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View Full Version : Story Achtzehn Milliarden



tysker
27-01-2010, 10:04 AM
Servus!

Bin neu hier im Forum, aber hatte vor einigen Wochen etwas geschrieben, was ich Euch gern vorstellen möchte. Nicht perfekt, aber sicher ganz ok. Urteilt Selbst.

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Achtzehn Milliarden


Es herrscht tiefe Ruhe im Kommandozentrum der Aran. Nur der Kommandant der Intervensionsgruppe, Flottenadmiral Daye Selek, sitzt in seinem Kommandostuhl. Vor ihm, etwas weiter unten, sitzen der Navigator und ein Waffenleitoffizier, mehrere Offiziersdienstgrade sind bei der Prüfung der Bordsysteme. Sie alle haben den Nachtdienst bekommen. Selek jedoch verdankt sein Hiersein seiner Schlaflosigkeit. Zuviel geht ihm im Kopf herum. Ein halbes Jazura ist es nun her seit er hier im System „Achtzehn Milliarden“ per Sprung eintraf. Damals sah es noch anders aus hier. Das System, welches eigentlich den Teladi gehörte, war durch einen Überraschungsangriff der Maschinen, den Xenon, fast ausgelöscht worden. Die Verteidigungsstreitmacht der Teladi wurde schon im ersten Anflug vernichtet. Kein Wunder, dachte sich Selek, die Teladi sind Händler und eben diesen Geist haben sie auch. Kämpfer wie die Split sind sie nicht. Er lachte innerlich, dieses Versagen der Teladi brachte ihm letztlich diesen großen Sieg ein.

Es war der erste derartige Militäreinsatz des militärischen Armes des Eelkinnen-Imperiums, seit es den Schritt in das All wagte. Die bisherigen kleinen Plänkeleien mit den Xenon, den Piraten und ab und an auch den Paraniden, welche es vorher gab, waren nichts gegen das gewesen, was er hier erlebte. Selek kam vom argonischen Militär. Er war viele Jazura lang Kommandant einer Nova-Aufklärerstaffel im System „Wolkenbasis Südwest“ gewesen. Es war die Zeit der Konflikte zwischen Argon Prime und dem Priesterimperium der Paraniden. Als Kommandant nahm er dort die Aufgaben eines Zollinspektors wahr. Das brachte ihm schon damals viel Erfahrung. Später, im Rang eines Kommandeurs, bekam er das Kommando über einen der neuen Kreuzer der Zentaur-Klasse, dem nagelneuen MKIII, zugeteilt. Mit ihm und seiner Begleitstaffel nahm er dann am Angriff auf die Piratenbasis in Brennans Triumph teil und errang dort die Auszeichnung „Stern der Argonen“, eine Medaille aus reinem Nividium, dem seltensten und kostbarsten Metall des bekannten Universums. Damals schoß er 12 M3 Kampfschiffe und 22 M5 Jäger ab. Nach diesem Erfolg war es dann soweit und sein Traum erfüllte sich. Das Oberkommando der Argonen gab ihm das Kommando über einen Zerstörer der M2 Titan-Klasse und beförderte ihn damit zum Kapitän.

Dies war auch die Zeit des anbrechenden Friedens zwischen den Völkern, einen Kampf absolvierte er nie mit diesem Schiff. Drei Mazura nach der Kommandoübernahme, traten alle Völker des bekannten Universums in Friedensverhandlungen ein. Die Waffen ruhten. Grund war eine neue Gefahr die drohte: Die Kha’ak. Viel war über diese nicht bekannt. Die ersten die auf sie trafen waren die Paraniden. In diesem ersten Zusammentreffen verloren sie drei Schlachtschiffe und etliche Jägerstaffeln. Seitdem erscheinen die Schiffe der Kha’ak überall im Universum und greifen wahllos Stationen und Schiffe an. Da die Technologie der Kha’ak so fortschrittlich war, riefen die Boronen, schon immer ein friedliches, beinahe ängstlichen doch technologisch fortschrittliches Volk, die Konferenz von Jammar ein, welche im System Königstal, dem Zentrum des Boronenraumes, stattfand. An diesem Tag, man sagt es wäre kein Zufall gewesen, fand die Katastrophe von Trantor statt. Ein ganzes System wurde auf einen Schlag von den Kha’ak zerstört, die argonische Gemeinschaft hart getroffen. Just als Selek mit seinem Titan, der Maronai, den Sektor erreichte, waren die Kha’ak wieder verschwunden. Er sah noch wie ein überdimensionales Schiff in einem Sprungfeld verschwand. Sie hinterließen nur Trümmer und Leichen.

Das Schaltpult in seinem Kommandosessel blinkt. Eine einkommende Nachricht aus dem Hauptquartier der Eelkinnen Inc. in Heimat des Lichts. „Hallo Daye, ich grüße dich!“ sagte eine Stimme aus dem Äther. Es war Flottenadmiral Kayean. „Ich habe gute Nachrichten für dich!“ sagte er und lächelte etwas. „Das hört man gern“, antwortete Selek „so sprich!“. „Die Odysseus hat im System „Kaos Feste“ eine Fregatte der Kha’ak fast unbeschädigt kapern können. Was sagst Du nun?“ antwortete er und sah sichtlich gespannt aus. Selek klappte das Kinn herunter. Ein Kha’akschiff gekapert? Das war revolutionär. Nie zuvor war es gelungen so etwas zu schaffen und nun war es seinem Arbeitgeber gelungen. „Das ist unglaublich!“ antwortete er nur knapp. Er wußte gar nicht was er sagen sollte. „Ja, fürwahr“ antwortet Kayean. Er lachte leicht als er das Gesicht von Selek sah. „Und was passiert nun mit dem Schiff? Ist es flugbereit? Ist die Technologie überhaupt nutzbar für uns?“ Tausend Fragen schwirrten Selek im Kopf herum, grade wollte er weiter ansetzen als der Großadmiral ihn bremste. „Ja, nur die Ruhe Daye, gleich nach der Eroberung, es hat uns übrigens fast 300 Marines gekostet, traf ein Kommando der Wissenschaftsabteilung ein. Sie hatten einen Sprungantrieb dabei. Offenbar war er sogar kompatibel mit deren Technologie. Das Schiff ist nun jedenfalls am Hauptquartier angedockt, die Ingenieure untersuchen es im Moment genau. Der argonische Geheimdienst, die OTAS- Kooperation und auch die Goner haben Experten geschickt, um an der Untersuchung teilzunehmen“ „Das klingt gut, ich denke das wird uns weiter bringen“ antwortete Selek zufrieden. „Vielleicht bringt uns das ja einen Technologiesprung, gebrauchen könnten wir es wirklich.“ sagte er etwas nachdenklich. „Sei unbesorgt, ich habe auch eine weitere gute Nachricht.“ lächelte Kayean weiter „dir wird ein neues Schlachtschiff zugeteilt. Es ist eine Neuentwicklung der OTAS-Kooperation und außergewöhnlich schlagkräftig. Kommandant Scot Silsarna bekommt das Kommando, er untersteht dann dir!“ sagte er und lächelte abermals.

Die düsteren Gedanken von Melkei waren plötzlich wie weggewischt. Es gibt Verstärkung! Endlich dachte er, wäre es so weiter gegangen, hätte er die Stellung hier im System Achtzehn Milliarden nicht mehr halten können. Achtzehn Milliarden; nie wird er diese zwei Worte vergessen, so lange er lebt nicht. Die Schlacht hier brachte seine Einsatzgruppe fast an den Rand der Vernichtung. Nur ein Opfer konnte das Glück wenden. Unter seinem Kommando standen bei Ankunft hier nicht nur die als Basisschiff fungierende mobile Schiffswerft der Firma, die „Aran“, sondern auch ein Zerstörer der Titanklasse die „Neumond“ die später aber abkommandiert wurde, ein weiterer Zerstörer – die „Barnabie“ – ein Schiff der M2 Klasse aus der OTAS-Raumschmiede im System „Akeelas Leuchtfeuer“, zwei Korvetten der Hyperion-Klasse, ein Kampfkreuzer der M7-Cerberus-Klasse, eine Leichte Korvette der M6-Nemisis-Klasse sowie 15 Angreifer der M3-Nova-Klasse und 20 Verteidiger der M4-Buster-Klasse.

Mittels Sprungfeld und P2P-Sprung gelang der Firma damals ein Überraschungsschlag gegen die Maschinen. Da aber die Sprünge mittels Sprungfeld nur schwer zu fixieren sind, gehört Glück unbedingt dazu. So auch damals. Das Basisschiff landete damals direkt neben einem Xenon P, einer Art Aufklärer vergleichbar mit der argonischen Korvetten-Klasse M6. Der schwere Zerstörer und die beiden Hyperionkorvetten landeten inmitten dreier Xenon-M2 Schlachtschiffe, der Titanzerstörer landete in der Nähe des Osttores. Gleich nach dem Sprung entkoppelte das Basisschiff den Kampfkreuzer und alle angedockten Jäger und Kampfschiffe. Die Schlacht begann. Sie dauerte 8 Stazuras und kostete viel Leben! Zuviel Leben. Der Titanzerstörer blockierte gleich das Osttor, die Anweisung war klar: Niemand darf durch! Gleich hinter dem Osttor lag der Xenon-Sektor 347. Das Tor in den tieferen Xenonraum. Daß die Xenon hier als erste zuschlugen war eigentlich zu erwarten gewesen.

Obwohl Kriegsgebiet wollten damals noch immer industrielle Frachter der benachbarten Systeme durch den Sektor fliegen. Unglücklicherweise war der Xenonsektor 347 genau zwischen dem Sektor „Achtzehn Milliarden“ und dem Sektor „Grüne Schuppe“ gelegen. Es war der direkte und kürzeste Weg wenn man keinen Sprungantrieb besaß. So wählten ihn, trotz Risiko, viele der interstellaren Handelsgilden.
Nun wurde die Durchquerung aber vorübergehend verwehrt. Die Schiffe mußten sich weit außerhalb der Ekliptik stationieren und warten, der Befehl des Zerstörerkapitäns, Warron Ohneaim, war unmißverständlich. Während er nun die, durch das Tor kommenden, Xenon vernichtete, schlug der Kampfkreuzer und das Basisschiff auf den P ein. Der hielt auch nicht lang durch und verging in einer enormen Explosion. Nach diesem Schlag flog der Kreuzer zum Entsatz die „Barnabie“, um die es schlecht stand. Die Schilde waren auf 40 % runter und auch die Hyperions gaben was sie konnten. Als der Cerberus ankam, explodierte gerade ein Xenon M2. Eine Hyperion war zu nahe dran und erlitt heftigen Schaden. Sie verließ das Schlachtfeld und zog sich zur Rumpfreparatur zurück. Die taktische Anzeige meldete in diesem Moment Alarm. Einer der M2 näherte sich dem Basisschiff, geschützt von vielen Jägern. Das Basisschiff war zwar mir zwei 10GJ Schilden gut geschützt, aber den Photonenkanonen des Typs 3, wie sie die Xenon M2 besaßen, war aus das Basisschiff nicht lang gewachsen. Die Jäger und Kampfschiffe der Firma entkamen zwar durch ihre Wendigkeit den Kanonen des M2, aber ihre Impuls- bzw. Plasmakanonen konnten den Xenonschild nur wenig anhaben. Es stand auf Messers Schneide. Die „Aran“ war die einzige mobile Schiffswerft dieser Art, welche die Firma besaß und sie hatte unglaubliche technische Möglichkeiten. Es war ein Geschenk des Ordens der Goner an die Firma, nachdem diese dem Orden in einer dringlichen Angelegenheit half und die Firma den Gonern Schutz in ihren Heimatsektoren „Elysium des Lichts“, „Mönchs Rückzug“ und „Templers Horizont“, bot. Sie mußte um jeden Preis geschützt werden. Die Rohre des Basisschiffes schossen permanent, auch die Jäger versuchten ihr bestes. Es half aber nicht viel. Im Zucken der Kanonen und dem Explodieren der Schiffe erkannte Selek damals im taktischen Display, daß sich die „Barnabie“ vom verbliebenen Xenon M2 gelöst hatte und Richtung Basisschiff flog. Sie war bereits schwer beschädigt, die Schilde nur noch zu 10% intakt und der Rumpf schon angeschlagen. Da sie aber schneller war als ein Xenon M2 erreichte sie das angreifende Schiff schnell. Die Kanonen der „Barnabie“ gaben alles, aber sie hatten nur noch 50% und einige waren ausgefallen. Im Rücken das zweite M2 entschloß sich der Kapitän der „Barnabie“ zu einem Manöver, das am Ende zum seinem und seiner Mannschaft Tod, sowie zur Zerstörung der „Barnabie“ führte. Um die Zerstörung der „Aran“ zu vermeiden, rammte er das M2. Er hatte vermutlich die Hoffnung, daß der moderne Rumpf des OTAS-Schiffes dies überstehen würde. Er irrte sich. In einem riesigen Feuerball gingen beide Schiffe auf, die „Barnabie“ und das M2 explodierten. Durch die Druckwelle wurden alle umliegenden Schiffe, auch die „Aran“, erfaßt und weggedrückt. Viele Jäger und Kampfschiffe wurden beschädigt und trieben steuerlos im All. Sie waren leichtes Futter für die Xenonjäger. Viele der Piloten katapultierten sich ins All und sahen die Zerstörungen der Schlacht durch die Scheiben ihrer Raumanzüge. Es war eine Hölle aus zuckenden Blitzen. Am Ende mußte Selek den Verlust der „Barnabie“ an das Hauptquartier melden. Außerdem waren 12 M3- Novaschiffe zerstört und viele schwer beschädigt. Das Ziel aber war erreicht.

Noch währned Selek so im Gedanken versunken ist, erscheint auf dem Hauptdisplay am anderen Ende der Kommandozentrale der „Aran“ plötzlich das Osttor des Sektors. Ein Alarm ertönt schrill. „Es kommt etwas von 347, Admiral“ schreit der Waffenleitoffizier! Selek schreckt aus seinem Tagtraum auf. Kayean ist noch immer auf seinem kleinen Display zu sehen. Selek schaut auf das große Hauptdisplay. Das überdimensionale Tor, die Hauptverbindung zwischen „Achtzehn Milliarden“ und dem Xenon-Sektor, blinkt an den riesigen Translichtgondeln. Etwas reist durch den Überlichtraum und wird gleich da sein. Selek läßt zwei Kampfschiffstaffel ins All katapultieren. Der Kreuzer erhält den Befehl sich in Richtung Tor zu bewegen. Die Intervensionsgruppe erhält Alarm-bereitschaft. Wenige Sezuras später springt ein Schiff in den Sektor.

Argon Prime

Während der Expresstransporter sich durch das Trümmerfeld kämpft, sitzt Frank Kelter in seinem Sessel in der Loge des Schiffes. Bedienungen laufen hin und her und bringen Getränke zu den Reisenden, die mit an Bord sind. Frank Kelter ist Schiffsbauingenieur der Eelkinnen Inc. Aber mehr noch, er ist der Leiter der technologischen Abteilung auf Argon Prima mit mehr als 3000 Mitarbeitern auf verschiedensten Stationen und Planeten. Sie alle, und auch er, befassen sich mit der Entwicklung neuster Technologien um sie für die Firma nutzbar zu machen. Sein Büro befindet sich eigentlich auf Argon-Prime, doch nun sitzt er hier in einem interstellaren Transporter der Firma auf dem Weg zum System „Heimat des Lichts“, dort wo das Hauptquartier der Firma im All steht. Noch nie war er in einem anderen System gewesen. Seine systemübergreifende Arbeit erledigte er zumeist über das firmeninterne Kommunikationsnetz, oder an der argonischen Schiffswerft im Heimatsystem der Argonen. Nun aber mußte er weit hinaus ins All. Er und seine Büromitarbeiten sollten das neue OTAS-Schiff begutachten, welches vor 5 Stazuras am Hauptquartier ankam. Die Neuanschaffung der Firma war auch deren ganzer Stolz. Einen Namen hatte sie noch nicht, den sollte sie erst nach vollständiger Begutachtung und Bewertung ihrer technologischen Möglichkeiten bei einem großen Empfang der Firmenleitung erhalten. Er war aufgeregt, die argonischen Schiffe der Heimatwerft kannte er zur genüge, aber die OTAS – Schiffe waren immer wieder eine Herausforderung.

Die OTAS – Kooperation, welche ihren Sitz im Sektor „Akeelas Leuchtfeuer“ hat, entstand vor 8 Jazuras. Wer dort das Sagen hat, weiß aber niemand. Selbst auf Technologiesymposien der Völker fanden sich immer nur einige wenige Vertreter der OTAS wieder. Man weiß nur, daß die Technologie, welche von OTAS kommt, äußerst fortschrittlich ist. Die OTAS haben offenbar auch gute Verbindungen zur Erde, dem legendären und lange Zeit unauffindbaren eigentlichen Heimatplaneten der Argonen, denn in ihren Schiffen verbauen sie auch terranische Technologie. Viele vermuteten hinter dem OTAS auch das geheimnisvolle Volk der Sohnen, ein Volk das – wie man sagt – uralt sein muß und das immer wieder auftaucht und die riesigen Sprungtore ausrichtet. Aber keiner wußte genaueres, weder über die Sohnen noch über die OTAS. Das OTAS-Hauptquartier in „Akeelas Leuchtfeuer“ lag selbst weit außerhalb der Ekliptik und war enorm gesichert. Nicht jeder erhielt dort eine Andock-erlaubnis, aber seiner Firma war der Erwerb von OTAS – Technologie gestattet und das eröffnete ihm enorme Möglichkeiten.

Während er in diesem Gedanken verweilte, ging ein Ruck durch das Schiff. Eine Stimme ertönte. Es war der Kommandant des Schiffes: „Werte Reisende, wir durchqueren ein Trümmerfeld. Es kann zu Kollisionen von Kleinstasteroiden mit den Schilden kommen. Es besteht aber keine Gefahr für das Schiff!“
Kelter grinste. Er mußte es wissen, denn er hat die erweiterten Schilde für die Firmenschiffe entwickelt. Sie waren durchaus in der Lage die Kollisionen zu überstehen, das war sicher. Andere Reisende sahen nicht so erfreut aus. Sie schauten immer wieder aus den großen Panoramafenstern und konnten so gut beobachten, wie die Gesteinsbrocken in den Schilden verglühten. Oft schoß auch die Bordkanone Asteroiden aus dem Weg. Alles in allem ein nett anzusehendes Schauspiel, wie er fand. Einige Stazuras später, Kelter war in einen Konstruktionsplan für Partikelwaffen vertieft, ertönte wieder die Stimme des Kapitäns: „Werte Reisende, wir erreichen in wenigen Mizuras das Sprungtor nach Heimat des Lichtes. Ich bitte sie Platz zu nehmen. Der Sprung dauert ungefähr eine Mizura. Vielen Dank!“ Kelter schaute sich um. Die spielenden Kinder in der Loge wurden von ihren Eltern auf die Sessel gesetzt und angeschnallt. Eigentlich unüblich, doch Kinder sind eben Kinder. Und trotz jazuralanger Erfahrung, kann es bei Sprüngen durch Raumtore eben doch zu Problemen kommen, auch wenn das eher unwahrscheinlich und auch enorm selten ist. Während er so nachdachte, tauchte das Schiff in das Sprungtor ein. Ein kurzer kleiner Ruck ging durch das Schiff. Man merkte jedoch nicht wie das Schiff auf eine enorme Geschwindigkeit beschleunigte, aber man sah es. Die Sterne im All flogen nur so vorbei. Die Kinder jubelten, offenbar war es ihr erster Flug durch ein Tor. Ganz so, wie Kelters Flug. Er schaute hinaus und träumte. Plötzlich ruckte das Schiff stark. Theoretisch unmöglich und doch geschah es, das Schiff wurde aus der Torverbindung katapultiert und landete im freien Raum.
Die Geschwindigkeit drosselte sich auf normal herunter. Bei einem Express waren das noch 160 m/s. Alarmsignale ertönten im ganzen Schiff. Das Bordpersonal bat alle in ihren Sesseln zu bleiben. Die Kinder schauten ängstlich und auch der Rest in der Loge sah nicht glücklicher aus.
Die Argonen lernen von früh auf, daß das interstellare Reisen ungefährlich ist. Und wahrlich, so etwas passiert selten. Kelter stand auf und ging aus der Loge. Er wollte zum Kommandanten des Schiffes. Der kam ihm aber schon entgegen. Er wußte daß ein hochrangiger Ingenieur mit seinen Mitarbeiten an Bord war. Er wollte ihn gerade holen um das Problem zu besprechen. „Sind Sie Frank Kelter?“ fragte der Kommandant und schritt auf Kelter zu. „Ja. Guten Tag, das bin ich“ antwortete er „was ist passiert?“. „Ich bin mir nicht sicher, aber offenbar hat irgend etwas das Sprungereignis unterbrochen. Nun sitzen wir zwischen Argon Prime und Heimat des Lichts fest. Der Navigator berechnet gerade unseren Standpunkt. Kommen Sie doch bitte mit in die Leitstelle, ich denke Sie können uns helfen“ sagte der Kommandant, ein älterer Mann mit grauen Haaren. Kelter sah, daß er einige Erfahrung hatte. Er war kein Neuling der Akademie, sondern schon etliche Jazuras im All unterwegs.
In der Leitstelle angekommen, kam auch schon der Navigator: „Kommandant, wir sind genau zwischen beiden Systemen in den normalen Raum gesprungen. Im Umkreis von etlichen Lichtjazuras ist nichts, nur Leere“ sagte er. „Wie kann das nur sein“ schimpfte der Kommandant „so was ist mir in meiner Laufbahn noch nie passiert!“
„Schauen wir erstmal in den Navigationscomputer“ sagte Kelter ruhig. Er ging zum Pult, setzte sich und analysierte die Daten. „Offenbar ist alles in Ordnung“ sagte er „einen Fehler in der Software kann ich nicht erkennen, alles müßte korrekt funktionieren.“ „Ich denke wir sollten einen Notruf absetzen“ sagte der Kommunikationsoffizier von weiter hinten. „Eine gute Idee, denn in dieser Entfernung brauchen wir mit Normalantrieb 2 Jazuras bis Argon Prime, Sir“ antwortete der Navigator neben ihm und machte ein dunkles Gesicht.
Kelter war verwirrt. So oft er die Daten auch anschaute, es war alles in Ordnung, kein Fehler zu sehen. Die Torverbindung hätte nicht abreisen dürfen. „Haben wir genügend Vorräte an Bord?“ fragte Kelter den Kommandanten. „Ja, aber sicher nicht für 2 Jazuras. Wir haben Nahrung für eine Mazura und Energiezellen für die Systeme.“ antwortete dieser, sichtlich erschrocken von der Mittelung des Navigators. „Und sicher keinen Sprungantrieb“ mutmaßt Kelter. Der Kommandant zuckte mit den Schultern: „Nein, unüblich bei der Schiffsklasse. Kelter nickte, er wußte das. „Dann raus mit dem Notruf“ sagte er. Der Navigator setzte den Überlichtfunkspruch ab.
Wenige Mizuras später antwortete eine militärische Überwachungsstation am äußeren Rande von Heimat des Lichts: „Hier Fähnrich Salda von der militärischen Überwachungsstation XL-56.A in Heimat des Lichts. Wir haben ihren Notruf empfangen und leiten ihn umgehend an ihr Hauptquartier und die argonische Garnison weiter. Ist ihr Schiff beschädigt?“
Der Kommandant antwortete: „Hier der Personenkreuzer Issla der Eelkinnen Incorporated, Kommandant Erik. Nein, wir sind nicht beschädigt. Alle Passagiere sind wohlauf. Wir wurden aus dem Sprungereignis hinaus katapultiert und sind nun bei 1147850:164726:8680, gesehen von Eelkinnen Hauptquartier gelandet.“ Kurze Zeit verging, als die Station antwortete: „Sir, nach Ihren Angaben sind sie mitten im leeren Raum“
Der Kommandant wurde rot. „Das weiß ich selbst, Fähnrich. Wir haben keinen Sprungantrieb an Bord. Ohne diesen brauchen wir fast 2 Jazuras nach Hause. Also sparen Sie sich diese Feststellungen, die ich längst getroffen habe!“ Der Kommandant war zornig und schimpfte. Kelter, ein ruhiger besonnener Mann in den Vierzigern, beruhigte ihn. „Seien Sie unbesorgt, Kommandant alles wird gut“ Der Kommandant schaute ihn verständnislos an und fragte: „Sie haben gut Reden, wie sollen wir hier wegkommen Ihrer Meinung nach?“

Kelter antwortete nicht. Er prüfte abermals die Daten und das Inventar des Schiffes. Er wollte sehen, ob er ohne das Zutun von außen das Schiff hier wegbekäme. Er wußte etwas, was der Kommandat nicht wußte. Auch wenn er kein Glück hätte das Schiff ohne fremde Hilfe zu retten, würde die Firma alles tun um ihn und seine Mitarbeiter zu retten. Sie waren einfach zu wichtig für die Firma. Er wußte um die noch geheime Technologie des P2P- Sprungantriebes, den die Terraner und die Goner entwickelt haben und den angeblich auch das neue OTAS- Schiff der Firma besitzt. Da sie ihren Standpunkt im All und den Kontakt ins System „Heimat des Lichts“ hatten, dürfte es kein Problem sein sie heimzuholen. Kelter wußte aber nicht ob der Antrieb auf dem neuen Schiff einsatzbereit war. Außer ihm gab es diesen Antrieb nur auf der „Aran“, der mobilen Schiffswerft der Firma. Ob sie aber abkömmlich war, wußte er nicht. Während er nachdachte meldete sich der Navigator: „Kommandant, ich habe etwas auf den Langstreckensensoren“ Der Kommandant schaute ungläubig: „Sind Sie sicher?“
„Ja, schauen Sie!“ Der Kommandat und auch Kelter stellten sich hinter ihn. Auf dem großen Navigationsdisplay sahen sie weit draußen, grade im Grenzbereich der Scanner, etwas Großes. Und es näherte sich. Langsam zwar, aber es näherte sich. Der Navigator begann mit Schwitzen: „Es fliegt mit einer Geschwindigkeit von 56 m/s. Wenn es dabei bleibt ist es in 7 Stazuras hier“ Im Raum entstand Unruhe. In dieser Umgebung dürfte eigentlich nichts herumfliegen, man war im absoluten Nichts. Es gab keine Sprungtore, keine Stationen, keine Minen oder Asteroiden noch sonstwas. Nichts dürfte hier draußen unterwegs sein, was keinen P2P- Sprungantrieb hat, dachte Kelter. Es konnte als nur ein Terraner, ein Goner oder ein Schiff der OTAS sein, hoffte er innerlich. Der Kommandant erlangte wieder die Fassung. Er war ein impulsiver Mann, bemerkte Kelter. Ganz das Gegenteil von ihm.
„Navigator, nehmen Sie Kurs auf diese Überwachungsstation. Volle Geschwindigkeit. Kommunikationsoffizier, melden Sie den Kontakt an diese Station weiter. Sagen Sie ihnen daß wir nicht wissen was es ist.“ Das Schiff beschleunigte. Mizuras später verschwand das fremde Objekt vom Scannerdisplay. „Wenn es ein fremdes Schiff war, so hoffe ich daß es nicht mehr als die 56 m/s fliegen kann. Damit dürfte es uns nicht einholen“ bemerkte der Kommandant, der wieder in seinem Kommandostuhl saß.

Stazuras vergingen, Kelter und sein Team brüteten über den Plänen des Schiffes um festzustellen, ob man aus den Maschinen mehr herausholen kann. Der Expressfrachter war ein modernes Schiff. Meist verwendete man sie als Personentransporter. Die Firma unterhielt 300 solcher Schiffe, welche als Personenkreuzer der Abteilung „Reise ihres Lebens“ angeschlossen waren. Diese Abteilung war eine Art Reiseveranstalter mit Sitz im System „Antigone Memorial“. Sie organisierte Urlaubs-, Jagd,- und Abenteuerreisen im gesamten bekannten Raum und war damit höchst erfolgreich. Chef der Abteilung war der Großcousin des Firmeneigners Jasper Eelkinnen. Kelter lernte ihn nie kennen. Er sah ihn aber oft auf den großen Empfängen der Firma im Firmensitz auf Argon Prime. Kelter war technisch nie verantwortlich für diese Art Schiff. Die Schiffssysteme waren aber argonisch und somit kein Problem für ihn. Kelter und sein Team waren sich sicher, man konnte mehr Geschwindigkeit rausholen aus diesen Maschinen. Es dauerte zwar einige Stazuras, aber am Ende hatten sie Erfolg. Sie steigerten die Geschwindigkeit auf 203 m/s. Nicht viel, aber es würde die gesamte Reisedauer um 2 Mazuras verkürzen. Der Kommandant war zufrieden, auch wenn es aus seiner Sicht nichts helfen würde. Man hatte Nahrung und Wasser für einen Mazura, mehr nicht. Die zwei Mazuras weniger halfen also nichts. Kelter wußte daß es nichts bringen würde, aber die Tatsache daß das Tuning gelang, erhöhte die Moral deutlich. Und das war das wichtigste für ihn, denn er war sich sicher daß die Firma ihn und seine Leute holen würde und damit sie alle rettete.

Heimat des Lichts

Es ging drunter und drüber im Hauptquartier der Firma. Nicht nur daß das neue Schiff der OTAS- Kooperation eingetroffen war und zum Andocken ansetzte, nein, auch das erbeutete Kha’akschiff war im System angekommen und näherte sich der Station. Zur Sicherheit hatte die Firma zwei Titanzerstörer ins System geholt, welche das Schiff begleiteten. Keiner wußte ob es technische Fallen an Bord gab und das Schiff vielleicht plötzlich beginnen würde um sich zu schießen. In diesem Falle sollten die Zerstörer es kampfunfähig schießen.

Auch das argonische Militär war mit einem Trägerschiff zur Stelle. An Bord acht Geschwader der neusten Nova-Schiffe, sowie ein wissenschaftliches Expertenteam des argonischen Geheimdienstes. Sie und die eintreffendes Goner- und OTAS-Ingenieure warteten schon sehnsüchtig darauf, an Bord des Schiffes gehen zu können. Selbst die Boronen schickten eines ihrer wissenschaftlichen Schiffe zur Untersuchung. Der Fang war so spektakulär, daß auch das interstellare Fernsehen mit vielen Schiffen im System war, um Aufnahmen zu machen. Journalisten aller Völker waren da. Die Info, daß ein Kha’ak Schiff erobert wurde, machte rasend schnell die Runde. Als die Fregatte durch das Osttor von Trantor kommend ins System sprang, hielten alle Schiffe im System die Maschinen an, um es zu sehen. Auf der Kommandobrücke des Hauptquartiers der Firma standen die Manager und Offiziere des militärischen und wirtschaftlichen Arms der Firma und schauten durch die riesigen Fenster. Das Hauptquartier lag nahe dem Osttor, so konnten sie alles sehen. Auf der ganzen Station ruhten die Arbeiten, nur das Andocken des OTAS- Schiffes lief auf vollen Touren. Doch das war sekundär. Nun kam der Erfolg des Unternehmens durch das Osttor geflogen. Jeder wollte es sehen und sie sahen es voller Stolz. Der Anblick war überwältigend, das Kha’akschiff war gänzlich anders als die Schiffe der bekannten Völker. Es schimmerte blau-rot-rosa. Am Heck hatte es eine drehende Kugel von welcher Arme ausgingen die in sich verdreht waren. Der vordere Teil war starr, aber auch von ihm gingen Arme aus, die nach vorn verdreht waren.
Es war offenbar kaum beschädigt. Die Stationsscanner zeigten 35% Hüllenschaden, aber die Schilde waren bei 100% und trotz des Schadens flog es noch 153m/s. Schneller als die Titanzerstörer, die immer mehr zurückfielen. Ein „Ohh“ und ein „Ahhh“ ging durch die Menge der anwesenden Firmenmitglieder. Unter ihnen waren hochrangige Vertreter der einzelnen Unternehmungen von Eelkinnen Inc. Als die Fregatte Kurs auf das Hauptquartier nahm, klatschte der ganze Saale, man schüttelte sich die Hände und klopfte sich auf die Schulter. Fürwahr es war ein denkwürdiger Moment für die Firma.

Flottenadmiral Kayean saß in seinem Kommandosessel auf der Hauptbrücke und beobachtete den Anflug des Schiffes auf dem großen Plasmaschirm. Kayean war der oberste Flottenbefehlshaber des militärischen Armes des Unternehmens und er war verantwortlich für diesen Erfolg. Aber er war auch verantwortlich für die 305 toten Marines, die das Schiff gekapert hatten. Und trotz des Erfolges war ihm nicht Wohl. Er wußte zwar daß die Marines genau für so was ausgebildet wurden, aber nie zuvor hat man so viele von ihnen verloren. Das Kapern von Piratenfregatten war immer recht schnell und ohne nennenswerte Opfer vor sich gegangen. Als er der Odyssee den Befehl zum Kapern des Schiffes gab, riskierte er sein Kommando, seinen Rang und damit seine Pension im Alter. Er setzte alles auf eine Karte, als er den Befehl gab. Aber er hatte Erfolg. Ihm gelang das, was keinem anderen je gelang. Das Kapern eines Kha’akschiffes. Und dennoch, 305 tote Marines waren es. Und das ging ihm an die Nerven. Als alter langgedienter Soldat wußte er zwar, daß Bodentruppen und Entermannschaften gut versichert sind und deren Familien nach dem Ableben des Soldaten bis an das Ende ihres Lebens gewiß keine Sorgen mehr haben, aber wiegen Credits das Leben des Vaters, des Ehemanns oder des Sohnes auf? Er meinte nein, aber es war geschehen und ließ sich nicht rückgängig machen. Er stand auf und ging in die große Halle, wo der Rest der Ranghohen die Ankunft bestaunte. Hinter den sich an die Fenster drückenden Leuten, sah er seinen Adjutanten, Kapitän Meson stehen. Er ging zu ihm. „Kommen Sie bitte mit, Meson“ sagte er ihm. Meson erschrak. „Ja, Sir ich komme.“ Beide gingen zum Lift. Kayean wollte zum Hangar um die verbliebenen 82 Marines, die den Angriff überlebt hatten, in Empfang zu nehmen. 10 schweigsame Mizuras später, die Station war riesig, erreichten sie das Hangardeck für Großkampfschiffe und Überlichttransporter. Die Gänge waren voll, viele Dienstgrade salutierten vor ihm, andere rannten jubelnd in Richtung Hangar um es andocken zu sehen. Die Stimmung war riesig, denn viele der Angestellten der Station stammten aus dem System Trantor, welche vor dem Schlag der Kha’ak dicht besiedelt war. Für sie war ein besonderer Triumph.

Die Andockklammern für Großkampfschiffe lagen außerhalb der Station. Nur eine riesige Versorgungsröhre mit integrierten Transportgondeln und medizinischen, sowie militärischen Einrichtungen und Räumen führte dahin. Auch die Versorgungsröhre war gut besucht. Aber es waren keine Schaulustigen, sondern militärisches und medizinisches Personal. Vielen der übriggebliebenen Marines soll es sehr schlecht gehen, rief dem Großadmiral ein Stabsarzt im Vorbeigehen zu. Kayean wußte nicht was ihn erwartet, was war auf dem Schiff passiert fragte er sich. Schon bald sollte er es wissen. Kurze Zeit später legte das Schiff an. Die Marines hatten einen provisorischen Zugang in die Schiffshülle gebrannt und eine Luftschleuse improvisiert damit es überhaupt anlegen konnte. Als Kayean an die interne Stationsschleuse kam, gab es eben aus diesem Grund Druckverlust, der aber schnell kompensiert werden konnte. Als die Türen sich öffneten sah er den Schlamassel.

Die Marines, zumindest die die es noch konnten, schleppten sich gegenseitig aus dem Schiff. Vielen fehlten Gliedmaßen und sie bluteten stark. Die Sanitäter der Marineeinheit waren völlig überfordert. Die Ärzteteams nahmen sie sofort in Empfang und brachten die schwersten Fälle in die medizinischen Räume der Andockgondel um sie zu versorgen. Kayean half beim Tragen der Verwundeten, seine Uniform war über und über mit Blut beschmiert. Nachdem fast alle Soldaten versorgt waren setzte sich Kayean, um kurz zu verschnaufen. Der Anblick der verstümmelten Soldaten tat sein übriges zur Erschöpfung. Kayean war alt, er zählte 85 Jazuras und das hier war definitiv nichts mehr für ihn. Meson half ihm wieder hoch: „Kommen Sie Sir, wir sollten ins Innere des Schiffes gehen. Die wissenschaftliche Gruppe müßte noch an Bord sein“ Kayean stand auf, es ging ihm besser. Gemeinsam traten sie in das Schiff ein. „Warten Sie“ rief eine Stimme hinter ihnen. Es war ein junger Leutnant mit einem Verband um den Kopf, der ihnen nachlief. „Sir, ich bin Leutnant Selosa. Ich habe nun nach dem Tod von Hauptmann Kladson das Kommando über die Marineeinheit.“ Er salutierte kurz vor dem Großadmiral der dies erwiderte. „Was in aller Welt ist hier passiert, Leutnant?“ fragte der Großadmiral während der Leutnant sie durch die Gänge leitete. Überall lagen noch tote Marines die grausam zugerichtet waren. „Sir, als der Enterbefehl kam wußten wir nicht ob wir weinen oder lachen sollten. Aber Befehl war Befehl. Als die Schilde des Schiffes heruntergeschossen waren, transportierte man uns an Bord. Aus irgendwelchen Gründen landeten wir völlig verteilt in den Gängen des Schiffes. Zwei Kameraden materialisierten sogar in der Wand. Sie schrieen nur kurz und waren tot. Offenbar lenkte irgendwas unseren Materietransporter ab. Zu guterletzt kamen aber fast alle heil hier an. Über die persönliche Comm hielten wir untereinander Kontakt. Zu sehen war anfangs nichts, wir hörten nur dieses stetig schabende Geräusch. Wir liefen durch die Gänge, die Photonengewehre im Anschlag. Ich führte eine Kampfgruppe von 10 Mann an. Wir gingen langsam vor, viele hatten Angst weil keiner wußte was geschieht. Dann sahen wir sie. Wir hatten nur eine kurze Reaktionszeit, die Kha’ak bewegten sich unglaublich schnell auf uns zu. Wir erkannten sie nur schemenhaft und ungenau, als wir schossen. Die Photonengewehre verfehlten ihre Ziele nicht, ein unglaubliches Kreischen begann, so daß uns fast die Trommelfelle platzten. Das ging auf dem ganzen Schiff so, in der Comm herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ein vehementes Geschrei, das Erteilen von Befehlen hörte man nur teilweise. 10 Mizuras später war dann alles vorbei. Wir durchsuchten noch den Rest des Schiffes, aber wir fanden keine Kha’ak mehr. Selbst die Leichen der getroffenen Kha’ak fanden wir nicht, wir wissen nicht was aus denen wurde.“ Der Admiral unterbrach ihn: „Sie sagen daß sie keine toten Kha’ak fanden? Wie soll das möglich sein?“ „Ich weiß es nicht“ sagte der Leutnant. „Als wir das Schiff gesichert hatten, kam das Wissenschaftskommando an Bord. Sie übernahmen die Schiffssysteme. Ich war mit auf der Brücke – wenn man das so nennen kann – und sicherte dort mit meinen Männern die Arbeiten. Laut Aussage eines Wissenschaftsoffiziers soll wohl ein kleineres Schiff abgekoppelt haben, als sie mit ihrem Schiff ins System sprangen. Es verschwand dann in einem Sprungereignis“ Der Admiral war überrascht. Die Kha’ak besaßen also die P2P- Technologie auch auf kleinen Schiffen.

Das war eine immens wichtige taktische Information, denn damit waren die Kha’ak flexibler als die bekannten Völker, die Sprungtechnologie, wenn überhaupt, nur in größeren Schiffen und dann auch nur im Zusammenhang mit den Toren, besaßen. Während er grübelte, erreichten sie einen Raum der offenbar die Brücke des Schiffes sein sollte. Aber sie war anders, es gab keine expliziten Schalt- und Kommandotafeln oder große Bildschirme. Die Decke und die Wände des Raumes waren bestückt mit Prismen, die, ebenso wie das ganze Schiff, rot, rosa und blau schimmerten. In der Mitte stand ein riesiger schimmernder Monolith. Um ihn herum eine Art Tisch. Dies war offenbar das Kommandopult. Um es herum standen die wissenschaftlichen Offiziere, die das Schiff flogen und an der Kha’aktechnologie arbeiteten. „Ich grüße sie!“ sagte der Admiral laut. Die Offiziere schauten kurz auf und arbeiteten weiter. Nur einer löste sich von ihnen und kam auf den Admiral zu. „Sir, mein Name ist Major Julia Kenna. Willkommen an Bord!“ Jetzt erst erkannte der Admiral daß es eine Frau war. In der blauen Uniform und mit den streng nach hinten gekämmten Haaren erkannte er dies nicht gleich. „Danke, nun überraschen Sie mich bitte, Major. Sie scheinen keine Probleme mit deren Technologie zu haben, so scheint mir.“ Major Kenna sah etwas überrascht aus. „Aber Sir, ich dachte…“ Sie wurde jäh unterbrochen, als fünf Männer in schwarzen Uniformen den Raum betraten und laut grüßten. Alle Offiziere der Wissenschafts-gruppe hielten ein und schauten gespannt. Kayean drehte sich um. Vor ihm stand Sten Balder, der Chef des eigentlich inoffiziellen Teils der Firma, dem Geheimdienst DSA.

Der DSA unterstand weder dem militärischen noch dem wirtschaftlichen Arm der Firma, sondern direkt der Firmendirektion. Man versprach sich dadurch Unabhängigkeit in den Handlungen, von denen niemand wußte wessen Natur sie waren. Namentlich bekannt waren auch nur die obersten zehn Dienstgrade, von denen nun fünf vor Kayean standen. Eine geheime Gruppe, die Gerüchten zufolge überall ihre Finger im Spiel hatte. Nun waren sie hier, was Kayean nicht verwunderte. Die Chance Zugriff auf Kha’aktechnologie zu bekommen, rief zwangsläufig auch diesen, ihm unbeliebten, Teil der Firma auf den Plan.

„Willkommen!“ sagte Kayean nur knapp. Der Geheimdienst war ihm immer suspekt gewesen. „Wie ich sehe verschaffen Sie sich bereits einen Überblick über die Situation“ bemerkte Balder schnippig. „Das ist richtig. Der Major wollte mir auch gerade etwas antworten“ sagte Kayean sichtlich ungehalten, während er den Major ansah. Er wupßte: er hatte er keinen Einfluß und keine Befehlsgewalt wenn es um den Geheimdienst ging, aber immerhin war er der Flottenadmiral und er wollte Respekt. „Dann hoffe ich, daß Sie die richtigen Fragen gestellt haben, Herr Admiral“ sagte Balder. Seine vier Begleiter grinsten leicht. „Nun Major, sprechen sie weiter!“ sagte Kayean in Richtung des Wissenschaftsoffiziers. Diese, sichtlich unsicher, antworte auch gleich: „Sir, wir waren doch mit dieser Technik schon vertraut. Oder besser gesagt, wir hatten schon etwas Erfahrung.“ Kayean runzelte die Stirn.
„Wie bitte, woher haben Sie denn Erfahrungen mit Kha’aktechnologie?“ Der Major war nun noch unsicherer und schaute immer zu den Geheimdienstmännern hinüber. Balder, welcher recht vergnügt das Ganze beobachtete, mischte sich in das Gespräch ein. „Admiral, ich denke das Gespräch können wir zu Ende führen. Führen Sie ihre Arbeiten weiter, Major!“ Der Admiral drehte sich zu Balder und sagte: „Ich höre“.

Die folgenden Mizuras waren enorm aufschlußreich für Kayean, auch wenn er führwahr nicht amüsiert war. Offenbar hatte der Geheimdienst schon vor einem Jazura ein Kleinstschiff der Kha’ak, einen sogenannten Scout, gefunden. Er trieb ohne Pilot und schwer beschädigt in einem unbekannten Sektor am Rande des bekannten Raumes, weit außerhalb der Eliptik herum. Ein Frachter der Teladi fand ihn damals. Der Kapitän wußte mit seinem Fang nichts anzufangen und wollte ihn im System Profitabler Handel verkaufen. Es war nur ein Zufall, daß es ein Zuträger des Geheimdienstes war, der an diesem Tag auch auf der dortigen Handelsstation war. Er informierte umgehend seine Kontaktperson und erhielt die Genehmigung die Reste des Schiffes, von dem man damals nicht wußte ob es Kha’ak war, zu kaufen. So gelangte ein kleiner Teil Kha’aktechnologie in die Hände des Geheimdienstes und damit auch an den weiblichen Major.

Kayean war wütend als er und sein Adjutant zurück sein Büro gingen. „Wie kann es sein, daß ich als oberster Flottenkommandant so außen vor gelassen werde“ schimpfte er im Büro angekommen. Meson, sein Adjutant, zuckte nur mit den Schultern und wußte keinen Rat. Kayean lief auf und ab, als auf seinem Bildschirm eine Nachricht erschien. Er setzte sich und las. Sie kam vom Firmenhauptsitz auf „Argon Prime“. Es waren Anweisungen aus der Strategieabteilung der Firma. Sie stand in der Hierarchie noch über ihm. Er hatte zwar Vetorecht, aber was die Strategieabteilung entschied war meist unanfechtbar und durch ihn auszuführen. In dem Falle war es die Abkommandierung des neuen schweren OTAS-Zerstörers an die Invasionsgruppe, welche das System Achtzehn Milliarden befreit hatte, sobald der leitende Ingenieur Kelter, der auf dem Weg zum Hauptquartier war, dem Schiff sein OK gab. Langsam lösten sich die dunkeln Wolken im Kopf von Kayean. Wenigstens war die Entscheidung sinnvoll, dachte er. Die Invasionsgruppe um seinen alten Freund Selek brauchte dieses Schiff dringend, denn die Xenongefahr dort war allgegenwärtig. Nun mußte nur noch dieser Kelter her. Kayean setzte sich und wies seinen Adjutanten an, eine Verbindung zum Basisschiff „Aran“ in „Achtzehn Milliarden“ herzustellen. Meson verließ den Raum und wenige Mizuras später erschien das Gesicht Seleks auf dem Display auf Kayeans Tisch.

Sektor „Friedhofsruhe“ – eine Wozura früher

„Gehen Sie auf 15% der Geschwindigkeit und bringen Sie uns näher ran, Leutnant!“ Kapitän Scot steht aus seinem Kommandostuhl auf und geht langsam auf das große Display zu, welches die Trümmer zeigt, denen sich das Schiff nähert. „Schön langsam ran, nicht zu schnell. Starten Sie Drohnen, Fähnrich!“ Der Kapitän schaut angestrengt, aber die geringe Nähe zur Sonne macht sich auch hier bemerkbar. Man befindet sich schließlich recht weit draußen im System, und es ist wahnsinnig dunkel. „Es sind definitiv Trümmer eines Schiffes, dessen Spezifikationen wir nicht im System haben, Sir“ sagt Leutnant Marval, der leitende Wissenschaftsoffizier der „Custodian“. „Zeichnen Sie alles auf was möglich ist. Weißen Sie eine Drohne an, etwas vom Metall aufzusammeln. Stellen Sie Wissenschaftslabor Theta unter Quarantäne und schaffen Sie es dort hin“ weist Kapitän Scot an. Die Befehle werden rasch ausgeführt, kurze Zeit später erscheint ein schrilles Warnsignal. „Was ist das?“ ruft der Kapitän und springt aus seinem Kommandostuhl, in dem er schon wieder Platz genommen hatte. „Eine Energiesignatur, Sir. Schwach nur, aber existent. Es scheint sich um ein Waffensystem zu handeln!“ Die Stimme des wissenschaftlichen Offiziers wird heißer, so, als hätte er gerade erst begriffen was dies bedeuten könnte. „Ein Waffensystem?“ brüllt der Kapitän „Schilde auf Maxium!“ Ein leises Brummen verrät daß die Schilde der „Custodian“ hochfahren. Aber es ist falscher Alarm, wie sich kurz darauf herausstellt. Zwar handelt es sich offenbar um ein Waffensystem, aber die Signatur ist so schwach, daß es unwahrscheinlich ist daß von ihm Gefahr ausgeht. „Sicherheitsstufe 1. Bringen Sie es in Frachtraum. Riegeln sie alles ab. Ich komme zu Ihnen“ befiel Scot, als er sich dem Lift nähert.
Er will zum Frachtraum um zu sehen was sie da gefunden haben. Er ist aufgeregt, genau diese Momente sind es, warum er sich um den Kapitänsposten auf der „Custodian“ beworben hatte damals. Scot ist Doktor der Plasmaphysik, aber seine Gedanken trugen ihn schon immer hinaus ins All. Zuviel gibt es, was zu entdecken ist. Und er wollte federführend sein. Sein Wechsel zum Eelkinnen-Imperium brachte im letztlich den Erfolg. Er bekam das Kommando auf dem experimentellen Forschungsschiff, auf der „Custodian“. Dieses Schiff der OTAS-Kooperation war in jeder Hinsicht spektakulär. Zwar war es nur relativ leicht bewaffnet, aber seine Schilde, eine Weiterentwicklung der OTAS, waren für ein Schiff dieser Klasse verhältnismäßig stark. Ferner war es mit den neusten technologischen Entwicklungen bestückt. Dazu zählten nicht nur experimentelle Technologien wie der Quattroplex-Scanner, der die Sensorreichweite um ein vielfaches erweiterte, oder die brandneue Tarntechnologie, welche imstande war, das Schiff nicht nur vor Schiffssensoren, sondern auch durch Ablenkung der UV-Strahlen für das normale Auge unsichtbar zu machen, sondern es besaß auch eine immense wissenschaftliche, sowie archäologische Ausstattung, von der die Forschungsschiffe der bekannten Völker nur träumen konnten. Die „Custodian“ war ein Forschungsschiff durch und durch. Sein Auftrag war Erkundung jener Sektoren, die bisher nicht oder kaum karthografiert wurden. Ziel war es vor allem, neue Technologien und Rassen, oder die Überbleibsel derselben, aufzuspüren und zu erforschen. Zu diesem Zweck befanden sich an Bord nicht nur Argonen, Goner und drei Mitarbeiter der OTAS, sondern auch Boronen und einige Teladi. Alles Wissenschaftler und Archäologen, auf der Suche nach neuen Erkenntnissen.