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View Full Version : [TXU-KW] Boro Pi



enenra
14-01-2008, 07:29 PM
Das Geheimnis der Dämonen

„In drei Hrutak verlässt Ding Reichweite von Raketen!“, meldete Kril und drehte sich von seinem Bildschirm weg. Die sich zunehmend verfestigende Ahnung, dass man das unbekannte Objekt vielleicht nicht zerstören könnte, beunruhigte ihn ungemein. Gna t’Slln, das Familienoberhaupt, schien sich indes nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Auf seinem steinernen Hochsitz thronte Gna über den Kommandoraum seiner Raumstation und waltete erhaben über jeden Vorgang. Er erwiderte Krils Meldung, indem er seinen Blick fest auf ihn richtete. Aus seinen Augen sprach eine deutliche Warnung, seine Befehle nicht in Frage zu stellen. Kril wandte sich augenblicklich um und überprüfte seine Anzeige erneut: „Kurs unverändert! Ding fliegt zum Ring des Ruhmes!“
Gna wiegte seinen Kopf leicht zur Seite und strich nachdenklich über sein gelbliches Spitzbärtchen. „Split warten!“ befahl er, weiterhin keine Anzeichen von Unruhe zeigend. „Es wenden muss.“, erklärte er zum wiederholten Male. Gna registrierte aus den Augenwinkeln die zweifelnden und hasserfüllten Blicke seiner Untergebenen. Sie alle, einschließlich Gna, kamen allmählich zu der Erkenntnis, dass das fremde Objekt doch keinen weit gefassten Bogen machte, um Verfolger abzuschütteln, um dann schließlich doch durch eines der anderen Sprungtore entschwinden. Es wollte zum Ring des Ruhmes und war möglicherweise sogar von dort gekommen. Niemand wusste, was alles daraus folgen mochte, doch viele witterten ein mögliches Scheitern Gnas vor dieser Situation, eine Gelegenheit selbst die Macht über die Familie anzutreten. Das Oberhaupt hatte das Gefühl, diese spezielle gierige Unruhe seiner Leute förmlich ergreifen zu können, so deutlich hing sie in der Luft. Er nahm sich vor, bald ein paar Exempel zu statuieren.
Ansonsten ging er derselben Frage nach wie jeder andere in der Zentrale: Würde dieses Ding wirklich im Ring des Ruhms verschwinden? Jenseits dieses Sprungtores begann ein Areal des Weltalls, das von den Split bislang nur oberflächlich erkundet worden war. In der Frühzeit ihrer Raumfahrt hatten die Split um jeden Planeten, um jeden Mond, sogar um jeden Asteroiden erbittert gekämpft. Dann kam Gron t’Drrn. Lange Zeit zuvor waren er und seine Familie entehrt und verbannt worden. Er kam zurück, um Hodie, die stolze Heimatwelt der Split, in einem Hagel aus Atomraketen zu vernichten. Erst durch den nun einsetzenden Exodus wurde die Expansion der Split zielgerichtet. Nun kämpften sie um Rohstoffe und um Lebensraum, um die Existenz. Schließlich stellte sich jedoch der Zustand ein, dass jede Familie genug, mehr als genug besaß, um existieren zu können. Der Blick schwenkte wieder nach innen, jeder Clan neidete den Besitz des anderen. Was außerhalb des bekannten Raumes lag, interessierte niemanden mehr. Die Split wussten, dass die Galaxis gigantisch und das Universum unendlich war. Die Idee, es rein interessehalber zu erforschen, erschien Ihnen angesichts dieser Dimensionen nachgerade abwegig. Zudem war die schwarze Unendlichkeit in ihrer Vorstellung bevölkert von Monstern, Geistern und Dämonen. In jedem Raumhafen wurde schauriges Raumfahrergarn gesponnen von pelzigen Lhugs, die schlafenden Piloten das Gehirn aussaugten, von klobigen Khaak, die bevorzugt Kinder von innen auffraßen, von Ghoks, die im Weltraum lebten und größer waren als Orbitalstationen und vielen anderen phantastischen Wesen. Und über allen walteten die Bestien des Himmels mit ihren Sprungtoren, den Himmelsringen, wie die Split sie nannten. Die Split glaubten, dass die Bestien einst mit den anderen Dämonen um diesen Teil des Alls Krieg geführt hatten. Aus ihren Wunden regnete ihr ätzendes Blut auf die feuchte Erde Hodies nieder, aus der augenblicklich die ersten Split hervor wuchsen. Und sollten sich die Dämonen jemals wieder erheben, würden die Bestien die Split aufrufen, jene Wunden zu rächen, aus denen sie entsprungen waren. Allein zu diesem Zweck hatten sie für die Split die Himmelsringe geschaffen. Für Gna waren die Geschichten über all diese Unwesen jedoch nur lächerliche Mären.

Gna betrat das Labor mit finsterer Mine. In der Mitte des Raumes stand Hrol über einen Tisch mit allerlei Gerätschaften gebeugt. Sein weiter brauner Kittel kennzeichnete ihn als Wissenschaftssklaven. Er wandte sich um, als er den eintretenden Gna gewahrte. Er humpelte zur Seite, damit sein Herr die Dinge auf dem Tisch einsehen konnte und wartete. Gna musterte sie nur kurz, es waren kleinere bis winzige Häuflein verkohlter Materie, die teilweise metallisch schimmerten. Es waren die kümmerlichen Reste eines weiteren unbekannten Objektes, das eine Patrouille vor einiger Zeit im Orbit ihres Hauptplaneten entdeckt und abgeschossen hatte. Der größte Teil war daraufhin in der Atmosphäre verglüht, nur wenig konnte geborgen werden. Das Familienoberhaupt drehte sich zu Hrol herum und formte mit seiner linken Hand den Befehl, Bericht zu erstatten. Hrol deutete demütig eine Verbeugung an. Er war an einen Bildschirm herangetreten und betätigte einen kleinen Knopf, woraufhin auf dem Bildschirm die Abbildungen zweier ovaler Körper mit seltsamen flügelartigen Auswüchsen erschienen. Unter beiden standen mehrere Zeilen mit Lettern und Ziffern, die, wie Gna erkannte, weitestgehend identisch waren. Hrol erläuterte: „Er hier sieht Bilder der Fernortung von den unbekannten Dingen, Herr! Beide gleiches Gewicht, gleiche Größe und sandten gleiche Strahlung aus. Dinge von gleicher Bauart!“
„Bauart?“, fragte Gna nach.
„Ja, Herr! Es Maschinen sind.“ Hrol humpelte langsam zum Tisch zurück. Er deutete der Reihe nach auf die verkohlten Reste und erläuterte knapp: „Kabel, Platine, Spule, Röhre.“ Dann nahm er mit einer bedeutungsvollen Geste eines der unförmigen Gebilde auf und hielt es gegen das Licht der roten Deckenlampe. Es begann in vielen Farben zu funkeln.
„Was ist das, Hrol?“, verlangte Gna zu wissen.
„Glas, Herr!“, antwortete dieser. „Vermutlich Rest von Kamera.“
„Spionagesonden!“, folgerte Gna. Zornentbrandt riss er Hrol in die Höhe, schüttelte ihn wild und schrie ihm ins Gesicht: „Wer wagt es? Er spricht! Welche Familie mich will hintergehen?“
„Nicht konnte feststellen!“, erwiderte Hrol schnell. Er wies entschuldigend in die Richtung der verkohlten Reste: „Schaden zu groß. Aber…“ Er stockte.
„Aber…?“, wiederholte Gna.
„Nicht glauben, dass Sonden von Split gemacht, Herr!“
Über diese Eröffnung war Gna derart überrascht, dass seine Wut in Verwunderung verpuffte. Er setzte Hrol ab. „Sondern?“, fragte er.
„Von Dämonenschiffen, Herr!“, sagte der Sklave mit deutlichem Stolz in der Stimme. Er war fest davon überzeugt, eine bedeutende Entdeckung gemacht zu haben. Gna zischte verächtlich. Er ließ Hrol stehen und ging.
Die Dämonenschiffe gehörten zu den populärsten Figuren des Raumfahrergarns. Man erzählte, dass die Dämonenschiffe gelegentlich durch den Himmelsring im Orbit des Gasriesen Gho-Czman im Sektor Thuruks Bart in den Raum der Split eindrangen und Raumschiffe angriffen. Einige behaupteten sogar, sie hätten ein Dämonenschiff betreten, um mit seinen Piloten persönlich zu kämpfen. Sie berichteten, dass die Schiffe über Schlafgelegenheiten, Cockpits und Lebenserhaltungssystemen verfügten. Doch von der Mannschaft fehlte jede Spur, dennoch flogen und kämpften die Schiffe weiter, als sei die Mannschaft unsichtbar an Bord. Daher waren sich alle sicher, dass die Mannschaft aus Dämonen bestand. Für Gna waren die Schiffe eine Ausgeburt der Phantasie. Es gab seiner Ansicht nach keine Dämonen, und wenn es sie doch gab, bedurften sie keiner Raumschiffe und keiner Spionagesonden. Nein, für Gna stand fest, dass einer seiner Feinde jenseits des Ring des Ruhms eine geheime Basis eingerichtet hatte. Und er würde schon herausbekommen, wer dahinter steckte.

„Schilde, Herr?“, fragte Kril.
„Nein!“, donnerte Gna empört. „Ziel anvisieren, nicht schießen!“
Es waren einige Tage verstrichen, nachdem die Sonde verschwunden war. Gna hatte den Ring des Ruhmes daraufhin rund um die Uhr beobachten lassen. Sein Plan war recht einfach. Sobald die nächste Sonde erschien und sich auf ihren Rückweg begab, würde er sie mit einem Raumjäger verfolgen, um zu erfahren woher sie stammte. Schließlich war tatsächlich wieder eines der rätselhaften Raumfahrzeuge aufgetaucht. Jedoch war diesmal etwas anders, die Sonde hatte nämlich direkten Kurs auf die Raumstation genommen. „Einschlag in sechs Hrutak, Waffen bereit.“, meldete Kril.
„Er feuert, wenn herangekommen auf…“ Doch Gna konnte seinen Befehl nicht beenden, denn plötzlich drangen aus allen Lautsprechern in Kommandoraum seltsame schrille Klicklaute. Ihre Tonlage war sehr hoch, gelegentlich schienen sie auszusetzen, doch dann schmerzten den Split die Ohren.
„Was ist das?“, rief Gna über den Lärm hinweg. Hrol hatte eine Erklärung: „Sonde schickt Audioübertragung im Hochfrequenzbereich.“ Er trat vorsichtig an die Kommunikationsanlage und schloss die Verbindung. Augenblicklich wurde es wieder still im Raum. Gna stocherte mit einem seiner Finger in seinem noch immer schmerzenden Ohr herum: „Welch ehrlose und dumme Waffe.“ Er schüttelte sich.
„Dämonengesang“, murmelte Kril ehrfürchtig.
Gna ging darüber hinweg: „Wann Einschlag, Kril?“
Dieser überprüfte seine Anzeigen und stutze. „Er antwortet!“ drängte Gna.
Krill sah überrascht zu ihm auf. „Ja, Herr!“ Er zeigte auf seine Anzeige und fuhr fort: „Kein Einschlag. Ding knapp vorbei fliegt.“
Gna winkte den Wissenschaftssklaven hinzu. „Er erklärt diesen Kurs, Hrol!“
Der Sklave überflog den momentanen Kurs der Sonde, wie ihn der Stationscomputer darstellte und die aktuelle Geschwindigkeit des Objekts. „Es wendet.“, sagte er lapidar, wurde dann aber umgehend präziser: „Sonde umkreist Station, um Schwung zu holen, damit fliegt zu Mond Nork, wieder Schwung holend, um zurückzukehren zum Ring des Ruhmes. Wollte wohl nur Audiosignal übertragen.“
„Es stimmt!“, rief Kril, offenbar überrascht. Der Computer zeigte, wie der Kurs, dem die Sonde folgte, allmählich parabelförmig wurde und sie vorerst in die Richtung Norks führte. „Macht mein Jagdschiff startklar!“, befahl Gna

Gna klopfte mit seinem Handschuh auf die Seilwinde, die an der hochgeklappten Außenklappe der Frachtschleuse hing. Er und Hrol hockten in ihren Raumanzügen auf dem wild schaukelnden Jäger. Gna bediente die Winde, auf der sich das Stahlseil langsam wieder aufwickelte. Hrol hantierte mit diversen sonderbar anmuteten Messinstrumenten herum, zudem hatte er einen kleinen Computer dabei, mit dem er weiterhin auf die Schiffssensoren zugreifen konnte. Ab und an starrten beide Split auf das weite Meer hinaus, auf dem sie herumdümpelten.
Sie waren der fremden Sonde mehrere Tage gefolgt und hatten dabei drei Sprungtore passiert, längst hatten sie den Raum hinter sich gelassen, der ihnen bekannt war. Die Sonde kannte ihren Weg genau. In jedem Sektor vollführte sie drei oder vier präzise Swing-By-Manöver, zunächst um Tempo zu gewinnen, doch nach dem zweiten Tordurchgang, um zu bremsen. Gna und seine beiden Begleiter waren erleichtert, denn es zeigte an, dass sie bald ihr Ziel erreichen würde. Dann jedoch war etwas Unerwartetes geschehen. Die Sonde hatte einen kleineren Wasserplaneten angesteuert. Wahrscheinlich für ein letztes Bremsmanöver, hatte Hrol vermutet. Doch die Sonde schwenkte nicht in einen Orbit um den Himmelskörper ein, sie stürzte einfach darauf zu, schlug zischend auf der Oberfläche des planetaren Ozeans ein und versank wie ein Stein. Sie waren nun bereits fast einen vollen Tag hier und suchten vergeblich, die Sonde zu lokalisieren und zu bergen. Sie schien bis auf den Grund gesunken zu sein, und der lag in großer Tiefe. Bald würde ihr Proviant zu Ende gehen, sie mussten aufbrechen.
Plötzlich rauschte es im Helmfunk der Split. Aglokh, Gnas Neffen, welcher ihn und Hrol begleitete, hatten sie mittels der Seilwinde hinuntergelassen und zogen ihn nun wieder herauf. Er gelangte allmählich wieder in Reichweite ihrer Kommunikationsgeräte. Alsbald schwand das Rauschen verständlichen Wörtern. Aglokh schien, ohne Luft zu holen, in einem fort zu fluchen und Verwünschungen gegen seine Begleiter auszustoßen. Angefangen hatte er damit, als sein Onkel ihn für den Tauchgang eingeteilt hatte. Eine erniedrigende Arbeit, wie Aglokh fand. Er hatte verlangt, dass der Sklave diese Aufgabe übernehme, doch Gna bestand darauf, Hrol die Überwachung der komplizierten Messinstrumente zuzuweisen. Erst als das Stahlseil vollständig aufgewickelt war und Aglokh an seinem Sicherungshaken von der Frachtschleusenklappe baumelte, stellte er sein Tun ein. Nicht jedoch ohne seinem Onkel ein weiteres Mal seinen Hass kundzutun. Gna beantwortete diese Respektlosigkeit, für die er, wäre sie vor den Augen anderer geschehen, Aglokh grausam zusammengeschlagen hätte, lediglich mit einem bedrohlichen Knurren. Tatsächlich hatte er seinen aufmüpfigen Neffen auch gerade deshalb mitgenommen und ihn auf den Tauchgang geschickt, um ihn zu disziplinieren. Aglokh war ein fähiger Krieger, mit seiner Stärke würde er dereinst die Familie zu neuer Größe führen. Irgendwann würde er Gna herausfordern, ihn töten und seine Stelle einnehmen, und Gna wusste, dass dies für die Familie besser sein würde. Doch noch war der junge Krieger zu impulsiv. Solange er nicht gelernt hatte seine Kraft zu kontrollieren, musste sein Onkel seinem Ehrgeiz Grenzen setzen.
Nachdem Gna und Hrol den unfreiwilligen Taucher ausgeklinkt und auf das Schiff gezogen hatten, schwieg dieser. Er wandte sich demonstrativ von Gna ab und schaute angewidert auf den weiten Ozean. Gna wartete einen Hrutak ab, doch da Aglokh weiterhin schwieg, befahl er ihm, Bericht zu erstatten. Sein Neffe sagte weiterhin nichts und strafte Gna mit völliger Missachtung. Allerdings sah er deswegen auch den Schlag nicht kommen, den ihm dieser unerwartet in den Unterleib versetzte. Aglokh krümmte sich vor Schmerzen, verlor aber keine Zeit und holte sofort zum Gegenschlag aus. Dadurch geriet er aber aus dem Gleichgewicht, die nassen Stiefel seines Raumanzuges glitten von der Schiffshülle ab. Er stürzte über Bord. Doch Gna hatte ihm augenblicklich wieder gepackt und zog ihn hoch. „Er erstattet Bericht, Aglokh!“ presste er zwischen seinen Zähnen hervor.
Der Angesprochene wurde mit einem Male völlig ruhig, er sah zu Gna hinauf und tat wie ihm befohlen: „Sonde nicht geortet, Herr! Grund nicht erreicht, Druck zu hoch, Herr! Sonst nichts Auffälliges gefunden, nur eklig viel Wasser, Herr!“ Jedes „Herr!“ sprach er übertrieben gedehnt, seine Stimme verriet hingegen keinerlei weitere Erregung.
Gna bestätigte kurz mit einer schnellen Handbewegung. „Dann wir werden aufbrechen!“ entschied er. Ging aber noch einmal zu Hrol hinüber und fragte diesem, ob er noch etwas entdeckt hätte. Der Sklave ließ seine Geräte nicht aus den Augen, er schien fasziniert, aber auch beunruhigt: „Ja, Herr! Soeben hat ein großes Etwas sich im Wasser zu bewegen angefangen.“
Dem Familienoberhaupt blieb vorerst keine Gelegenheit, darüber nachzudenken, denn hinter seinem Rücken hörte er ein Geräusch, welches ihn verdächtig an das Entsichern einer Waffe erinnerte. Er benötigte nur einen winzigen Augenblick, um herumzufahren, seine eigene Pistole aus dem Halfter zu reißen und ebenfalls zu entsichern. Nun standen er und Aglokh sich Auge in Auge mit gezogener Waffe gegenüber. Aglokh grinste dämonisch.
Hrol sah entsetzt vom einen zum anderen. Ihn ängstigte die Vorstellung, der unbeherrschte Aglokh könnte nun die Führung des Clans übernehmen. Doch wie jedem Sklaven, blieb ihm in einem Kampf um die Position des Oberhauptes nur eine passive Rolle, galt doch die Ehre eines Split als für immer zerstört, wenn ihn ein Sklave kämpfend unterstützte. Die beiden Kontrahenten standen einfach da, als ob sie auf ein geheimes Zeichen warten würden. Schließlich riss Hrol ein plötzlich einsetzendes Piepen eines seiner Messinstrumente aus der Betrachtung der unheilvollen Szene. Nachdem er die Anzeige überprüft hatte, rief er aufgeregt: „Bei allen Bestien! Herren, da kommt…“
„Er schweigt, Sklave!“ brüllten Gna und Aglokh wie aus einem Munde. Kaum hatten sie diesen Befehl beendet, brach in unmittelbarer Nähe ihres Jägers etwas Riesiges durch die Wasseroberfläche. Sein Auftauchen verursachte ein paar größere Wellen, die das kleine Raumgefährt der Split arg ins Wanken brachten, weshalb sich alle drei zu Boden fallen ließen und sich dort festhielten. Gna und Aglokh hatten ihre Waffen reflexartig dem unbekannten Etwas zugewandt. Es Schien vollständig aus unregelmäßig verteilten, bunten Halbkugeln und organisch anmutenden Auswüchsen zu bestehen. Die wirkliche Größe ließ sich mit dem Auge nicht abschätzen, da der Hauptteil noch unter Wasser zu ruhte. Mit einem Mal erschienen rings um das Ding herum wie aus dem Nichts Kugeln matten weißen Lichtes, in deren Glanz die Farben des Kolosses glänzten und sich ständig veränderten. „Was ist das, Hrol, ein Monster?“ rief Gna.
„Nicht wissen, Herr! Es sich bewegt aus eigener Kraft. Vielleicht Tier, vielleicht Maschine.“
Die Lichtkugeln gerieten in Bewegung, die meisten umkreisten das rätselhafte Ding, einige aber flogen auch auf die Split zu. Gleichzeitig quoll der Helmfunk der Split über von den schrillen Klicklauten, mit denen sie bereits die Sonde malträtiert hatte.
Gna stieß einen Fluch aus, dann rief er: „Feuern!“
Er und Aglokh nahmen zunächst die sich nähernden Kugeln unter Beschuss, doch die Projektile sausten ungehindert durch sie hindurch. Sie schienen wirklich nur aus Licht zu bestehen. Da dies wirkungslos war, schossen sie stattdessen auf das massige Etwas. Die Kugeln verursachten beim Einschlag einen metallischen Klang, fügten dem Ziel aber keinen merklichen Schaden zu.
„Bordkanonen!“ schlug Hrol vor. Er hatte sich bereits zur Personenschleuse gerobbt und öffnete sie nun. Gna und Aglokh verständigten sich mit einem Blick, sprangen auf und stiegen zu dem Sklaven in die Schleuse. Um die Zeit, die der Druckausgleich erforderte, nicht zu vergeuden, befahl Gna dem Bordcomputer sogleich einen Notstart. Als sich die innere Schleusentür öffnete, war das knatternde Geräusch der einsetzenden Motoren bereits zu einem lauten Dröhnen geworden. Vor ihrer Cockpitscheibe raste die Wasseroberfläche vorbei, die Gischt streute Tropfen auf die Scheibe, die vom hohem Tempo augenblicklich, gerade Spuren hinterlassend, zur Seite abwanderten. Die drei Split lösten in Windeeile ihre Helme und warfen sie achtlos bei Seite, um die schrillen Laute, welche nach wie vor im Helmfunk zu hören waren, loszuwerden. Just in diesem Moment erreichte der Jäger die notwendige Geschwindigkeit um sich in die Lüfte zu erheben. Gna schwang sich in den Pilotensessel und übernahm die Steuerung vom Computer, nicht jedoch ohne sie von diesem zu ihrer Startposition leiten zu lassen. Dort angekommen fanden sie die See allerdings ruhig und verlassen vor, als sei nichts geschehen. Auch die Sensoren vermochten keine Spur der seltsamen Erscheinung ausfindig zu machen. Frustriert durchstocherte Gna ein großes Areal mit den Lasergeschützen des Schiffes und verdampfte mehrere Hektoliter Wasser, doch das Ding blieb verschwunden. Er griff nach seinem Helm und lauschte. Keine unangenehm hohen Tönen, es war völlig still.

Gnas Blick streifte den Bildschirm, der das Bild der rückwärtigen Kamera zeigte. Der Wasserplanet war nur noch ein blauer Punkt, kleiner als der Kopf einer Stecknadel. Dann sah er wieder nach vorne. Das Sprungtor war bereits zu erkennen, es funkelte wie ein Edelstein im Sonnenlicht. Neben ihm saß Aglokh und starrte lethargisch vor sich hin. Hrol hatte hinter ihnen Platz genommen und überwachte das Gravidar. Seitdem sie aufgebrochen waren, hatte keiner von ihnen ein Wort über die Ereignisse auf dem Planeten verloren.
„Wann erreichen Himmelsring, Hrol?“, verlangte Gna zu wissen. Als Pilot hatte er zwar die nötigen Angaben auf seinen eigenen Armaturen, allerdings wünschte er irgendwie das Schweigen im Cockpit zu brechen, da es an seinen Nerven zerrte.
Hrol war über die unnötige Frage nicht verwundert: „Knapp zwei Hrutak, Herr!“ Gna bestätigte per Handzeichen. Er dachte über eine vergleichbar unbefangene Frage nach, die er seinem Neffen stellen konnte, als Hrol unvermittelt ausrief: „Libsluth!“
Gna sah sich perplex um. Er hatte seinen Wissenschaftssklaven noch niemals fluchen gehört. Er fasste sich jedoch schnell wieder und fragte streng: „Was er hat, Hrol!“
„Aktivität am Himmelsring!“
Gna und Aglokh richteten sich umgehend in ihren Sitzen auf und verkrampften sich an ihren Konsolen. Aglokh an der Waffenkontrolle, sein Onkel an den Steuerkugeln. Angespannt spähten sie in die Richtung der glänzenden Struktur des nahen Sprungtores.
„Licht vom Ring uns erreicht in wenigen Olvat.“, meldete Hrol und überbrückte mit seinem Satz diese kurze Zeit sogleich. Er rief das Bild auf dem kleinen Bildschirm unterhalb der Frontscheibe auf und ließ es durch den Computer vergrößern. Die drei Split hefteten ihren Blick darauf. Durch den weiten Bogen des Himmelsrings schob sich eine gewaltige, klobige Struktur von überwiegend dunkelgrüner Färbung, wobei überall Einsprengsel in anderen Farben zu erkennen waren. Aglokh deutete viel sagend auf die auf dem Bild untere Seite des Objektes, sie besaß exakt dieselbe Form wie das Ding, dem sie auf dem Planeten begegnet waren. Nun konnten sie zudem erkennen, dass es sich um ein Raumschiff handelte, denn es stieß eine milchig weiße Flammenzunge aus, welche es durch das All schob.
„Ist das ein Dämonenschiff, Hrol?“, fragte Gna unsicher. Zum ersten Mal in seinem Leben neigte er dazu, den wilden Geschichte der Raumfahrer zu glauben.
„Nein, Herr! Laut allen Sichtungen Dämonenschiffe grau und kantig sind. Nicht wissen, was das für Schiff.“
„Größe nach zu urteilen, schwerer Zerstörer.“, schaltete sich Aglokh ein.
„Ja.“, bestätigte Gna diese Einschätzung knapp. Er überprüfte seine Anzeigen: „Es Kurs auf uns genommen hat. Er sagt mir wie es ist bewaffnet, Hrol!“ Er hörte wie der Angesprochene hinter ihm eifrig mehrere Schaltflächen bediente, dann wurde es still. Gna drehte sich um und konnte eine Mischung aus Verblüffung und Angst in der Mine des Sklaven lesen. „Hrol?“ wiederholte er ungeduldig.
„Es scheint Waffen verbergen zu können, Herr!“, erklärte er hastig. „Sensoren erkennen nicht genug spaltbares Material an Bord für Atomwaffen, erkennen auch keine Antimaterie. Oberflächenanalyse findet keine Raketenluken, findet keine Einrichtungen zum Emittieren schwerer Laserstrahlen.“
Gna strich sich nachdenklich über den Bart. Plötzlich schnaufte er angewidert: „Waffen vorm Feind verstecken, wie ehrlos.“
Dann erklangen die den Split bereits bekannten hohen Klicklaute wieder. Aglokh hielt sich entsetzt die Ohren zu, während Gna zufrieden lächelnd den Bordcomputer anwies, diese Audioübertragung nicht anzunehmen. Bevor Aglokh seine Hände zurück an die Waffenkonsole legen konnte, hatte sich Gna diese herangezogen. Sein Neffe kommentierte dies mit einem neidischen Knurren. „Ihr wollt doch nicht mit Jäger einen Zerstörer angreifen, Herr?“, rief Hrol.
„Split nicht laufen weg, Sklave!“, donnerte das Familienoberhaupt, sein Gesicht verfärbte sich dunkel vor Wut. An sich teilte er Hrols Bedenken. Er fühlte sich an ein Gleichnis des großen Philosophen Ghus erinnert. Es handelte von einem Krieger, dem des Nachts in der Nähe seines Dorfes ein Ghok begegnete. Der Krieger hatte keine Waffe bei sich außer einem kurzen Dolch, mit welchem er das Tier nicht ernsthaft verletzen konnte. Er hatte die Möglichkeit zum Dorf zurück zu laufen, die anderen Krieger hinzu zu rufen und sich einen Speer zu holen, doch er tat es nicht, da es für eine feige Flucht hielt. So fraß denn der Ghok erst den Krieger, brach dann ins unbewachte Dorf ein und verspeiste alle Bewohner. Ghus hatte das Verhalten des Kriegers als feige bezeichnet, er hätte zuviel Angst davor gehabt seine eigene Ehre zu schmälern, dass er in unverantwortlicher Weise das Leben derer, die er schützen sollte, in Gefahr gebracht hatte. Wahrlich schien es sinnvoller zu sein, die Information über diese neue Bedrohung zu den Split zu bringen, doch wollte Gna im Augenblick jedes Verhalten vermeiden, wegen dem ihn Atglokh später der Feigheit bezichtigen konnte.
Er überlegte. Der Feind war völlig unkalkulierbar, wichtig war zunächst, ihn seine Waffen zeigen zu lassen, bevor sie direkt aufeinander stießen. Gna feuerte daher eine Salve Raketen ab. Das fremde Schiff veränderte umgehend seinen Kurs minimal. Gna ließ den Computer die neue Bahn berechnen. Schweiß trat ihm auf die Stirn, als er das Ergebnis sah. Das fremde Schiff wich den Raketen nicht aus, es versuchte sie noch schneller zu erreichen, leitete aber ansonsten keine Schritte ein. Gna lachte nervös: „Es demonstrieren will, dass sechs Raketen ihm nichts anhaben können. Es will wohl mehr.“ Er entriegelte die letzte Sicherung der Waffenkontrolle und schoss alle verbliebenen Raketen zugleich ab. Wieder ließ er den Computer die Flugbahnen prüfen. Das fremde Schiff vollführte keine weitere Kursänderung, es flog stur dem Schwarm von Raketen entgegen. Gna schaute sich zu seinen Begleitern um, diese starrten ausdruckslos auf die Projektion der Flugbahnen. „Es nicht scheint zu sein beeindruckt.“, stellte Aglokh mit belegter Stimme fest.
Doch mit einem Male verschwand das fremde Schiff vom Gravidar. „Was…“, begann Gna, kam aber nicht weiter. Reflexartig zog er wie die anderen die Hand vors Gesicht, weil eine plötzlich einsetzende Helligkeit ihn blendete. Das unbekannte Raumgefährt war in einem gewaltigen Feuerball verglüht, der im luftleeren Raum augenblicklich wieder erstickte. Ungläubig drehte sich Gna zu Hrol herum: „Hat erste Salve Schiff zerstört?“
Der Sklave sah sich die Projektion der Flugbahnen an. Diese hatte sich zu einem wilden Wirrwarr gewandelt, da der Computer alle Trümmer des Schiffes verzeichnete. Hrol suchte die Bahnen der Raketen heraus und antwortete ebenso erstaunt wie sein Herr: „Nein, erste Rakete allein hat Schiff zerstört, Herr!“
Die drei Split sahen sich fassungslos an. In den Augen der Anderen lasen sie ihre eigenen unausgesprochenen Fragen. Wie konnte ein Zerstörer durch eine einzige Rakete besiegt werden, und warum hatte sich das Schiff nicht gewehrt?
„Seht, Herr!“ unterbrach Hrol die Stille. Er zeigte wieder auf die Darstellung der Flugbahnen. Die Raketen flogen stur geradeaus, um in einigem Abstand die Selbstzerstörung zu aktivieren. Die Wrackteile stoben ringförmig auseinander. Gna wollte gerade fragen, was daran so Besonderes wäre, als ihm ebenfalls auffiel, dass es unter den Objekten eine dritte Gruppe mit eigenem Bewegungsmuster gab. Vier kleinere Körper gleicher Masse verließen das Zentrum der Explosion auf parabelförmigen Bahnen, die sie gezielt an den Trümmern vorbeiführten.
„Sind das Raketen, Hrol?“
Dieser konnte momentan nicht viel mehr als die Form der Objekte feststellen und mutmaßte daher: „Vielleicht Fluchtkapseln, Herr.“
Gna ließ seine Hände wieder in die Steuerkugeln gleiten. Er wies auf dem Gravidar auf jenes der vier Objekte, das ihnen am nächsten war und erklärte, dass er es abzufangen gedenke.
Sie hatten etwa den halben Weg geschafft, als die angesteuerte Fluchtkapsel ihren Kurs verändert. Hrol rief die Daten ab: „Es auf uns zufliegt, Herr.“
„Genau wie es auf Raketen ist zugeflogen.“, murmelte Aglokh. „Es scheint sterben zu wollen.“ Er grinste.

Die Kapsel sah aus wie ein flacher, breiter Pilz, wobei der Hut des Pilzes etwa dreimal so lang war wie ein Split hoch. Damit passte die Konstruktion so eben noch in den Frachtraum des Jägers. Die Oberfläche war von kleinen Furchen durchzogen, die sich ohne erkennbares Muster über die Metallhaut zogen und dem Gebilde ein organisches Aussehen verliehen. Andere Vertiefungen, die auf Schotts, Schleusen oder ähnliches hinwiesen, waren für die drei Split, die sich außen um die Kapsel herumzwängten, nicht auszumachen.
Schließlich entschied Gna, die Kapsel kurzerhand aufzusprengen. Eine kleinere Sprengladung wurde daher an der Seite angebracht und Hrol erzeugte vermittels des Schildgenerators ein Kraftfeld im Frachtraum, das der Detonation die Richtung vorgab. Diese riss ein Loch in die Wand der Kapsel, und als Hrol daraufhin das Kraftfeld deaktivierte, entströmte der Kapsel eine größere Menge Wasser, das den Frachtraum knietief auffüllte. Gna ging ehrfürchtig auf die freigelegte Öffnung zu. „Gna t’Slln erster Krieger, der leibhaftigem Wasserdämon entgegentritt.“, kommentierte er stolz.
„Nein!“ vernahm er eine Stimme hinter sich. Er spürte eine seltsame Wärme, die seinen Körper vom Rücken bis zum Brustkorb durchzureißen schien. Wie in Trance fasste er sich an die Brust, sein Blut lief ihm durch die Finger. Er brach in die Knie, während Aglokh sich an ihm vorbei zur Öffnung bewegte und lässig seine Pistole in den Halfter schob. „Die Ehre gebührt Aglokh t’Rsst.“, sagte er kalt.
Gna sah seinen Neffen durch das Loch ins innere der Kapsel steigen und Hrol ihm unsicher folgen. Dann fluchte er noch einmal, fiel nach vorne und versank tot im Wasser.

enenra
14-01-2008, 07:30 PM
Aglokh sah sich misstrauisch in der Kapsel um, in der das Wasser nun ebenfalls knietief stand. Er musste wegen ihrer geringen Höhe gebückt gehen. Die Wände waren überzogen mit bunten Lämpchen und fremdartige Apparaturen, deren Sinn sich Aglokh verschloss. Einen Piloten sah er nicht, doch dann stieß sein Fuß auf ein glibberiges, weiches Etwas. Er sah hinab und erspähte ein seltsames Wesen, das sich unter einer sackförmigen Konsole versteckt hatte und nun hervorkam, sich dicht am Boden hielt, um komplett vom Wasser bedeckt zu bleiben. Es besaß sechs handlose Arme, einen unförmigen bärtigen Kopf mit großen schwarzen Augen. Einen wirklichen Unterleib besaß es nicht, wurde nach unten hin einfach immer schmaler. Aglokh wich angewidert zurück. Da stieß das Wesen leise einige der für Split so unangenehmen hohen Töne aus, die sich jetzt, als sie aus dem Wasser heraus quollen, weniger schrill anhörten. Tatsächlich ließen sich unterschiedliche Laute klar unterscheiden. Aglokh antwortete mit einem wütenden Schrei. Das Wesen verstummte augenblicklich.
Aglokh baute sich, soweit es ging, vor dem Wesen auf und rezitierte die alte Formel, mit welcher Krieger der Split seit Beginn der Raumfahrt einen anderen Piloten zum Kampf aufforderten, um dessen Schiff im Zweikampf zu gewinnen. Dieses Ritual überließ dem Herausgeforderten das Recht, den ersten Schlag zu führen, und so wartete Aglokh auf eine Reaktion des Wesens. Es rutschte jedoch nur ein bisschen auf dem Boden hin und her und sah den Split neugierig an.
„Warum nimmt es Herausforderung nicht an?“, brüllte Aglokh. Aus Sicht eines Split war dies eine große Beleidigung. Der Herausgeforderte zeigte dem Herausforderer damit, dass er ihn nicht für einen würdigen Gegner hielt.
„Vielleicht es Euch nicht versteht.“, warf Hrol unsicher ein.
Diese Überlegung irritierte Aglokh. Sein Gegenüber war doch schließlich ein Dämon, dachte er, und Dämonen verstehen alle Sprachen. „Es mich wird verstehen!“ schrie er und schleuderte das Wesen mit einem Fußtritt quer durch den Raum. Dann wartete er auf ein Kontern, doch blieb dieses weiter aus. Die seltsame Kreatur fing nur an, zu quieken, schaute ansonsten den Split tatenlos an, wozu es nun nur noch ein Auge benutzen konnte. Das andere lief als schwarzer Eiter aus. „Es hat sich zu wehren!“ kreischte Aglokh hysterisch, während er weiter auf das Wesen eintrat.
„Vielleicht es nur kann kämpfen im Wasser.“, meldete sich der Sklave erneut.
Dies schien seinem Herrn einleuchtend. Umgehend ließ er sich fallen und tauchte unter die niedrige Wasseroberfläche. Tatsächlich wurde das Wesen nun sofort aktiv, es schwamm heran und fingerte mit seinen Tentakeln nach Aglokhs Kopf, hob diesen dann aus dem Wasser und stützte ihn. Dabei tauchte es selbst zweimal kurz auf und rief etwas, das sich wie „Bo!“ anhörte. Aglokh verhaarte einige Augenblicke verdutzt in der Haltung, in die ihm das Wesen versetzt hatte. Es ließ ihm bei jeder seiner Bewegungen gewähren, nur seinen Kopf drückte es immer wieder aus dem Wasser, sobald er erneut unterzutauchen versuchte. Es dauerte einige Augenblicke bis Aglokh klar wurde, dass das Wesen scheinbar versuchte, ihn vor dem Ertrinken zu retten.
Er setzte sich ruckartig auf, umfasste den dünnen Hals des Wesens mit einer Hand und zog es daran aus dem Wasser: „Es hat nicht zu retten, es hat sich zu wehren!“
Das Wesen winselte „Ron! Ron!“ und tastete mit seinen Tentakeln nach dem Wasser. Schließlich ließ Aglokh es wieder fallen, trat es erneut und wartete vergeblich auf eine Reaktion. Er wurde rasend, schlug und trat immer wilder auf den glibberigen Körper ein und wiederholte fortwährend: „Es hat sich zu wehren!“ Erst als Hrol nach einigen Hrutaks vorsichtig „Herr!“ sagte, kam er wieder zu sich. Er stand in einem blutigen Matsch, der vormals das fremde Wesen gewesen war. Es sah auf sein Werk hinab und ekelte sich vor diesem Wesen, das sich schlagen ließ, wie es kein Sklave geduldet hätte. Er hasste dieses Wesen, das seine Herausforderung partout nicht annahm und ihn so um die Ehre eines Sieges gebracht hatte. Und er hatte Angst vor einem Wesen, das einfach durch seine Gegenwart die alten tradierten Ehrbegriffe seines Volkes völlig in Frage stellte. Ja, gestand er sich ein, er hatte Angst vor diesem … diesem Bo-Ron-Ding.