26 wedelte kurz belustigt mit den Fühlern: "Das es relativ wehrlos war, wußten Sie, 37, Sir, schon vorher. Muß ich Sie etwa daran erinnern, daß es IHR Plan war, daß die Strategie auf Ihre Empfehlungen hin entwickelt worden ist?" 37 schwieg lieber dazu.

"26!" wandte sich Mutter 3 an den Ingenieur, "es ist aber auch eine Tatsache, daß das Schiff sehr lange nicht richtig einsatzfähig war, oder?" 26 straffte sich: "Ja, Mutter 3, das stimmt, aber das lag daran, daß wir sabotiert worden sind! Wir vermuten, es war dieser Sargon, der uns da hintergehen wollte. Wie dem auch sei: alle bisher gesammelten Augenzeugenberichte aus Omikron Lyrae deuten in keinster Weise auf technischen Defekt hin, der die Zerstörung des schiffes ausgelöst haben könnte. Es gibt wahrscheinlich nur einen im ganzen Volk, der weiß, was wirklich passiert ist! Und dieser jemand steht vor Euch, Mutter 3!" Der Kopf von 37 ruckte herum. 26 fuhr unbekümmert fort: "Wie wäre es, wenn Sie endlich mit der Wahrheit rausrücken würden, 37, Sir! Wie kam es zum Untergang des Planetenzerstörers?" "Mutter, muß ich mir das noch länger bieten lassen? Das diese Karikatur versucht, mich zu diskreditieren?" "KARIKATUR? Sie.....". "Aufhören! Und zwar beide!" fuhr Mutter 3 dazwischen. "Tatsache ist, 26, daß du keinerlei Beweise hast, daß 37 für die Zerstörung des Schiffes verantwortlich ist! Auf der anderen Seite hast du, 37, aber auch keine Beweise für das Gegenteil! Daher steht Behauptung gegen Behauptung und eine Aburteilung wäre nicht gerechtfertigt!" 26 ließ die Fühler hängen. 37 straffte sich: "Also, kann ich dann davon ausgehen, daß ich nun wieder zur Basis in Nyanas Unterschlupf fliegen soll, um erneut das Kommando zu übernehmen?" "Nein!" ging 26 dazwischen, "Mutter 3, dieser Kha'ak hat die große Schlacht von Omikron Lyrae verloren! Ihm jetzt wieder ein Feldkommando zu geben, halte ich für weniger gut!" "Als wenn du das beurteilen könnstest, Ingenieur!" "Meine Herren", ging Mutter 3 wieder dazwischen, "ich habe meine Entscheidung getroffen. 26: wenn deine Mutter dich entbehren kann, solltest du die Basis im Feindraum übernehmen. Du kannst uns vielleicht besser über die feindlichen Schiffe aufklären, damit wir uns besser darauf einstellen können." "Mutter, das kannst du nicht tun, ich...". "WAS? ICH KANN DAS NICHT TUN?" Beide Kha'ak zuckten sichtlich zusammen. "Wage es ja nicht noch einmal, mir zu sagen was ich nicht kann, 37, und du findest dich schneller im Brei als du laufen kannst! Dich brauche ich hier, du wirst wieder das tun, wofür du ursprünglich zuständig warst: die innere Sicherheit unseres Stammes! Und jetzt geht mir beide aus den Augen!"

Schon in dem Moment, als sie aus dem Dock heraus waren, funkte 26 Kha'tania an. Mutter 2 war einverstanden. Er solle zurückkehren, sich vorbereiten und dann die Basis übernehmen. Das Ganze würde einer neuen Strategie folgen, hieß es. 26 fragte sich, was damit wohl gemeint sein könnte.

Davy Jones
27-09-2008, 07:53 PM
34. Kapitel: Argonischer Sektor "Heimat des Lichts"

Sie lagen auf der Lauer und das schon seit einer ganzen Weile. Verdrießlich schaute 2209, vormals 22095, auf seine Scanner und verfolgte den Flugverkehr. Das hier war einfach keine Beschäftigung für einen Bomberpiloten, der sowohl die Schlacht von Trantor, wie auch die Katastrophe in Omikron Lyrae geflogen war! Und jetzt saß er hier und beobachtete Frachter!

Das sollte also die neue Taktik sein, den Feind halbe Eweigkeiten ausspähen und ihn dann mit kleinen Nadelstichen zu traktieren. Die Anweisungen waren einfach: observieren, einen günstigen Moment abwarten, schnell angreifen, möglichst viel Schaden in kürzester Zeit anrichten und verschwinden. So sollte versucht werden, die feindlichen Flotten auf möglichst viele Sektoren zu verteilen. 2209 hatte da so seine Zweifel. Seines Erachtens nach würde das nur dazu führen, daß die Feinde ihre Schiffsproduktion erhöhen würden, genauso wie es das Volk nach den ersten Angriffen getan hatte. Man sollte besser vorher versuchen, den Feind von seinen Ressourcen abzuschneiden, damit genau das nicht passierte. 2209 ließ resigniert die Fühler hängen. Befehle von oben stellte man nicht Frage und letzten Endes war das Vernichten möglichst vieler Frachter ja auch ein Schritt in die richtige Richtung. Brachte man die Wirtschaft zum Erliegen, könnte der Feind keine neuen Schiffe bauen. Nur hatte 2209 die Befürchtung, daß sie dafür wirklich sehr viele Schiffe würden erledigen müssen!

2209 betrachtete erneut die Sektorkarte und faßte für sich selbst zusammen, was sie über diesen Ort hier wußten. Es gab eine kleine Werft, das hatten sie festgestellt. Zudem war der Sektor recht gut verteidigt. Letzteres war allerdings auch kein wirkliches Wunder, wußten sie doch, daß eines der Sprungtore nach Argon Prime führte, dem Hauptsektor der Argonen. 2209 wedelte belustigt mit den Fühlern. Offenbar versuchten diese Khir'jon immer noch mit ihren Gewohnheiten zu verteidigen. Dem Volk waren Verteidigungsflotten vor Toren allerdings egal. Man sprang einfach in den Sektor, wo es einem gefiel. Diesen taktischen Vorteil könnte der Feind niemals kompensieren! Vielleicht würde er deswegen seine Flotte tatsächlich verteilen, doch 2209 blieb bei seiner Meinung, daß die Khir'jon ihre Flotte eher vergrößern als verteilen würden!

Einen Kha'fak später wurde es 2209 endgültig zu langweilig. Er wählte ein paar dicht beieinander fliegende Frachter als Ziel aus und befahl den Angriff. Sie waren mit drei Eingreifern vor Ort und gingen auf Höchstgeschwindigkeit. Als der Computer das Erreichen der Feuerreichweite in 60 Kha'nik meldete, befahl 2209: "Formation auflösen, vernichtet die Frachter, dann sofort wieder koppeln, damit wir aus dem System springen können, bevor die feindlichen Patroullien uns erreichen können!" Sein Befehl wurd unverzüglich ausgeführt. Die Schiffe jagten los. 2209 selbst nutzte jedoch die Gelegenheit, sich den Sektor aus der Nähe anzusehen. Erneut ließ er einen Scan über die Fabriken laufen. Als er die kleine Werft scannte, wurde er stutzig. Die Energiesignatur, die er sah, kam ihm seltsam bekannt vor. Das könnte doch nicht sein. Alle Werte wiesen auf eine hohe Konzentration an Kha'ridium hin und zwar innerhalb der Station! Wie konnte das sein? Nun, die einzige Erklärung wäre, daß hier die Argonen ihren Teil des Diebesgutes lagerten. Allerdings hieß es auch, daß das heilige Metall in geringen Mengen auch außerhalb des Heimatraumes zu finden sei. Vielleicht war dies hier auch eine Art Zentrallager, wo die ganze Ausbeute zusammen getragen wurde. Wie dem auch sei: diese Erkenntnis hatte jetzt höchste Priorität. Er mußte das sofort melden, sobald sie wieder sicher in Nyanas Unterschlupf angekommen wären.

Das alles lenkte sein Hauptaugenmerk wieder zurück auf das, weswegen sie eigentlich hiergewesen waren. 2209 erkannte, daß die Frachter so ziemlich Geschichte waren und auf seinen Scannern sah er auch, daß sich so ziemlich die gesamte Verteidigungsstreitmacht des Sektors aufgemacht hatte, um ihnen entgegen zu treten! "Befehl an alle: Zusammenkoppeln! Wir verschwinden von hier!" Die ganze Prozedur dauerte nur 2 Kha'tik, dann waren die Kha'ak verschwunden.

Als die Argonen die Stelle erreichten, konnten sie nur noch mit dem Beseitigen der Trümmer beginnen.